
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDieser Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema Lungenkrebs. Das Kapitel "Behandlungsverfahren" richtet sich in erster Linie an Patienten mit Lungenkrebs und ihre Angehörigen sowie an Interessierte, die sich über Behandlungsmöglichkeiten bei Bronchialkarzinom informieren möchten. Für Fragen, die über diesen kurzen, allgemein gehaltenen Überblick hinaus gehen, steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können eine persönliche ärztliche Beratung zur Abklärung von Beschwerden jedoch nicht ersetzen.
Als Informationsquellen wurden, soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, im Wesentlichen Behandlungsleitlinien deutscher und internationaler Fachgesellschaften verwendet. Die bei der Texterstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt verlinkt, zudem sind sie im Kapitel „Mehr wissen zum Thema Lungenkrebs“ unter dem Stichwort "Fachliteratur" aufgeführt.
Behandlungsmöglichkeiten: Ein Überblick
Operation: Tumor möglichst vollständig entfernen
Strahlentherapie und Radiochemotherapie: Zellen am Wachstum hindern
Chemotherapie: Medikamente gegen Lungenkrebs
Neuere Ansätze: Molekularbiologische oder "zielgerichtete" Therapien
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Welche Behandlung ist die richtige? Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel
Die besten Aussichten haben Patienten, wenn ihr Tumor vollständig operativ entfernt oder durch andere Therapieverfahren zerstört werden kann. Dies gelingt meist nur in frühen Krankheitsstadien.
Hat der Tumor die Lungengrenzen bereits überschritten und in zahlreiche Lymphknoten oder andere Organe und Gewebe gestreut,versuchen die Ärzte, das Krebswachstum zurückzudrängen und so lange wie möglich aufzuhalten. Eine vollständige Heilung gelingt allerdings nur bei wenigen Betroffenen mit fortgeschrittener Erkrankung.
Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und belastende Symptome abzuschwächen, können Ärzte eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchführen. Bei beiden Methoden sterben Krebszellen ab und können vom Körper abgebaut werden. Allerdings werden auch gesunde Zellen geschädigt, was zu Nebenwirkungen der Behandlung führen kann. Seit einigen Jahren gibt es außerdem sogenannte "gezielte Krebsmedikamente". Sie stören Signalwege oder Stoffwechselvorgänge, die nur oder fast nur in Krebszellen aktiv sind. Solche zielgerichteten Therapien können - je nach Situation - bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zum Einsatz kommen. Allerdings weist das Tumorgewebe nicht bei allen Betroffenen die molekularbiologischen Besonderheiten auf, die eine solche Behandlung überhaupt erst wirksam machen. Trotz der gezielten Wirkung auf Tumorzellen sind diese Medikamente ebenfalls nicht nebenwirkungsfrei.
Eine wesentliche Rolle spielt die Behandlung belastender Symptome, etwa durch eine gute Schmerztherapie, durch die gezielte Behandlung beispielsweise von Knochenmetastasen mit Medikamenten und Bestrahlung, oder auch durch unterstützende Physiotherapie und eine intensivierte Ernährungstherapie.
Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand, besonders Betroffene mit beeinträchtigter Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge, müssen damit rechnen, dass bei ihnen bestimmte Therapieformen nur eingeschränkt oder gar nicht angewendet werden können, da sie zu belastend wären. Wie alt ein Patient ist, spielt jedoch keine entscheidende Rolle.
Die Behandlung von Lungenkarzinomen sollte von einer Klinik mit entsprechender Erfahrung in Thoraxchirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie bei Lungenkrebs durchgeführt werden. Spezialisierte Kliniken beteiligen sich meist auch an klinischen Studien zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Behandlung. Kliniken mit besonderer Spezialisierung auf Lungenkarzinome können sich seit einiger Zeit als „Lungenkrebszentrum“ zertifizieren lassen, eine Liste bietet die Internetseite www.onkozert.de/lungenkrebs_zentren.htm.
Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen, können bei einer Operation zum Risiko werden und müssen in Absprache mit dem Arzt unter Umständen einige Tage vorher abgesetzt werden. Betroffene Patienten bekommen vor der Operation eventuell ein Ersatzmedikament gespritzt, das die Ärzte gut dosieren und steuern können. So wird die Gefahr von Blutungen während oder nach dem Eingriff verringert.
Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Operationswunden heilen bei Rauchern schlechter, und die Gefahr von Komplikationen ist größer.
Die Operation findet in Vollnarkose statt und kann je nach Umfang des Eingriffs mehrere Stunden dauern. Direkt danach ist - je nach Zustand des Patienten - während einiger Stunden oder Tage eine intensivmedizinische Überwachung notwendig. Betroffene müssen insgesamt mit einem stationären Aufenthalt von mindestens zwei bis drei Wochen rechnen, eine genaue Voraussage ist allerdings, wenn überhaupt, nur durch die behandelnden Ärzte möglich.
Wie Ärzte bei der Operation vorgehen, richtet sich nach Größe und Sitz des Tumors. Sie versuchen, den Tumor mit einem Randsaum aus gesundem Lungengewebe zu entfernen, um möglichst kein Krebsgewebe im Körper zu belassen. Dabei beachten sie auch, wie das Tumorgewebe und das verbleibende Gewebe mit Lymphbahnen und Adern versorgt sind. Bei der Operation entnehmen sie deshalb auch Lymphknoten und lassen sie in einem spezialisierten Labor auf Krebszellen hin untersuchen. Wichtig sind die Lymphknoten zwischen den Lungenlappen, im Bereich der Lungenwurzel und im Raum zwischen den Lungenflügeln, dem sogenannten Mediastinum ("Mittelfell").
Beim Eingriff liegt der Patient halb auf der Seite. Um an die Lunge zu gelangen, schneiden die Chirurgen meist von der anderen, nach oben zeigenden Seite am Rand des Schulterblatts entlang nach hinten und oben. Dabei muss der große Rückenmuskel durchschnitten werden. Dieser verheilt jedoch nach der Operation wieder. Meist müssen die Rippen nicht durchtrennt werden, sondern es reicht, wenn die Ärzte sie auseinanderspreizen, um den Tumor gut zu erreichen und zu entfernen.
Wie ausgedehnt operiert werden muss, können Ärzte oft erst während des Eingriffs feststellen. Bei manchen Patienten stellt sich auch erst zu diesem Zeitpunkt heraus, dass ihnen eine umfassende Tumorentfernung mehr schaden als nützen würde.
In frühen Erkrankungsstadien reicht es, den befallenen Lungenlappen und damit in Verbindung stehende Lymphknoten zu entfernen (Lobektomie). Überschreitet der Tumor die Grenze zwischen zwei Lungenlappen, so werden alle beide herausgenommen (Bilobektomie). Bei großen, im Bereich des Hauptbronchus nahe der Lungenpforte gelegenen Tumoren kann es nötig sein, einen gesamten Lungenflügel zu entnehmen (Pneumonektomie oder auch Pneumektomie). Ein solcher Eingriff geht jedoch mit einem erhöhten Operationsrisiko einher. Außerdem ist die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten nach einer Pneumektomie zunächst oft stark eingeschränkt, da der verbleibende Lungenflügel einige Monate braucht, um sich an die zusätzliche Atemarbeit zu gewöhnen. Falls irgend möglich, versuchen Ärzte die Herausnahme eines ganzen Lungenflügels zu vermeiden und so viel Lungengewebe wie möglich zu erhalten.
Manchmal sitzt ein Tumor nicht am Rand, sondern mitten in der Lunge. Das umliegende, gesunde Lungengewebe wird durch die Operation eventuell von den Bronchien und von der Versorgung mit Adern und Nerven abgeschnitten. Um es nicht mit entfernen zu müssen, versuchen die Ärzte dann, die Enden von unterbrochenen Bronchien oder auch von großen Blutgefäßen wieder zu vernähen. Sie sprechen von einer bronchoplastischen beziehungsweise angioplastischen Operation. Die verbliebenen Lungenabschnitte werden wieder belüftet und durchblutet, und ihre Funktion bleibt erhalten.
Durch die Entfernung von Lungengewebe wird die Atemfläche kleiner. Eine ansonsten gesunde, wenig vorgeschädigte Lunge kann dies innerhalb einiger Wochen und Monate bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, denn sie hat eine erhebliche Leistungsreserve. Die verbliebenen Lungenanteile dehnen sich zur Kompensation etwas aus, sodass ansonsten gesunde Patienten auch nach einer Operation nicht mit einer schwerwiegenden Atembehinderung rechnen müssen.
