Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Prostatakrebs, Teilkapitel Vorbeugung: Wenige Risikofaktoren bekannt

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Obwohl das Prostatakarzinom häufig auftritt und heute wirksame Behandlungsverfahren zur Verfügung stehen, ist über seine Ursachen relativ wenig bekannt.
Was können Männer aus dem wenigen vorhandenen Wissen für eine sinnvolle Vorbeugung ableiten?

Alter und Karzinom: Prostatakrebs bei jungen Männern unbekannt

Als Haupt"risiko" gilt bisher das Alter. Vor dem 50. Lebensjahr tritt diese Tumorerkrankung so gut wie nie auf. Die Krebsregister in Deutschland haben zur Bedeutung des Alters folgende Schätzung erstellt:
Von 1.000 heute 40Jährigen wird innerhalb der nächsten zehn Jahre höchstens einer an Prostatakrebs erkranken. Bei den heute 50Jährigen liegt das Risiko bereits höher. Hier wird in den nächsten zehn Jahren einer von 71 Männer betroffen sein. Zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr ist es ein Mann von 21; und ab dem Alter von 70 Jahren muss jeder 16. Mann innerhalb der nächsten zehn Jahre mit der Diagnose eines Prostatatumors rechnen. Weitere Informationen bietet die Broschüre "Krebs in Deutschland", online bei der Gesellschaft der Epidemologischen Krebsregister in Deutschland e.V., www.gekid.de.

Hormone: Mit Medikamenten vorbeugen?

Keine Chemoprävention
Noch gibt es keine Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, mit denen man Prostatakrebs vorbeugen könnte.

Auf jeden Fall sind männliche Hormone an der Entstehung beteiligt: Es wurde noch nie ein Karzinom bei Männern beobachtet, die vor der Pubertät ihre Hoden verloren hatten und nicht mit Testosteron gegen Hormonmangel behandelt wurden. 
Deshalb spielt  der Testosteronentzug eine große Rolle in der Behandlung bereits entstandener Tumoren.
In klinischen Studien wurde aus diesem Grund die Möglichkeit überprüft, Prostatakrebs mit Medikamenten vorzubeugen, die in den Hormonstoffwechsel eingreifen. Diese Mittel werden normalerweise gegen ausgeprägte gutartige Prostatavergrößerungen eingesetzt.
Der bisher am besten untersuchte Wirkstoff Finasterid blockiert ein Enzym, die 5-alpha-Reduktase. Damit wird der Umbau des männlichen Geschlechtshormons Testosteron zu Dihydrotestosteron gebremst, das für das Gewebewachstum verantwortlich ist. Unter den Teilnehmern solcher Studien traten tatsächlich seltener bösartige Tumoren der Prostata auf. Viele der Probanden des ab 2003 veröffentlichten amerikanischen "Finasteride Prostate Cancer Prevention Trials", so der englischsprachige Titel der wichtigsten Studie, klagten jedoch über Probleme mit der Erektionsfähigkeit, über insgesamt nachlassendes Interesse an Sexualität und über Brustdrüsenwachstum. Auch andere Nebenwirkungen traten auf.

Unangenehme Begleiterscheinungen der Alphareduktasehemmer können bei ausgeprägten Beschwerden durch eine Prostatahyperplasie zeitweilig in Kauf genommen werden bis eine Besserung erzielt ist. Anders sieht es dagegen in der Krebsvorbeugung aus: Für die lebenslange Vorbeugung bei gesunden und symptomlosen Männern sind die Mittel nicht zuletzt wegen dieser Nebenwirkungen bisher nicht zugelassen.

Die wissenschaftliche Suche nach Mitteln zur wirksamen Vorbeugung von Prostatakrebs geht weiter. Eine Zulassung als Arzneimittel oder gar eine Empfehlung zur Einnahme hat jedoch bisher keine der geprüften Substanzen erhalten.

Verebung: Krebs in der Familie?

