
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDie folgenden Texte des Krebsinformationsdienstes beziehen sich auf Dickdarmkrebs, fachsprachlich je nach Sitz des Tumors auch als Kolonkarzinom oder Rektumkarzinom bezeichnet. Auch die Zusammenfassung "kolorektale Karzinome" wird verwendet.
In diesem Text nicht thematisiert sind GIST und Lymphome im Verdauungstrakt: Patienten mit so genannten Gastrointestinalen Stromatumoren finden Informationen für ihre Situation unter dem Stichwort "GIST-Tumoren". Patienten mit Lymphomen im Verdauungstrakt finden Informationen unter dem Stichwort "MALT-Lymphome".
Im menschlichen Verdauungstrakt übernimmt der Magen die Vorverdauung. Die Magensäure wirkt als Barriere gegen Krankheitskeime in der Nahrung. Leber und Bauspeicheldrüse liefern die für die Verdauung notwendigen Enzyme. Im Dünndarm findet die eigentliche Verdauung statt, von dort aus treten die meisten Nährstoffe in den Körper über.
Der Dickdarm speichert die unverdaulichen Reste bis zur nächsten Stuhlentleerung und entzieht ihnen Wasser und Salze.
Über Blinddarm und Wurmfortsatz (Appendix) schließt sich der Dickdarm an den Dünndarm an. Das so genannte Kolon, der Grimmdarm, verläuft in der Form eines umgekehrten "U" durch den Bauchraum, mit einem aufsteigenden Teil, einem Querteil und einem absteigenden Teil. Mit einer kleinen Beugung oder Schlinge, dem so genannten Sigma, geht das Kolon in das Rektum (Enddarm, Mastdarm) über. Am Darmausgang sitzt der Afterschließmuskel. Insgesamt ist der Dickdarm bei erwachsenen Menschen etwas über eineinhalb Meter lang.
In welchem Abschnitt des Dickdarms ein Karzinom auftritt, bestimmt die weitere Behandlung, zum Beispiel die Möglichkeit, bei einer Operation den Schließmuskel zu erhalten. Fachleute untergliedern die einzelnen Abschnitte daher noch weiter, um den Sitz eines Karzinoms zum Beispiel in Arztbriefen möglichst genau angeben zu können. Sie nutzen dazu eine internationale Kodierung, die "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten", abgekürzt ICD (hier ein Link zur zehnten Fassung/ICD-10 von 2006 unter www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/
icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm, Kolonkarzinome haben dort die Hauptnummer C18, Karzinome am Übergang zwischen Kolon und Rektum die Nummer C19, Rektumkarzinome werden unter C20 geführt).
Alle Dickdarmabschnitte bestehen aus kräftigen Gewebeschichten und weisen viele elastische Ausbuchtungen auf, damit sich der Darm an unterschiedliche Füllungsgrade anpassen kann. Bindegewebe sorgt für Festigkeit und Dehnbarkeit. Für den Stuhltransport sind Muskelfasern verantwortlich. Sie bewirken das wellenförmige Zusammenziehen aufeinander folgender Darmabschnitte, die Peristaltik. Die innerste Schicht des Darmgewebes bildet Schleimhaut mit schleimproduzierenden Drüsenzellen. Blutgefäße versorgen den Darm mit Sauerstoff und transportieren aus dem verdauten Nahrungsbrei zurückgewonnene Salze und Wasser ab. Lymphgefäße und Lymphknoten als Organe des Immunsystems sorgen wie eine Art Filter dafür, dass die immer vorhandenen Darmbakterien und andere Keime aus dem Stuhl nicht in den Körper gelangen.
In Deutschland erkrankten im Jahr 2006 über 36.300 Männer und mehr als 32.400 Frauen an einem kolorektalen Karzinom. Damit ist Darmkrebs laut Statistik derzeit die zweithäufigste Tumorerkrankung. Deutschland liegt bei den Neuerkrankungen im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Fachleute machen dafür unter anderem die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten verantwortlich, mehr dazu im Kapitel "Risikofaktoren für Darmkrebs".
Während die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen Jahren insgesamt zugenommen hat, sinken die altersstandardiserten Sterberaten: Immer mehr Menschen können langfristig mit ihrer Erkrankung leben. Fachleute schätzen, dass im Jahr 2010 etwa 119.000 Frauen und 129.00 Männer in Deutschland leben, bei denen in den vorausgegangenen fünf Jahren Darmkrebs diagnostiziert wurde. Angaben zur Verbreitung von Krebserkrankungen bezeichnet man auch als Prävalenz. Darmkrebs ist bei älteren Menschen deutlich häufiger als bei jüngeren: Männer und Frauen, die jünger als 40 sind, haben nur ein sehr geringes Risiko, in den nächsten zehn Jahren zu erkranken.
