Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Brustkrebs: Hormontherapie - behandeln durch Hormonentzug

Brustkrebs wächst häufig hormonabhängig: Hormone – genauer: das weibliche Geschlechtshormon Östrogen – regen die Krebszellen zum Wachstum an. Dies ist zu erwarten, wenn in den Zellen Hormonrezeptoren nachgewiesen wurden, was bei rund drei Viertel aller bösartigen Tumoren der Brustdrüse der Fall ist. Dann lässt sich das Wachstum der Krebszellen durch die Gabe entsprechend entgegengesetzt wirkender Hormone, so genannter „Anti-Hormone“, bremsen. Enthalten die Tumorzellen keine Hormonrezeptoren, profitieren betroffene Frauen in der Regel nicht von einer entsprechenden Behandlung. Der folgenden Text bietet einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten der begleitenden oder ergänzenden Antihormontherapie.
Wichtig für Brustkrebspatientinnen: Informationen aus dem Internet können die individuelle Beratung durch behandelnde Ärzte nicht ersetzen. Vor allem die ergänzende, adjuvante Behandlung wird heute individuell auf jede Patientin so angepasst, dass sie für ihre Situation den größtmöglichen Nutzen bei so wenig belastenden Begleitsymptomen wie möglich erhält.

  • Wird die Hormontherapie ergänzend zur Operation, also adjuvant eingesetzt, dauert sie mehrere Jahre.
  • Patientinnen mit Metastasen erhalten eine Hormontherapie, solange sie einen Nutzen davon haben.

Behandlung vor den Wechseljahren

Bei Frauen vor den Wechseljahren lässt sich die Produktion von Östrogenen in den Eierstöcken medikamentös ausschalten:

  • Synthetische Hormone, so genannte GnRH-Analoga greifen schon in der Hirnanhangdrüse in die Steuerung der Hormonbildung in den Eierstöcken ein und unterdrücken sie. „GnRH“ ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing-Hormon, Analoga bedeutet, dass diese Substanzen genauso gebaut sind und wirken wie die natürlichen Hormone. GnRH-Analoga werden alle vier Wochen oder alle drei Monate als Depotspritze in die Bauchhaut gegeben.
  • Eine Bestrahlung der Eierstöcke oder deren operative Entfernung haben den gleichen Effekt, der hier allerdings dauerhaft ist, während sich die Eierstockfunktion nach Absetzen der GnRH-Analoga wieder erholt. Dabei spielt allerdings auch eine Rolle, wie alt eine Frau beim Ende der Behandlung ist, und ob sie auch eine Chemotherapie erhalten hatte - nicht alle Frauen können wieder mit einer normalen Funktion ihrer Eierstöcke rechnen.

Neben der Ausschaltung der Eierstockfunktion gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, die Wirkung von Östrogenen an Brustkrebszellen zu unterbinden.

  • Anti-Östrogene sind Substanzen, die die Rezeptoren für Östrogene in den Tumorzellen besetzen und blockieren. Das bekannteste und am besten untersuchte Anti-Östrogen ist Tamoxifen, das in Brustkrebszellen die Östrogenwirkung unterdrückt, während es in anderen Geweben eine gewisse östrogenartige Wirkung entfaltet. Tamoxifen wird täglich als Tablette eingenommen.
  • Daneben gibt es verschiedene neuere Substanzen, die den Östrogenrezeptor beeinflussen oder ihn, wie der neue Wirkstoff Faslodex, komplett hemmen. Dieses Medikament wird als Injektion etwa alle vier Wochen gegeben.

Behandlung nach den Wechseljahren

Bei Frauen nach den Wechseljahren, bei denen die Eierstöcke ihre Funktion eingestellt haben, werden weiter Östrogene gebildet, wenn auch in geringerer Menge: im Fettgewebe, in der Muskulatur und auch in Brustkrebszellen selbst. Dies lässt sich zum einen durch das oben genannte Tamoxifen, zum anderen aber durch so genannte Aromatasehemmstoffe unterbinden. Die Aromatase ist das Enzym, das die Östrogenbildung aus Hormonvorstufen bewirkt, und Aromatase-Hemmstoffe hindern es daran. Insbesondere eine neuere Generation dieser Wirkstoffe senkt den Östrogenspiegel sehr stark ab. Sie werden wie Tamoxifen täglich als Tablette eingenommen. Schließlich gibt es noch Hormone, die den Östrogenen natürlicherweise entgegenwirken. Das sind die Gestagene (Gelbkörperhormone). Sie bewirken, dass sich sowohl die Östrogenbildung als auch die Anzahl der Östrogenrezeptoren verringert.