Vererbung
Das Risiko für Prostatakrebs scheint in Familien höher zu sein, in denen schon mehrere Patienten erkrankt sind. Noch gibt es aber keinen Gentest, mit dem sich eine ererbte Veranlagung feststellen lässt.

Etwa 90 bis 95 von 100 Patienten mit Prostatakrebs sind vermutlich "spontan" erkrankt: Wissenschaftler und Ärzte gehen davon aus, dass bei ihnen keine vererbbaren Risikogene beteiligt sind. Veränderungen am Erbmaterial, die zur Tumorentstehung beitragen, finden sich bei ihnen nur in den Prostatatumorzellen, nicht aber in anderen Geweben und auch nicht in den Samenzellen. Daher können sie auch nicht an die Kinder der Patienten weitergegeben werden.

Lange nahm man sogar an, dass Vererbung bei dieser Tumorart gar keine Rolle spielt. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Hinweise verdichtet, dass auch bei Prostatakrebs Faktoren beteiligt sein könnten, die innerhalb einer Familie weitergegeben werden. 
Fachleute gehen heute davon aus, dass vor allem bei Männern, die vergleichsweise jung erkranken und deren Tumor rasch wächst, entsprechende Gene eine Rolle spielen könnten. Diese Erbanlagen führen nach bisherigem Kenntnisstand allerdings nicht zwangsläufig zu Prostatakrebs, nicht jeder Betroffene erkrankt tatsächlich. Auch steht für die Praxis noch kein Gentest zur Verfügung, mit dem sich mögliche Risikogene nachweisen ließen.

Gemeinsamer Lebensstil oder gemeinsame Gene?

Wie schwierig die Forschung zu möglichen genetischen Ursachen einer Krebserkrankung sein kann, belegt das Beispiel Prostatakrebs ebenfalls.

In einer Auswertung des schwedischen Familienkrebsregisters stellten Wissenschaftler zwar fest, dass Prostatakrebs in manchen Familien tatsächlich häufiger vorkam als zu erwarten gewesen wäre. Die Häufung schien zunächst jedoch nur darauf zurückzuführen zu sein, dass Brüder, Söhne oder Cousins von Patienten aufgrund der Erkrankung ihrer Verwandten auch überdurchschnittlich häufig einen PSA-Test und weitere Früherkennungsmaßnahmen durchführen ließen.

Im Jahr 2010 zeigte eine erneute, detaillierte Auswertung, dass die Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen die Krankheitsrate in manchen Familien nicht ausreichend erklärte: Dazu hatten die Forscher insgesamt Daten von mehr als 26.500 Prostatakrebspatienten im schwedischen Krebsregister ausgewertet. Mehr als 5.600 von ihnen stammten aus Familien, in denen die Erkrankung bereits ein- oder mehrmals aufgetreten war.
Das Ergebnis: Je mehr direkte Angehörige, also Brüder und Vater, betroffen sind, desto höher ist das persönliche Risiko eines Mannes, ebenfalls an Prostatakrebs zu erkranken. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je jünger die erkrankten Angehörigen bei der Diagnosestellung waren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass vererbbare Gene an der Erkrankung beteiligt sind.

Einige "Kandidaten" für solche Risikogene sind schon länger bekannt. Ein internationales Forscherkonsortium, an dem insgesamt 48 Organisationen beteiligt sind, konnte im Sommer 2011 weitere Details vorstellen: Die beteiligten Wissenschaftler verglichen das Erbmaterial Gesunder mit dem von Prostatakrebspatienten. Auf sieben weiteren Genabschnitten fanden sie auffallende Unterschiede. Jede dieser Varianten trägt allein anscheinend nur wenig zum Risiko bei. Es gibt jedoch Männer, die mehr als eine Veränderung aufweisen, und entsprechend stärker steigt auch für sie die Wahrscheinlichkeit zu erkranken.

Anhand dieser Ergebnisse suchen Forscher nun weltweit gezielt nach weiteren Hinweisen auf vererbbare Faktoren, die zu Prostatakrebs beitragen. Denn klar ist auch: Es muss noch weitere Gene und Genabschnitte geben, die das Risiko beeinflussen können.