Anders sehen die Angaben für Patienten aus, bei denen die Erkrankung auf seltene Genveränderungen zurückgeführt wird, die auch vererbt werden können: Betroffene mit der sogenannten familiären adenomatösen Polyposis (FAP) oder der hereditären nicht polypösen Form von Darmkrebs (HNPCC) erkranken häufig bereits sehr jung, mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Darmkrebsrisiko".
Angaben zu Krebsneuerkrankungen sind der aktuellen Auflage der Broschüre "Krebs in Deutschland" aus dem Jahr 2010 entnommen. Erstellt wird die Broschüre alle zwei Jahre vom Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de). Angaben zur Verbreitung von Krebserkrankungen stammen aus der Broschüre "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland", diese ist über die Seiten des Robert-Koch-Instituts zugänglich (www.rki.de, Rubrik "Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie"). Weitere Informationen zu Krebsstatistiken hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.
Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die folgende Eigenschaften gemeinsam haben: unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes, Eindringen in umliegendes Gewebe (Infiltration) und Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen).
Krebserkrankungen werden untergliedert in die
Bösartige oder "maligne" Tumoren sind, anders als gutartige oder "benigne" Geschwülste, der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Sie vermehren sich in der Regel ungebremst. Wie die anderen soliden Tumoren können auch kolorektale Karzinome in tiefere Darmschichten und über den Darm hinaus in umliegendes Gewebe eindringen, es verdrängen und zerstören. Einzelne Tumorzellen können sich aus dem Gewebeverband lösen, über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen gelangen und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Schreitet Darmkrebs fort, finden sich bei betroffenen Patienten Tumorzellen beispielsweise auch in den Lymphknoten oder in anderen Organen wie etwa der Leber.
Heute weiß man, dass der Krebsentstehung Veränderungen in der Erbinformation vorausgehen. Nur bei sehr wenigen Menschen mit Darmkrebs, vermutlich bei weniger als fünf von hundert Betroffenen, finden sich diese Veränderungen nicht nur in Darmzellen, sondern in allen Zellen des Körpers, und können vererbt werden.
Bei allen anderen Patienten entsteht ein solcher "Fehler" erst im Lauf des Lebens, und zunächst ist auch nur eine einzelne Zelle des Darmgewebes betroffen. Sind die Veränderungen nicht so schwerwiegend, dass die Zelle abstirbt, und entgeht sie den körpereigenen Kontrollmechanismen, kann sie sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. So gibt diese Zelle ihre neuen Eigenschaften an ihre Tochterzellen weiter, die sich selbst weiter vervielfältigen und schließlich einen Tumor bilden.
Das entstandene Krebsgewebe weist oft noch viele Ähnlichkeiten mit normalem Darmgewebe auf. Es gibt jedoch auch Tumoren, die mit zunehmendem Wachstum ihre gewebetypischen Eigenschaften mehr und mehr verlieren, neue aufweisen oder zunehmend an Funktionalität einbüßen.
Aus solchen Untersuchungen weiß man heute, dass Darmkrebs in den allermeisten Fällen aus gutartigen Vorstufen hervorgeht. Diese sind bei der Darmspiegelung als kleine Wucherungen der Darmschleimhaut sichtbar, als so genannte Polypen, und können noch während der Untersuchung entfernt werden. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass die meisten dieser gutartigen "Tumoren" so genannte Adenome sind, andere Formen von Darmpolypen kommen seltener vor.
Viele dieser Polypen würden vermutlich harmlos bleiben. Nur ein Teil scheint sich, so der bisherige Wissensstand, über einen längeren Zeitraum und in mehreren Schritten zum Karzinom zu entwickeln.
Heute kennt man mehrere aufeinanderfolgende, charakteristische Genveränderungen, die hinter dieser schrittweisen Entwicklung stehen. Könnte man sie nachweisen, zum Beispiel an abgeschilferten Schleimhautzellen aus einer Stuhlprobe, ließe sich dies zur Krebsfrüherkennung nutzen. Die bisher zur Verfügung stehenden molekularbiologischen Tests sind für den Einsatz in der Praxis allerdings noch nicht empfindlich genug, so eine Leitlinie zum Thema Darmkrebs, die die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und die Deutsche Krebsgesellschaft gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften 2008 vorgelegt haben (für Fachleute: www.dgvs.de/media/Leitlinie.pdf).
Zurzeit ist daher die Darmspiegelung die wichtigste Früherkennungsmethode. Bei ihr können Schleimhautpolypen als mögliche Krebsvorstufen gleich entfernt werden, mehr dazu hier.