Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

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Dickdarmkrebs: Diagnose, Therapie, Nachsorge -
Informationen für Betroffene, ihre Angehörigen und Freunde

In Deutschland erkrankten im Jahr 2006 über 36.000 Männer und mehr als 32.000 Frauen an einem kolorektalen Karzinom, so die Schätzungen der Krebsregister. Fachsprachlich bezeichnet man diese Tumorerkrankungen als Kolonkarzinom, wenn obere Abschnitte des Dickdarms betroffen sind, und als Rektumkarzinom, wenn sich Tumoren im letzten Darmabschnitt bis zum Schließmuskel finden. Krebserkrankungen des Dünndarms sind dagegen sehr selten und nicht mit dem weit häufigeren Dickdarmkrebs zu verwechseln.

Die folgenden Informationen richten sich an Menschen, die sich über die heute bekannten Risikofaktoren und die Früherkennung von Darmkrebs informieren wollen, und sie bieten Patienten mit einem kolorektalen Karzinom, ihren Angehörigen und Interessierten eine Übersicht über Diagnose, Therapie und Nachsorge dieser Erkrankung. Eine ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Quellen

Eine wesentliche Quelle für die Erarbeitung der Informationen war die "S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom". Sie wurde in den Jahren 2004 und 2008 bei Fachkonferenzen erarbeitet und bietet Fachleuten eine Rahmenempfehlung für die Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung von Dickdarmkrebs. Herausgeber sind die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) sowie weitere medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaften und Patientenorganisationen. Die Leitlinie ist im Internet unter www.dgvs.de/media/Leitlinie.pdf frei zugänglich, richtet sich aber vorwiegend an Fachleute.
Eine wichtige Quelle zum Thema Darmkrebs sind weiter Informationen der Deutschen ILCO e.V., der Vereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs, www.ilco.de.
Weitere bei der Erstellung genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt in den Texten genannt, soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt.

Das Erstellungs- und Aktualisierungsdatum der folgenden Informationen ist ebenfalls im jeweiligen Text aufgeführt.

Links

Links auf diesen Seiten führen zu weiteren, erläuternden Informationen unter www.krebsinformationsdienst.de, die bei Bedarf oder besonderem Interesse einzelne Themen weiter vertiefen. Ebenfalls verlinkt sind Informationen anderer Anbieter, wenn diese als Quelle genutzt wurden oder Betroffenen weitere Hintergründe und Angebote vermitteln. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Inhalte anderer Anbieter übernimmt der Krebsinformationsdienst keine Haftung.

Dickdarmkrebs:
Anatomie des Darmtraktes, Zahlen zu Darmkrebs, Krebsentstehung

Grundlagen

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Die folgenden Texte des Krebsinformationsdienstes beziehen sich auf Dickdarmkrebs, fachsprachlich je nach Sitz des Tumors auch als Kolonkarzinom oder Rektumkarzinom bezeichnet. Auch die Zusammenfassung "kolorektale Karzinome" wird verwendet.

In diesem Text nicht thematisiert sind GIST und Lymphome im Verdauungstrakt: Patienten mit so genannten Gastrointestinalen Stromatumoren finden Informationen für ihre Situation unter dem Stichwort "GIST-Tumoren". Patienten mit Lymphomen im Verdauungstrakt finden Informationen unter dem Stichwort "MALT-Lymphome".

Anatomie: Aufbau des Dickarms

Im menschlichen Verdauungstrakt übernimmt der Magen die Vorverdauung. Die Magensäure wirkt als Barriere gegen Krankheitskeime in der Nahrung. Leber und Bauspeicheldrüse liefern die für die Verdauung notwendigen Enzyme. Im Dünndarm findet die eigentliche Verdauung statt, von dort aus treten die meisten Nährstoffe in den Körper über.
Der Dickdarm speichert die unverdaulichen Reste bis zur nächsten Stuhlentleerung und entzieht ihnen Wasser und Salze.


Darmtrakt: Der Dickdarm ist kürzer als der vielfach gewundene Dünndarm.

Über Blinddarm und Wurmfortsatz (Appendix) schließt sich der Dickdarm an den Dünndarm an. Das so genannte Kolon, der Grimmdarm, verläuft in der Form eines umgekehrten "U" durch den Bauchraum, mit einem aufsteigenden Teil, einem Querteil und einem absteigenden Teil. Mit einer kleinen Beugung oder Schlinge, dem so genannten Sigma, geht das Kolon in das Rektum (Enddarm, Mastdarm) über. Am Darmausgang sitzt der Afterschließmuskel. Insgesamt ist der Dickdarm bei erwachsenen Menschen etwas über eineinhalb Meter lang.

In welchem Abschnitt des Dickdarms ein Karzinom auftritt, bestimmt die weitere Behandlung, zum Beispiel die Möglichkeit, bei einer Operation den Schließmuskel zu erhalten. Fachleute untergliedern die einzelnen Abschnitte daher noch weiter, um den Sitz eines Karzinoms zum Beispiel in Arztbriefen möglichst genau angeben zu können. Sie nutzen dazu eine internationale Kodierung, die "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten", abgekürzt ICD (hier ein Link zur zehnten Fassung/ICD-10 von 2006 unter www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/
icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm
, Kolonkarzinome haben dort die Hauptnummer C18, Karzinome am Übergang zwischen Kolon und Rektum die Nummer C19, Rektumkarzinome werden unter C20 geführt).

Alle Dickdarmabschnitte bestehen aus kräftigen Gewebeschichten und weisen viele elastische Ausbuchtungen auf, damit sich der Darm an unterschiedliche Füllungsgrade anpassen kann. Bindegewebe sorgt für Festigkeit und Dehnbarkeit. Für den Stuhltransport sind Muskelfasern verantwortlich. Sie bewirken das wellenförmige Zusammenziehen aufeinander folgender Darmabschnitte, die Peristaltik. Die innerste Schicht des Darmgewebes bildet Schleimhaut mit schleimproduzierenden Drüsenzellen. Blutgefäße versorgen den Darm mit Sauerstoff und transportieren aus dem verdauten Nahrungsbrei zurückgewonnene Salze und Wasser ab. Lymphgefäße und Lymphknoten als Organe des Immunsystems sorgen wie eine Art Filter dafür, dass die immer vorhandenen Darmbakterien und andere Keime aus dem Stuhl nicht in den Körper gelangen.


Statistiken:
Häufigkeit von Dickdarmkrebs, betroffene Altersgruppen

In Deutschland erkrankten im Jahr 2006 über 36.300 Männer und mehr als 32.400 Frauen an einem kolorektalen Karzinom. Damit ist Darmkrebs laut Statistik derzeit die zweithäufigste Tumorerkrankung. Deutschland liegt bei den Neuerkrankungen im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Fachleute machen dafür unter anderem die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten verantwortlich, mehr dazu im Kapitel "Risikofaktoren für Darmkrebs".

Während die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen Jahren insgesamt zugenommen hat, sinken die altersstandardiserten Sterberaten: Immer mehr Menschen können langfristig mit ihrer Erkrankung leben. Fachleute schätzen, dass im Jahr 2010 etwa 119.000 Frauen und 129.00 Männer in Deutschland leben, bei denen in den vorausgegangenen fünf Jahren Darmkrebs diagnostiziert wurde. Angaben zur Verbreitung von Krebserkrankungen bezeichnet man auch als Prävalenz. Darmkrebs ist bei älteren Menschen deutlich häufiger als bei jüngeren: Männer und Frauen, die jünger als 40 sind, haben nur ein sehr geringes Risiko, in den nächsten zehn Jahren zu erkranken.

Anders sehen die Angaben für Patienten aus, bei denen die Erkrankung auf seltene Genveränderungen zurückgeführt wird, die auch vererbt werden können: Betroffene mit der sogenannten familiären adenomatösen Polyposis (FAP) oder der hereditären nicht polypösen Form von Darmkrebs (HNPCC) erkranken häufig bereits sehr jung, mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Darmkrebsrisiko".

Angaben zu Krebsneuerkrankungen sind der aktuellen Auflage der Broschüre "Krebs in Deutschland" aus dem Jahr 2010 entnommen. Erstellt wird die Broschüre alle zwei Jahre vom Robert-Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de). Angaben zur Verbreitung von Krebserkrankungen stammen aus der Broschüre "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland", diese ist über die Seiten des Robert-Koch-Instituts zugänglich (www.rki.de, Rubrik "Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie"). Weitere Informationen zu Krebsstatistiken hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.

Tumorentstehung und Tumorbiologie:
Krebs - was ist das eigentlich?

Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die folgende Eigenschaften gemeinsam haben: unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes, Eindringen in umliegendes Gewebe (Infiltration) und Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen).
Krebserkrankungen werden untergliedert in die

Bösartige oder "maligne" Tumoren sind, anders als gutartige oder "benigne" Geschwülste, der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Sie vermehren sich in der Regel ungebremst. Wie die anderen soliden Tumoren können auch kolorektale Karzinome in tiefere Darmschichten und über den Darm hinaus in umliegendes Gewebe eindringen, es verdrängen und zerstören. Einzelne Tumorzellen können sich aus dem Gewebeverband lösen, über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen gelangen und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Schreitet Darmkrebs fort, finden sich bei betroffenen Patienten Tumorzellen beispielsweise auch in den Lymphknoten oder in anderen Organen wie etwa der Leber.

Veränderte Erbinformation

Heute weiß man, dass der Krebsentstehung Veränderungen in der Erbinformation vorausgehen. Nur bei sehr wenigen Menschen mit Darmkrebs, vermutlich bei weniger als fünf von hundert Betroffenen, finden sich diese Veränderungen nicht nur in Darmzellen, sondern in allen Zellen des Körpers, und können vererbt werden.
Bei allen anderen Patienten entsteht ein solcher "Fehler" erst im Lauf des Lebens, und zunächst ist auch nur eine einzelne Zelle des Darmgewebes betroffen. Sind die Veränderungen nicht so schwerwiegend, dass die Zelle abstirbt, und entgeht sie den körpereigenen Kontrollmechanismen, kann sie sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. So gibt diese Zelle ihre neuen Eigenschaften an ihre Tochterzellen weiter, die sich selbst weiter vervielfältigen und schließlich einen Tumor bilden.

Das entstandene Krebsgewebe weist oft noch viele Ähnlichkeiten mit normalem Darmgewebe auf. Es gibt jedoch auch Tumoren, die mit zunehmendem Wachstum ihre gewebetypischen Eigenschaften mehr und mehr verlieren, neue aufweisen oder zunehmend an Funktionalität einbüßen. 

Aus solchen Untersuchungen weiß man heute, dass Darmkrebs in den allermeisten Fällen aus gutartigen Vorstufen hervorgeht. Diese sind bei der Darmspiegelung als kleine Wucherungen der Darmschleimhaut sichtbar, als so genannte Polypen, und können noch während der Untersuchung entfernt werden. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass die meisten dieser gutartigen "Tumoren" so genannte Adenome sind, andere Formen von Darmpolypen kommen seltener vor.
Viele dieser Polypen würden vermutlich harmlos bleiben. Nur ein Teil scheint sich, so der bisherige Wissensstand, über einen längeren Zeitraum und in mehreren Schritten zum Karzinom zu entwickeln.
Heute kennt man mehrere aufeinanderfolgende, charakteristische Genveränderungen, die hinter dieser schrittweisen Entwicklung stehen. Könnte man sie nachweisen, zum Beispiel an abgeschilferten Schleimhautzellen aus einer Stuhlprobe, ließe sich dies zur Krebsfrüherkennung nutzen. Die bisher zur Verfügung stehenden molekularbiologischen Tests sind für den Einsatz in der Praxis allerdings noch nicht empfindlich genug, so eine Leitlinie zum Thema Darmkrebs, die die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und die Deutsche Krebsgesellschaft gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften 2008 vorgelegt haben (für Fachleute: www.dgvs.de/media/Leitlinie.pdf).
Zurzeit ist daher die Darmspiegelung die wichtigste Früherkennungsmethode. Bei ihr können Schleimhautpolypen als mögliche Krebsvorstufen gleich entfernt werden, mehr dazu hier.

Dickdarmkrebs: Ursachen, Risikofaktoren, Vorbeugung

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Wie sich normale Zellen in Krebszellen verwandeln, weiß man beim kolorektalen Karzinom heute recht genau: Bei den meisten Patienten entwickelt sich Dickdarmkrebs aus gutartigen Schleimhautwucherungen, aus so genannten Polypen oder Adenomen. Bei der Darmspiegelung im Rahmen der Krebsfrüherkennung können solche Veränderungen gezielt entfernt werden. Doch wodurch entstehen sie? Spielt Vererbung eine Rolle? Lässt sich Dickdarmkrebs vorbeugen?
Informationen aus dem Internet können eine ärztliche Beratung zum persönlichen Krebsrisiko nicht ersetzen. Der folgende Text soll es Interessierten aber erleichtern, sich auf ein solches Gespräch vorzubereiten.

Als eine Quelle hat der Krebsinformationsdienst die "S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom" genutzt. Sie wurde im September 2008 von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und der Deutschen Krebsgesellschaft herausgegeben. Beteiligt waren weitere Fachgesellschaften und Patientenorganisationen. Die Leitlinie bewertet das bis zu diesem Zeitpunkt verfügbare Wissen über Darmkrebs und stellt Handlungsempfehlungen zusammen. Sie ist im Internet unter www.dgvs.de/media/Leitlinie.pdf abrufbar, richtet sich aber vorwiegend an Fachleute.
Weitere Quellen sind im Text genannt.

Informationen für Krebspatienten?

Die folgenden Informationen zur Darmkrebsvorbeugung richten sich an Gesunde.
Für Patienten mit einem Darmtumor, die sich Gedanken um ihr Rückfallrisiko machen, hält der Krebsinformationsdienst gesonderte Texte bereit, mehr dazu im Kapitel "Darmkrebs: Leben mit der Erkrankung".

Darmkrebsrisiko und Krebsvorbeugung - das Wichtigste in Kürze

Dickdarmkrebs ist derzeit die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland. Im internationalen Vergleich liegen die Erkrankungszahlen in der Bundesrepublik mit an der Spitze, so die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de, Broschüre "Krebs in Deutschland").

Darmkrebsvorbeugung
  • Bewegen Sie sich viel.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.
  • Essen Sie viel Gemüse und Obst, achten Sie auf Ballaststoffe.
  • Essen Sie weniger rotes Fleisch, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch oder Wurst.
  • Meiden Sie Alkohol und Tabak.
  • Vitamintabletten und Nahrungsergänzungsmittel werden nicht empfohlen.
  • Gab es in Ihrer Familie schon Krebserkrankungen oder leiden Sie an einer entzündlichen Darmerkrankung, dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt über "Krebsvorsorge"- Untersuchungen.

Fachleute machen dafür vor allem Ernährungs- und Lebensgewohnheiten verantwortlich. Sie zählen eine zu hohe Kalorienaufnahme mit einem zu geringen Anteil pflanzlicher Lebensmittel, Bewegungsmangel und Übergewicht als miteinander verknüpfte Risikofaktoren auf. Rauchen fördert nicht nur Lungenkrebs, sondern kann auch einen Einfluss auf die Entstehung von Darmkrebs haben. Alkohol gehört ebenfalls zu den anerkannten Risikofaktoren. 
Auch wenn einige Mikronährstoffe wie Kalzium oder Folsäure einen Einfluss auf das Risiko zu haben scheinen, von Vitamin- oder Mineralstofftabletten zur Nahrungsergänzung raten Fachleute international ab. Einige andere Medikamente zur Vorbeugung werden zwar diskutiert, sind für den Einsatz bei jedermann aber noch nicht geeignet.

Verwandte von Patienten mit kolorektalem Karzinom tragen ein höheres Erkrankungsrisiko als es in Familien ohne Darmkrebspatienten beobachtet wird. Ob im Hintergrund gemeinsame krankheitsfördernde Erbanlagen stehen, ob eher der gemeinsame Lebensstil in der Familie verantwortlich ist oder ob sich eine Mischung aus beidem auf das Risiko auswirkt, lässt sich zurzeit noch nicht eindeutig beantworten. Einen Hinweis liefert das Alter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung: Ist der Patient jünger als 60 Jahre, so können veränderte Gene zumindest nicht ausgeschlossen werden. Auf die Beteiligung genetischer Faktoren deuten außerdem mehrere Darmkrebspatienten in einer Familie, mehr dazu hier.
Weit seltener treten nachweisbare Genveränderungen auf, die bei ihren Trägern mit großer Wahrscheinlichkeit und unabhängig vom Lebensstil zu Krebs führen. In betroffenen Familien finden sich nicht selten über Generationen hinweg immer wieder Erkrankte, und die Patienten sind bei Diagnosestellung oft noch im jungen Erwachsenenalter.
Angehörige von Darmkrebspatienten sollten sich beraten lassen, ob bei ihnen Früherkennungsuntersuchungen eventuell schon vor dem 50. Geburtstag sinnvoll wären.

Die chronisch endzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn zählen zu den belegten Risikofaktoren für Darmkrebs. Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Durchfall oder das Reizdarm-Syndrom mit Krämpfen oder sogar Schmerzen gelten nicht als Risikofaktoren. Sie können aber ein Frühzeichen von Darmkrebs sein.

Prävention: Was lässt sich erreichen, was nicht?

Krebsforscher gehen davon aus, dass sich die Rate an Darmkrebserkrankungen in den Industrieländern durch einen gesünderen Lebensstil deutlich senken ließe. Zu vielen Einzelfaktoren, etwa Sport und Bewegung oder der Reduktion von Übergewicht, liegen konkrete Zahlen aus Studien vor.

Um welchen Anteil die Darmkrebsrate insgesamt gesenkt werden könnte, ist dagegen eine viel diskutierte und nur schwer zu beantwortende Frage:
Zahlen von heute geben immer nur die Situation der Vergangenheit wieder: Bis sich ein Karzinom entwickelt hat, vergehen Jahre, unter Umständen sogar Jahrzehnte. Änderungen des Lebensstils wirken sich daher ebenfalls erst mit entsprechender Verzögerung auf die durchschnittlichen Krebsraten aus.

Ein weiterer Punkt, der für Unsicherheit bei der Abschätzung sorgt: Dickdarmkrebs tritt überwiegend bei Menschen höheren Alters auf (eine Grafik der Krebsregister findet sich in der Broschüre "Krebs in Deutschland", Seite 37, abrufbar von www.gekid.de). Setzt sich der Trend einer steigenden Lebenserwartung weiter fort, gilt es unter Fachleuten auch als wahrscheinlich, dass mehr Menschen wegen ihres fortgeschrittenen Alters eine Darmkrebsdiagnose noch "erleben".

Zum Weiterlesen
Stiftung LebensBlicke, im Internet unter www.lebensblicke.de.

Die Stiftung LebensBlicke hat sich zur Aufgabe gemacht, das öffentliche Bewusstsein für das Thema Darmkrebs und Prävention zu schärfen. So bietet sie zum Beispiel einen Selbsttest an, anhand dessen Gesunde ihr persönliches Darmkrebsrisiko abschätzen können. Der Test sowie weitere Informationen zum Thema sind auf der Internetseite der Stiftung abrufbar, unter www.lebensblicke.de.

