Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Risikofaktoren: Wie entstehen Leukämien?

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Die Ursachen der Leukämieentstehung sind bisher nur teilweise bekannt und lassen sich bei den meisten Patienten im nachhinein auch nicht feststellen. Dies kann sowohl eine gewisse psychologische Belastung darstellen wie auch einen Trost: Lässt sich eine individuelle Ursache nicht feststellen, bedeutet dies auch, das betroffene Patienten nichts falsch gemacht oder durch ihren Lebensstil ihr Krebsrisiko besonders erhöht hätten.

Zwar sind durch wissenschaftliche Untersuchungen einige Risikofaktoren wahrscheinlich, darunter radioaktive Strahlung, genetische Faktoren, Chemikalien oder bei einigen Unterformen auch Viren. Sie lassen sich in der Vorgeschichte der meisten Patienten aber nicht nachweisen. Die meisten Patienten werden auch gemeinsam mit ihren Ärzten nie klären können, was genau bei ihnen die Erkrankung ausgelöst hat.

Genetische Faktoren

Leukämien sind nicht im eigentlichen Sinne erblich. Allerdings deutet das gehäufte Auftreten in manchen Familien darauf hin, dass möglicherweise eine genetische Veranlagung für die Erkrankung eine Rolle spielt. Bei bestimmten Veränderungen der 46 Chromosomen im Zellkern in Form oder Zahl werden ebenfalls vermehrt Erkrankungen an Leukämie beobachtet. So haben Menschen mit Trisomie 21 oder Down-Syndrom – bei ihnen ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden – ein 20-fach erhöhtes Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken. Weitere extrem seltene erbliche Erkrankungen mit erhöhtem Leukämierisiko sind die Fanconi-Anämie und das Li-Fraumeni-Syndrom. 

Zwar sind in Leukämiezellen immer genetische Veränderungen mit Brüchen und Neukombinationen von Chromosomen nachweisbar. Sie entstanden bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten aber erst im Lauf des Lebens. Das bekannteste Beispiel ist das Philadelphia-Chromosom, das in den Leukämiezellen von Patienten mit CML in 90 Prozent der Fälle vorkommt: Ein Stück von Chromosom 22 ist mit einem Stück von Chromosom 9 ausgetauscht. Das auf dem Chromosom 22 dadurch entstehende "Fusionsgen" ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass aus der betroffenen Zelle eine Leukämiezelle wird. Es enthält das Programm für ein Eiweiß, das ungebremst Wachstumssignale in die Zelle gelangen lässt. Dieser genetische "Fehler" ist nicht angeboren, und er wird auch nicht weitervererbt.

Radioaktivität und Röntgenstrahlen

Radioaktive Strahlen können, wie von den Folgen der Atombombenkatastrophen von Hiroshima und Nagasaki bekannt, das Auftreten besonders von akuten Leukämien fördern. Die energiereiche Strahlung verursacht Schäden am Erbmaterial, die letztlich zur Entwicklung von Krebs führen können. Zellen, die sich häufig teilen, wie die des Knochenmarks, sind empfindlicher gegenüber Strahlenschäden und die Umwandlung in Krebszellen macht sich naturgemäß schneller bemerkbar. Die Rolle, die eine sehr schwache Strahlung im Alltag spielt, zum Beispiel auch die häufiger Röntgenuntersuchungen, ist dagegen weniger klar. Hier steht bei den medizinisch notwendigen Untersuchungen die Abwendung eines Schadens vor der Vermeidung eines nicht genau bezifferbaren Krebsrisikos.
Bei den meisten Leukämiepatienten lässt sich in ihrer Vorgeschichte keine ungewöhnliche Strahlenbelastung finden.

Chemische Substanzen

Verschiedene chemische Substanzen können die Entstehung einer Leukämie fördern. Zunächst sind hier das in der Industrie häufig verwendete Lösungsmittel Benzol und verwandte Stoffe zu nennen. Diese Stoffe werden daher heute nur unter besonderen Schutzbedingungen am Arbeitsplatz eingesetzt oder sollen gar nicht mehr verwendet werden. Aber auch manche Medikamente, die zur Behandlung von Krebserkrankungen notwendig sind (Zytostatika, vor allem so genannte Alkylanzien), können langfristig die Entwicklung einer Leukämie als sogenannter Zweitkrebserkrankung begünstigen. Nutzen und Risiken der Anwendung solcher Medikamente müssen also von den Ärzten sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Auch hier gilt: Die Mehrzahl der Leukämiepatienten ist nie nachweislich mit solchen Chemikalien oder Arzneimitteln in Kontakt gekommen.

Viren

Zum Weiterlesen

Es ist schon seit längerem bekannt, dass bestimmte Viren bei Katzen, Hühnern, Mäusen und Affen Leukämien verursachen können. Beim Menschen allerdings ist der Zusammenhang zwischen einer Virusinfektion und der Erkrankung an Leukämie bisher nur für eine hierzulande extrem seltene, vorwiegend in Japan vorkommende Leukämieform gefunden worden: Die HTL-Viren I und II werden mit der Auslösung der sogenannten Humanen T-Zell-Leukämie in Zusammenhang gebracht. Bei allen anderen Leukämien gibt es bisher keine ausreichenden Anhaltspunkte, dass Viren oder andere Krankheitserreger ursächlich an der Erkrankung beteiligt wären. Mit Ausnahme der seltenen HTLV-bedingten Leukämie, wo die ursächliche Rolle der Virusinfektion bekannt ist, sind Leukämien nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht ansteckend oder übertragbar, weder durch Berührung noch durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Patienten.

Kann man einer Leukämie vorbeugen?

Da in der Mehrzahl der Fälle keine Ursache für die Entstehung einer Leukämie festgestellt werden kann, besteht die einzige Vorbeugungsmöglichkeit derzeit darin, die bekannten Risikofaktoren wie Benzol und hohe Dosen radioaktiver Strahlung zu meiden. Dies ist auch Inhalt entsprechender gesetzlicher Bestimmungen. Durch andere Maßnahmen oder Verhaltensweisen, etwa durch eine gesunde Ernährung, kann das Risiko für eine Leukämie derzeit nicht nachgewiesen beeinflusst werden. So gibt es weder aus den aktuellen Ernährungsstudien noch aus anderen Untersuchungen zum Einfluss des Lebensstils Hinweise, die zur Vorbeugung einen sinnvollen Anhaltspunkt ergäben.



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Seite drucken   ganzes Thema drucken    Zuletzt aktualisiert: 25.08.2002