Was tun, wenn Krebs in der Familie zu liegen scheint?

Für Männer mit mehreren an Prostatakrebs erkrankten Verwandten oder mit auffallend jung Betroffenen in der Familie steht bisher kein Gentest zur Verfügung. Ob sie ebenfalls ein höheres Risiko tragen, lässt sich daher nicht feststellen.
Ansprechpartner für eine Beratung und eventuell gezielte Früherkennungsmaßnahmen ist der Hausarzt oder der behandelnde Urologe. Er kann gegebenenfalls auch zu einer spezialisierten genetischen Beratungsstelle überweisen.

Ernährung: Zusammenhang bisher nicht geklärt

Keine Diät notwendig
Keine Diät kann vor Prostatakrebs schützen. Vitamintabletten schaden unter Umständen sogar.

Schon seit längerem wird der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Prostatatumoren diskutiert und in Studien untersucht. Bisher konnten allerdings keine einzelnen Ernährungsfaktoren identifiziert werden, die - über die allgemein als wichtig für die Gesundheit geltenden Faktoren hinaus - in der Vorbeugung Sinn machen würden.

Derzeit ist weder klar, ob besonders fettreiche Nahrung eine ungünstige Rolle spielt. Noch lässt sich ein Nutzen sogenannter Phytohormone aus Soja, der des Minerals Selen, die Rolle von Vitamin E oder die der sekundärer Pflanzenstoffe wie des Lycopins aus Tomaten sicher belegen. Selbst ein direkter Zusammenhang mit dem Verzehr von Obst und Gemüse konnte in der europäischen Ernährungsstudie EPIC nicht nachgewiesen werden.
Prostatakrebs und Alkoholkonsum sind dagegen offensichtlich miteinander verknüpft, auch wenn ein Einfluss möglicherweise erst bei regelmäßigem, starkem Alkoholkonsum statistisch zum Tragen kommt.

Energiebilanz: Essen und bewegen

Insgesamt könnten mögliche Auswirkungen einer ungesunden Ernährungsweise auf die Prostata eher mit den Themen Körpergewicht und Bewegung oder Sport verknüpft sein. Wer körperlich aktiv ist, entweder im Alltag, durch körperliche Arbeit oder mit Sport, neigt seltener zu Übergewicht, auch chronische Stoffwechselveränderungen sind bei ausgeglichener Energiebilanz seltener. 
Ob und wie sich dies auf das Prostatakrebsrisiko auswirkt, ob ausgewogene Ernährung und viel Bewegung und damit eine ausgeglichene Energiebilanz eventuell sogar das Rückfallrisiko bei bereits erkrankten Patienten beeinflussen, dazu sind jedoch noch viele Fragen offen.  

Experten raten heute trotzdem wegen der allgemeinen Gesunderhaltung, auf eine ausgeglichene Energiebilanz zu achten, möglichst schon von der Kindheit an und lebenslang. 

Besondere Lebensmittel oder gar die Einnahme isolierter Stoffe als Tablette werden dagegen nicht empfohlen, so der Stand der Forschung zum Thema Krebsprävention: Risiken sind nicht auszuschließen. In den USA wurde beispielsweise bereits 2007 die "SELECT"-Studie abgebrochen, in der eine vorbeugende Wirkung von Vitamin E und Selen geprüft werden sollte. Eine Auswertung von 2011 zeigt: Die beiden Stoffe nützen nicht nur nichts - bei Männern, die regelmäßig Vitamin E einnahmen, stieg das Risiko sogar.

Alkohol, Sex, Geschlechtskrankheiten: Kein Risiko belegt

Immer wieder werden beim Thema Prostatakrebs auch Risikofaktoren diskutiert, die sich unter anderem auf den vermeintlich ungesunden Lebenswandel betroffener Patienten beziehen. Viele dieser Annahmen konnten allerdings zweifelsfrei widerlegt werden; für andere wurde in Studien zumindest kein wirklich abschließender Beweis gefunden.