Patienten: Nichts falsch gemacht

Aus Statistiken lassen sich keine Einzelschicksale ableiten - alle Angaben beziehen sich auf größere Gruppen oder gar auf die gesamte Bevölkerung. Selbst Menschen, die sehr gesund leben und keine angeborenen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen haben, können an einem Tumor erkranken - "Fehler" im genetischen Code entstehen vermutlich oft rein zufällig.
Die Diagnose einer Darmkrebserkrankung bedeutet also nicht, etwas falsch gemacht oder übersehen zu haben oder gar "Schuld" an der Erkrankung zu tragen (hier mehr zum Thema Krankheitsbewältigung).

Umsetzung: Wie viel Sicherheit bieten die heutigen Empfehlungen?

Warum lohnt es sich trotz der geschilderten offenen Fragen, auf die Vermeidung der heute bekannten Risikofaktoren und die Angebote zur Krebsfrüherkennung zu setzen?

Die meisten bekannten Maßnahmen wirken sich nicht nur auf das Darmkrebsrisiko aus, sondern gelten auch als allgemein gesundheitsfördernd. Sie wirken der Entstehung anderer Tumorarten ebenso entgegen wie beispielsweise einer Zuckerkrankheit oder dem Risiko von Bluthochdruck, Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Die heutigen Empfehlungen zum Lebensstil sind mit vergleichsweise geringem Aufwand umzusetzen und bergen nach aktuellem Kenntnisstand keinerlei Risiken. Für die Darmkrebsfrüherkennung konnte belegt werden, dass sie statistisch gesehen zu einer Lebensverlängerung beiträgt.

Lebensgewohnheiten und Ernährung:
Welche Rolle spielt der Lebensstil?

Zum Weiterlesen

In zwei großen Studien konnte gezeigt werden, dass bereits 30 bis 60 Minuten Bewegung täglich das Risiko für Darmkrebs senken. Dabei unterscheiden Wissenschaftler nicht zwischen Sport oder anstrengender Alltagstätigkeit in Beruf und Freizeit.

Um das Thema Ernährung gab es in den letzten Jahren viele Diskussionen in der Fachwelt - dafür hatten zum Teil widersprüchliche Ergebnisse großer Studien gesorgt.
Heute sind sich die Experten weltweit einig bezüglich der Rolle pflanzlicher Lebensmittel in der Vorbeugung von Darmkrebs: Obst und Gemüse sollten den Hauptanteil der Ernährung darstellen. Als Faustregel wird oft "Fünf am Tag" zitiert, also fünf Portionen Obst und/oder Gemüse pro Tag. Bezüglich des Darmkrebsrisikos ist Gemüse dabei wichtiger als Obst.

Damit tritt auch das in der Forschung noch umstrittene Thema Ballaststoffe etwas in den Hintergrund: Die meisten Obst- und Gemüsesorten liefern davon reichlich. Auch Getreideprodukte oder Hülsenfrüchte sind eine Quelle für Ballaststoffe. Dagegen nützt es anscheinend wenig, isolierte Ballaststoffprodukte als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. In der europäischen EPIC-Studie konnte gezeigt werden, dass die deutlichste Reduktion des Darmkrebsrisikos bei Menschen auftrat, die die höchsten Ballaststoffmengen über die Ernährung aufnahmen - ein Effekt, der in U.S.-amerikanischen Studien nicht zu beobachten war, weil dort insgesamt weit weniger faserreiche Kost verzehrt wurde als in Europa (mehr zu EPIC in englischer Sprache unter http://epic.iarc.fr/keyfindings.php, in deutscher Sprache unter www.dkfz-heidelberg.de/de/epidemiologie-krebserkrankungen/arbeitsgr/ernaerepi/ernaerepi.html).

Rotes Fleisch, also vor allem Rind- oder Schweinefleisch, wirkt sich möglicherweise über seinen Eisengehalt ungünstig aus und führt zur Ausschüttung größerer Mengen von Gallensäuren als pflanzliche Kost. Auch verzehren Menschen, die gern große Fleischportionen essen, meist zu wenig Gemüse und andere pflanzliche Lebensmittel. Verarbeitete Fleischprodukte, also Geräuchertes und Gepökeltes sowie Wurstwaren aller Art, zeigten sich in großen Beobachtungsstudien als potenziell ungünstige Lebensmittel, wobei der Weg, über den sie sich schädigend auswirken, noch diskutiert wird. Geflügel hat keinen messbaren Einfluss. Auch die Rolle von Fisch wurde untersucht, bisher jedoch ohne eindeutige Ergebnisse.
Ob bei der Auswahl tierischer Lebensmittel vielleicht insgesamt nur der Fett- und Kaloriengehalt oder doch eher bestimmte Inhaltsstoffe eine Rolle spielen, lässt sich derzeit nicht sicher beurteilen.

Auch den eindeutig nachgewiesenen negativen Einfluss von Alkohol führen Wissenschaftler heute zum Teil auch auf den hohen Kaloriengehalt von alkoholischen Getränken zurück. Denn eines gilt als belegt: Übergewicht ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs, in dem die Auswirkungen von Bewegungsmangel und Fehlernährung zusammenfließen.

Was viele Menschen überraschen wird: Auch der Konsum von Tabak steigert das Darmkrebsrisiko. Zwar ist der Zusammenhang mit dem Rauchen nicht so eindeutig wie etwa bei Lungenkrebs. Die vorliegenden Studienergebnisse reichen Fachleuten jedoch aus, um auch zur Senkung des Darmkrebsrisikos zum Verzicht auf Zigaretten und andere Tabakprodukte zu raten.

Einen Überblick über alle genannten Faktoren bietet auch der Text "Lebensstil und Krebsvorbeugung".

Chemoprävention: Kann man mit Tabletten vorbeugen?

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Mit einer Tablette täglich eine Krebserkrankung wirksam verhindern - diesen Traum haben Wissenschaftler ebenso wie Menschen, die um ihr persönliches Risiko besorgt sind.

In den letzten Jahrzehnten wurde intensiv nach Möglichkeiten der so genannten Chemoprävention gesucht. Beim Thema Darmkrebsvorbeugung sah es eine Zeitlang so aus, als wären zum Beispiel chemische Verwandte der Acetylsalicylsäure ("Aspirin)" geeignete Kandidaten, eventuell auch Hormone oder Substanzen, die sich auf den Cholesterinstoffwechsel oder die Gallensäuren auswirken. Auch Kalzium, Folsäure, Selen, Magnesium und viele weitere Mikronährstoffe wurden in Studien untersucht. Man prüfte vor allem, ob sich die Bildung von Polypen als Darmkrebsvorstufe reduzieren ließ.

Die bisherigen Ergebnisse sind insgesamt ernüchternd: Entweder reicht die Datenlage trotz vieler Forschung noch nicht aus, um überhaupt eine gesicherte Aussage zum Krebsrisiko zu treffen.
Oder die Senkung der Rate an Zellveränderungen wurde mit einem Anstieg anderer, ebenso gefährlicher Erkrankungen erkauft: Ein Beispiel ist das Risiko schwerer Blutungen durch die "Aspirin"-Verwandten. Ein weiteres bietet die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden. Sie senkt bei Frauen zwar das Darmkrebsrisiko, steigert aber das Brustkrebsrisiko deutlich.
Erfolge, die eine Empfehlung zur Chemoprävention rechtfertigen, ließen sich lediglich bei einigen Gruppen mit besonders hohem Risiko erzielen.

Umsetzung: Was tun als Gesunder?

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Menschen, die kein besonderes Darmkrebsrisiko aufweisen, sollten nicht auf Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel setzen, sondern auf einen gesunden Lebensstil.
Wo möglich, sollten insbesondere Vitamine, Mineralien und Spurenelemente über die normale Ernährung und nicht als Tablette aufgenommen werden. Die aktuelle Leitlinie zählt unter den als isolierte Stoffen nicht empfehlenswerten Substanzen Kalzium, Magnesium, Beta-Carotin als Vitamin-A-Vorstufe, die Vitamine A, C, D, E und Folsäure sowie Selen auf. Einen allgemeinen Überblick zur Diskussion um Vitamine und Mineralstoffe hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Für Gesunde ohne besonderes Krebsrisiko ist auch der Nutzen einiger Medikamente nicht belegt, die für Risikogruppen durchaus interessant sein können. Dazu gehören so genannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR oder NSAID) bzw. COX-2-Hemmer, etwa die Substanz Sulindac. Acetylsalicylsäure (ASS oder "Aspirin"), eine der wenigen frei erhältlichen Substanzen dieser Gruppe, sollte wegen der Risiken ebenfalls nicht auf eigene Faust genommen werden, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (mehr zu den Risiken auch im Text "Chemoprävention").

Umsetzung: Empfehlungen für Risikogruppen?

Menschen, die schon einmal Krebsvorstufen wie Adenome oder Polypen im Darm hatten, wie auch Verwandte von Darmkrebspatienten sollten ebenfalls vorrangig auf einen gesunden Lebensstil achten. Zwar muss bei ihnen von einem höheren Darmkrebsrisiko ausgegangen werden, die verfügbaren Daten reichen derzeit jedoch nicht aus, so die aktuelle Leitlinie, ihnen besondere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel zur Krebsvorbeugung zu empfehlen.

Auch Menschen mit besonders hohem Darmkrebsrisiko, etwa aufgrund angeborener Genveränderungen, können nicht ohne weiteres auf eine Chemoprävention setzen. Zwar gibt es Daten, die zum Beispiel für die Substanz Sulindac Vorteile erkennen lassen. Eine pauschale Empfehlung lässt sich jedoch nur schwer formulieren, darin sind sich Fachleute einig (in Deutschland: aktuelle S3-Leitlinie; in den USA: als Beispiel die Empfehlungen des National Cancer Institute unter www.cancer.gov/cancertopics/pdq/prevention/
colorectal/Patient/page3
).

Vererbung: Welches Risiko bergen die Gene?

Die Rolle angeborener genetischer Veränderungen ist nur für einige seltene Darmkrebsformen weitgehend geklärt: Betroffen sind, so der aktuelle Kenntnisstand, höchstens fünf von hundert Menschen mit kolorektalen Karzinomen, darunter meist auffallend junge Patienten. Sie können diese Gene an ihre Kinder weitergeben, was auch für diese ein sehr hohes Erkrankungsrisiko bedeutet, mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Wie sieht es mit den Angehörigen aller anderen Darmkrebspatienten aus?
In großen Beobachtungsstudien konnte gezeigt werden, dass auch sie mit einem statistisch etwas höheren Erkrankungsrisiko als die Durchschnittsbevölkerung leben. Verwandte ersten Grades  müssen mit einer zwei- bis dreifach höheren Wahrscheinlichkeit für eine Darmkrebserkrankung rechnen. Selbst bei entfernteren Verwandten lässt sich rein rechnerisch noch eine leichte Steigerung der Krebsrate ausmachen.

Vererbung oder familiäre Gewohnheiten?

Die Ursachen dieser Risikosteigerung sind meist nicht eindeutig zu identifizieren, so die aktuelle deutsche Leitlinie zur Darmkrebsvorbeugung. Es bleibt in den meisten Familien unklar, ob hinter dieser Risikosteigerung tatsächlich gemeinsame Erbanlagen stehen, also bisher unerkannte vererbbare "Darmkrebs-Gene", oder andere Erbanlagen, die zwar die Erkrankung nicht unmittelbar verursachen, aber empfindlicher für Risikofaktoren machen. Als ebenso wahrscheinliche Möglichkeit gilt laut der meisten Studien, dass es der gemeinsame Lebensstil ist, der sich auf das Risiko auswirkt und so auch in den Statistiken niederschlägt.

Umsetzung: Früherkennung besonders wichtig

Verwandte von Darmkrebspatienten sollten ihre Ärzte fragen, ob für sie die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen bereits vor dem 50. Geburtstag empfehlenswert ist.
Als Faustregel empfehlen Fachleute, sich am Alter zu orientieren, in dem der Darmkrebspatient erkrankte. Eine erste Darmspiegelung sollte bei Verwandten ersten Grades zehn Jahre früher stattfinden. War der erkrankte Angehörige bei der Diagnosestellung beispielsweise 45 Jahre alt, sollten seine Geschwister und seine Kinder also spätestens mit 35 zum Arzt gehen.

Die aktuelle deutsche Leitlinie erweitert diese Empfehlung noch für Angehörige von Menschen, bei denen Krebsvorstufen, also Adenome beziehungsweise Polypen, entfernt wurden. War der Betroffene jünger als 50, sollten auch seine Angehörigen zehn Jahre vor dem Diagnosealter erstmals eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Junge Patienten: Seltene Gene, hohes Risiko?

Welche Faktoren deuten darauf hin, dass in einer Familie doch die Hochrisikogene vorliegen könnten?
Insgesamt betrifft diese Situation höchstens fünf von hundert Dickdarmkrebspatienten. Während die meisten Patienten typische Genveränderungen nur in den Tumorzellen aufweisen, finden sich bei diesen Betroffenen die "Krebs-Gene" in allen Zellen, daher können sie über Ei- und Samenzellen an die Kinder weiter gegeben werden.
Die Betroffenen sind nicht selten schon extrem jung erkrankt: Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnose gilt heute als einer der wichtigsten Hinweise auf veränderte Erbinformationen.
Träger solcher Gene können die ersten in ihrer Familie sein, wenn bei ihnen die Mutation zufällig aufgetreten ist. Oft ergibt die Prüfung des Familienstammbaums aber, dass es schon andere an Darmkrebs Erkrankte gab, über mehrere Generationen hinweg. Sie vererben die verantwortliche Genmutation mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an ihre Kinder. Im statistischen Mittel habt also etwa die Hälfte der Nachkommen ebenfalls ein deutlich gesteigertes Darmkrebsrisiko.
Bei einigen dieser Unterformen von Darmkrebs kann auch die Wahrscheinlichkeit höher als normal sein, an anderen Tumorarten zu erkranken.

Zu den Erkrankungen, die auf eine der heute bekannten Genmutationen zurückgeführt werden, zählen

Umsetzung: Kriterien für den Verdacht auf familiären Darmkrebs

Die behandelnden Ärzte eines Darmkrebspatienten sind erste Ansprechpartner, die der Betroffene auch nach dem Risiko für seine Verwandten befragen kann. Zumindest beim Krankheitsbild der FAP liegt der Verdacht auf eine Vererbbarkeit allein schon aufgrund der auffälligen Unterschiede zu "spontanen" Erkrankungen nahe.
Heute gibt es außerdem mehrere Kriterienkataloge bei Verdacht auf Hochrisikogene in einer Familie. Dazu gehören die sogenannten Amsterdam-Kriterien:

- Mindestens drei Familienmitglieder sind an Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom, Rektumkarzinom), und/oder an Krebs des Gebärmutterkörpers (Endometriumkarzinom), an einem Dünndarmkarzinom oder Krebs des Nierenbeckens oder der Harnleiters (Urothelkarzinom) erkrankt. Davon sind mindestens zwei Verwandte ersten Grades.
- Es sind zwei oder mehr aufeinander folgende Generationen betroffen.
- Ein Erkrankter war zum Diagnosezeitpunkt jünger als 50 Jahre.

In den USA wurden diese Kriterien noch erweitert: Die so genannten "Bethesda"-Kriterien nennen alle Punkte der Amsterdam-Liste, raten aber zusätzlich Angehörigen von Patienten zu einer Beratung, die zeitgleich oder nacheinander an zwei der genannten Krebsarten erkrankt sind. Sie weisen außerdem auf besondere Unterformen von Tumoren hin, die ebenfalls ein Hinweis auf ein hohes vererbbares Risiko sein können (vollständige Kriterienkataloge für Fachleute unter www.dgvs.de/media/Leitlinie.pdf, Anlage 1 bis 3).

Umsetzung: Gibt es einen Gentest?

Zentren für familiären Darmkrebs
Die Deutsche Krebshilfe fördert Zentren, in denen Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten in der Betreuung betroffener Familien und der Beratung von Risikopersonen zusammenarbeiten, mehr unter www.krebshilfe.de.

Die Bundesärztekammer hat eine Richtlinie entwickelt, die den Rahmen für eine genetische Beratung und die Testung auf ein besonderes Krebsrisiko bietet, mehr unter www.baek.de.

Für Patienten und ihre Familienangehörige besteht die Möglichkeit einer genetischen Beratung und Untersuchung in besonders dafür qualifizierten Zentren. Die dort zusammen arbeitenden Spezialisten können anhand der oben genannten Kriterien prüfen, ob ein Gentest möglich und angebracht ist.

Mit einem hohen Krebsrisiko zu leben oder sogar vorsorgliche Operationen vornehmen lassen zu müssen, ist psychologisch sehr belastend. Eine genetische Beratung und auch die genetische Testung sind daher freiwillig und unterliegen strengen Richtlinien - niemand kann oder darf gegen seinen Willen und ohne ausreichende Aufklärung untersucht werden. Das Recht auf Nichtwissen ist garantiert. Auch der Schutz vor einem Missbrauch des Wissens muss gewährleistet sein.
Fällt ein Gentest bei Angehörigen eines Patienten negativ aus, sind sie also keine Träger der Erbanlage für Darmkrebs, dann liegt ihr Risiko aber nicht höher als das der Normalbevölkerung.

Schwieriger wird die Klärung für Familienangehörige bereits verstorbener Patienten, von denen kein Material für einen Vergleichstest verfügbar ist. Jedoch haben auch sie die Möglichkeit einer umfassenden Beratung und einer Untersuchung in den spezialisierten Zentren, wo sie sich über für sie geeignete Maßnahmen der Früherkennung und der Vorbeugung informieren lassen können.

Weitere Auslöser:
Sind Verdauungsprobleme und andere Darmerkrankungen krebsfördernd?

Betroffene, die über längere Zeit unter Verstopfung oder Durchfall leiden oder befürchten, ein so genanntes Reizdarm-Syndrom (mehr unter www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-ein-reizdarm_137.html) zu haben, machen sich oft auch Sorgen um ihr Krebsrisiko.
Die meisten Verdauungsbeschwerden sind allerdings eher lästig als gefährlich. Verdauungsprobleme, die längere Zeit anhalten, sollten zur Sicherheit trotzdem immer durch den Arzt abgeklärt und behandelt werden, dennÄnderungen von Stuhlgewohnheiten können auch ein Frühzeichen von Darmkrebs sein. Der Arzt kann auch am besten beurteilen, ob eine Änderung des Lebensstils sinnvoll ist - nicht wenige Verdauungsprobleme sind ein Hinweis darauf, dass es hier Verbesserungsbedarf geben könnte.
Lange diskutierten Fachleute, ob der häufige Gebrauch von Abführmitteln das Darmkrebsrisiko steigern kann. Die aktuelle Datenlage belegt allerdings, dass es nicht die abführenden Medikamente (Laxantien) sind, die das Risiko beeinflussen, sondern eher die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, die zu chronischer Verstopfung führen.

Colitis ulcerosa, Morbus Crohn

Ein gesteigertes Krebsrisiko ist bislang nur für zwei ernstere Darmerkrankungen belegt: Bei Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung des Dickdarms, die heute bei entsprechender Behandlung gelindert werden kann, aber nicht dauerhaft heilbar ist. Als Morbus Crohn bezeichnet man eine ähnliche Erkrankung, die bei den meisten Patienten den letzten Dünndarmabschnitt betrifft; ein Befall des Dickdarms ist möglich, aber selten.