Nebenwirkungen der Antihormontherapie

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Nebenwirkungen der Antihormontherapie

Eine Hormonbehandlung ist in der Regel im Vergleich zu einer Chemotherapie besser verträglich, aber auch nicht nebenwirkungsfrei. Da sie adjuvant bei sich ansonsten gesund fühlenden Patientinnen über mehrere Jahre fortgeführt wird, fallen auch weniger schwere Nebenwirkungen ins Gewicht. Welche genaue Medikamentenkombination eine Patientin heute erhält, in welcher Reihenfolge die Mittel eingenommen werden und wann sie abgesetzt werden, errechnen Ärzte heute anhand von in Studien erarbeiteten Risikoprofilen. So soll sichergestellt werden, dass jede Patientin für ihre persönliche Situation den größtmöglichen Nutzen erhält, bei so wenig Nebenwirkungen wir möglich.
Ganz vermeiden lassen sich Nebenwirkungen des Hormonentzugs jedoch nicht. Frauen vor den Wechseljahren müssen als Folge des Östrogenentzugs oft mit typischen Wechseljahresbeschwerden unterschiedlicher Ausprägung rechnen:

  • Ausbleiben der Regel, Hitzewallungen, Schwitzen, auch Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Gewichtszunahme ist ebenfalls nicht selten. Manche Frauen klagen auch über Störungen des Gedächtnisses und der Konzentration.
  • Die Substanz Tamoxifen verändert die Gerinnungseigenschaften des Blutes und kann Thrombosen begünstigen, also den Verschluss von Venen durch Blutgerinnsel.
  • Da Tamoxifen ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirkt, kann es bei Frauen nach den Wechseljahren zu einem krankhaften Aufbau der Gebärmutterschleimhaut kommen. Wie bei der Regelblutung führt dies unter Umständen zu einer Abbruchblutung aus der Gebärmutter. Auch Polypen können entstehen, die unter Umständen ebenfalls zu Blutungen führen. Bei sehr wenigen Patientinnen entartet der krankhafte Aufbau der Gebärmutterschleimhaut auch zu Krebs. Das Risiko für ein sogenanntes Endometriumkarzinom ist bei Frauen mit Tamoxifentherapie gegenüber nicht mit Tamoxifen behandelten Frauen um das zwei- bis vierfache erhöht. Patientinnen werden im Rahmen der Brustkrebsnachsorge daher regelmäßig gynäkologisch untersucht. Treten nach den Wechseljahren Blutungen auf, sollte die Ursache dringend vom Arzt abgeklärt werden.
  • Als eine weitere unerwünschte Folge der Tamoxifen-Therapie ist besonders bei älteren Patientinnen das Risiko einer Linsentrübung im Auge erhöht („Grauer Star“). Statistisch kommt es bei etwa zwei von hundert Patientinnen bei Behandlung über fünf Jahre dazu. Vor Behandlungsbeginn sollte eine augenärztliche Untersuchung erfolgen. Bemerkt eine Patientin im Lauf der Therapie Veränderungen der Sehkraft, sollte sie unbedingt einen Augenarzt aufsuchen. Eine durch Tamoxifen ausgelöste Linsentrübung kann sich manchmal nach Absetzen der Therapie wieder bessern, wenn sie noch im Frühstadium ist.
  • Aromatasehemmstoffe können Muskel- und Gelenkbeschwerden auslösen, vor allem Schmerzen, sowie den Fettstoffwechsel beeinträchtigen. Außerdem begünstigen sie durch den kompletten Östrogenentzug den Abbau von Knochensubstanz (Osteoporose). Dieser Osteoporosegefahr kann man jedoch entgegenarbeiten, Patientinnen sollten mit ihrem Arzt über geeignete Maßnahmen sprechen.

Nebenwirkungen von Frau zu Frau unterschiedlich stark

Die Ausprägung der Nebenwirkungen ist von Präparat zu Präparat und von Frau zu Frau unterschiedlich.. Nicht wenige Patientinnen empfinden nach einer gewissen Anpassungsphase des Körpers die Symptome als kaum belastend.
Bleibt diese Anpassung auch nach einiger Zeit aus, können betroffene Frauen gemeinsam mit ihren Ärzten einen Wechsel des Präparats bedenken. Zunächst kommen allerdings auch andere Möglichkeiten der Linderung in Frage. Gegen Muskel- und Gelenkbeschwerden wirken entzündungshemmende Medikamente, zum Beispiel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (beispielsweise chemische Verwandte von "Aspirin"). Allerdings sollten diese wegen möglicher Nebenwirkungen auf den Magen und das Herz-Kreislauf-System nur in Absprache mit dem Arzt und so kurz und niedrig dosiert wie möglich angewendet werden, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im August 2005 (BfArM: Pressemitteilung vom 10.8.2005, www.bfarm.de, Stichwort Presse).



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 27.01.2006