Anders sieht es bei vorgeschädigter Lunge aus, zum Beispiel bei Rauchern oder Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen. Hier sind die Funktionsreserven eingeschränkt, und schon die Narkose birgt ein erhöhtes Risiko. Diese Patienten sind zudem stärker durch Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen gefährdet.
Sind die zu erwartenden Belastungen und Einschränkungen zu groß, so muss eine andere Therapie als die Operation gewählt werden.
Eine Rolle spielt die Bestrahlung bei kleinzelligen wie bei nichtkleinzelligen Tumoren auch dann, wenn ein Patient ein hohes Risiko für Metastasen trägt oder bereits solche Tochtergeschwülste entwickelt hat.
Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch energiereiche Strahlung zerstört. Die Bestrahlung erfolgt meist "perkutan", also von außen durch die Haut. Sollen Tumoren bestrahlt werden, die zum Beispiel die Atemwege zu verlegen drohen, kommt auch eine sogenannte Brachytherapie infrage. Hier führen Ärzte eine Strahlenquelle direkt an den Tumor heran, durch die Luftröhre. Einen allgemeinen Überblick zur Durchführung und zu möglichen Nebenwirkungen bietet der Krebsinformationsdienst unter "Strahlentherapie: Mit Energie gegen Krebs".
Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Raucher vertragen die Bestrahlung weniger gut und die Gefahr von Komplikationen ist größer. Viele Radiologen empfehlen Patienten, während der Behandlung besser auch auf hochprozentigen Alkohol und scharfe oder sehr saure Speisen zu verzichten. Diese können bei einer Bestrahlung des Mediastinums die Speiseröhre zusätzlich reizen - sie liegt mit im Strahlenfeld. Die Haut im Bestrahlungsgebiet kann für einige Monate sehr empfindlich bleiben und sollte keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden.
Was sie im Vorfeld einer Bestrahlung noch beachten müssen, sollten Patienten mit ihren behandelnden Ärzten direkt besprechen. Informationen aus dem Internet können ein persönliches Gespräch nicht ersetzen.
Die perkutane Strahlentherapie erfolgt meist ambulant, die Patienten kommen dazu jedes Mal für kurze Zeit in die Klinik beziehungsweise eine Praxis für Strahlentherapie. Während der Behandlung liegen sie auf einer Liege. Die Elektronenstrahlung wird in der Regel durch einen sogenannten Linearbeschleuniger mit Strom erzeugt. Gesundes Gewebe und empfindliche Organe wie das Herz sollen weitgehend geschont werden. Dazu wird die Strahlung anhand der vorliegenden Röntgenaufnahmen oder anderer Bilder so gesteuert, dass sie möglichst nur den Tumor trifft. Sollen möglicherweise verstreute unsichtbare Tumorzellen getroffen werden, kann allerdings auch ein größeres Bestrahlungsfeld notwendig sein.
Auch bei genauer Eingrenzung des Bestrahlungsfeldes können Ärzte nicht ganz vermeiden, dass gesundes Gewebe mit betroffen wird, insbesondere die Haut. Damit sich das gesunde Gewebe von der Strahlenwirkung erholen kann, erfolgt die Behandlung meist verteilt auf viele "Sitzungen" mit jeweils kleiner Strahlendosis. Dieses Vorgehen nennt man Fraktionierung (von lat.: fractio = "Bruchteil"). Krebszellen nützen diese Bestrahlungspausen wenig, da sie natürliche Reparaturfunktionen weitgehend verloren haben.
Bei wiederholten Bestrahlungen muss immer das gleiche Bestrahlungsfeld behandelt werden. Deshalb werden Patienten oft Markierungslinien auf die Haut gezeichnet. Diese dürfen bis zum Ende der Behandlung nicht abgewaschen werden. Um unwillkürliche Bewegungen während der Bestrahlung zu vermeiden, kommen auch spezielle Lagerungssysteme oder Masken infrage.
Die eigentliche Bestrahlung dauert jeweils nur wenige Sekunden bis Minuten. Inklusive der Vorbereitung müssen Patienten jedoch mit einer Behandlungszeit von 20 bis 90 Minuten rechnen. Einzelheiten und den genauen Ablauf erläutern die behandelnden Ärzte.