Eine Colitis ulcerosa scheint das Risiko für ein Kolonkarzinom zu steigern, wie sehr, ist abhängig vom Ausmaß der chronischen Entzündung und vom Alter, in dem die ersten Symptome auftraten. Auch Patienten mit Morbus Crohn haben möglicherweise ein höheres Risiko für Dickdarmkrebs als gesunde Menschen, allerdings gibt es zur Erkrankungswahrscheinlichkeit noch keine verlässlichen Angaben.

Umsetzung: Was tun zur Vorbeugung und Früherkennung?

Zum Weiterlesen

Patienten, bei denen eine dieser Erkrankungen festgestellt wurde, sind meist in engmaschiger medizinischer Betreuung. Sie sollten ihre Ärzte auf geeignete Früherkennungsmaßnahmen ansprechen.

Die aktuelle Leitlinie zum Thema Darmkrebs empfiehlt Patienten mit ausgeprägter Colitis (Pancolitis ulcerosa), die länger als acht Jahre besteht, eine jährliche Darmspiegelung. Dabei sollten Gewebeproben aus möglichst allen Dickdarmabschnitten entnommen werden. Aus Studien weiß man, dass Patienten mit Colitis eventuell ihr Krebsrisiko durch Medikamente senken können. Dazu gehören zum Beispiel chemische Verwandte der Acetylsalicylsäure ("Aspirin"). Da eine solche medikamentöse Vorbeugung aber auch Risiken bergen kann und aus wissenschaftlicher Sicht zum Nutzen ebenfalls noch Fragen offen sind, sollten Betroffene auf keinen Fall auf eigene Faust handeln, sondern Arzneimittel zur Prävention nur in Absprache mit ihren Ärzten einnehmen.

Für Patienten mit Morbus Crohn bestehen derzeit noch keine festgelegten Empfehlungen im Sinn einer Leitlinie. Sie sollten mit ihren Ärzten eine individualisierte Betreuung besprechen.

Darmkrebs: Früherkennung mit Stuhltest und Koloskopie

"Vorsorge" kann Leben retten

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Ein Tumor im Dickdarm wächst nicht von heute auf morgen, sondern ganz langsam im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten. Betroffene spüren meist lange nichts davon. Ein Warnzeichen für Darmkrebs kann die Beimengung von Blut im Stuhl sein, das ihn rot oder schwarz färbt. Wer Blut, Verfärbungen oder auch ungewohnte Schleimbeimengungen feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen. Dieser kann weiterführende Untersuchungen veranlassen, um die Ursache der Blutung zu ermitteln.
Länger anhaltender Durchfall, chronische Verstopfung oder andere Veränderungen bei der Verdauung, die nicht mit einer Ernährungsumstellung in Zusammenhang stehen, können ebenfalls ein Frühsymptom von Darmkrebs sein.
Schmerzen bereitet die Krankheit dagegen meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium.

Der folgende Text gibt einen Überblick über die Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung und verweist auf weitere Informationsquellen. Ein kurz gefasster Überblick steht auch zum Laden und Ausdrucken zur Verfügung.

Angebote in Deutschland

Merkblatt zur Darmkrebs-Früherkennung

Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie entarten. Im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms haben Männer und Frauen ab dem Alter von 50 Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen. 

Dazu gehören der Test auf verstecktes Blut im Stuhl ("occultes" Blut), das Austasten des Enddarms durch den Arzt und ab dem Alter von 55 die endoskopische Untersuchung auch der höher gelegenen Dickdarmabschnitte, die so genannte Koloskopie.

Fachinformationen

Diese "Screening"-Programme als Reihenuntersuchung für Gesunde wurden vor der Einführung in umfangreichen Studien auf ihren Nutzen hin geprüft: 
Diese haben gezeigt, dass schon kleine Tumoren erkannt werden können, bei denen die  Heilungsraten hoch sind.
Insbesondere das Angebot der Darmspiegelung wird seit der Einführung 2002 kontinuierlich weiter überprüft. Da sich bei dieser Untersuchung auch Krebsvorstufen erkennen lassen, erkranken bei regelmäßiger Durchführung viele Menschen erst gar nicht an Darmkrebs (hier eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/2007/dkfz_pm_07_62.php).

Wohin gehen zur Früherkennung?

Die Untersuchung kann vom Hausarzt veranlasst werden, bei Frauen wird oft auch der behandelnde Gynäkologe aktiv. Sie nehmen selbst die Tastuntersuchung vor und geben Stuhlbriefchen für die Untersuchung auf verstecktes Blut aus.
Zur Darmspiegelung müssen Haus- oder Frauenarzt dagegen überweisen: Die Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine besondere Weiterbildung und ein Zertifizierungsverfahren für diese Krebsfrüherkennungsuntersuchung absolviert haben.

Besonderes Risiko?

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Stiftung LebensBlicke, im Internet unter www.lebensblicke.de.

Menschen, in deren Familie Darmkrebs bereits aufgetreten ist oder die selbst besondere Risikofaktoren aufweisen (mehr dazu hier), sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob sie mit regelmäßigen Früherkennungen nicht erst mit 50 Jahren, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt beginnen sollten.

Die Stiftung LebensBlicke hat sich zur Aufgabe gemacht, das öffentliche Bewusstsein für das Thema Darmkrebs und Prävention zu schärfen. So bietet sie zum Beispiel einen Selbsttest an, anhand dessen Gesunde ihr persönliches Darmkrebsrisiko abschätzen können. Der Test sowie weitere Informationen zum Thema sind auf der Internetseite der Stiftung abrufbar, unter www.lebensblicke.de.

Test auf Blut im Stuhl und Tastuntersuchung

Die Früherkennung wird Frauen und Männern ab dem Alter von 50 Jahren angeboten. Zu diesem Zeitpunkt sieht das Programm zum einen das Austasten des Enddarms mit dem Finger vor (die sogenannte digitale rektale Untersuchung), zum anderen einen Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl.

Beim Austasten des auf diesem Weg erreichbaren Darmabschnitts kann der Arzt knotige Veränderungen auf der normalerweise glatten Schleimhaut erspüren. Mit dem tastenden Finger lassen sich aber nur höchstens zehn Prozent aller Tumoren entdecken.

Der zu Hause durchführbare Stuhltest mit für die Krebsfrüherkennung zugelassenen Produkten weist unsichtbares Blut nach. Der Arzt gibt drei Testbriefchen mit (meist kurz als Guajak-Test oder Hämoccult bezeichnet, unabhängig vom jeweiligen Markennamen des verwendeten Testsets). Zu Hause bringt man kleine Proben aus drei verschiedenen Stuhlgängen von verschiedenen Tagen auf die Briefchen auf, verschließt sie und übergibt oder schickt sie dem Arzt, der den Test in einem Labor auswerten lässt.

Wie zuverlässig sind Tastuntersuchung und Stuhltest?

Beim Austasten erkennt der Arzt nur Veränderungen in den untersten Darmabschnitten. Ein spezifischer Krebstest ist auch die Stuhluntersuchung nicht: Wenn das Ergebnis positiv ist, wenn also Blut nachgewiesen wird, so muss das nicht gleich Krebs bedeuten:
Nur bei einem von zehn Menschen, bei denen der Test angeschlagen hat, wird durch weitere Untersuchungen tatsächlich ein bösartiger Tumor entdeckt. Bei den übrigen neun hat die Blutung andere Ursachen, zum Beispiel Polypen im Darm, Hämorrhoiden oder Darmentzündungen, die dann behandelt werden können. Andererseits blutet nicht jeder bösartige Tumor, so dass auch bei einem negativen Testergebnis eine Krebserkrankung vorliegen kann.
Wenn der Arzt knotige Veränderungen ertastet oder wenn Blutbeimengungen im Stuhl gefunden wurden, so müssen die Ursachen durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Dazu gehört vor allem die Darmspiegelung.

Darmspiegelung

Der überwiegende Teil des Dickdarms ist mit der Tastuntersuchung nicht erreichbar. Hier sind Veränderungen am besten durch eine Spiegelung des Organs zu erkennen, die so genannte Koloskopie. Deshalb haben seit Oktober 2002 alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem 55. Geburtstag Anspruch auf eine Koloskopie, bei der der gesamte Dickdarm untersucht werden kann. Mit dieser Darmspiegelung lassen sich auch Krebsvorstufen wie Polypen erkennen und gleich entfernen.

Findet der Arzt keine Veränderungen, ist eine Wiederholung der Untersuchung erst nach zehn Jahren notwendig, dies haben vergleichende Untersuchungen ergeben. Fachleute begründen diesen vergleichsweise langen Abstand mit der Beobachtung, dass Darmkrebs meist aus zunächst gutartigen Vorstufen, den Polypen, entsteht und in der Regel sehr langsam wächst.

Aufklärung, Vorbereitung

Zur Vorbereitung auf die Koloskopie muss der Darm vollständig entleert werden. Wie diese Darmreinigung durchgeführt wird und was Patienten einige Tage vor der Untersuchung beim Essen beachten sollten, erläutert der durchführende Arzt. Das eigentliche Abführen muss heute fast immer erst am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung begonnen werden, tagelanges vorheriges Fasten ist meist nicht mehr nötig.
Der Arzt erklärt im Vorgespräch auch, wie die Untersuchung abläuft und welche Folgen sie möglicherweise hat: Mit den heutigen Geräten, die mit weichen Schläuchen und winzigen Kameras und Lichtquellen arbeiten, ist diese Untersuchung höchstens unangenehm, aber selten schmerzhaft. Sie kann ambulant durchgeführt werden und belastet den Körper nicht.
Die Risiken sind gering. Möglich sind kleine Blutungen im Darm, vor allem dann, wenn Krebsvorstufen entfernt werden. Daher überprüft der Arzt vor der Untersuchung die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ("Quick-Wert") und lässt ein Blutbild erstellen. Zu schweren Komplikationen, etwa einem Durchstechen des Darms, kommt es nur sehr selten: Fachleute geben an, dass höchstens einer von 10.000 Patienten betroffen ist (hier das Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses www.g-ba.de/downloads/17-98-2233/2005-Merkblatt_Darmkrebs.pdf).

Insgesamt ist die Darmspiegelung weit weniger belastend, als viele Menschen befürchten. Erste Auswertungen einer Befragung, die über knapp zwei Jahre in Berliner Praxen Auswertungen der BECOP-Studie (Berliner Coloskopie Projekt) zeigen, dass über 40 Prozent der befragten Patienten die Untersuchung als "gut akzeptabel" bezeichneten, 30 Prozent fanden die Darmspiegelung "etwas unangenehm" und 22 Prozent "unangenehm, aber ertragbar". Nur 4 von 100 Teilnehmern schätzten sie im Nachhinein als "sehr unangenehm" ein (www.berliner-gastroenterologen.de, BECOP- Untersuchung unter dem Stichwort Neuigkeiten/Studienprojekt).

Wer Angst vor der Untersuchung selbst hat, sollte sich mit dem Arzt über eine kurzfristige Abhilfe beraten, etwa ein leichtes Medikament zur Entspannung. Ob man nach dem Einsatz von Medikamenten am Tag der Untersuchung noch selbst Auto fahren oder arbeiten darf, sollte man beim Arzt erfragen.

Alternativen zur Koloskopie

Wer sich gegen die Koloskopie entscheidet, kann statt dessen ab dem 56. Lebensjahr im Abstand von zwei Jahren weiterhin das Angebot der rektalen Tastuntersuchung und des Tests auf verborgenes Blut wahrnehmen, so die Bestimmungen des Früherkennungsprogramms.
Wenn eine Darmspiegelung durchgeführt wurde, sind diese Untersuchungen dagegen nicht mehr erforderlich. Denn wenn bei der Koloskopie keine Veränderungen der Darmschleimhaut festgestellt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre ein bösartiger Tumor entwickelt.

Andere Verfahren sind dagegen bis heute kein Teil der regulären "Krebsvorsorge" auf Darmkrebs. Dazu gehört die so genannte virtuelle Koloskopie, bei der der Darm anstelle einer endoskopischen Spiegelung durch eine Computertomographie untersucht wird. Experten gehen davon aus, dass die Strahlenbelastung den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt, auch wenn die Untersuchung als vergleichsweise zuverlässig gilt. Die virtuelle Koloskopie kann im Ausnahmefall eingesetzt werden, wenn eine Darmspiegelung als riskant und zu belastend angesehen wird oder wenn durch Narbenbildung und Verengungen eine Koloskopie nicht durchführbar ist.
Werden bei dieser Untersuchung Krebsvorstufen oder sogar Tumoren entdeckt, hat der Patient allerdings nichts gewonnen: Dann müssen doch eine Darmspiegelung oder sogar eine offene Bauchoperation durchgeführt werden, um die Veränderungen zu entfernen.

Noch Gegenstand der Forschung sind Tests, die die Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl langfristig ersetzen sollen.
Wissenschaftler hoffen mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden zum Beispiel Bruchstücke von Krebszellen oder andere "Marker" im Stuhl nachweisen zu können, etwa Stücke von Erbmaterial (DNA) mit krebstypischen Veränderungen oder bestimmte Enzyme, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden (als Beispiel für laufende Studien: Deutsches Krebsforschungszentrum www.dkfz.de/de/klinepi/Projekte/Projekte.html, Stichwort "BLITZ/DACHSplus").

Noch hat keiner dieser Tests seinen Stellenwert für die Praxis sicher zeigen können.
Diese Einschätzung der virtuellen Koloskopie und der neuen molekularbiologischen Stuhltests teilen auch die für die Früherkennung in anderen Ländern verantwortlichen Experten und Behörden: So riet beispielsweise die amerikanische "U.S. Preventive Services Task Force" im Oktober 2008 ebenfalls vom Einsatz dieser neuen Verfahren zur Reihenuntersuchung Gesunder in der Krebsfrüherkennung ab (in englischer Sprache unter www.cancer.gov/ncicancerbulletin/NCI_Cancer_Bulletin_100708/page3).

Welche Untersuchungen für Menschen sinnvoll sind, bei denen ein konkreter Krebsverdacht besteht, ist im folgenden Kapitel geschildert.

Dickdarmkrebs: Was tun bei Krebsverdacht?

Wichtige Untersuchungsverfahren, Auswertung von Befunden

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Was kommt auf Patienten zu, bei denen der Verdacht auf ein kolorektales Karzinom besteht? Der folgende Text bietet einen Überblick über Diagnosemethoden und erläutert, welche Befunde für die Planung der weiteren Behandlung wichtig sind. Eine persönliche Aufklärung durch die behandelnden Ärzte lässt sich durch diese Informationen nicht ersetzen. Der Text kann es Betroffenen aber erleichtern, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten.
Bei der Erstellung genutzte Quellen sind im einleitenden Kapitel aufgeführt. Dazu gehört insbesondere die Leitlinie "Darmkrebs" der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und der Deutschen Krebsgesellschaft von 2004/2008.

Beschwerden:
Welche Ärzte nehmen eine Abklärung vor?

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Die Abklärung von Beschwerden kann vom Hausarzt eingeleitet werden. Ansprechpartner sind außerdem Fachärzte für Innere Medizin (Internisten) mit einer Spezialisierung für Erkrankungen des Verdauungstraktes, so genannte Gastroenterologen.
Eine Darmspiegelung darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die ein besonderes Zertifizierungsverfahren für diese Untersuchung absolviert haben.
Bei der Koloskopie entnommene Gewebeproben, zum Beispiel Polypen, gehen zur Untersuchung an Fachärzte für Pathologie mit Labors, in denen eine feingewebliche Untersuchung des Materials durchgeführt wird.

Ergibt sich daraus ein konkreter Krebsverdacht, können Betroffene zwar noch einen Teil der weiter notwendigen Untersuchungen (siehe Kasten am Textende) von zu Hause aus ambulant durchführen lassen. Steht am Ende der Diagnose aber die Entscheidung über eine Therapie an, überweist der Arzt ins Krankenhaus, in der Regel in die Fachabteilung für Chirurgie oder die chirurgisch-onkologische Ambulanz der Klinik.
Auf die Behandlung von Darmkrebs sind viele Kliniken eingerichtet, zum Beispiel Universitätskliniken oder größere städtische und regionale Krankenhäuser.
Seit kurzem besteht für diese Kliniken zudem die Möglichkeit, ihre besondere Eignung als "Darmzentrum" zertifizieren zu lassen (eine Liste unter www.onkozert.de). Noch haben allerdings nicht alle infrage kommenden Zentren diese Qualitätsprüfung durchlaufen; es kann also durchaus sein, dass nicht in der Liste aufgeführte Krankenhäuser ebenso geeignet sind.

Einen Überblick über die Suchmöglichkeiten nach Ärzten und geeigneten Krankenhäusern vermittelt der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden", zum Laden und Ausdrucken als PDF-Datei.

Krebsverdacht: Warum ist eine Darmspiegelung wichtig?

Die ersten verlässlichen Hinweise auf eine Tumorerkrankung ergeben sich heute meist aus einer Darmspiegelung, der so genannten Koloskopie:
Als "Krebsvorsorgeuntersuchung" wird sie Gesunden ab dem Alter von 55 angeboten, mehr dazu im Kapitel "Früherkennung von Darmkrebs". Auch in der Überwachung von Menschen mit einem vererbten oder aufgrund einer Vorerkrankung hohen Darmkrebsrisiko hat die Darmspiegelung einen festen Stellenwert (mehr im Kapitel "Risikofaktoren und Vorbeugung").
Die Koloskopie ist aber auch die wichtigste Untersuchung zur Abklärung von Beschwerden, die länger anhalten und sich nicht zum Beispiel durch eine Darminfektion, kurzfristige Ernährungsfehler oder andere Auslöser erklären lassen.  Sie ermöglicht als einzige Untersuchung nicht nur die Inspektion des gesamten Kolons und Rektums, sondern erlaubt auch die Entnahme von Proben (Biopsie) aus verändert erscheinenden Abschnitten der Darmschleimhaut.

Untersuchungen zeigen, dass die Koloskopie und die Gewebeentnahme eine sehr geringe Rate an Komplikationen aufweisen. Möglich sind kleine Blutungen, schwere Zwischenfälle sind sehr selten. Die eigentliche Inspektion der Darmschleimhaut geschieht beim Zurückziehen des Koloskops aus dem Darm. Dieses Gerät ist ein etwa fingerdickes, schlauchartiges Gerät mit eingebauter Kamera, einer Lichtquelle und winzigen Zangen oder Schlingen zur Entnahme von Gewebeproben. Der Arzt sollte sich, so die aktuelle Leitlinie für Fachleute, dafür mindestens sechs Minuten Zeit nehmen.
Die Rate, mit der er Polypen oder sonstige Veränderungen findet und entfernen kann, hängt außerdem davon ab, wie gut der Darm vorher entleertwerden konnte. Patienten, die das Gefühl haben, die Darmreinigung am Vortag der Untersuchung sei nicht vollständig, sollten dies vor der Untersuchung angeben. So kann bei Bedarf noch ein unterstützender Einlauf durchgeführt werden.

Trotzdem kann es passieren, dass der Untersucher kleinere Schleimhautveränderungen nicht erkennt. Aus Studien ist bekannt, dass trotz aller Sorgfalt auch zumindest kleinere Karzinome noch übersehen werden können. Die Rate liegt, so die aktuelle Fachliteratur, bei etwa vier bis sechs von hundert Tumoren. Die Sicherheit anderer Diagnoseverfahren reicht jedoch bisher selbst an diese Zahlen nicht heran.

