Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Massage, Sauna, Thermalbäder: Wellness und Wärme mit Risiko?

Viele Menschen fühlen sich nach einem Thermalbad erfrischt und entspannt. Auch Wärmeanwendungen sind oft mit angenehmen Empfindungen verbunden. Das gilt für den Sauna-Besuch ebenso wie für die Erwärmung des Körpers durch Infrarot-Wärmelampen oder -kabinen, Fangopackungen oder Wärmflaschen. Manchmal hören Krebspatienten jedoch, diese Anwendungen könnten einen Rückfall auslösen. Die anregenden Anwendungen sollen angeblich Wachstum oder Entstehung eines Tumors fördern. Diese Befürchtung geht auf Vorstellungen aus der Naturheilkunde des 18. und 19. Jahrhunderts zurück. Belege oder Beweise dafür gibt es bis heute nicht.

Trotzdem sollten Krebspatienten bei Thermalbädern und Wärmeanwendungen vorsichtig sein. Während und auch noch eine Zeit nach Ende der Behandlung kann der Kreislauf geschwächt sein. Die Haut ist mitunter besonders empfindlich. Manchmal machen sich Betroffene auch Sorgen über die Folgen von Massagen: Können sie dazu beitragen, dass sich der Krebs abseits des ursprünglichen Tumors verbreitet? Nach Ansicht von Fachleuten besteht aber für fast alle Krebsarten keine Gefahr. Nur bei Kopf-Hals-Tumoren können solche Folgen nicht sicher ausgeschlossen werden.

Dieser Text richtet sich sowohl an Krebspatienten, deren Behandlung bereits abgeschlossen ist, als auch an Menschen, die aktuell wegen einer Krebserkrankung in Therapie sind. Darüber hinaus finden hier auch Angehörige und Interessierte einen ersten Überblick zum Thema.

Thermalbäder und Wärme: Aktivieren sie den Krebs?

Bäder und Krebs
Können Thermalbäder das Wachstum eines Tumors fördern? Dafür gibt es keine Belege.

Sogenannte Mineralbäder - Thermalbäder, Moorbäder oder vergleichbare Verfahren - sind mitunter mit Warnhinweisen für Krebspatienten versehen (mehr dazu im Deutschen Bäderkalender, beispielsweise im Kapitel Mineral- und Moorbäder unter www.baederkalender.de, Stichwort "Kurinfo", Stichwort "Broschüre", Kapitel "Mineralbäder" - im PDF-Format). Dahinter steht die auf Konzepte der klassischen Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts zurückgehende Befürchtung, dass durch die allgemeine Umstellung der Körperfunktionen bei Thermalbädern - temperaturbedingte Stoffwechselveränderungen, Blutdruckanstieg und andere Symptome - eine Tumorerkrankung wieder ausbrechen oder ihr Verlauf beschleunigt werden könnte.
Auch eine Wärmebehandlung durch Fango oder andere Arten von Packungen und auch die Sauna könnte auf die gleiche Weise wirken. Ein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang steht allerdings aus.

Thermalbäder, Sauna und Fango: Belastung für Kreislauf und Haut

Vorsicht bei Wärme
Wärmeanwendungen sind anstrengend für den Kreislauf. Krebspatienten sollten sich nicht zu viel zumuten.

Temperaturreize - zu heiß, zu kalt - können unangenehme Folgen für Patienten haben. Möglicherweise ist der Kreislauf während oder nach einer Krebsbehandlung noch nicht wieder so stabil, dass Wärmeanwendungen gut verträglich wären. Wer sich noch nicht richtig erholt hat, sollte auf einen Saunabesuch, ein Thermalbad oder auch eine Fangopackung zunächst verzichten. Patienten mit Kachexie (stoffwechselbedingtem Gewichtsverlust) und insgesamt fortgeschrittenen Krebserkrankungen, mit Ödemen (Gewebeschwellung), Hirnmetastasen oder Aszites (Bauchwassersucht) sollten besonders vorsichtig sein. Das gilt auch für die Wärmebehandlung zu Hause, von der Wärmflasche bis hin zum heißen Bad. Wie lange eine solche Empfindlichkeit anhält, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Im Zweifelsfall sollten Betroffene den Arzt fragen.