Die Bestrahlung von innen, die sogenannte Brachytherapie, kommt zur Linderung von tumorbedingten Verengungen der Atemwege infrage. Bei der Brachytherapie bringen Ärzte eine radioaktive Strahlungsquelle über ein Bronchoskop direkt an die betroffene Stelle. Die Reichweite der dabei eingesetzten Strahlung ist sehr gering, andere Gewebe werden weitgehend geschont. Bei dieser Behandlung ist eine kurze Narkose notwendig. Daher erfolgt die Brachytherapie fast immer bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt.Bei den meisten Patienten ist nur eine Behandlung notwendig, die vorgesehene Strahlendosis lässt sich durch die Zeit steuern, in der die Strahlenquelle dicht am Tumor liegt.
Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Raucher vertragen die Chemotherapie weniger gut und die Gefahr von Komplikationen ist größer. Über weitere Möglichkeiten, sich auf die Chemotherapie vorzubereiten, informiert das zuständige Behandlungsteam.
Bei der Chemotherapie bekommen Patienten Medikamente, die die Zellteilung und dadurch das Tumorwachstum hemmen, sogenannte Zytostatika. Diese Stoffe erreichen über das Blut Zellen im ganzen Körper. Ärzte nennen das eine "systemische" Therapie - im Gegensatz zu einer Lokaltherapie wie etwa der Operation oder einer Bestrahlung, die sich nur auf eine bestimmte Region oder ein Organ richten. Krebszellen, die sich meist häufiger teilen als gesundes Gewebe, sind besonders empfindlich gegenüber diesen Zellgiften.
Wenn es der Gesundheitszustand eines Patienten erlaubt, kann die Chemotherapie heute ambulant durchgeführt werden. In spezialisierten Krankenhäusern gibt es entsprechende Ambulanzen oder Tageskliniken. Auch niedergelassene Internisten, die sich auf Hämatologie und Onkologie spezialisiert haben, können eine Chemotherapie durchführen. Patienten erhalten die Medikamente zum Beispiel als Infusion in eine Armvene. Ist absehbar, dass häufige Medikamentengaben notwendig sind, empfehlen Ärzte einen sogenannten Port. Das ist ein kleines Reservoir aus sterilem Material, das in einem ambulanten Eingriff unter der Haut eingepflanzt wird und eine Verbindung zu einer großen Vene herstellt. Für die Infusion müssen die Patienten dann nicht jedes Mal das Suchen nach einer geeigneten Vene aushalten: Punktiert wird nur die Haut über dem Port.
Patienten erhalten entweder eine Monotherapie mit nur einer Substanz oder ein Kombinationschema aus mehreren Zytostatika, je nach Situation. Hinzu kommen Arzneimittel zur Vorbeugung und Linderung von Nebenwirkungen. Für jeden Patienten wird ein Behandlungsprotokoll oder „Schema“ gewählt, das eine feste Abfolge von einzelnen Medikamentengaben an aufeinander folgenden Tagen und in mehreren „Zyklen“ vorsieht. Zwischen den einzelnen Zyklen liegen Pausen von einigen Tagen oder Wochen. Die einzelne Infusion kann mehrere Stunden dauern.
Welche Medikamente nach welchem Schema oder Protokoll Patienten erhalten, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Folgende Medikamente werden bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt:
Folgende Medikamente werden bei kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt:
Einen Überblick über einzelne Zytostatika, ihre Wirkung und mögliche Nebenwirkungen bietet der Text "Chemotherapie: Substanzen".
Seit einigen Jahren gibt es Medikamente gegen Lungenkrebs, die häufig als „zielgerichtete Arzneimittel“ (englisch: targeted therapies) bezeichnet oder unter den Begriffen "molekularbiologische Therapien" oder "moderne Krebstherapien" zusammengefasst werden. Sie richten sich gezielt gegen bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen, in denen diese sich von gesunden Zellen unterscheiden. Viele solcher Substanzen werden in klinischen Studien geprüft. Einige sind auch schon als Medikament zugelassen und stehen Lungenkrebspatienten in Deutschland zur Verfügung.
Die Medikamente werden, je nach Substanz, als Infusion in eine Vene oder auch als Tabletten gegeben. Ausführliche Informationen zu zielgerichteten Therapien bieten der Text "Moderne Krebstherapien: Wie funktionieren sie?" sowie ein kurz gefasstes Informationsblatt (PDF).