Werden bei einer Darmspiegelung Schleimhautveränderungen gefunden, schickt der Untersucher das entfernte Gewebematerial zur mikroskopischen Untersuchung in ein spezialisiertes Labor ein. Bis das Ergebnis vorliegt, muss sich der Patient in der Regel mehrere Tage gedulden. Ob der Befund gutartig oder bösartig ist, lässt sich mit bloßem Auge beziehungsweise durch das Endoskop vor allem bei kleineren Veränderungen nicht erkennen. 

Beschwerden: Wann sollte eine Koloskopie durchgeführt werden?

Eine Darmkrebserkrankung verursacht im Frühstadium meist keine oder nur sehr unspezifische Probleme. Möglich sind Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Bauchschmerzen, ungewohnt starke Blähungen oder Darmgeräusche und Ähnliches. Als sichere Anzeichen für Krebs gelten diese Symptome nicht.
Auch wenn Blutungen beim Stuhlgang auftreten, ist zunächst nicht sicher erkennbar, ob die Blutungsquelle im Darm liegt, oder ob blutende Hämorrhoiden (mehr unter www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/081-007p.htm) oder Venenausstülpungen des äußeren Analbereichs (Analthrombosen, mehr unter www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/081-002p.htm) verantwortlich sind.
Für Blutungen der Darmschleimhaut selbst kommen neben einer Krebserkrankung weitere Ursachen infrage, etwa Entzündungen. Blut im Stuhl ist  trotzdem immer ein Symptom, das durch den Arzt abgeklärt werden sollte.

Erst in fortgeschrittenem Stadium finden sich bei an Darmkrebs Erkrankten tastbare Verhärtungen im Bauch. Auch eine ungewollte Gewichtsabnahme und Blutarmut können auf einen Tumor hindeuten. Ein Darmverschluss durch Tumorwachstum gilt als Notfall, der eine sofortige Krankenhauseinweisung erfordert.

Begleitende Untersuchungen
  • Frage nach allgemeinem Gesundheitszustand und Beschwerden
  • Frage nach Darmkrebspatienten in der Familie
  • Körperliche Untersuchung
  • Test auf verstecktes Blut im Stuhl

Eine pauschale Auskunft dazu, wann bei jüngeren Menschen eine Koloskopie notwendig wird und wann bei Beschwerden noch zugewartet werden kann, ist kaum möglich.
Unter Umständen wird der Arzt zunächst eine allgemeine körperliche Untersuchung vornehmen und nach den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten fragen. Er wird prüfen, ob eine Infektion vorliegen könnte, und einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl (sogenannter "Hämoccult" oder Guajak-Test) durchführen. Patienten, die von Darmkrebserkrankungen bei Verwandten wissen, sollten dies ihrem Arzt bei dieser Gelegenheit mitteilen.

Gehen Beschwerden nicht zurück, gibt es Anzeichen für Blut im Stuhl oder bietet die Familiengeschichte Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Darmkrebsrisiko, wird der Arzt oft auch bei jüngeren Patienten zu einer Koloskopie raten.

Gibt es Alternativen zur Darmspiegelung?

Die Austastung des Enddarms (digital-rektale Untersuchung) liefert dem Arzt Hinweise auf Veränderungen am Darmausgang, sie ist wenig belastend und sollte daher ebenfalls durchgeführt werden. Sie gibt aber keinen Aufschluss über eine Erkrankung höher gelegener Darmabschnitte. Die Aussagekraft dieser Methode ist daher sehr begrenzt.

Eine Ultraschalluntersuchung, bei der der Schallkopf über die Bauchdecke geführt wird, ist ebenfalls wenig belastend und erlaubt es dem Arzt, auch andere Organe im Bauchraum auf Veränderungen hin zu prüfen, zum Beispiel die Leber oder die Gallenblase. Daher gehört auch sie zur Routinediagnostik, vor allem, wenn es bereits deutliche Hinweise auf eine Krebserkrankung gibt. Zur Diagnose eines Darmtumors reicht sie allein nicht aus.

Bei starkem Verdacht auf einen Enddarmtumor (Rektumkarzinom) kann der Untersucher eine so genannte Endosonografie durchführen: Dabei wird ein Ultraschallkopf in den Darm eingeführt. Die Untersuchung ist jedoch schwierig durchzuführen und liefert nicht selten auch bei bei sehr versierten Diagnostikern keine wirklich verlässlichen Einblicke in den unteren Darmabschnitt.

Um sich ein Bild davon machen zu können, ob der Schließmuskel eventuell von einem Tumor mit betroffen ist, gilt die so genannte starre Rektoskopie daher in der Praxis als wichtiger, eine Spiegelung des Enddarms wie bei der Koloskopie, jedoch mit einem starren Rohr statt mit einem beweglichen Schlauch.

Die so genannte virtuelle Koloskopie oder Kolonografie, eine relativ neue Untersuchung des Darms mittels einer Computertomographie, ermöglicht recht verlässliche Aussagen. Ein Problem stellt jedoch die Strahlenbelastung dieser Untersuchung dar. In der Früherkennung bei Gesunden wird die virtuelle Koloskopie daher derzeit kritisch betrachtet. Bei starkem Krebsverdacht und Problemen bei der Durchführung einer normalen Koloskopie lässt sich die Untersuchung allerdings rechtfertigen.
Ein vollständiger Ersatz für eine konventionelle Darmspiegelung ist sie jedoch schon deshalb nicht, weil keine Biopsieproben aus verdächtigen Darmabschnitten entnommen werden können: Findet der Arzt Anhaltspunkte für Polypen oder gar bösartige Tumoren, schließt sich daher nach Möglichkeit die Darmspiegelung zur Entnahme von Gewebeproben an.

Bis vor einigen Jahren wurde bei Krebsverdacht häufig eine so genannte Kolonkontrastuntersuchung durchgeführt. Dabei erhielt der Patient einen Kontrastbrei zum Schlucken, der mit entsprechender Verzögerung den Darm füllte, die Darmwand benetzte und sich im Röntgenbild abzeichnete. Auch die Gabe eines Kontrastmittels als Einlauf war möglich. So konnten zum Beispiel Engstellen oder Aufweitungen des Darms erkannt werden, auch Darmabschnitte, bei denen die normalen, unwillkürlichen Bewegungen zum Stuhltransport fehlten (Motilitätsstörungen), ließen sich identifizieren. Diese Untersuchungen haben an Stellenwert eingebüßt und werden praktisch nicht mehr durchgeführt.

Weitere Untersuchungen, etwa die Kernspinuntersuchung oder eine PET kommen als Ersatz für eine Koloskopie ebenfalls nicht infrage. Sie können jedoch unter Umständen bei bestätigter Krebsdiagnose eingesetzt werden, um die Ausbreitung der Erkrankung genauer abzuschätzen.

Tumormarker: Welchen Stellenwert haben sie?

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Derzeit gibt es keine Blut- oder Stuhltests, mit denen sich eine Krebserkrankung sicher nachweisen ließe.
Besteht ein Krebsverdacht, lässt sich aus einer Blutprobe zwar der Tumormarker CEA (für carcinoembryonales Antigen) nachweisen. Eine Krebsdiagnose allein anhand von Tumormarkern ist jedoch nicht möglich - es gibt auch andere Erkrankungen, die den Wert ansteigen lassen.
Sollte sich die Diagnose allerdings durch andere Untersuchungenbestätigen, wird man den CEA-Wert nach einer Behandlung wieder messen und mit dem Ausgangswert vor Behandlungsbeginn vergleichen. Durch den Vergleich "Vorher - Nachher" lässt sich der Behandlungserfolg kontrollieren.

Was tun, wenn die Koloskopie nicht
oder nur teilweise durchführbar ist?

Auf die Koloskopie wird in der Regel nur verzichtet, wenn der Allgemeinzustand eines Patienten diese Darmspiegelung nicht erlaubt oder es Anzeichen für einen drohenden oder bestehenden Darmverschluss gibt. Bei starkem Krebsverdacht oder Hinweisen auf eine Verlegung der Darmpassage müssen Patienten mit einer Operation rechnen, wenn eine Koloskopie nicht durchgeführt werden kann und andere Untersuchungsverfahren keine eindeutigen Ergebnisse bieten.

Eine schwache Narkose erleichtert ihnen die Untersuchung. Danach darf man jedoch nicht selbst Auto fahren und sollte sich abholen lassen.

Unter Umständen kann es passieren, dass der Arzt nicht alle Darmabschnitte einsehen kann, entweder weil es nicht gelingt, das Endoskop weit genug vorzuschieben, oder weil der Darm nicht vollständig entleert werden konnte. Wurde in den gut beurteilbaren Darmabschnitten kein Hinweis für eine Erkrankung beobachtet, sollte die Untersuchung trotzdem so bald wie möglich wiederholt und vollständig durchgeführt werden.
Auch bei der Diagnose eines Karzinoms, die eine Operation nach sich zieht, brauchen Patienten ohne vollständige präoperative Koloskopie eine weitere Darmspiegelung, möglichst drei bis sechs Monate nach dem Eingriff:
Etwa fünf von hundert Darmkrebspatienten müssen damit rechnen, dass sie nicht nur einen Tumor haben, sondern ein anderer Darmabschnitt ebenfalls betroffen ist, so die aktuelle Leitlinie zur Darmkrebsdiagnostik.
Bleibt eine Koloskopie unvollständig, raten Fachleute auch zu weiteren Untersuchungen, vor allem zur virtuellen Koloskopie, um so wenige Tumoren wie möglich zu übersehen.

Polypen, gutartige Gewebeveränderungen:
Was tun bei Veränderungen der Darmschleimhaut?

Zu den gutartigen Schleimhautveränderungen zählen die häufig als Polypen bezeichneten Adenome: wenige Millimeter bis einige Zentimeter große Wucherungen, die in der Darmspiegelung als flache Schleimhautverdickungen oder gestielte Geschwülste sichtbar sind. Sie gelten als Krebsvorstufe und sollten daher schon bei der Koloskopie entfernt werden.
Pathologen können bei der mikroskopischen Gewebeuntersuchung erkennen, wie weit die Zellveränderung im Vergleich zu gesundem Gewebe bereits fortgeschritten ist:
Sie unterscheiden dabei mehrere Stufen der Entartung bis hin zum Karzinom ("tubuläres" Adenom -> "tubulovillöses" Adenom -> "villöses" Adenom -> Karzinom oder starker Karzinomverdacht). Auch die Größe des Adenoms liefert Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit einer so genannten Malignität oder Bösartigkeit.

Patienten, bei denen Adenome gefunden wurden, sollten sich regelmäßig wieder untersuchen lassen, die genauen zeitlichen Abstände erfahren sie vom Arzt. Die Wiederholung erst nach zehn Jahren, die für Gesunde ohne einen solchen Befund empfohlen wird, wäre bei ihnen zu spät: Sie müssen zum einen mit gewisser Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass sich weitere Adenome bilden. Auch ist es immer möglich, dass besonders kleine Vorstufen übersehen wurden, so dass wiederholte Koloskopien zu einer höheren Sicherheit der Untersuchung führen.

Mehr zur Darmkrebsvorbeugung bei Adenompatienten hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Nachweis eines Karzinoms: Wie geht es weiter?

Aktuelle Empfehlungen laut Leitlinie
  • Austasten des Enddarms (digital-rektale Untersuchung
  • komplette Darmspiegelung (Koloskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie)
  • Bei Verdacht auf Enddarmkrebs auch Spiegelung des Enddarms mit starrem Rohr (Rektoskopie) und eventuell Ultraschall von innen (Endosonographie)
  • Ultraschall durch die Bauchdecke (Sonographie)
  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Röntgenthorax)
  • Bestimmung des Tumormarkers CEA
  • Weitere Untersuchungen je nach Situation (Auswahl): Computertomographie, Magnetresonanztomographie des Bauchraums, des Beckens, des Brustkorbs, Laboruntersuchungen zur Klärung des Allgemeinzustands.
  • Bei Frauen: gynäkologische Untersuchung

Schon bei der Entnahme von Gewebeproben während der Koloskopie kann der Arzt die krebsverdächtigen  Darmabschnitte für eine spätere Operation markieren, mit einem ungefährlichen Farbstoff oder einer winzigen Metallklammer. Auf jeden Fall wird die Entnahmestelle entsprechend der anatomischen Bezeichnung des jeweiligen Darmabschnitts dokumentiert.

Als Rektumkarzinome werden in Europa und vielen außereuropäischen Ländern alle Erkrankungen klassifiziert, die weniger als 16 Zentimeter vom Darmausgang entfernt liegen; in den USA gelten 12 Zentimeter als Grenze. Alle Tumoren in anderen Abschnitten des Dickdarms gelten als Kolonkarzinome (siehe auch Kapitel "Anatomie"). 

An den Nachweis von Karzinomgewebe anhand der Biopsieproben schließen sich weitere Untersuchungen an: Sie dienen vor allem dazu, die Ausbreitung der Erkrankung besser einschätzen zu können. Für Betroffene ist diese Zeit weiterer Untersuchungen und des Wartens auf neue  Befunde nicht einfach. Um eine Behandlung sinnvoll planen zu können, müssen die Ärzte jedoch nicht nur wissen, in welchem Darmabschnitt Veränderungen auftreten, ob sie eher das Kolon oder eher das Rektum und damit eventuell auch den Schließmuskel betreffen, und ob mehrere Abschnitte betroffen sind.
Wichtig ist auch die Information, ob sich ein Tumor eventuell bereits auf andere Organe ausgebreitet hat.
Bei einigen Patienten fehlt die Zeit für diese gründlichen Voruntersuchungen: Sie kommen als Notfall ins Krankenhaus, etwa weil ein Tumor bei ihnen zu einem Darmverschluss geführt hat, und werden je nach Situation auch ohne vorbereitete Diagnostik operiert.

Liegen alle Befunde vor, kann ein erstes Gespräch über mögliche Behandlungsverfahren stattfinden. Für viele Patienten mit einem Rektum- oder Kolonkarzinom steht zu diesem Zeitpunkt zunächst die Entscheidung  über eine Operation an. Ein abschließende Beurteilung des Erkrankungsstadiums, englisch auch als "Staging" bezeichnet, ist oft erst möglich, wenn bei einer Bauchoperation der Darm sowie angrenzende Lymphknoten und Organe direkt inspiziert werden und Tumorgewebe zur feingeweblichen Untersuchung entnommen wurde.

Eine Übersicht über die gängigen Behandlungsverfahren je nach Erkrankungsstadium hat der Krebsinformationsdienst im nächsten Kapitel zusammen gestellt.

Dickdarmkrebs: Eine Übersicht über die stadienabhängige Behandlung

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Welche Behandlung für einen Patienten mit Dickdarmkrebs empfehlenswert ist, ergibt sich aus der Auswertung aller Untersuchungsbefunde. Nicht selten können die Ärzte eine verlässliche Einschätzung des Krankheitsstadiums erst nach einer Operation abgeben. Welche Stadien von Darmkrebs nach internationalen Klassifizierungssystemen unterschieden werden, ist im folgenden Text dargestellt. Er bietet zudem einen Überblick über die Grundzüge der Behandlung von Darmkrebs und verlinkt zu Kapiteln mit ausführlicheren Erläuterungen:
War der Tumor bei Diagnosestellung klein und wurde in einem frühen Stadium erkannt, reicht bei vielen Patienten oft eine Operation aus, um eine Heilung zu erzielen. Größere Tumoren lassen sich unter Umständen vor der Operation durch eine Chemotherapie verkleinern, sodass der Eingriff weniger umfangreich gestaltet werden kann. Bei Patienten mit Rektumkarzinom wird mit einer Bestrahlung oder einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie beispielsweise versucht, den Schließmuskel zu erhalten. Diese vorgeschaltete Behandlung bezeichnet man als "neoadjuvant". Besteht trotz Operation ein hohes Rückfallrisiko, ist es sinnvoll, den Behandlungserfolg durch eine "adjuvante", begleitende Behandlung zu festigen: Auch dafür eignen sich Chemotherapie, Strahlentherapie oder eine Kombination aus beiden.

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Die "Chemo", wie die Behandlung mit Zytostatika oft umgangssprachlich abgekürzt wird, wird dann eingesetzt, wenn eine Erkrankung trotz Operation fortschreitet oder sich schon bei Diagnosestellung Metastasen im Bauchraum oder in anderen Organen zeigen. Für  Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung spielen neue Medikamente eine wachsende Rolle, die gezielt den Stoffwechsel von Tumorzellen beeinflussen. Sie ergänzen die verschiedenen Möglichkeiten, mit einer Chemotherapie das Tumorwachstum aufzuhalten. Einzelne Metastasen lassen sich unter Umständen herausoperieren.
Experimentelle Verfahren werden in klinischen Studien erprobt, zum Beispiel neue Arzneimittel oder neue Kombinationen bereits bekannter Methoden: Sie eröffnen Patienten unter Umständen neue Chancen, auch wenn sich zu neuen Medikamenten und Verfahren in diesem Stadium noch nicht alle Fragen beantworten lassen.
Zur Krebsbehandlung gehört auch die Linderung krankheits- und therapiebedingter Beschwerden. Deshalb hat zum Beispiel die Schmerztherapie einen großen Stellenwert in der Darmkrebsbehandlung. Kommt es bei Patienten zu tumorbedingten Verengungen oder Verschlüssen des Dickdarms, wird man nach Möglichkeit die Darmpassage wieder herstellen. Führt eine fortgeschrittene Erkrankung zu Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites), zielt hier die Therapie darauf, Betroffenen eine Entlastung vom Druck dieser Flüssigkeit und damit Erleichterung zu verschaffen.

Besondere Situationen

Wird die Diagnose Darmkrebs erst wegen eines Darmverschlusses gestellt, bleibt  meist keine Zeit für umfangreiche Voruntersuchungen vor einer Operation. Daher gibt es für diese Notfallsituation keine festen Vorgaben, die Ärzte orientieren sich  bei der Behandlung daran, was die Lage des jeweiligen Patienten erfordert.

Patienten, bei denen eine genetische Ursache für die Erkrankung vorliegt, insbesondere Betroffene mit FAP, müssen damit rechnen, dass bei ihnen die Entfernung großer Dickdarmteile oder sogar des gesamten Dickdarms angezeigt ist. Ihre Betreuung und Behandlung setzt viel Erfahrung voraus und sollte nur in großen spezialisierten Zentren erfolgen.

Fragen an den Arzt

Informationen aus dem Internet können das individuelle Gespräch mit den behandelnden Ärzten über die jeweils geeignete Therapie nicht ersetzen. Die folgenden Texte sollen es Betroffenen erleichtern, sich auf ein solches Gespräch vorzubereiten. Anregungen zur Vorbereitung auf das Arztgespräch bietet außerdem das Informationsblatt "Behandlungswahl - was muss ich wissen?".

Fragen an den Arzt:      

Quellen

Als Quellen für die Kapitel zur Behandlung von Kolon- und Rektumkarzinomen hat der Krebsinformationsdienst Leitlinien genutzt, die von Fachgesellschaften als Rahmenempfehlungen für Ärzte entwickelt werden. Dazu gehörten unter anderem die deutsche  "S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom"  (für Fachleute unter www.dgvs.de, 2004/2008), die Informationen des U.S.-amerikanischen National Cancer Institutes unter www.cancer.gov (12/2008) sowie Übersichtsarbeiten (Reviews), die über die Datenbank der "Cochrane Library" zugänglich sind (www.cochrane.de).

