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Mit energiereichen Strahlen lassen sich bösartige Zellen zerstören oder in ihrem Wachstum hemmen. Die Strahlen schädigen das Erbmaterial der bestrahlten Zellen. Viele Krebszellen besitzen ein weniger gut arbeitendes Reparatursystem als gesunde Zellen. So können empfindliche Tumorzellen Schäden, die durch die Strahlen hervorgerufen wurden, nicht mehr beheben – sie sterben ab. Die Strahlen- oder Radiotherapie ist zusätzlich zur operativen Entfernung des Tumors und zur medikamentösen Therapie die am häufigsten angewendete Behandlung bei Brustkrebs. Sie ist den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt und verbessert worden.
Meist wird von außen durch die Haut bestrahlt. Diese so genannte perkutane Strahlentherapie ist heute dank verschiedener technischer Verbesserungen präziser und verträglicher als früher. Eine besonders genaue Form der Strahlentherapie ist die so genannte intensitätsmodulierte Bestrahlung, bei der durch komplizierte Berechnungen die Strahlendosis exakt auf den gewünschten Bereich begrenzt wird. Zum Beispiel lässt sich dadurch bei linksseitigen Tumoren das Herz vor der Strahlenbelastung schützen. Es ist auch möglich, für eine kurzzeitig verstärkte Strahlendosis, einen so genannten Boost, eine Strahlenquelle kurzzeitig in die Brust einzubringen. In Studien untersuchen Brustkrebsexperten und Radiologen den Nutzen einer solchen intraoperativen Strahlentherapie - einer gezielten Bestrahlung, die nach der Entfernung des Tumors noch vor dem Wundverschluss direkt auf den Operationsbereich gerichtet wird. Der Vorteil besteht in der frühzeitigen Anwendung der Bestrahlung und in der Schonung der Haut. Eine unter dem Brustmuskel eingelegte Bleiplatte schützt die Brustwand, Lunge und Herz.
Die Strahlenbehandlung dient der Zerstörung von Krebszellen, die nach der Operation möglicherweise zurückgeblieben sind. Nach brusterhaltender Operation ist sie derzeit Standard. Bestrahlt wird die gesamte Brust. Auf die Stelle, wo der Tumor saß, wird in der Regel eine zusätzliche Dosis gegeben, ein so genannter „Boost“. Die Bestrahlung senkt das Risiko eines Tumorrückfalls in der Restbrust deutlich: Statt 30 bis 40 von 100 Frauen erleiden innerhalb von zehn Jahren nach der Erstbehandlung nur fünf bis zehn ein solches Lokalrezidiv. Selbst Frauen mit einem insgesamt sehr geringen Risiko, wie beim In-Situ-Karzinom, profitieren von der Bestrahlung, wenn der Tumor größer als zwei Zentimeter war, kein ganz niedriges Grading hat und nicht mit einem Sicherheitsabstand von mindestens einem Zentimeter entfernt werden konnte, so die Leitlinie der Fachgesellschaften von 2004.
Falls keine Chemotherapie durchgeführt wird, beginnt die Strahlentherapie nach Abschluss der Wundheilung, also innerhalb von vier bis acht Wochen nach der Operation, ansonsten nach der Chemotherapie. Eine Hormontherapie beeinflusst den Bestrahlungsbeginn nicht. Die Behandlung findet über einen Zeitraum von rund sechs Wochen statt. Die Patientin kommt an mehreren Tagen der Woche zur Strahlentherapie in die Klinik oder die Strahlentherapiepraxis, wobei jeweils ein kleiner Teil der gesamten Dosis verabreicht wird: Diese Vorgehensweise nennt man fraktionierte Bestrahlung, sie soll dem gesunden Gewebe immer wieder Zeit zur Erholung geben und die Nebenwirkungen reduzieren; gleichzeitig wird dabei das biologische Verhalten der Tumorzellen miteinbezogen, also zum Beispiel die Teilungsrate.
Bei fortgeschrittener Erkrankung wird die Strahlentherapie zur Behandlung unter anderem von Knochenmetastasen eingesetzt. Sie kann die befallenen Knochen durch Zerstörung der Metastasen wieder stabilisieren und hat einen guten schmerzlindernden Effekt. Auch hier wird normalerweise die höchste Strahlendosis gezielt auf den Sitz des Tumors gerichtet, auch wenn die Bestrahlung umliegenden Gewebes bei Metastasen ebenfalls sinnvoll sein kann.
Die Strahlentherapie ist heute dank verschiedener technischer Verbesserungen und computergesteuerter Planung präziser und verträglicher als früher: Der Tumor wird bestrahlt, Lunge und Herz bleiben weitgehend von der Strahlenwirkung verschont. Auch Auswirkungen etwa auf den Verdauungstrakt oder den ganzen Körper sind nicht zu erwarten. Dennoch kann es direkt im Strahlenfeld zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, beispielsweise zu schmerzhaften Rötungen der Haut. Überdies kann eine Bestrahlung der Lymphabflusswege das Risiko für einen Lymphstau (Lymphödem) in der Brust oder im Arm erhöhen. Über eine geeignete und gegebenenfalls zeitweilig eingeschränkte Pflege der bestrahlten Hautbezirke wird die Patientin vor der Behandlung informiert.
Halten Nebenwirkungen der Bestrahlung länger als einige Wochen nach dem Ende der Therapie an, ist der Kontakt zum Radiologen sinnvoll: Er kann am ehesten beurteilen, welche Pflege zum Ausheilen beiträgt.