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Bei Männern wird die Harnröhre unterhalb des Blasenausgangs von einer Drüse umschlossen: der Prostata oder Vorsteherdrüse. Hinter der Prostata liegt der Enddarm, unterhalb das Schambein und darüber die Harnblase und die Samenbläschen. In unmittelbarer Umgebung der Prostata verlaufen Nervenstränge und Blutgefäße.
Die Drüse ist in zwei Lappen rechts und links der Harnröhre gegliedert, die von einer Kapsel umschlossen werden. Innerhalb dieser bindegewebigen Hülle bestehen die beiden Hälften der Prostata aus Muskelfasern und vor allem aus Drüsenzellen.
Diese Drüsenzellen bilden ein Sekret, das über die Harnröhre abfließt. Bei einem Samenerguss scheidet die Prostata eine größere Menge dieser Flüssigkeit aus, die dann mit den Samenzellen das Ejakulat bildet. Sie sorgt für die Beweglichkeit und die Befruchtungsfähigkeit der Spermien.
Wachstum und Funktion der Prostata sind vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron abhängig. Ohne die Stimulation durch das Hormon, das in größeren Mengen erst mit Beginn der Pubertät gebildet wird, bleibt die Prostata unterentwickelt und produziert kein Sekret.
Testosteron wirkt lebenslang als Wachstumsreiz auf die Prostata: In der zweiten Lebenshälfte lassen sich bei vielen Männern gutartige Vergrößerungen feststellen, die sogenannte benigne Prostatahyperplasie (BPH) oder gutartige Prostataadenome. Die eigentlichen Auslöser für diese Vergrößerungen sind bisher unbekannt; vermutlich müssen mehrere Faktoren zusammenwirken.
Gutartige Wucherungen entstehen überwiegend im Teil der Prostata, der die Harnröhre umschließt. Schwierigkeiten beim Wasserlassen sind daher ein typisches Symptom. Prostatakrebs wächst dagegen bei neun von zehn Patienten im äußeren Drüsenanteil, vor allem auf der dem Darm zugewandten Seite.
Das Prostatakarzinom ist inzwischen der häufigste Tumor bei Männern, hinter rund einem Viertel der bei ihnen neu diagnostizierten Tumorerkrankungen steht Krebs der Vorsteherdrüse. In Deutschland wird derzeit jährlich bei über 60.100 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Der deutlich gestiegenen Zahl an gestellten Diagnosen stehe allerdings keine Steigerung der Sterblichkeit entgegen, so die Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister und das Robert-Koch-Institut Anfang 2010 (Broschüre "Krebs in Deutschland", abrufbar zum Beispiel unter www.gekid.de).
Dass sich die statistischen Angaben im Vergleich zu den Vorjahren derartig verändert haben, erklären die Experten mit dem in Deutschland häufig durchgeführten PSA-Testung, der Untersuchung auf das Prostata-spezifische Antigen. Die Vertreter der Krebsregister gehen davon aus, dass mit dem PSA-Test lediglich eine Vorverlegung der Diagnose um einige Jahre erreicht wird. Für diese Annahme spricht auch, dass in den Statistiken das mittlere Erkrankungsalter von über 70 Jahren auf derzeit 69 Jahre gesunken ist. Vor dem 50. Lebensjahr tritt Prostatakrebs sehr selten auf, und bei jungen Männern ist die Erkrankung unbekannt.
Warum die Früherkennung von Prostatakrebs von Experten kontrovers diskutiert wird, hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Kapitel zusammengestellt.
Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die eines gemeinsam haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Krebserkrankungen werden untergliedert in die
Bösartige Tumoren sind, anders als benigne beziehungsweise gutartige Geschwülste, der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen, sie vermehren sich in der Regel ungebremst. Wie die anderen soliden Tumoren kann dann auch das Prostatakarzinom über seine bindegewebige Kapsel hinaus in umliegendes Gewebe einwachsen, es verdrängen und zerstören. Einzelne Tumorzellen können sich aus dem Gewebeverband lösen und über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen einwandern. Schreitet eine Prostatakrebserkrankung fort, finden sich bei betroffenen Patienten Tumorzellen beispielsweise auch in den Lymphknoten oder in den Knochen.
Heute weiß man, dass Krebs durch Veränderungen der Erbinformation einer einzelnen Zelle entsteht. Entgeht diese Zelle den körpereigenen Kontrollmechanismen und kann sie sich trotz der Veränderungen weiter teilen, so gibt sie diese Eigenschaften auch an ihre Tochterzellen weiter. Ein so entstandener Tumor weist oft noch viele Eigenschaften des Gewebes auf, aus dem er ursprünglich stammt. Es gibt jedoch auch Tumoren, die mit zunehmendem Wachstum ihre gewebetypischen Eigenschaften mehr und mehr verlieren, neue aufweisen oder zunehmend an Funktionalität einbüßen.
In der Krebsforschung erfassen Wissenschaftler diese besonderen biologischen Eigenschaften von Tumoren und vergleichen sie mit denen gesunden Gewebes. Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen haben eine wachsende Bedeutung für die Krebsdiagostik.
In der Regel müssen viele Faktoren zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. So wenig es d e n Krebs gibt, so wenig kann man auch von d e r Krebsursache sprechen. Auch wenn man heute viele krebsfördernde Chemikalien oder andere schädliche äußere Einflüsse kennt, spielen diese doch längst nicht bei allen Tumorarten eine Rolle. Beim Prostatakarzinom lässt sich der Einfluss solcher Faktoren bisher nicht oder zumindest nicht sicher nachweisen.
Auch genetische "Unfälle" oder angeborene Instabilitäten führen unter Umständen zur Krebsentstehung: Mit jeder Zellteilung, die zur Erneuerung und Regeneration gesunden Gewebes im Lauf des Lebens notwendig ist, steigt rein statistisch auch die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas schief geht.
Was heute über die Entstehung von Prostatakrebs bekannt ist und warum es bisher kaum Möglichkeiten gibt, dieser Tumorart vorzubeugen, schildert das folgende Kapitel.