Dickdarmkrebs: Befunde und Staging
So wird das Erkrankungsstadium erfasst

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Für die Angabe des Tumorstadiums bei kolorektalen Tumoren gibt es mehrere international verwendete Klassifizierungssysteme. Sie erleichtern Medizinern und Wissenschaftlern die Kommunikation und Diskussion von Befunden und die Informationsvermittlung in Arztbriefen. Aber auch für Forschungszwecke kann so die Situation von Patienten einfach und trotzdem präzise beschrieben werden.
Erfasst werden Befunde aus Voruntersuchungen, der Operationsbefund und Ergebnisse mikroskopischer und molekularbiologischer Untersuchungen des Tumorgewebes und der Lymphknoten.

TNM-System

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Eines dieser Systeme ist das sogenannte TNM-System. Dabei steht T für Tumor, N für das lateinische Nodus (= Lymphknoten) und M für das Vorhandensein von Metastasen. Hinzu kommen Zahlenangaben hinter den Buchstaben, die die Ausbreitung des Tumors sowie die Zahl der befallenen Lymphknoten oder Metastasen kodieren. Dabei steht die Null (0) für gesunde Lymphknoten (N0) oder das Fehlen von Metastasen (M0). Ein X, zum Beispiel TX oder NX, bedeutet, die Situation kann anhand der vorliegenden Untersuchungsbefunde nicht sicher beurteilt werden, oder dazu notwendige Untersuchungen wurden (noch) nicht durchgeführt. Bei TX kann der Primärtumor nicht beurteilt werden - die vorliegenden Befunde reichen nicht aus, um gesicherte Aussagen zur Ausdehnung eines Tumors zu treffen. Bei NX sind keine Angaben zum Tumorbefall regionärer Lymphknoten möglich. Die Angabe MX wird nicht verwendet.

Ein kleines p vor der TNM-Angabe bedeutet, der Befund wurde postoperativ, also nach einer Operation, durch die Untersuchung von entnommenem Gewebe durch einen Pathologen bestätigt. Die Angabe pM1 bedeutet zum Beispiel, dass die Ärzte Fernmetastasen gefunden haben.

Der Buchstabe R steht nach einer Therapie für einen Resttumor, R0 (R und die Zahl 0) bedeutet, dass kein Tumorgewebe mehr nachweisbar ist. Ein "L" kann für den Einbruch eines Tumors in Lymphgefäße stehen, ein "V" dafür, dass Venen mit betroffen sind. Die Abkürzung "Pn" (perineurale Invasion) besagt, dass Tumorzellen auch das Gewebe, das Nerven umgibt, befallen.

Mehr zum TNM-System allgemein hat der Krebsinformationsdienst im Text "TNM-System und Staging" zusammengestellt. Einen kurz gefassten Überblick zum Laden, Drucken und Lesen bietet das Informationsblatt "Befunde verstehen".

UICC-Stadieneinteilung

Kolorektale Tumoren werden, auf der TNM-Klassifizierung aufbauend, meist nach dem System der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (UICC, Union Internationale contre le Cancer, www.uicc.org) verschiedenen Stadien zugeordnet.
Entsprechende Einstufungen lauten dann UICC I bis IV, die mit den Buchstaben A, B und C jeweils noch unterteilt werden können.

Gelegentlich finden Patienten noch die heute nicht mehr gängige Angabe von Tumorstadien "nach Dukes". Dabei entsprechen die Dukes-Stadien A bis D in etwa den UICC-Stadien I bis IV.

Grading, molekularbiologische Tumoreigenschaften

Aus dem bei einer Operation entnommenen Gewebe lässt sich das sogenannte Grading (abgekürzt G) bestimmten: Diese Werte geben an, wie sehr sich die Tumorzellen bei der Betrachtung unter dem Mikroskop von gesundem Gewebe unterscheiden. Heute können mit molekularbiologischen Untersuchungen weitere Eigenschaften des Tumorgewebes identifiziert werden. Diese Tests spielen vor allem dann eine Rolle, wenn der Einsatz so genannter zielgerichteter Medikamente geplant wird, mehr dazu im Kapitel "Neue Verfahren gegen Darmkrebs".

Behandlung bei Dickdarmkrebs: Operation

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Die Operation ist die wichtigste Behandlungsform bei Dickdarmkrebs. Damit sind sowohl Eingriffe zur Entfernung des Darmtumors selbst gemeint wie auch die eventuell bestehende Möglichkeit, einzelne Leber- oder Lungenmetastasen zu operieren. Bei der Operation von Kolon- und Rektumkarzinomen werden außerdem zu diagnostischen Zwecken Lymphknoten im Bauchraum entnommen, um zu prüfen, ob sich der Tumor schon über den Darm hinaus ausgebreitet hat. Schließlich können chirurgische Eingriffe notwendig werden, wenn durch Tumorgewebe, Vernarbungen oder Verengungen die Darmpassage behindert ist und damit ein Darmverschluss droht.

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Auf die Operation von Darmkrebs sind die chirurgischen oder onkologisch-chirurgischen Abteilungen vieler Kliniken eingerichtet, zum Beispiel in Universitätskliniken oder in größeren städtischen und regionalen Krankenhäusern. Seit kurzem besteht für diese Kliniken zudem die Möglichkeit, ihre besondere Eignung als "Darmzentrum" zertifizieren zu lassen (eine Liste unter www.onkozert.de).
Noch haben allerdings nicht alle infrage kommenden Zentren diese Qualitätsprüfung durchlaufen; es kann also durchaus sein, dass nicht in der Liste aufgeführte Krankenhäuser ebenso geeignet sind. Einen Überblick über die Suchmöglichkeiten nach Ärzten und geeigneten Krankenhäusern vermittelt der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden", zum Laden und Ausdrucken auch als PDF-Datei.

Indikationen und Ziele:
Wann wird operiert, was kann erreicht werden?

Neben der Entfernung des Tumors nutzen die Operateure den Eingriff auch zur Inspektion der Bauchhöhle und ihrer Organe. Der Chirurg tastet die Leber auf Veränderungen hin ab. Gibt es Anzeichen für einen Tumorbefall, kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, bei der man die Ultraschallsonde unmittelbar auf die Leber aufsetzt. Lymphknoten, die direkt zum jeweiligen Darmabschnitt gehören, werden entnommen, damit sie später unter dem Mikroskop auf Tumorbefall hin untersucht werden können. Diese Befunde, die oft erst bei einer Operation erhoben werden, tragen zum so genannten Staging bei und liefern wertvolle Hinweise für die weitere Behandlung und die Nachsorge nach einer Operation.

Operation bei Kolonkarzinom

Lexikon
Anastomose: Verbindung durchtrennter Darmabschnitte

Pouch: Beutel, Tasche aus Darm- oder anderen Gewebeteilen, als Ersatz für entfernten Enddarm

Kolostoma, Stoma, Anus praeter: Künstlicher Darmausgang durch die Bauchwand

Omentum: Netz, innere Gewebehülle im Bauchraum

Peritoneum: Bauchfell, Auskleidung der Bauchhöhle

Bei kleinen Tumoren, die nicht oder kaum über die Darmschleimhaut vorgedrungen sind (Stadium UICC-I), reicht die Operation in der Regel aus, um bei den meisten Patienten eine Heilung zu erreichen. Dabei wird der tumoröse Darmabschnitt mit einem Randsaum von gesundem Gewebe entfernt. Zur Ausbreitungsdiagnostik werden einige Lymphknoten entnommen. Der Operateur vernäht die beiden Darmenden und stellt so die Darmpassage wieder her. Diese neu geschaffene Verbindung bezeichnet man als Anastomose. Wie viel gesunder Darm und versorgende Blut- und Lymphgefäße mit entfernt werden müssen, hängt von der individuellen Situation und der genauen Lage des Tumors ab.

Bei größeren Tumoren, die die Darmwand durchbrochen haben (Stadium II oder III), wird ebenfalls der betreffende Darmabschnitt entfernt. Operationen in diesem Stadium erfordern wegen des notwendigen großen Sicherheitsabstandes zwischen Tumor und Schnittrand zum gesunden Gewebe hin nicht selten die Entfernung ausgedehnter Abschnitte des Kolons sowie angrenzender Strukturen: Mit entfernt werden möglichst alles sichtbare Tumorgewebe, das sich über den Darm hinaus ausgebreitet hat, sowie, je nach Lage des Tumors, Teile der inneren Gewebeschicht, die den Darm umgibt und die Bauchhöhle auskleidet ("Netz", lateinisch Omentum).
Die Lymphgefäße und Adern, die das entsprechende Darmgewebe versorgen, müssen wegen der Gefahr der Tumorstreuung ebenfalls entnommen werden. Wegen der komplizierten Gefäßstruktur des Darms bedeutet dies unter Umständen auch die Entfernung eigentlich gesunder Darmabschnitte, die wegen mangelnder Durchblutung sonst absterben würden.
Gelingt es, das Tumorgewebe vollständig zu entfernen, ist auch in fortgeschrittenen Stadien eine Heilung möglich. Je nachdem, welches Ergebnis die Untersuchung der bei der Operation entnommenen Lymphknoten erbringt, schließt sich für betroffene Patienten aber noch eine sogenannte adjuvante Behandlung mit einer Chemotherapie an, mit dem Ziel, das Rückfallrisiko zu senken.

Liegen mehrere Tumoren in verschiedenen Darmabschnitten vor, wird man versuchen, jeden Tumor einzeln heraus zu  operieren. Die früher übliche Entfernung des gesamten Dickdarms wird, soweit möglich, heute vermieden.

Um nach größeren Eingriffen dem Gewebe Zeit zur Heilung zu geben, kann es  Patienten  nützen, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen (Anus praeter, Kolostoma oder kurz Stoma). Ein vor dem eigentlichen Operationsgebiet gelegener Darmabschnitt wird durch die Bauchdecke nach außen geführt. Sind die Wunden gut verheilt und hat sich der Patient ausreichend erholt, lässt sich ein solches Stoma oft wieder bei einem weiteren Eingriff zurückverlagern. Dabei stellt der Chirurg die normale Darmpassage wieder her.

Operation bei Rektumkarzinom

Je größer ein Tumor ist und je näher er dem Darmausgang liegt, desto schwieriger ist es, bei der operativen Entfernung den Schließmuskel zu erhalten. Daher raten Ärzte betroffenen Patienten mit größeren Tumoren vor einer Operation zu einer so genannten neoadjuvanten Therapie, um die Geschwulst zu verkleinern  und  die Heilungsaussichten zu vergrößern, mehr dazu hier. Auch nach einer Operation schließt sich, außer bei sehr kleinen Tumoren, eine adjuvante Nachbehandlung an, um das Rückfallrisiko zu senken.

Wie beim Kolonkarzinom orientiert sich das Ausmaß der Operation von Rektumtumoren an der Ausbreitung über die Darmschleimhaut hinaus und am Befall benachbarten Gewebes. Nicht immer ist es möglich, selbst nach einer Vorbehandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung, den Schließmuskel zu erhalten. Durch das Operationsgebiet führen zudem viele Nervenstränge, Blutgefäße und Lymphknoten, die andere Organe versorgen. Die Nerven sind unter anderem auch für die Sexualfunktion wichtig, Lymph- und Blutgefäße ziehen von den Oberschenkeln durch das Becken. Daher wird man nach Möglichkeit versuchen, sie zu schonen; dies gelingt jedoch nicht bei allen Patienten.
Oft ist es nötig, zur Erleichterung der Wundheilung einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang (Anus praeter, Stoma) anzulegen.

Muss der Schließmuskel mit entfernt werden, wird das Stoma auf Dauer angelegt. Auch Patienten, bei denen der Schließmuskel erhalten bleiben konnte, haben nach Entfernung größerer Teile des Rektums aber nicht selten Probleme mit unwillkürlichem Stuhlabgang (Inkontinenz).
In den letzten Jahren wurden daher Operationsverfahren entwickelt, um gegebenenfalls die entfernten Rektumabschnitte durch einen so genannten "Pouch" oder eine Koloplastik zu ersetzen: Dazu bildet  der Chirurg aus oberen Abschnitten des Dickdarms (Kolon) operativ eine Art Beutel oder Tasche, die die Stuhlpassage verzögern. Verschiedene Techniken stehen zur Verfügung, sind aber nur bedingt als Standardverfahren anzusehen. Weitere werden in Studien geprüft.

Operationen bei fortgeschrittenen kolorektalen Tumoren
und Metastasen

Hat sich Darmkrebs auf andere Organe, in Becken und Bauchraum ausgebreitet, erhalten viele Patienten vorrangig den Vorschlag einer medikamentösen Behandlung, mit Chemotherapie und auch neuen zielgerichteten Mitteln.
Unter Umständen kommt jedoch auch eine sehr ausgedehnte Operation infrage, bis hin zur Entfernung aller mit betroffenen Organe im Becken und unteren Bauchraum. Dazu kann die Blase zählen und bei Frauen auch Gebärmutter und Eierstöcke. Diese so genannte Exenteration hat umfangreiche Folgen für die Lebensqualität der Patienten. Ob sie eine Alternative zum Beispiel zu einer Chemotherapie darstellt, muss daher vor einer Entscheidung intensiv geprüft werden.

Die Operation von Metastasen bleibt spezialisierten Zentren mit viel Erfahrung vorbehalten.

Liegen bei der Erstdiagnose einer Darmkrebserkrankung bereits Metastasen in anderen Organen vor, werden die Ärzte, je nach Allgemeinzustand des Patienten, trotzdem versuchen, den Primärtumor im Darm zu entfernen oder zumindest zu reduzieren, um die Darmpassage offen zu halten. Bei sehr fortgeschrittener Erkrankung oder bei Rückfällen der Erkrankung sind weitere Therapien aber oft  zielführender und weniger belastend, auch wenn sie das Tumorwachstum nur aufhalten und die Erkrankung nicht vollständig heilen, mehr dazu im Kapitel "Krankheitsrückfall und fortgeschrittene Darmkrebserkrankung".

In jüngerer Zeit haben jedoch Studien angedeutet, dass es sich lohnen kann, zumindest einzelne Tochtergeschwülste zu entfernen. Hat ein Patient zum Beispiel nur eine Lebermetastase, die ohne nachteilige Folgen für das sonstige Lebergewebe und dessen Blutversorgung entfernt werden kann, ist durch eine chirurgische Entfernung unter Umständen sogar noch eine Heilung möglich. Wie viele Betroffene tatsächlich von einer Operation profitieren, kann anhand der vorliegenden Studiendaten allerdings noch nicht sicher beurteilt werden.
Auch Lungenmetastasen werden heute chirurgisch angegangen, wenn dies ohne massive Verschlechterung der Lungenfunktion durchführbar ist. Da diese Eingriffe eine Öffnung des Brustkorbs erfordern, werden sie in der Regel nicht gleichzeitig mit der Erstoperation des Tumors im Bauchraum, sondern für einen späteren Zeitpunkt geplant.

Droht Patienten mit einem Darmtumor ein Verschluss oder eine Verlegung der Darmpassage, können chirurgische Eingriffe unter Umständen das Tumorwachstum aufhalten und den Transport von Stuhl durch den Darm aufrecht erhalten. Ob eine Operation aufgrund des Allgemeinzustands des Betroffenen möglich und erfolgversprechend ist, auch wenn das kranke Gewebe nicht vollständig entfernt werden kann, lässt sich pauschal nicht beurteilen - hier müssen Ärzte und Patienten nach Klärung aller Vor- und Nachteile individuell entscheiden.

Operation: Offen oder mininal invasiv?

Die meisten Darmkrebspatienten müssen mit einer offenen (Bauch-)Operation rechnen, einer sogenannten Laparotomie. Nur bei kleinsten Tumoren, den sogenannten "in situ Karzinomen", reicht unter Umständen die Entfernung während einer Darmspiegelung aus. Dies gilt jedoch nur, solange es keine Anhaltspunkte für einen Befall tieferer Wandschichten oder weiterer Darmabschnitte gibt. Haben die Ärzte Zweifel daran, dass das Tumorgewebe vollständig entfernt wurde, schließt sich auch hier eine "normale" Operation an.
Rektumkarzinome können auch vom Darmausgang her operiert werden, die komplette Entfernung des Schließmuskels ist auf diese Weise möglich. Auch hier muss der Operateur aber die Möglichkeit haben, Lymphknoten zur Ausbreitungsdiagnostik zu entnehmen, und angrenzendes Gewebe beurteilen zu können.

Wie sieht es mit der Schlüsselloch-Chirurgie aus, den minimal invasiven Techniken?
Bei der so genannten Laparoskopie eröffnet der Chirurg die Bauchhöhle nicht durch einen größeren Schnitt, sondern führt lediglich durch kleinere Einstiche und Schnitte eine Lichtquelle, eine Kamera und die notwendigen Instrumente ein. Diese Art der Operation gilt inzwischen zwar auch bei kleineren Darmtumoren als möglich. Sie ist jedoch keineswegs ein Routineverfahren, und noch steht nicht fest, ob sie Patienten die gleiche Sicherheit bietet wie eine offene Operation. Eine Laparoskopie zur Tumorentfernung soll, so Fachleute in Deutschland wie in anderen Ländern, nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden.

Operationsfolgen und -risiken

Wichtig
Fragen Sie Ihre Ärzte. Nur diese können Ihnen für Ihre ganz persönliche Situation Auskünfte über Operationsfolgen geben.

Wie belastend eine Operation ist, hängt von individuellen Faktoren und vor allem vom Umfang des Eingriffs ab. Eine Rolle spielen auch der Allgemeinzustand eines Patienten und die Ausbreitung der Erkrankung.
Daher lässt sich kaum angeben, wie lange Betroffene voraussichtlich im Krankenhaus bleiben müssen, wann sie wieder normal essen können und wie es mit ihrer körperlichen Belastbarkeit aussehen wird.
Auch die Risiken sind pauschal nicht beurteilbar - welche Komplikationen individuell jeweils absehbar sind, wird von den Ärzten im Aufklärungsgespräch vor dem Eingriff angesprochen. Theoretisch möglich sind, wie bei jedem anderen Eingriff auch, Blutungen, Wundheilungsstörungen oder auch Infektionen. Langfristig kann es bei Patienten nach einer Darmoperation unter Umständen zu Verwachsungen kommen - oft harmlos und unbemerkt, manchmal aber schmerzhaft oder, wegen der eingeschränkten Darmbeweglichkeit und Passagestörungen, auch gefährlich. Wurden, um den Tumor vollständig entfernen zu können, auch Nerven zerstört oder geschädigt, wirkt sich dies auf die Sexualfunktion aus - über das Ausmaß der zu erwartenden Beeinträchtigung sollten Patienten den Chirurgen befragen.

Wie Patienten nach der Operation wieder zu Kräften kommen, ist im Kapitel "Rehabilitation" dargestellt. Über den Umgang mit Krankheits- und Behandlungsfolgen nach dem Abschluss der Behandlung informiert das Kapitel "Leben mit der Erkrankung".

