
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deSehr viele Krebspatienten fühlen sich während oder nach ihrer Erkrankung durch quälende Müdigkeit erheblich in ihrem Tagesablauf beeinträchtigt. Diese besondere Form der Erschöpfung bei Krebs hat den Namen Fatigue (ausgesprochen: Fatieg) erhalten, was im Französischen "Ermüdung, Mattigkeit" bedeutet. Anders als normale Müdigkeit, etwa am Abend oder nach körperlichen Anstrengungen, kann Fatigue nicht durch ausreichenden Schlaf überwunden werden. Ausgelöst wird der Zustand teilweise durch die Erkrankung selbst. Häufig tritt die Erschöpfung aber auch bei und durch Chemotherapie, Bestrahlung oder Immuntherapie auf. Bei nicht wenigen Patienten hält sie noch Wochen bis Monate über den Behandlungszeitraum hinaus an, was die Lebensqualität Betroffener erheblich beeinträchtigt. Nicht selten kommen auch Probleme mit der Konzentration und dem Gedächtnis hinzu.
Möglichkeiten, die Fatigue durch ärztliche Maßnahmen und Änderungen im Alltag zu lindern und schneller zu überwinden, hat der Krebsinformationsdienst für Betroffene und ihre Angehörigen im folgenden Text zusammengestellt. Patienten, die von Fatigue betroffen sind oder bei sich selbst hier aufgeführte Symptome beobachten, sollten auf jeden Fall jedoch Rücksprache mit ihren behandelnden Ärzten halten: Anzeichen von Erschöpfung bei oder nach einer Krebserkrankung müssen individuell abgeklärt und behandelt werden, damit sich Betroffene so schnell und so gut wie möglich erholen können.
Achtung: Die Informationen auf den folgenden Seiten richten sich nicht an Betroffene, die am chronischen Erschöpfungssyndrom oder einer anderen, nicht tumorbedingten schweren Müdigkeit leiden.
Der Begriff Fatigue beschreibt eine typische Erschöpfung, die über eine normale Müdigkeit weit hinausgeht. Sie ist eine der häufigsten Begleitsymptome, über die Krebspatienten während oder nach ihrer Erkrankung und Behandlung klagen. Nicht alle sind jedoch gleichermaßen betroffen, es gibt nicht wenige Patienten, für die Fatigue gar kein Thema ist.
Die Angaben zur Häufigkeit von Fatigue schwanken dementsprechend sehr stark. Eine wichtige Rolle spielen die Art der jeweiligen Krebserkrankung und der Behandlung: Fatigue tritt bei Leukämien, Lymphomen und bei allen fortgeschrittenen Krebserkrankungen besonders oft auf.
Ob Störungen der Konzentration, der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses im engeren Sinn zur Fatigue gerechnet werden, wird unterschiedlich beurteilt. Für Betroffene, die nicht nur unter Müdigkeit, sondern auch unter diesen Symptomen leiden, ist die Unterscheidung im Alltag aber oft zweitrangig. Da Konzentrationsprobleme seit einiger Zeit auch als mögliche neurologische Begleiterscheinung einer Chemotherapie diskutiert werden, wurde hier auch der (englische) Begriff des "Chemo-Fogs" oder "Chemo-Brains" geprägt, was in etwa "Chemo-Nebel" oder "Chemo-Hirn" bedeutet.
Fatigue ist schwierig zu beschreiben. Patienten sprechen von Müdigkeit, Mattigkeit, Antriebslosigkeit, Schwere, Abgeschlagenheit oder Erschöpfung. Es gibt im Deutschen, im Gegensatz zum Englischen oder Französischen, den Begriff Fatigue mit all seinen unterschiedlichen Bedeutungen nicht, daher hat sich die Verwendung des Fremdwortes auch hier immer mehr durchgesetzt. Auch Ärzte verwenden aber außer Fatigue noch die Begriffe (Neur)Asthenie, Schwäche oder extreme Erschöpfung.
In der medizinischen Definition bezeichnet Fatigue ein Gefühl von körperlicher und geistiger Müdigkeit, die mit reduzierten Energiereserven und verringerter Muskelkraft einhergeht. Fatigue kann zudem unter unterschiedlichen Bedingungen auftreten und ist nicht an festgelegte Situationen gebunden.
Fatigue bei und nach Krebs ist unangenehm. Von Gesunden wird Erschöpfung nach extremer körperlicher oder geistiger Anstrengung eher als normal oder sogar angenehm empfunden. Als Krankheitssymptom tritt sie, nicht nur bei Krebs, sondern auch bei anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen, dagegen ohne eine entsprechende vorherige Anstrengung auf und verschwindet auch nach einer angemessenen Erholungszeit nicht.
Immerhin sind gerade bei Krebs einige sichere Auslöser für diese typische Erschöpfung festgestellt worden: Der Tumor selbst mit seinen messbaren Anzeichen und Symptomen, beispielsweise der sogenannten B-Symptomatik bei Krebserkrankungen mit Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß, ist sicherlich eine entscheidende Ursache für das Auftreten von Fatigue.
Unbestritten ist, dass eine chemo- oder strahlentherapeutische Behandlung sowie operative Eingriffe Fatigue und Erschöpfung bei Tumorpatienten verstärken. Dabei scheinen sowohl der krebszerstörenden Wirkung der Behandlung als auch der Ansammlung schädlicher oder giftiger Stoffwechselprodukte eine Rolle zuzukommen. Gerade nach einer Chemotherapie kann Fatigue allerdings auch länger anhalten.
Auch die grippeähnlichen Nebenwirkungen einer Zytokinbehandlung mit Interferon oder Interleukin können Fatigue verstärken, ebenso wie wiederholte Infekte bei durch eine Behandlung immunschwachen Patienten. Neben der zytostatischen Behandlung spielt auch die Begleitmedikation mit Schmerzmitteln, Beruhigungs- oder Schlafmitteln oder auch mit Mitteln gegen Krampfanfälle, den Antikonvulsiva, eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Fatigue.
Die Verstärkung der Fatigue und Erschöpfung durch Schmerz, Übelkeit, Aufregung oder Atemnot ist mehrfach belegt. Dabei ist aber nicht klar, ob diese Symptome Auslöser einer Fatigue sind oder wie sie Ausdruck einer schweren fortgeschrittenen Tumorerkrankung.
Der Einfluss von Mangelernährung, Gewichtsverlust und Bewegungsmangel und der damit in Verbindung stehende Abbau der Muskulatur wird als hoch eingeschätzt. Auch eine krankheitsbedingte Abnahme der Skelettmuskelmasse, wie sie bei Krebspatienten auftreten kann, trägt zu Fatigue bei.
Anämie, die Blutarmut, gilt als eine der häufigsten Ursache der Fatigue, ausgelöst durch den Tumor selbst, durch eine Schädigung des Knochenmarkes durch Strahlen- oder Chemotherapie, oder einen Mangel an einem körpereigenen Wachstumsfaktor, der zur Bildung von Blut notwendig ist: dem Erythropoetin.