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Heute weiß man, dass die Ursache für die Entstehung jeder Krebsart in einer Veränderung des Erbmaterials von Körperzellen liegt, die zur Fehlsteuerung des Wachstums führt. In der Regel müssen viele Faktoren, äußere und innere, zusammenwirken, um eine Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln. So wenig es "den" Krebs gibt, so wenig kann man auch von "der" Krebsursache sprechen. Die gemeinsame Endstrecke dieser Schädigungen und Störungen ist jedoch immer eine Veränderung von Kontrollgenen des Zellwachstums, was zu ungeregelter Zellteilung und Verlust gewebetypischer Eigenschaften führt.
Äußere Einflüsse, die zur Auslösung einer Krebserkrankung
beitragen können, wie beispielsweise Tabakrauch, die ultravioletten
Strahlen der Sonne, radioaktive Strahlung, bestimmte Schimmelpilze auf
Lebensmitteln, Fehlernährung, einige Virusinfektionen oder manche
Chemikalien, können nicht allein verantwortlich gemacht werden. Das
Rauchen ist allerdings für Lungenkrebs mit weitem Abstand der
Hauptrisikofaktor.
Wesentlich
für die Schädlichkeit Krebs fördernder Einflüsse ist auch die Dauer des
Einwirkens. Zusammen mit der Abnahme der Reparaturfähigkeiten des
menschlichen Organismus im Alter ist dies einer der Gründe dafür, dass
Krebserkrankungen bei älteren Menschen wesentlich häufiger sind als im
jüngeren Lebensalter. An Lungenkrebs erkranken zwar in der Regel
Menschen eher in der zweiten Lebenshälfte. Entscheidend ist jedoch viel
mehr das Alter, in dem Raucher zum ersten zur Zigarette greifen. Je
früher Jugendliche oder sogar Kinder zu rauchen beginnen, umso früher
steigt auch ihr Risiko für Lungenkrebs.
Die Lunge ist ein Organ mit einer absolut lebenswichtigen Funktion: In den Lungen wird der Luftsauerstoff auf die roten Blutkörperchen übertragen, die ihn über die Blutbahn im ganzen Körper an die Zellen verteilen.
Die Atemluft gelangt durch die Luftröhre (Trachea) hinunter in den
Brustkorb. An ihrem unteren Ende teilt sie sich in die zwei
Hauptbronchien, die an den Lungenwurzeln in die beiden Lungenflügel
eintreten und sich wie ein Baum in immer kleinere und feinere Äste, die
Bronchien und Bronchiolen, aufteilen. Das Ende bilden tief im Gewebe
die Lungenbläschen (Alveolen). Hier stehen Luftwege und Blutgefäße in
engster Verbindung. Durch die Wände der etwa 300 Millionen
Lungenbläschen, die zusammengenommen eine Austauschfläche von 100 bis
120 Quadratmetern bilden, wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen und
Kohlendioxid aus dem Blut in die Atemluft abgegeben.
Die Luftröhre und das Bronchialsystem sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Ihre Oberfläche ist bedeckt von einem schleimigen Sekret, das Schwebteilchen und Staubpartikel aus der Atemluft bindet. Ein dichter Besatz an beweglichen Flimmerhärchen sorgt für einen beständigen Transport aus den Atemwegen heraus, der durch Räuspern und Husten unterstützt wird. Dieser fortlaufende Prozess dient der Reinigung und Freihaltung der Atemwege.
Die Lungenflügel ähneln in ihrer Form abgestumpften Kegeln. Sie liegen auf der Kuppel des Zwerchfells, dem wichtigsten Atemmuskel, auf. Ihre Spitzen ragen etwas über die Ebene der Schlüsselbeine hinaus. Die Lungenflügel sind in Lungenlappen untergliedert, die jeweils von einem Bronchialast versorgt werden: Den rechten Flügel teilen zwei tiefe Spalten in Ober-, Mittel- und Unterlappen. Der linke Lungenflügel ist wegen der linksseitigen Lage des Herzens kleiner und hat nur zwei Lappen. Die Lungenlappen haben ihrerseits als Untereinheiten zehn Lungensegmente mit jeweils eigener Versorgung durch einen Bronchialast und Gefäße. Das Äußere der Lunge ist von einer Haut überzogen, dem Lungenfell (Pleura). Zwischen der Lungenoberfläche und der ebenfalls von Pleura (hier Rippenfell) ausgekleideten Brustwand befindet sich ein dünner Spalt, der mit wenig Flüssigkeit gefüllt ist, der so genannte Pleuraspalt. Dadurch können sich bei der Atmung Lunge und Brustwand gegeneinander verschieben. Die Flüssigkeit im Pleuraspalt kann bei Entzündungen oder Tumorbefall der Pleura vermehrt sein und einen Erguss bilden.