Kontinenz: Kontrolle über den Stuhldrang

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Patienten mit einem dauerhaften Stoma müssen damit rechnen, dass sie die Kontrolle über die Stuhlentleerung nur sehr eingeschränkt wieder zurückerlangen. In den ersten Monaten nach der Operation benötigen sie Zeit, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen und auch durch eine angepasste Ernährung die Verdauung zu beeinflussen.
Ärzte und vor allem so genannte Stomaberater können dabei helfen. Sie zeigen den Umgang mit Beuteln und Kappen und können auch über Techniken informieren, die die Darmentleerung auf wenige Zeiten am Tag reduziert, etwa durch eine Darmspülung.

In einer 2005 erschienenen Übersichtsarbeit fassten Wissenschaftler insgesamt 64 verschiedene Studien zusammen, in denen Darmkrebspatienten mit und ohne Stoma nach ihren Problemen und ihrer Lebensqualität befragt worden waren. Zu ihrer Überraschung zeigte sich, dass Patienten, die nach einem Rektumkarzinom ein Stoma bekamen, einige Zeit später in etwa mit dem Behandlungsergebnis und den Folgen für ihren Alltag ähnlich zufrieden waren wie Patienten ohne künstlichen Darmausgang.

Auch Patienten, bei denen der Schließmuskel (Sphinkter) erhalten bleibt, müssen unter Umständen in der Zeit nach der Operation mit häufigem und schlecht kontrollierbarem Stuhldrang rechnen. Sie brauchen Geduld und Unterstützung von Ärzten und Rehabilitationsfachleuten, um Abhilfe zu schaffen. Wurde die Operation noch durch eine Bestrahlung oder eine Radiochemotherapie ergänzt, kann der Schließmuskel möglicherweise auf Dauer in seiner Funktion geschädigt sein. Wie groß der Anteil hiervon betroffener Patienten ist, lässt sich nur schwer angeben: In Studien werden unterschiedliche Raten genannt - hier sollten Patienten vor der Behandlung die behandelnden Ärzte nach den Zahlen fragen, die in der jeweiligen Klinik erhoben wurden.

Unter Umständen kommen betroffene Darmkrebspatienten dann doch mit einem dauerhaften Stoma besser zurecht. Die Entscheidung für eine erneute Operation ist nicht leicht, sie sollte auch nicht zu früh und nur unter Abwägung aller Möglichkeiten getroffen werden, durch unterstützende Maßnahmen die Funktion des Schließmuskels zu trainieren oder auszugleichen.

Betroffene mit dauerhaften Problemen bei der Stuhlkontrolle, auch als Inkontinenz bezeichnet, benötigen eine gute Unterstützung durch ihre behandelnden Ärzte. Wichtige Ansprechpartner sind außerdem die Selbsthilfevereinigung Deutsche ILCO e.V. (www.ilco.de) sowie die Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. (www.kontinenz-gesellschaft.de).

Adjuvante Therapien bei Darmkrebs: Rückfälle verhindern

Lexikon
Neoadjuvante Therapie: Behandlung vor der Entfernung eines Tumors, dient dazu, den Tumor zu verkleinern und/oder der Abtötung von kleinsten Tumorzellnestern; auch präoperative Behandlung.

Adjuvante Therapie: ergänzende Therapie nach vollständiger Entfernung eines Tumors, um einem Rückfall und der Entstehung von Metastasen vorzubeugen.

Nach kompletter Entfernung eines Dickdarmkrebses entscheidet sich das weitere Vorgehen danach, ob in den bei der Operation mitentfernten Lymphknoten Tumorzellen gefunden wurden oder nicht.

Waren die Lymphknoten frei von Befall, so erfolgt in der Regel keine weitere Therapie.
Wurden in den Lymphknoten Tumorzellen gefunden, so ist eine ergänzende Chemotherapie vorteilhaft. Sie dient dem Ziel, das Rückfallrisiko durch eventuell im Körper zurückgebliebene einzelne Tumorzellen zu verringern. Der Fachausdruck für eine ergänzende Therapie nach vollständiger operativer Entfernung des Tumors ist adjuvante Therapie. Adjuvare bedeutet auf lateinisch helfen, und das soll die adjuvante Therapie tun: Sie soll zur Heilung beitragen. Wenn eine ergänzende Behandlung vor der Operation durchgeführt wird, bezeichnet man sie als neoadjuvante Therapie.

Die adjuvante Behandlung erfolgt bei Dickdarmkrebs üblicherweise mit einer Chemotherapie, häufig gewählte Substanz ist Fluorouracil in Kombination mit Folinsäure, was die Wirksamkeit verstärkt, und dauert einschließlich der Pausen zwischen den Zyklen rund ein halbes Jahr. Die Medikamente Capecitabin, Irinotecan und Oxaliplatin sind für die adjuvante Therapie bisher nicht alle zugelassen, da noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Sie werden eher eingesetzt, wenn es zu einem Rückfall gekommen ist.

Ein Immunpräparat, der monoklonale Antikörper 17-1A, der vor einiger Zeit als Alternative zur Chemotherapie für die adjuvante Behandlung zugelassen wurde, hat sich nicht bewährt. Eine große vergleichende Studie hat ergeben, dass die alleinige Behandlung mit diesem Medikament weniger wirksam ist als Chemotherapie mit 5-FU und Folinsäure und dass auch die Kombination mit Chemotherapie keinen Vorteil bietet.

Bei Tumorsitz in den unteren zwei Dritteln des Mastdarms (Rektum) hat sich die Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie bewährt. Als Medikament wird ebenfals 5-Fluorouracil eingesetzt. Dabei kann die Bestrahlung das Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung am selben Ort verringern, die Chemotherapie wirkt auf die möglicherweise schon im Körper verstreuten Krebszellen. Im Unterschied zum Dickdarmkrebs ist eine adjuvante Therapie hier auch bei Tumoren ohne Lymphknotenbefall angezeigt, sofern der Tumor nicht ganz klein und oberflächlich war.

Bei größeren Mastdarmtumoren, die so nahe am Schließmuskel sitzen, dass sie sich nicht ohne weiteres unter Erhaltung der Kontinenz vollständig entfernen lassen würden, kommt die Strahlenchemotherapie vor der Operation zum Einsatz, um den Tumor zu verkleinern und dann doch schließmuskelerhaltend operieren zu können. In den meisten Fällen gelingt dies auch.

Die folgenden Kapitel gehen näher auf die Therapiemethoden Chemotherapie und Bestrahlung ein, die sowohl als neoadjuvante wie auch adjuvante Verfahren einen Stellenwert haben. Chemotherapie, Bestrahlung wie auch neue Verfahren kommen aber auch Patienten mit einer fortgeschritteneren Erkrankung zugute.

Behandlung bei Dickdarmkrebs: Chemotherapie und Bestrahlung

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Chemotherapie und Bestrahlung spielen bei der Behandlung von Darmkrebs eine wichtige Rolle, und dies entweder einzeln oder in Kombination.
Die kombinierte Radiochemotherapie kann beispielsweise vor einer Operation eingesetzt werden. Sie gilt für Patienten mit Rektumkarzinomen ab Stadium II als Standard, um die Tumoren nach Möglichkeit zu verkleinern und den Eingriff weniger belastend zu machen. Diese Art der Therapie bezeichnet man als neoadjuvant.
Nach einer Operation tragen Chemotherapie oder bei Rektumkarzinomen auch die Radiochemotherapie zur Festigung des Behandlungserfolgs bei und senken das Rückfallrisiko.
Vor allem die Chemotherapie kann bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung als sogenannte palliative Behandlung den weiteren Krankheitsverlauf verzögern, selbst wenn es nicht gelingt, Tumorgewebe vollständig zurückzudrängen.

Chemotherapie mit zytostatischen Medikamenten

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Zur Vorbehandlung vor einer Operation, zur neoadjuvanten Therapie, wird eine Chemotherapie bei Darmkrebs alleine nur selten eingesetzt: Infrage kommt für Patienten mit Rektumkarzinom dagegen eine Kombination der "Chemo" mit einer Bestrahlung oder eine Bestrahlung allein, mehr dazu am Ende der Seite.

Eine große Rolle spielt dagegen die zytostatische Nachbehandlung nach einer Operation. Sie kann meist ambulant durchgeführt werden, also von zu Hause aus. Die sogenannte adjuvante Therapie trägt, so zeigen viele Studien, entscheidend dazu bei, das Rückfallrisiko von Krebspatienten mit einem Kolon- oder Rektumkarzinom zu senken. Auf diese begleitende "Chemo" wird heute nur bei Patienten mit kleinen Tumoren ganz verzichtet, die die Darmwand nicht durchwachsen oder gar durchbrochen haben, und nur dann, wenn keine Lymphknoten befallen sind (Stadium UICC-I).
Bei Patienten mit einer Erkrankung im Stadium UICC-II sind zum Nutzen der adjuvanten Therapie noch Fragen offen. Hier unterliegt die Chemotherapie derzeit noch einer "Kann"-Entscheidung.
Fachleute empfehlen Betroffenen, nach Möglichkeit an Studien teilzunehmen, in denen der Nutzen einer solchen adjuvanten Therapie geprüft wird.

Patienten mit Dickdarmkrebs im Stadium III wird die Behandlung dagegen auf jeden Fall empfohlen, selbst dann, wenn bei ihnen nach der Operation keine Tumorreste mehr nachweisbar sind. 

Ist die Erkrankung fortgeschritten und liegen Metastasen vor, ist die Behandlung mit zytostatischen Medikamenten die wichtigste Therapie überhaupt - sie kann das Tumorwachstum verlangsamen oder sogar aufhalten und trägt so oft auch zur Linderung krankheitsbedingter Beschwerden bei. Sprechen Metastasen auf die Therapie an und verkleinern sich deutlich, kann auf eine Chemotherapie in Ausnahmefällen sogar noch eine Operation der Tochtergeschwülste folgen. Die Chemotherapie lässt sich heute zudem mit neuen zielgerichteten Medikamenten kombinieren.

Wann ist eine Chemotherapie nicht möglich?

Patienten, denen es aufgrund der Krebserkrankung oder auch wegen anderer Leiden körperlich sehr schlecht geht, vertragen eine zytostatische Behandlung unter Umständen nicht.
So können beispielsweise Untergewicht und Mangelernährung oder auch eine schwere Infektion die Anwendung begrenzen. Als Risikofaktoren, die einer Chemotherapie eventuell im Weg stehen, gelten außerdem bestimmte Herzerkrankungen oder eine stark eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion.
Das Alter eines Betroffenen als solches spielt dagegen keine Rolle - entscheidend ist auch bei betagten Patienten allein der Allgemeinzustand.

Wie läuft die Behandlung ab?

Lexikon
FOLFOX, FOX, FOLFIRI, weitere: Diese und ähnliche Abkürzungen stehen für Kombinationstherapien mit zytostatischen Medikamenten. OX ist Oxaliplatin, FOL ist Folinsäure, F steht für Fluoruacil oder 5-FU, IRI für Irinotecan.

Die meisten Medikamente, die heute gegen Darmkrebs eingesetzt werden, müssen über eine Infusion in die Vene gegeben werden. Ein neueres Mittel, das Capecitabin, kann auch geschluckt werden, eignet sich aber nicht für alle Krankheitsstadien beziehungsweise Situationen.
In vielen "Protokollen", den Behandlungsplänen, werden verschiedene Substanzen miteinander kombiniert. Die Behandlung dauert meist mehrere Wochen, in denen in festen Zeitabständen die Infusionen gegeben werden. Bei der palliativen Behandlung einer fortgeschrittenen Erkrankung kann eine Chemotherapie unter Umständen auch fortlaufend angewendet werden, solange sich eine ausreichende Wirkung zeigt.

Welche Substanzen kommen zum Einsatz?

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Gute Erfolge lassen sich mit einer Platinverbindung erzielen, dem Oxaliplatin. Die Substanz wird meist mit anderen Zytostatika kombiniert oder im Wechsel gegeben. Dazu zählen Fluoruracil (5-FU) und Folinsäure (mehr zu diesen Substanzen hier). Als derzeit einzige Substanz zum Einnehmen statt zur Infusion steht Capecitabin zur Verfügung, eine chemische Vorstufe von Fluoruracil. Bei fortgeschrittener Erkrankung setzen die Ärzte auch andere Stoffe ein, zum Beispiel Irinotecan.
Neue Kombinationen und Substanzen werden in klinischen Studien geprüft.

Im Sommer 2009 schränkt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen allerdings die bisherigen Empfehlung einer Kombination von Oxaliplatin und Fluorouracil bzw. Folinsäure ein: Bei Betroffenen im Alter von über 70 Jahren sollte aktuell auf die Platinverbindung verzichtet werden, bis aufgetretene Sicherheitsbedenken geklärt seien (zitiert nach http://www.dgvs.de/1037.php).

Nebenwirkungen und Therapiefolgen

Vor allem die Platin-haltigen Therapien können erhebliche Nebenwirkungen verursachen, mit ein Grund für die aktuelle Einschränkung auf Patienten jünger als 70 Jahre und in vergleichsweise gutem Allgemeinzustand.

Da die Nebenwirkungen aus Studien bekannt ist, erhalten Betroffene heute von vornherein Medikamente, die zum Beispiel Übelkeit sehr wirkungsvoll unterdrücken.
Einige Patienten müssen mit Spätschäden der Therapie rechnen: Von den Platinverbindungen ist bekannt, dass sie zu so genannten Neuropathien führen können, also zu Gefühlsstörungen wie Missempfindungen, Taubheit oder Kribbeln in der Haut. Bisher lässt sich vor Behandlungsbeginn allerdings nicht sagen, welche Patienten betroffen sein werden und welche nicht. Mehr zur Abhilfe gegen Nebenwirkungen und Folgen hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt: "Chemotherapie - kann man Nebenwirkungen vermeiden?".

Radiotherapie (Bestrahlung)

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Die alleinige Bestrahlung  spielt in der Behandlung von Kolonkarzinomen in den oberen Darmabschnitten keine Rolle.
Bei Rektumkarzinomen kann sie dagegen vor einer Operation angewendet werden. Für viele Patienten mit diesen Tumoren des Enddarms gilt heute auch eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie als sinnvoll, entweder vor oder nach einer Operation. Die Tumorkontrolle scheint durch diese Kombination besser möglich zu sein als durch Bestrahlung alleine, so eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2009 (Cochrane Review 1/2009). Noch ist allerdings, so die Autoren dieser Arbeit, der Vergleich des langfristigen Nutzens von Radiochemotherapie mit einer Bestrahlung alleine vor und einer Chemotherapie nach einer Operation nicht abgeschlossen; auch die stärker ausgeprägten Nebenwirkungen müssen im Vergleich berücksichtigt werden.

Die Bestrahlung ist daneben eine wirksame Methode, um Knochenmetastasen eines Kolon- oder Rektumkarzinoms zu therapieren. Sie lindert zum einen die oft erheblichen Schmerzen, die Tumorabsiedlungen in den Knochen verursachen. Zum anderen kann sie die befallenen Stellen stabilisieren und so auch Brüchen vorbeugen.  Bis die stabilisierende Wirkung der Bestrahlung einsetzt, vergeht allerdings eine gewisse Zeit. Ist die Gefahr eines Knochenbruchs unmittelbar abzusehen, kann eine Operation der Knochenmetastase mit Schienung oder Nagelung des Knochens unter Umständen schneller Abhilfe bringen.
Etwas eingeschränkter sind die Möglichkeiten, isolierte Metastasen im Gehirn zu bestrahlen, hier steht die Prüfung der Alternative Operation sogar Vordergrund.
Mehr zur Bestrahlung, ihrer Durchführung und möglichen Therapiefolgen hat der Krebsinformationsdienst hier zusammen gestellt.

Radiochemotherapie

Die Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung gilt bei Rektumkarzinomen als wichtige Behandlungsform, auch wenn, wie oben geschildert, noch Fragen zur Wirkung im Vergleich mit einer alleinigen Bestrahlung offen sind.

Krebsmediziner setzen bei dieser Therapieform auf eine Wirkungsverstärkung: Die zur Chemotherapie verwendeten Zytostatika wirken als so genannte Radiosensitizer, weil sie das Tumorgewebe viel strahlenempfindlicher machen. Die zeitliche Abstimmung und enge Verzahnung von Chemotherapie und Bestrahlung spielt eine besondere Rolle, um die Schäden an den Krebszellen möglichst zielgenau zu setzen und ihnen keine Zeit zur Regeneration zu bieten.

Beim Patienten mit Rektumkarzinomen ab Stadium II kann die Radiochemotherapie vor der Operation, also neoadjuvant eingesetzt werden. Patienten, bei denen dies nicht geschehen ist, erhalten sie je nach Tumorstadium auch adjuvant, also anschließend an die Operation, um das Rückfallrisiko zu senken.  Nur im Stadium I, also bei kleinen Rektumkarzinomen, die ohne große Folgen für die Lebensqualität des Patienten vollständig operiert werden können, verzichtet man heute auf die begleitende Therapie.

Die Bestrahlung lässt sich mit verschiedenen Zytostatika kombinieren, die auch für die alleinige Chemotherapie bei Darmkrebs als Standard gelten (siehe oben). Der zeitliche Ablauf - wann Chemotherapie, wann Bestrahlung, wie lange die Behandlungsdauer - ist heute in so genannten Protokollen festgelegt. Um die Wirkung der Behandlung zu verbessern und langfristig auch Nebenwirkungen zu reduzieren, werden neue zeitliche Abläufe der Medikamentengabe und der Radiotherapie sowie neue Kombinationen in Therapieoptimierungsstudien geprüft.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Radiochemotherapie gehört zu den Behandlungsformen, die für Patienten belastend und mit vergleichsweise vielen Nebenwirkungen verbunden sind. Die Kombination wird daher nur dann eingesetzt, wenn sie Betroffenen wesentliche Vorteile in der Kontrolle ihrer Erkrankung bietet.

Möglich sind Reizungen und Entzündungsreaktionen des unteren Verdauungstraktes und der Harn- und Geschlechtsorgane, soweit sie im Strahlenfeld liegen. Dadurch sind Durchfälle, Blasenprobleme und Schmerzen möglich. Die meisten dieser Nebenwirkungen verschwinden kurz nach Therapieende wieder vollständig.
Trotzdem sollten Patienten mit einem Rektumkarzinom wissen, dass das behandelte Gewebe nach einer Radiochemotherapie auf Dauer empfindlicher bleibt und an Elastizität verliert. Auch die Funktion der Schleimhäute im Verdauungstrakt sowie die der Nerven im bestrahlten Gebiet kann nachhaltig eingeschränkt bleiben. Dies wirkt sich unter Umständen auf die Kontrolle über den Schließmuskel, die Blasenentleerung oder die Funktion der Sexualorgane aus.
Durch neue zielgerichtete Bestrahlungstechniken versuchen Radiologen heute, angrenzende Organe möglichst völlig aus dem Strahlenfeld zu halten. Schwere Spätschäden sind, wie Studien zeigen, insgesamt seltener geworden, mehr dazu hier.

Patienten, die trotz Erhalt des Schließmuskels Probleme mit der Stuhlkontrolle haben und unter häufigem Stuhldrang leiden, benötigen eine gute Beratung und Betreuung durch ihre Ärzte, siehe auch im Kapitel Operation und ihre Folgen. Betroffene mit dauerhaften Problemen bei der Stuhlkontrolle, auch als Inkontinenz bezeichnet, benötigen eine umfassende Unterstützung durch ihre behandelnden Ärzte. Wichtige Ansprechpartner sind außerdem die Selbsthilfevereinigung Deutsche ILCO e.V. (www.ilco.de) sowie die Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. (www.kontinenz-gesellschaft.de).