Ein Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und Tabakkonsum  ist beispielsweise wenig wahrscheinlich, wenn auch noch nicht endgültig ausgeschlossen. Hier ist weitere Forschung notwendig.
Noch nicht völlig geklärt ist der Einfluss chronischer Prostataentzündungen. Ein messbar hohes Risiko scheint von chronischen Entzündungen allerdings nicht auszugehen.

Zu den Faktoren, die das Risiko laut aktuellem Forschungsstand nicht steigern, gehören

  • Vasektomie (Sterilisation = Durchtrennung der Samenleiter zur Empfängnisverhütung),
  • keine, geringe oder auch besonders ausgeprägte sexuelle Aktivität,
  • sexuell übertragbare Krankheiten.
  • Ausgeschlossen ist auch die Infektion mit humanen Papillomviren als Ursache.

Bisher nicht geklärt ist auch, ob ein Einfluss der gutartigen Prostatavergrößerung im Alter auf das Krebsrisiko besteht. Die vorliegenden Daten sprechen eher dagegen, dies auch aufgrund der Häufigkeit der benignen Hyperplasie. Allenfalls kann eine gemeinsame Ursache im anhaltenden Einfluss des männlichen Geschlechtshormons Testosteron gefunden werden.

Weitere Informationen und Fachliteratur (Auswahl)

Informationen zu Häufigkeit und Altersverteilung von Prostatakrebs bieten die Broschüren "Krebs in Deutschland" sowie Datenbanken zu Inzidenz, Mortalität usw., herausgegeben von der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland und dem Robert-Koch-Institut, online unter www.gekid.de.

Einen Überblick über die Prävention von Prostatakrebs mit Alphareduktasehemmern sowie Hinweise auf weitere Literatur bietet: Theoret MR et al. (2011): The Risks and Benefits of 5α-Reductase Inhibitors for Prostate-Cancer Prevention. NEJM, online vor Print 15.6.11, doi:10.1056/NEJMp1106783, www.nejm.org.

Zur Forschung nach Risikogenen gibt es viele Studien und Veröffentlichungen, hier eine Auswahl:
In München wird das Nationale Forschungsprojekt "Familiäres Prostatakarzinom" koordiniert, mehr unter www.mriu.de/pca/index.html.
Hemminki K, Rawal R, Bermejo JL (2005): Prostate Cancer Screening, Changing Age-specific Incidence Trends and Implications on Familial Risk.Int J Cancer 113(2):312-5.doi: 10.1002/ijc.20568.
Brandt A, Bermejo JL, Sundquist J, Hemminki K: Age-Specific Risk of Incident Prostate Cancer and Risk of Death from Prostate Cancer Defined by the Number of Affected Family Members. European Urology 2010,
doi:10.1016/j.eururo.2010.02.002.
Eeles RA, Kote-Jarai Z et al. (2011): Seven prostate cancer Susceptibility loci identified by a multi-stage genome-wide association study. Nature Genetics 2011, online vor Print 10.7.11, DOI: 10.1038/ng.882

Ernährung, Lebensstil und Prostatakrebs (Auswahl):
EPIC-Projekt, online unter http://epic.iarc.fr
Gong Z et al. (2009): Alcohol consumption, finasteride, and prostate cancer risk. Cancer 115(16) 3661-3669, doi: 10.1002/cncr.24423.
Huncharek M et al. (2010): Smoking as a Risk Factor for Prostate Cancer:
A Meta-Analysis of 24 Prospective Cohort Studies. Am J Public Health. 100:693–701.doi:10.2105/AJPH.2008.150508
Stratton J, Godwin M (2011): The effect of supplemental vitamins and minerals on the development of prostate cancer: a systematic review and meta-analysis. Family Practice 28 (3): 243-252. doi: 10.1093/fampra/cmq115.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 12.07.2011