Die Medikamente sind bisher kein Ersatz für eine Operation oder eine Bestrahlung. Sie eignen sich auch nicht für alle Betroffenen, und für keines der Mittel konnte bisher belegt werden, dass es allein zur Heilung von Lungenkrebs ausreicht oder das Tumorwachstum allein längere Zeit aufhalten kann. Die für einen Patienten jeweils zu erwartenden Vorteile und auch Nebenwirkungen spielen bei der individuellen Behandlungsplanung daher eine wichtige Rolle.
Auch moderne Krebsmedikamente sind nicht nebenwirkungsfrei. Die Substanzen richten sich zwar in erster Linie gegen Eigenschaften, die vor allem Tumorzellen aufweisen. Aber auch gesunde Zellen sind betroffen.
Bei Angiogenesehemmern müssen Patienten mit vielfältigen Nebenwirkungen rechnen. Möglich, wenn auch nicht bei jedem Patienten sehr schwerwiegend sind Veränderungen des Blutbilds, Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen oder Hautveränderungen. Zu den selteneren, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen gehören Schädigungen des Magens oder Darmes sowie Blutgerinnsel in den Gefäßen. Bei den EGFR-Inhibitoren stehen hingegen Nebenwirkungen an der Haut im Vordergrund. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Patienten mit Nebenwirkungen rechnen müssen und was sich dagegen tun lässt, erfahren Betroffene von ihren behandelnden Ärzten. Hintergrundinformationen bietet der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt "Nebenwirkungen an der Haut" (PDF) sowie im Text "Hautprobleme: Behandeln, schützen, vorbeugen".
Bei vielen Patienten treten im Lauf der Erkrankung belastende Symptome auf, die durch den Lungentumor selbst, durch Metastasen oder auch durch die Behandlung ausgelöst werden. Zu diesen Symptomen können Husten und Bluthusten gehören, eine Flüssigkeitsansammlung im Brustraum ("Pleuraerguss") oder Verengungen der Atemwege durch den Tumor. Je nach Situation müssen Ärzte kleinere Eingriffe oder Operationen vornehmen, um die Belastung für Betroffene zu reduzieren. Man spricht dann von "interventionellen", eingreifenden Verfahren. Mehr dazu bietet das Kapitel "Unterstützende Behandlung bei belastenden Symptomen".
Die Forschung konzentriert sich seit einigen Jahren darauf, wichtige molekularbiologische Eigenschaften von Tumorgewebe und ihre jeweilige Funktion aufzuklären. Daraus erhoffen sich Wissenschaftler weitere neue Ansätze für die Behandlung, vor allem die Entwicklung weiterer zielgerichteter Arzneimittel. Große Fortschritte hat auch ausgerechnet eine der ältesten Behandlungsstrategien gegen Krebs gemacht, die Strahlentherapie. An der Entwicklung neuer Formen der Chemotherapie sind ebenfalls viele Mediziner und Forscher beteiligt. Auch die Behandlung der belastenden Symptome einer Lungenkrebserkrankung gelingt heute besser als noch vor etwa zwanzig Jahren.
In klinischen Studien können vor allem Lungenkrebspatienten mit fortschreitender Erkrankung unter Umständen schon früh von neuen Entwicklungen profitieren. Die Vor- und Nachteile einer Studienteilnahme gegenüber der geprüften Standardbehandlung sollten Patienten gemeinsam mit ihren Ärzten gegeneinander abwägen. Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst in Texten zum Thema „Krebsforschung“ sowie in dem Informationsblatt „Was sind klinische Studien? Soll ich daran teilnehmen?" (PDF).
Ein Ansatz, der in den letzten Jahren viel diskutiert wurde, ist die „Impfung gegen Lungenkrebs“. In den bisher durchgeführten Studien bekamen Patienten veränderte und teilungsunfähig gemachte Krebszellen oder Bruchstücke der Tumorzellen, sogenannte "Peptide", verabreicht. Man hoffte, das Immunsystem der Erkrankten gegen die Tumorzellen zu aktivieren. Die Ergebnisse waren bisher allerdings eher enttäuschend, ähnlich wie auch bei anderen Tumorarten. Mehr zu den "Krebsimpfungen" in den Kapiteln "Impfen gegen Krebs: Begriffe und ihre Bedeutung" sowie "Kommerzielle Vakzineherstellung: Angebote ohne Wirksamkeit?"