Neue Methoden, klinische Forschung

In klinischen Studien werden seit einigen Jahren Methoden erprobt, mit denen sich vor allem Lebermetastasen gezielt behandeln lassen. Dazu gehören zum Beispiel besondere Verfahren der gezielten Bestrahlung von innen (selektive interne Radiotherapie, SIRT), die "Laserverkochung" der Lebermetastasen (laserinduzierte Thermotherapie, LITT) und ähnliche Weiterentwicklungen.
Noch haben diese Techniken keinen festen Stellenwert in der Therapie von Darmkrebspatienten. Ob sie im Einzelfall oder im Rahmen von Studien zur Verfügung stehen, muss mit den behandelnden Ärzten geklärt werden.

Auch die Überwärmungstherapie, die so genannte Hyperthermie, zählt im weiteren Sinn zu den Bestrahlungsmethoden. Sie hat bislang keinen festen Stellenwert in der Darmkrebstherapie. Es gibt viele offene Fragen zu Nutzen und Nebenwirkungen. In den Medien wird dies oft anders dargestellt: Zwar gibt es gute klinischen Forschung, die von großen Kliniken und Zentren zur Hyperthermie durchgeführt wird und in denen Patienten in sorgfältig geplanten Studien behandelt werden. Daneben existiert aber auch eine ganze Reihe von Anbietern, die Hyperthermie ohne wissenschaftliche Kontrolle oder begleitende Dokumentation und gegen Zahlung oft erheblicher Summen anbieten.
Warum die Hyperthermie - vielleicht zu Unrecht - dadurch in Misskredit geraten ist, erläutert der Krebsinformationsdienst in einem Text zur Überwärmungsbehandlung.

Behandlung bei Dickdarmkrebs: Neue Medikamente, klinische Forschung

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Seit einigen Jahren spielen bei der Behandlung von kolorektalen Karzinomen neue Medikamente eine wachsende Rolle. Dabei handelt es sich um Stoffe, die zielgerichtet gegen Merkmale wirken, welche so nur oder überwiegend nur bei Tumorzellen vorkommen. Zwar schädigt auch die klassische Chemotherapie Tumoren stärker als gesunde Gewebe; die neuen Substanzen greifen jedoch ganz gezielt in den Stoffwechsel von Tumorzellen ein oder "markieren" tumorspezifische Merkmale an der Zelloberfläche.

Die neuen Medikamente ersetzen die anderen verfügbaren Therapiestrategien gegen Darmkrebs nicht und können, so der bisherige Kenntnisstand, auch keine Aussicht auf vollständige Heilung bieten. Sie ergänzen die bisherigen Behandlungsoptionen aber und eröffnen Patienten zusätzliche Chancen auf ein längeres Leben mit der Erkrankung.

Folgende Substanzen stehen aktuell zur Verfügung:

Monoklonale Antikörper:

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Normalerweise reagiert der Körper zu schwach oder gar nicht auf Krebszellen - sie sind anders als zum Beispiel Krankheitskeime nicht so "fremd", dass das Immunsystem sie als "Feinde" erkennen würde. Die heute als Arzneimittel verfügbaren Antikörper sind dagegen synthetisch hergestellt und richten sich Oberflächenmerkmale, die nur oder in besonders großer Zahl auf Tumorzellen vorkommen.
Der Antikörper Cetuximab ist für die Behandlung bei fortgeschrittenem, metastasiertem Darmkrebs zugelassen, entweder in Kombination mit einer Chemotherapie oder auch als sogenannte Monotherapie, wenn gängige Zytostatika zur Chemotherapie nicht wirken. Das Medikament wird als Infusion in eine Vene verabreicht.
Panitumumab wird ebenfalls eingesetzt, wenn Zytostatika keinen Krankheitsaufschub erwirken können. Dieser Antikörper ist jedoch nicht für alle betroffenen Patienten geeignet: Ein Test, der an aufbewahrtem Tumormaterial oder aktuell entnommenen Biopsieproben durchgeführt wird, liefert Aussagen über die voraussichtliche Wirkung.

Weitere Antiköper werden in klinischen Studien geprüft. In Studien wird außerdem untersucht, ob diese Substanzen ergänzend  beziehungsweise adjuvant bei Patienten eingesetzt werden sollten, bei denen die Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten ist, um so die Risiken eines Rückfalls zu senken.

Angiogenese-Hemmer

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Auch Bevacizumab, eine weitere neue Substanz gegen Darmkrebs, ist ein Antikörper. Da dieser Stoff aber nicht gegen die Tumorzellen wirkt, sondern das Wachstum von Blutgefäßen hemmt, die ein Tumor zur Versorgung ausbildet, rechnet man ihn zur Gruppe der so genannten Angiogenese-Hemmer. Bevacizumab kann als Infusion in die Vene eingesetzt werden, in Kombination mit einer Chemotherapie. Das Mittel ist derzeit zugelassen für Patienten mit fortgeschrittener, metastasierter Erkrankung

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen

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Auch wenn die neuen Medikamente sehr tumorspezifisch wirken, so können sie doch Nebenwirkungen haben. Beobachtet werden beispielsweise Hautveränderungen, die von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Darmkrebspatienten sollten ihre Ärzte auf mögliche Symptome solcher Therapiefolgen ansprechen, um sie von anderen Erkrankungen unterscheiden und frühzeitig eine Behandlung beginnen zu können.

Darmkrebs: Klinische Studien, Krebsforschung

Die Entwicklung neuer Medikamente hat sich beschleunigt: Vergingen früher oft Jahrzehnte, bis Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung direkte Konsequenzen für Patienten hatten, so sind es heute manchmal nur noch wenige Jahre.
Trotzdem werden neue Medikamente nicht ohne Prüfung für die Therapie freigegeben. In klinischen Studien müssen ihre Sicherheit, ihre Wirkung und ihre Nebenwirkungen genau erfasst und dokumentiert werden. Für Krebspatienten, deren Erkrankung trotz Behandlung fortschreitet, bieten solche klinische Studien zwar gewisse Unsicherheiten, da noch Fragen offen sind, aber auch Chancen.
Daneben können Darmkrebspatienten in jedem Erkrankungsstadium an Studien teilnehmen, in denen an der Verbesserung bereits etablierter Verfahren gearbeitet wird. Sie dienen nicht der Testung experimenteller Ansätze, sondern der "Therapieoptimierung".
Mehr zum Thema "Klinische Studien und Krebsforschung" lesen Krebspatienten und Interessierte in der Rubrik Grundlagen. Auch ein Informationsblatt "Klinische Studien" steht zum Laden und Ausdrucken bereit. Dort sind Kriterien aufgeführt, die die Entscheidung für oder gegen eine Studienteilnahme erleichtern können.

Dickdarmkrebs: Palliative und lindernde Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung

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Lässt sich eine Darmkrebserkrankung nicht heilen, bedeutet dies noch lange nicht, dass betroffene Patienten nicht mehr behandelt werden können. Mit einer sogenannten palliativen Therapie lässt sich das Wachstum des Tumors oft noch aufhalten oder verlangsamen, vor allem zielt die palliative Behandlung auf die Erhaltung der bestmöglichen Lebensqualität. Dazu gehört auch die Linderung krankheitsbedingter Symptome.
Bei der Diagnose von Metastasen schon vor der ersten Behandlung oder bei Rückfällen und fortschreitendem Tumorwachstum können Verfahren der Chemotherapie eingesetzt werden, mehr dazu hier. Neue zielgerichtete Medikamente werden entweder mit einer Chemotherapie kombiniert, oder sie kommen dann zur Anwendung, wenn die verschiedenen Zytostatika nicht mehr wirken.

Die medikamentöse Behandlung kann Nebenwirkungen haben. Daher müssen Patienten und Ärzte gemeinsam und oft mehrfach im Verlauf der Therapie prüfen, ob der Nutzen der Medikamente eventuelle unangenehme Begleiterscheinungen rechtfertigt - eine nicht immer einfache Situation.
Auf jeden Fall wichtig ist die Behandlung krankheits- oder therapiebedingter Probleme:

Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung wie auch ihre Familien und engen Freunde brauchen viel Kraft, um mit der Situation umzugehen. Wo möglich und nötig, sollten sie daher Angebote der Unterstützung wahrnehmen.

Dies kann ganz praktische Hilfe sein, etwa bei der Krankenpflege zu Hause. Wie die palliative Versorgung organisiert werden kann, hat der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt zusammengestellt: "Pflege und Betreuung bei fortgeschrittener Krebserkrankung".
Unterstützung kann aber auch von einer Selbsthilfegruppe, von einer Krebsberatungsstelle oder von Psychoonkologen kommen, die über Möglichkeiten beraten, mit der Situation so gut wie möglich umgehen zu können. 

Rehabilitation und Nachsorge bei Darmkrebs:
Gesund werden, Rückfälle erkennen, Therapiefolgen behandeln

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Patienten mit Darmkrebs steht nach der ersten Therapie eine Reihe von Unterstützungsangeboten offen, um Belastungen zu verarbeiten und Krankheits- und Therapiefolgen zu mindern. Dazu zählen medizinische Rehabilitationsmaßnahmen, stationär in einer dafür geeigneten Klinik oder ambulant von zu Hause aus. Die langfristig angelegte medizinische Nachsorge dient in der Folgezeit dazu, den Gesundheitszustand zu überwachen, eventuelle Krankheits- oder Therapiefolgen zu behandeln und einen Rückfall oder ein Fortschreiten der Erkrankung zu erkennen.
Wer bei der Beantragung einer "Reha"-Maßnahme weiterhilft, wer Ansprechpartner für die Nachsorge ist und welche Untersuchungen dazu gehören, listet der Krebsinformationsdienst im folgenden Text auf.

Rehabilitation

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Um  trotz Erkrankung den gewohnten Alltag wieder meistern zu können, haben Patienten Anspruch auf Rehabilitation. Jüngeren Erkrankten soll eine Rehabilitation auch die Rückkehr in den Beruf erleichtern. 
Dazu dienen medizinische "Reha"-Maßnahmen, die ambulant oder stationär angeboten werden. Eine besondere Form ist die Anschlussrehabilitation (früher Anschlussheilbehandlung, AHB) - hier bietet sich Patienten die Möglichkeit, unmittelbar nach der Akutbehandlung im Krankenhaus an einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation teilzunehmen. Auch die AHB kann ambulant oder stationär erfolgen, wobei für Krebspatienten derzeit die Angebote einer Behandlung in einer Klinik überwiegen. 

Leistungsträger sind bei gesetzlich Versicherten die Krankenversicherungen und/oder die Rentenversicherung. Finanzierung und Umfang der Leistungen sind in den Sozialgesetzbüchern (SGB) weitgehend festgelegt.  Weitere Gesetze regeln Details und Ansprüche. Bei privat Versicherten gilt dagegen allein der jeweilis abgeschlossene Vertrag.

Auf die Rehabilitation von gesetzlich versicherten Krebspatienten sind Krankenhäuser spezialisiert, die dafür eine besondere Zulassung laut Sozialgesetzbuch V (SGB V) besitzen. Die ambulante "Reha" in einer Tagesklinik ohne Übernachtungsangebot ist für Darmkrebspatienten ebenfalls möglich. Sie sollte in einem Zentrum durchgeführt werden, das ähnliche Leistungen wie eine Rehabilitationsklinik anbietet und eine entsprechende Zulassung besitzt. Bisher gibt es allerdings vergleichsweise wenige solcher Angebote in Deutschland. Ob eine Rehabilitation nach einem Kolon- oder Rektumkarzinom ambulant durchgeführt werden kann, hängt auch vom Allgemeinzustand eines Patienten ab und davon, ob er  die Versorgung zu Hause und die Wege zur Therapie voraussichtlich gut bewältigen wird. 

Umfassende Informationen im Internet bietet die  Deutsche Rentenversicherung unter www.deutsche-rentenversicherung.de/nn_15820/SharedDocs/
de/Navigation/Rehabilitation/leistungen__node.html__nnn=true
, dort gibt es viele Links zu Einzelfragen und Details. Auch die Krankenkassen informieren auf ihren Internetseiten zum Thema. Einen Überblick über Ziel und Finanzierung der Rehabilitation im deutschen Gesundheitswesen bietet auch das Bundesministerium für Gesundheit unter  www.bmg.bund.de/cln_110/nn_1168258/sid_13
F07A0D3C9F8778D86353C06B43A9D8/SharedDocs/Standardartikel/
DE/AZ/R/Glossarbegriff-Rehabilitation.html?__nnn=true
.

Wann "Reha", wann nicht?

Viele Patienten fühlen sich zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Krankenhaus körperlich noch nicht wieder "fit".  Sie sehen sich nach einer Operation, einer Chemotherapie oder Bestrahlung in ihrer Lebensqualität häufig noch stark eingeschränkt.
Zwar fehlen vergleichende Studien, anhand derer der Nutzen einer Rehabilitationsmaßnahme aus wissenschaftlicher Sicht bewertet werden könnte. Die Autoren der aktuellen Leitlinie zum Thema kolorektale Karzinome (für Fachleute: www.dgvs.de) gehen trotzdem davon aus, dass eine Anschlussrehabilitation oder andere medizinische Rehabilitationsmaßnahmen für jeden Patienten grundsätzlich förderlich sind. Aufgrund des oft eingeschränkten Gesundheitszustands vieler Betroffener kommt aus ihrer Sicht zudem eher eine stationäre als eine ambulante Betreuung infrage.

Eine Pflicht zur Inanspruchnahme besteht nicht: Sprechen gute Gründe gegen eine sofortige Anschlussheilbehandlung, kann eine Rehabilitation eventuell auch später einsetzen. Patienten sollten sich jedoch beraten lassen, welchen Bedingungen ein späterer Antrag auf Rehabilitation unterliegt und welche Nachteile eine Verzögerung oder ein Verzicht für sie hätte.

Wer hilft bei der Beantragung?

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Wie eine Anschlussrehabilitation oder andere Maßnahmen aussehen können und welche Leistungsansprüche bestehen, lässt sich für stationär behandelte Patienten schon in der Klinik abklären. So ist auch sichergestellt, dass Therapie im Akutkrankenhaus und Anschlussrehabilitation (AHB) nahtlos ineinander übergreifen.
Ansprechpartner sind zunächst die behandelnden Ärzte. Sie können eine erste Einschätzung abgeben, mit welchen Krankheits- oder Therapiefolgen zu rechnen ist und welche Maßnahmen zur Linderung sinnvoll wären. Die Kliniksozialdienste stehen als Ansprechpartner für die sozialrechtlichen Aspekte bereit und helfen bei Bedarf auch bei der Antragstellung.
Patienten, die nicht im Krankenhaus, sondern überwiegend oder ganz ambulant behandelt werden, können - natürlich neben ihren behandelnden Ärzten - ihre Krankenversicherung wegen einer Reha-Maßnahme ansprechen. Seit 2002 stehen für gesetzlich versicherte Patienten außerdem die zentralen Reha-Servicestellen zur Information und Beratung zur Verfügung (www.reha-servicestellen.de).
Ansprechpartner zu Fragen der Rehabilitation und zu weiteren sozialrechtlichen Themen hat der Krebsinformationsdienst auch in einem Informationsblatt zusammengestellt.

Medizinische Nachsorge

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Patienten mit kolorektalem Karzinom brauchen einen guten Kontakt zu ihren behandelnden Ärzten, so die aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und der Deutschen Krebsgesellschaft (für Fachleute: www.dgvs.de).

Wer direkt nach Entlassung aus dem Krankenhaus und nach Abschluss der ersten Therapien der ärztliche Ansprechpartner ist, sollte möglichst früh geklärt werden. Die Nachbetreuung kann zum Beispiel die Ambulanz der Klinik übernehmen, in der ein Betroffener operiert wurde, oder die eine Weiterbehandlung mit Medikamenten eingeleitet hat. Alternativ können auch niedergelassene Fachärzte für Innere Medizin die Nachsorge übernehmen (Gastroenterologen, Onkologen), die eventuell sogar eine besondere Zulassung zur ambulanten Krebstherapie besitzen.
Sind Klinik oder Facharzt nicht am Wohnort, ist es sinnvoll, für Notfälle auch Ansprechpartner in der näheren Umgebung festzulegen, die in die Behandlung mit einbezogen werden. Dafür kommt beispielsweise der Hausarzt in Frage: Er sollte dann aber auch entsprechende Informationen zur geplanten Nachsorge und Weiterbehandlung erhalten, selbst wenn er bei der Darmkrebsnachsorge nicht der therapieführende Arzt ist.

Eine Übersicht über Möglichkeiten der Arztsuche hat der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt zusammengestellt.

Wie sieht die Nachbetreuung aus?

Das "Programm" der Nachsorge orientiert sich am Krankheitsstadium bei Abschluss der ersten Behandlung.
Patienten, bei denen der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte oder sich früh ein Rückfall abzeichnet, werden anders betreut als Patienten, bei denen eine vollständige Genesung erwartet werden kann und die Therapie mit heilender, "kurativer" Absicht durchgeführt wurde.
Bei einer metastasierten Erkrankung orientieren sich die Abstände der Arzttermine, der Untersuchungen und der Behandlung allein an den individuellen Symptomen. Eine Übersicht finden betroffene Patienten im Kapitel "Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung".

Das Risiko, nach einer zunächst erfolgreichen, kurativen Behandlung einen Rückfall zu erleiden, ein so genanntes Rezidiv, ist statistisch in den ersten beiden Jahren am höchsten und sinkt dann langsam ab. Rezidive nach fünf Jahren oder später sind sehr selten, wenn auch nicht ausgeschlossen, so aktuelle Studien. Die Nachsorge ist daher in den ersten beiden Jahren vergleichsweise intensiv und wird mit festem Programm in der Regel nur fünf Jahre nach der Erstbehandlung fortgesetzt.

Nachsorge - immer notwendig?

Nur bei Patienten, bei denen die Krankheit in einem sehr frühen Stadium entdeckt und behandelt wurde (UICC-I), kann auf regelmäßige und intensive Nachsorgeuntersuchungen nach festem Programm verzichtet werden. Auch für sie bleibt das Gespräch mit dem Arzt wichtig, wenn es um ihren Allgemeinzustand geht, um eventuelle Einschränkungen durch die Erkrankung oder Therapiefolgen.

Eine Altersgrenze für die Nachsorge gibt es nicht: Die Autoren der aktuellen Leitlinie warnen davor, selbst bei betagten Patienten davon auszugehen, eine Nachsorge würde sich "nicht mehr lohnen". Sie raten jedoch dazu, das Programm an Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und auch dem Willen des Patienten auszurichten, sich bei einem Rückfall gegebenenfalls erneut operieren oder anderweitig behandeln zu lassen.
Für Betroffene, die oft gar nicht genau wissen, was mit der Nachsorge auf sie zu kommt, mag eine solche Entscheidung schwierig sein. Hier hilft nur eines: sich umfassend zu informieren und mit den Ärzten das Für und Wider regelmäßiger Untersuchungen zu besprechen, gegebenenfalls auch mehrfach.

Nachsorge möglichst umfassend?