Neben Nerven und Blutgefäßen durchziehen auch Lymphbahnen die Lunge, die Gewebeflüssigkeit und alle möglichen Abfallstoffe aufnehmen. Die abführenden Lymphgefäße verlaufen von der Lungenpforte entlang der Luftröhre und münden schließlich in das Blutgefäßsystem. Bei Krebserkrankungen können über die Lymphflüssigkeit auch Krebszellen verschleppt werden. Sie werden oft zunächst in den zwischengeschalteten Lymphknoten im Bereich der Lungenpforte und des Raums zwischen den Lungenflügeln, des Mediastinums, abgefangen. Normalerweise erreichen Lymphknoten maximal die Größe von Erbsen. Bei Tumorerkrankungen, aber auch bei Entzündungen können sie vergrößert sein.
Bösartige Tumoren in der Lunge können als Absiedelungen von Tumoren in anderen Körperorganen (Metastasen) entstehen oder vom Lungengewebe selbst ausgehen, in erster Linie von den Zellen, die die Atemwege (Bronchien) auskleiden. Nur diese Tumoren bezeichnet man im engeren Sinn als Lungenkarzinome oder Bronchialkarzinome. Patienten, die an Lungenmetastasen infolge einer anderen Krebserkrankung leiden, finden Informationen in der Rubrik "Tumorarten".
Im Jahr 2006 erkrankten in Deutschland etwa 32.500 Männer und 14.600 Frauen an Lungenkrebs. Bei Männern und Frauen ist Lungenkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung. Das mittlere Erkrankungsalter, in dem die Diagnose gestellt wird, liegt bei etwa 69 Jahren. Über 90 Prozent der Männer und rund 60 Prozent der Frauen mit Lungenkrebs haben längere Zeit geraucht. Das Risiko zu erkranken hängt im Wesentlichen von den "Packungsjahren" ab, also von der Zahl der Jahre, in denen geraucht wurde und vom Alter, in dem der erste "Griff zur Kippe" erfolgte. Im Vergleich mit anderen EU-Ländern liegt die Erkrankungsrate für Männer im Mittelfeld, während die deutschen Frauen bei den Erkrankungsraten fast an der Spitze stehen. Während bei Männern seit Mitte der 1980er-Jahre die Anzahl der Neuerkrankungen zurückgeht, steigt sie bei Frauen weiter an. Die Zunahme von Lungenkrebs bei Frauen wird mit deren zunehmendem Zigarettenkonsum seit den 80er-Jahren in Verbindung gebracht. Über die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten für Lungenkrebs informieren das Robert-Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in der Broschüren "Krebs in Deutschland". Sie ist online abrufbar unter www.gekid.de.
Nach dem Erscheinungsbild des Tumorgewebes unter dem Mikroskop lassen sich im Wesentlichen vier Formen von Bronchialkarzinomen unterscheiden: Am häufigsten sind von Schleimhautdeckzellen ausgehende Plattenepithelkarzinome und die aus drüsenartigen Zellen abstammenden Adenokarzinome mit zusammen etwa 70 bis 75 Prozent. Rund 20 Prozent der Tumoren sind kleinzellige Karzinome, zehn Prozent großzellige Karzinome und andere seltenere Unterformen.
Für die Behandlungsplanung wird allerdings nur die Unterscheidung zwischen der Gruppe der nicht-kleinzelligen und den kleinzelligen Bronchialkarzinome getroffen.
In der Gruppe der nicht-kleinzelligen Karzinome werden Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome zusammengefasst. Es ist allerdings zu erwarten, dass sich durch die immer feineren Methoden der Molekularbiologie in Zukunft auch Unterformen besser charakterisieren und differenzieren lassen. Die Hoffnung ist, dass sich daraus auch gezielte, auf die Biologie und die Wachstumsregulation des einzelnen Tumors abgestimmte, Behandlungsmöglichkeiten ergeben werden.
Auch gutartige Tumoren können sich in der Lunge entwickeln, etwa aus dem fasrigen Bindegewebe, aus Knorpelgewebe oder aus fehlgebildeten Geweben. Mit einem Anteil von weniger als zehn Prozent sind sie allerdings selten. Kennzeichnend für gutartige Tumoren ist, dass sie in der Regel langsam wachsen und gesundes Gewebe zwar verdrängen, aber nicht zerstören.