Während und nach der Behandlung: Vorsicht bei empfindlicher Haut

Die Haut schützen
Wasser und Wärme können empfindliche Haut schädigen. Betroffene Krebspatienten sollten vorsichtig sein.

Im Zusammenhang mit Chemotherapien, Bestrahlungen und Operationen ist die Haut während, aber auch noch einige Zeit nach Ende der Therapie oft besonders empfindlich. Extreme Temperaturen können zu zusätzlichen Belastungen führen. So kann beispielsweise die Wundheilung von Operationsnarben gestört werden. Eine wärmebedingt verbesserte Durchblutung kann empfindliche Stellen weiter reizen und zum Beispiel vorhandenen Juckreiz verstärken. Beim Schwimmbad- oder Thermalbadbesuch ist zu beachten, dass das Wasser die Haut aufweicht und so ebenfalls schädigen kann. Einige Stoffe im Schwimmbadwasser werden unter Umständen schlechter vertragen als es normalerweise der Fall wäre. Mehr zu Behandlung, Schutz und Vorbeugung von Hautproblemen bei Krebspatienten hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.

Bei der Verwendung von ätherischen Ölen - etwa bei Massagen - ist ebenfalls Vorsicht geboten, da sie die Haut reizen können. Einige Bestandteile wie Teebaumöl können auch bei gesunden Menschen Allergien auslösen. Das Bundesinstitut für Risikoberwertung (BfR) hat im Internet allgemeine "Fragen und Antworten zur Anwendung von ätherischen Ölen" zusammengestellt: www.bfr.bund.de/cd/10945. Diese richten sich nicht speziell an Krebspatienten.

Risiko Lymphödem: Wärmebelastung meiden?

Patienten, denen im Rahmen der Therapie Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden, werden oft vor heißen Bädern, Saunabesuchen oder warmen Packungen gewarnt. Diese Anwendungen, heißt es, können das Auftreten eines Lymphödems, einer Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, begünstigen. Der Hinweis beruht auf der Überlegung, dass Hitze die Kreislauftätigkeit anregt. Dabei wird vermehrt Lymphflüssigkeit produziert. Wurden Lymphknoten entfernt oder beschädigt, kann die Lymphe schlecht aus dem Gewebe abtransportiert werden.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat wissenschaftliche Arbeiten zum Thema ausgewertet. Demnach gibt es nur wenige Belege dafür, dass diese Maßnahmen ein Lymphödem wirklich verursachen können. Ausführliche Informationen finden sich auch auf dem vom IQWiG erstellten Internet-Angebot www.gesundheitsinformation.de, Stichwort "Lymphödem", Stichwort "Merkblatt".

Massagen: Können sie einen Tumor aktivieren?

Massagen und Metastasen
Haben Massagen und Lymphdrainagen einen Einfluss auf die Bildung von Metastasen? Das ist nicht bewiesen. Fachkräfte arbeiten bei Krebspatienten trotzdem sehr vorsichtig.

Lange Zeit gingen Mediziner davon aus, dass eine mechanische Beeinflussung eines Tumors durch Massage, Lymphdrainage oder andere sogenannte physikalische Verfahren zur Rückenentspannung zwar theoretisch denkbar, im Einzelfall aber eher unwahrscheinlich sei.
Für eine Tumorart gibt es möglicherweise eine Ausnahme: Bei Kopf-Hals-Tumoren können Fachleute anhand von Einzelfallbeobachtungen nicht sicher ausschließen, dass eine Lymphdrainage das Risiko von Metastasen nicht doch erhöht. Möglicherweise drängt die Lymphdrainage verbliebene Krebszellen in gesundes Gewebe, wo sie sich festsetzen. Gerade Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren leiden jedoch abhängig von ihrer Behandlungsform nicht selten unter schweren Lymphödemen im Gesicht, die sich ohne Drainage nicht von alleine zurückbilden. Daher muss jeder Patient gemeinsam mit seinem Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung treffen - meist ist die Lymphdrainage unbedingt notwendig, um Beschwerden zu lindern.
Für alle anderen Tumorarten gilt aber derzeit noch: Ein Zusammenhang zwischen Massage, Lymphdrainage und Metastasierung ist nicht bewiesen. Trotzdem gehen ausgebildete Fachkräfte bei Krebspatienten nur mit Vorsicht vor; die direkt betroffene Körperregion ist bis zur vollständigen Genesung meist tabu.

Heilstollen: Vorsicht Radioaktivität

Ein Sonderfall unter den Wellnessanwendungen sind Behandlungen in radioaktivem Wasser oder Kurzaufenthalte in "Heilstollen" mit dem radioaktiven Gas Radon in der Luft. Bis in die 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts galten geringe Konzentrationen radioaktiver Substanzen als gesundheitsförderlich und "aktivierend". Dahinter steht die Überlegung, dass geringe Mengen (eigentlich gefährlicher) Strahlung eine positive Wirkung auf den Organismus haben können. "Radiumsolbäder" oder "Heilstollen" waren deshalb sehr beliebt. Die gewandelte Sichtweise auf die Risiken auch einer niedrig dosierten Belastung lässt Radon-Anwendungen in einem anderen Licht erscheinen:

  • Beispielsweise geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon aus, dass es keinen Grenzwert gibt, bei dessen Unterschreitung die Aufnahme von Radon vollständig risikofrei ist. Selbst wenn kurze Aufenthalte vermutlich keine nennenswerte Gefahr darstellen, so ist die Steigerung des Lungenkrebsrisikos bei Aufenthalten in Heilstollen (und in geringerem Maße auch bei Bädern) doch bezifferbar und nicht gleich Null. Da die aufgenommenen Mengen radioaktiver Stoffe beim Trinken oder Baden extrem gering sind, ist allerdings nicht die radioaktive Belastung der Grund der eingeschränkten Eignung, sondern bei Bädern eher, wie oben ausgeführt, die oft hohe Temperatur. Weitere Informationen für Fachleute gibt die WHO in einem Handbuch zum Thema Radon. Das englischsprachige Dokument wurde im Jahr 2009 veröffentlicht und kann im PDF-Format auf http://www.who.int/en/, Titel "WHO handbook on indoor radon", heruntergeladen werden. Weitere Informationen hat auch des Bundesamt für Strahlenschutz auf www.bfs.de/ion/radon zusammengestellt.

Nach der Krebsbehandlung: Wie lange gelten Einschränkungen?

Bei vielen Risikodiskussionen stellt sich die Frage, wie lange ein Krebspatient eigentlich mit entsprechenden Einschränkungen leben muss und ab wann er sich als geheilt betrachten kann. Diese Frage lässt sich nicht anhand der Therapiedauer oder der Zeit nach Abschluss der letzten Behandlung eindeutig beantworten - vor allem dann nicht, wenn man die heute oft lange ergänzende (adjuvante) Behandlung nach vollständiger Entfernung eines Tumors berücksichtigt. Individuelle Auskünfte zur Beurteilung der Situation können nur von den behandelnden Ärzten kommen. Hintergrundinformationen bietet der Krebsinformationsdienst auch in dem Text "Nach der Krebsbehandlung".

Zum Weiterlesen

Einige in diesem Text genannte Anwendungen können auch im Rahmen eines Urlaubes in Anspruch genommen werden. Weitere Informationen zu diesem Themenkomplex hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Reisen, Urlaub, Autofahren, Fliegen" zusammengestellt. Das Informationsblatt "Als Krebspatient unterwegs" kann in der Rubrik "Wegweiser", Stichwort "Informationsblätter zum Ausdrucken" heruntergeladen werden.

Offene Badekuren oder "Kurlaube" dienen in der Regel der Vorsorge. Sie sind mit der onkologischen Rehabilitation nicht zu verwechseln und können sie auch nicht ersetzen. Die medizinische Rehabilitation soll nach Abschluss einer Behandlung deren Erfolge sichern. Sie kann direkt im Anschluss an eine Krebstherapie als sogenannte Anschlussrehalbilitation (AHB) erfolgen. Erste Ansprechpartner sind - noch während der eigentlichen Behandlung - die behandelnden Ärzte. Weiterführende Hinweise gibt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Internetseite www.deutsche-rentenversicherung.de, Stichwort "Rehabilitation", Stichwort "Leistungen", Stichwort "Onkologische Rehabilitation". Das Informationsblatt "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs" des Krebsinformationsdienstes bietet weitere Informationen zum Laden und Ausdrucken.

Eine Übersicht zur Frage, wie lange man nach einer Krebsbehandlung noch Patient bleibt, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Nach der Krebsbehandlung" zusammengestellt.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 22.03.2010