Untersuchungen, die für den Betroffenen keine Konsequenzen haben, haben auch in der Nachsorge keinen Stellenwert und werden in der aktuellen Leitlinie deshalb nicht empfohlen. Kritisch betrachtet sind das zum Beispiel Untersuchungen, die Rückfälle oder Metastasierungen nachweisen können, ohne dass sich dies auf die Verbesserung der Lebensqualität oder Überlebenszeit von Patienten auswirkt. Daher sind in den Rahmenempfehlungen zur Nachsorge nach Darmkrebs nur Untersuchungen aufgeführt, von denen Patienten tatsächlich einen Nutzen haben.

Welche Untersuchungen sind in der Nachsorge geeignet?

Die meisten Patienten kennen notwendige Untersuchungen schon aus der Früherkennung und der Zeit der Abklärung von Beschwerden. Im Vergleich zur Diagnostik bei Krankheitsverdacht hat vor allem der Stuhltest (Guajak-Test, "Hämoccult") an Bedeutung verloren und spielt in der Nachsorge keine Rolle. Auch ist es nicht zweckmäßig, so die aktuelle Leitlinie, bei jedem Nachsorgetermin umfangreiche Laboruntersuchungen durchzuführen. Die virtuelle Koloskopie mittels Computertomografie spielt in der Nachsorge derzeit keine Rolle und ersetzt die "echte" Darmspiegelung nicht. Auch Untersuchungen wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) oder ein so genannter Kolonkontrasteinlauf gehören nicht zu den für alle Patienten empfohlenen Untersuchungen, weil ihr Nutzen in der Darmkrebsnachsorge nicht belegt ist.

Selbst aktiv werden als Patient

Die meisten Patienten sind daran interessiert, auch selbst zu ihrer Genesung beizutragen und sich aktiv an der Nachsorge zu beteiligen. Was Patienten mit kolorektalen Tumoren selbst unternehmen können, welche begleitenden Maßnahmen heute als wichtig gelten und wo Betroffene Unterstützung bei der psychologischen Krankheitsverarbeitung finden, hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Leben mit der Erkrankung" zusammen gestellt.

Dickdarmkrebs: Leben mit der Erkrankung

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Nach einer Darmkrebserkrankung kann es schwer fallen, wieder zum gewohnten Alltag zurückzukehren. Je nach Krankheitsstadium und Art der Behandlung müssen einige Patienten auf Dauer mit gewissen Einschränkungen rechnen. Andere erholen sich vollständig, benötigen dafür aber Zeit.
Welche Unterstützung Angebote der Rehabilitation bieten können, wurde im vorigen Kapitel dargestellt. Dort ist auch aufgeführt, welche Nachsorgeuntersuchungen bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen heute als sinnvoll gelten.

In diesem Text greift der Krebsinformationsdienst Fragen auf, die vor allem in der Zeit nach Abschluss der eigentlichen Behandlung auftreten. Dazu gehören zum Beispiel das Thema  Ernährung oder auch die Frage, welche Alltagsaktivitäten wieder problemlos möglich sind. Was Betroffene selbst tun können, um Rückfällen vorzubeugen,  ist ebenso aufgeführt, wie Möglichkeiten, die Krankheit auch seelisch zu verarbeiten und Unterstützung zu finden.
Informationen aus dem Internet können Anregungen bieten und eine allgemeine Übersicht über wichtige Aspekte des Alltags mit einer Krebserkrankung liefern. Die individuelle Beratung durch den Arzt oder gegebenenfalls weitere Fachleute ersetzen sie nicht.

Gewicht und Ernährung nach Darmkrebs:
Was soll ich essen?

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Nach heutigem Kenntnisstand lässt sich keine Krebserkrankung durch eine Diät oder durch Verzehr bestimmter Lebensmittel beeinflussen. Die meisten Darmkrebspatienten stoßen trotzdem früher oder später auf Ratschläge, die ihnen die eine oder andere Krebsdiät empfehlen, von bestimmten Nahrungsmitteln abraten, andere dagegen als besonders gesund anpreisen.
Hier ist Vorsicht geboten: Zwar sind solche Empfehlungen meist gut gemeint, gerade wenn sie von Freunden oder Verwandten kommen. Oft steckt auch ein Körnchen Wahrheit in den Ratschlägen, und die meisten sind zumindest nicht schädlich.
Viele Krebsdiäten legen Patienten jedoch völlig unnötige Beschränkungen beim Essen auf oder nehmen zu wenig Rücksicht auf die individuelle Lage, zum Beispiel auf die Situation von Stomaträgern. Andere sind sogar gefährlich, weil sie zu einseitig sind und zu einer Mangelernährung führen können. Dazu gehören beispielsweise alle Formen von Fasten- oder Saftkuren.

Auch viele Diäten, bei denen bestimmte Lebensmittel wie Fleisch, Fett oder Kaffee ganz verboten sind, basieren auf wissenschaftlich nicht haltbaren Theorien zum Zusammenhang von Krebs und Ernährung. Lebensmittel, die für Krebspatienten ausdrücklich "schädlich" sind, gibt es nicht.

Geduld gefordert

Darmkrebspatienten benötigen jedoch meist einige Zeit, bis sie sich ausgewogen ernähren können: Die Darmentleerung vor Untersuchungen und Eingriffen, die Operation selbst und zusätzlich die während der Wundheilung eingeschränkte körperliche Beweglichkeit können, wenn auch meist nur vorübergehend, zu Verdauungsproblemen führen. Dazu zählen Durchfall oder Verstopfung, starke Blähungen oder laute Darmgeräusche. Viele gewohnte Speisen werden zunächst nicht vertragen. Patienten mit Enddarmkarzinom leiden nicht selten unter häufigem und heftigem Stuhldrang.  Nach der Anlage eines künstlichen Darmausgangs müssen sich Betroffene erst daran gewöhnen, die Darmentleerung nicht mehr willentlich kontrollieren zu können. Hier können sich Ernährungsfehler besonders unangenehm auswirken.

Auch während einer Chemotherapie oder Bestrahlung und vor allem bei deutlichem Gewichtsverlust müssen sich Krebspatienten in Sachen Ernährung nicht unter Druck setzen: Die meisten Ernährungsempfehlungen wurden für Gesunde entwickelt. Bei Appetitlosigkeit oder therapiebedingten Problemen ist es sinnvoller, vorübergehend nur zu essen, worauf man tatsächlich Lust hat und was man gut verträgt ("Wunschkost", Tipps bei besonderen Problemem auch hier).

Trotzdem finden die meisten Patienten nach einiger Zeit wieder zum gewohnten Umgang mit dem Thema Nahrungsaufnahme zurück  und Essen macht wieder Freude. Eine Übersicht über wichtige Ernährungsfragen hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Welche Ernährungsweise ist geeignet, um Rückfällen vorzubeugen?

Auch wenn Patienten oft viel Geduld brauchen: Früher oder später hat sich bei den meisten die Verdauung wieder eingespielt. Wie Gesunde sollten sie sich dann möglichst abwechslungsreich, mit viel Obst und Gemüse, aber wenig Fleisch und Fett ernähren.
Aus Studien gibt es erste Hinweise zum Einfluss des Körpergewichts auf das Rückfallrisiko: Sie deuten auf einen ungünstigen Einfluss von Übergewicht hin. Dies würde bedeuten, dass es sich für wieder vollständig genesene Darmkrebspatienten lohnen kann, zumindest stärkeres Übergewicht zu vermeiden oder unter ärztlicher Begleitung abzubauen, mehr dazu hier

Was tun bei Gewichtsverlust?

Rund um die erste Behandlung verlieren viele Darmkrebspatienten zunächst an Gewicht. Meist pendelt sich mit zunehmender Erholung das Körpergewicht wieder ein.
Betroffene, die schon vor der Diagnose untergewichtig waren, oder Patienten mit fortschreitender Krebserkrankung sind jedoch unter Umständen von weiteren Gewichtsverlust betroffen. Geht hierbei nicht nur Fett-, sondern auch um Muskelgewebe verloren, beeinträchtigt dies den Allgemeinzustand stark. Untergewicht und Mangelversorgung mit Kalorien, Eiweiß, Vitaminen oder Spurenelementen können auch zum Therapiehindernis werden und zum Beispiel zum Abbruch einer Chemotherapie führen.
Pauschale Ratschläge sind hier nicht möglich. Betroffene brauchen eine individuelle Beratung durch Fachleute. Wie diese aussehen kann, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung?" zusammengestellt.

Helfen Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel?

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Die meisten Deutschen nehmen auch als Gesunde regelmäßig Vitamine, Mineralstoffe oder so genannte Nahrungsergänzungsmittel zu sich: Sie vertrauen der Werbung, die ihnen mehr Wohlbefinden und den Schutz vor Krankheiten suggeriert.
Krebspatienten werden ebenfalls gezielt umworben - sie sollen mit entsprechenden Produkten einem Rückfall vorbeugen oder Nebenwirkungen der Behandlung lindern können. Diese Mittel sind jedoch in der Regel keine Arzneimittel und haben weder für Gesunde noch für Krebspatienten einen belegten Nutzen.
Warum manche dieser Produkte sogar gefährlich sein können, hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten "Vitamine und Mineralstoffe" und "Nahrungsergänzungsmittel" zusammen gestellt.

Inkontinenz: Probleme mit der Stuhlkontrolle

Noch immer verbinden viele Menschen den Begriff "Darmkrebs" automatisch mit dem Wort "Stoma", also mit der Anlage eines künstlichen Darmausgangs. Tatsächlich hat sich aber der Anteil Betroffener, die auf Dauer ein solches Stoma benötigen, drastisch reduziert. Einen vorübergehenden "Anus praeter" tragen jedoch mehr Patienten: Bis die Wundheilung abgeschlossen ist, kann der künstliche Darmausgang dazu beitragen, das Gewebe im Operationsbereich zu entlasten. Dieser wird später in einer zweiten Operation wieder zurückverlegt, die natürliche Darmpassage wieder hergestellt.

Die Kontrolle über die Stuhlentleerung kann nach einem Rektumkarzinom und seltener auch nach einem Kolonkarzinom trotzdem ein Problem bleiben: Auch Patienten, bei denen der Schließmuskel (Sphinkter) erhalten bleibt, müssen unter Umständen in der Zeit nach der Operation, während einer Bestrahlung oder Radiochemotherapie mit häufigem und schlecht kontrollierbarem Stuhldrang rechnen. Sie brauchen Geduld und Unterstützung von Ärzten und Rehabilitationsfachleuten, um Abhilfe zu schaffen.

Bei manchen Betroffenen nach einem Rektumkarzinom zeigt sich erst einige Zeit später, dass der Schließmuskel möglicherweise auf Dauer in seiner Funktion geschädigt bleibt. Wie groß der Anteil hiervon betroffener Patienten ist, lässt sich nur schwer angeben: In Studien werden unterschiedliche Raten genannt - hier sollten Patienten vor der Behandlung die behandelnden Ärzte nach den Zahlen fragen, die in der jeweiligen Klinik erhoben wurden.

Betroffene mit dauerhaften Problemen bei der Stuhlkontrolle, auch als eingeschränkte Kontinenz oder Inkontinenz bezeichnet, benötigen eine gute Unterstützung durch ihre behandelnden Ärzte. Wichtige Ansprechpartner sind außerdem die Selbsthilfevereinigung Deutsche ILCO e.V. (www.ilco.de) sowie die Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V. (www.kontinenz-gesellschaft.de).

Unter Umständen kommen Darmkrebspatienten dann doch mit einem dauerhaften Stoma besser zurecht. Die Entscheidung für eine erneute Operation ist nicht leicht, sie sollte auch nicht zu früh und nur unter Abwägung aller Möglichkeiten getroffen werden, durch unterstützende Maßnahmen die Funktion des Schließmuskels zu trainieren oder auszugleichen.

Künstlicher Darmausgang: Leben mit einem Stoma

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Trotz verbesserter Behandlungsverfahren muss immer noch ein Teil der Patienten mit Rektumkarzinom damit rechnen, dass der Schließmuskel nicht erhalten bleiben kann. Betroffene erhalten ein dauerhaftes Stoma (Kolostoma, Anus Praeter).

Patienten mit einem dauerhaften Stoma müssen damit rechnen, dass sie die Kontrolle über die Stuhlentleerung nur sehr eingeschränkt wieder zurück erlangen. In den ersten Monaten nach der Operation benötigen sie Zeit, um sich an die veränderte Situation zu gewöhnen und auch durch eine angepasste Ernährung die Verdauung zu beeinflussen.
Ärzte und vor allem so genannte Stomaberater können dabei helfen. Sie zeigen den Umgang mit Beuteln und Kappen und können auch über Techniken informieren, die die Darmentleerung auf wenige Zeiten am Tag reduziert, etwa durch eine Darmspülung.
Die Schulung beginnt schon im Krankenhaus und wird in der Rehabilitation fortgesetzt.

In einer 2005 erschienenen Übersichtsarbeit fassten Wissenschaftler  insgesamt 64 verschiedene Studien zusammen, in denen Darmkrebspatienten mit und ohne Stoma nach ihren Problemen und ihrer Lebensqualität befragt worden waren. Zu ihrer Überraschung zeigte sich, dass Patienten, die nach einem Rektumkarzinom ein Stoma bekamen, einige Zeit später in etwa mit dem Behandlungsergebnis und den Folgen für ihren Alltag ähnlich zufrieden waren wie Patienten ohne künstlichen Darmausgang.

Selbst aktiv werden: Alternative und komplementäre Behandlung

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In Umfragen zeigt sich, dass "alternative" oder "komplementäre" Methoden bei einigen Patienten sehr beliebt sind - kein Wunder, versprechen doch viele der unter diesem Begriff aufgeführten Verfahren sanfte und nebenwirkungsfreie Hilfe. Was viele Krebspatienten und ihre Angehörigen nicht wissen: Den Beleg dafür bleiben selbst so weit verbreitete Mittel wie die Mistel meist schuldig.
Wissenschaftler und Ärzte, die sich intensiv mit dem Thema Komplementärmedizin auseinandersetzen, erkennen zwar den Wunsch Betroffener an, selbst aktiv werden und so viel wie möglich zur eigenen Genesung beitragen zu wollen. Sie werden auch nach Möglichkeit alles tun, um Betroffene hier zu unterstützen.
Bei den meisten alternativen Verfahren vermissen sie jedoch das Wichtigste: den Nachweis der Wirksamkeit nach modernen wissenschaftlich-medizinischen Kriterien. Dazu gehört, was häufig vergessen wird, zum Schutz von Patienten auch die vollständige und nachvollziehbare Dokumentation möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gegen Darmkrebs.
Wie Patienten unwirksame Mitteln und Anbieter falscher Heilsversprechen erkennen können, hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Sport, Bewegung, Freizeit: Was darf ich, was soll ich unternehmen?

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Eine gute Möglichkeit, etwas für sich selbst zu tun, wird von vielen Betroffenen noch stark unterschätzt: Sport.
Es gibt viele Belege dafür, dass regelmäßige körperliche Aktivität, sei es im Alltag oder im gezielten Training, das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Krebspatienten steigert und sich auf die seelische Bewältigung der Erkrankung positiv auswirkt. Daher gehört die Empfehlung zu mehr Bewegung für die meisten Patienten heute zum Standard.
Noch nicht belegt ist die Möglichkeit, mit Training auch Rückfällen vorzubeugen: Zwar haben erste Studien entsprechende Hinweise geliefert, die Daten sind jedoch noch nicht ausreichend, um den tatsächlichen Einfluss abschätzen zu können.

Wie es mit Alltags- und Freizeitaktivitäten bei Krebspatienten aussehen kann und was man bei der Planung beachten muss, finden Interessierte unter den Stichworten "Sport und Bewegung", "Reisen, Urlaub, Autofahren, Fliegen" und  "Massage, Sauna, Thermalbäder: Wellness nach Krebs?".

Belastende Symptome, Müdigkeit, Schmerzen: Weitere Informationen

In der Rubrik "Belastende Symptome" bietet der Krebsinformationsdienst eine ausführliche Übersicht über Abhilfe bei Problemen, die Darmkrebspatienten betreffen können, aber nicht zwangsläufig auftreten:

Fatigue: Müdigkeit und Erschöpfung bei Krebs
Schmerzen: Wirksame Abhilfe ist möglich
Krankheits- und Therapiefolgen: Was tun bei Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Aszites?

Partnerschaft, Sexualität und Kinderwunsch nach Darmkrebs

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Eine Krebserkrankung belastet meist nicht nur den Patienten selbst: Auch seine Familie und engere Freunde sind beteiligt: durch ihre Sorge um den Kranken, die Einschnitte in den Ablauf des gewohnten Alltags und die veränderten Zukunftsaussichten.
Wie sich Partner, Familie und Freunde mit dieser Situation auseinander setzen und selbst Unterstützung finden können, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Angehörige: Helfen und helfen lassen" zusammengestellt.

Patienten mit einem Rektumkarzinom und eventuell auch Patienten mit Kolonkarzinomen können jedoch von Therapiefolgen betroffen sein, die für sie selbst wie auch für ihre Partner zum zusätzlichen Problem werden: Bei einer Operation lässt es sich manchmal nicht vermeiden,  dass Nerven im Becken geschädigt werden, die für die Aufrechterhaltung einer normalen Sexualfunktion wichtig sind.
Daneben haben viele Betroffene damit zu kämpfen, dass sie zumindest eine Zeitlang ihre Verdauung nicht wie gewohnt kontrollieren können, insbesondere dann, wenn ein Stoma notwendig wurde.

Funktionelle Einschränkungen, die sichtbaren Veränderung Körpers, Verunsicherung und Scham - dies wirkt sich auf das Bedürfnis nach körperlicher Nähe aus, bei Patienten wie bei ihren Partnern. Hinzu kommt die Schwierigkeit, über die Themen Sexualität wie auch Verdauung offen zu sprechen.

Bei jüngeren Betroffenen stellt sich eventuell die Frage nach einer zukünftigen Familienplanung. Bei ihnen kommen noch die Sorgen um die Frage hinzu, ob die Erkrankung bei ihnen eventuell genetisch bedingt ist, und sie eine Veranlagung für ein erhöhtes Krebsrisiko an ihre Kinder weitergeben könnten.

Patienten sollten sich möglichst noch im Krankenhaus genau über die Folgen ihrer Behandlung aufklären lassen und offen danach fragen, welche Nebenwirkungen vorübergehend und welche Krankheits- und Behandlungsfolgen eventuell dauerhaft auftreten könnten. Eine Anschlussrehabilitation bietet eine gute Gelegenheit, die Themen Partnerschaft, Sexualität und Kinderwunsch  in einer neutralen Umgebung und mit professioneller Unterstützung zu klären. Auch die Deutsche ILCO e.V. als Selbsthilfevereinigung (www.ilco.de) kann mit Beratung, Information und Erfahrungsaustausch dazu beitragen, mit diesen vermeintlichen Tabuthemen nicht allein konfrontiert zu sein.

Krankheitsverarbeitung: Den eigenen Weg finden

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Nach der Diagnose einer Krebserkrankung setzen sich fast alle Betroffenen mit einer Vielzahl von bedrohlichen Gefühlen und Gedanken auseinander. Die Erkrankung wird oft als massiver Einschnitt erlebt: alles bisher Gewohnte und viele zukünftigen Ziele scheinen zunächst in Frage gestellt. Ängste vor der Rückkehr in den Alltag und Befangenheit im Umgang mit anderen Menschen machen sich bemerkbar, Zweifel an der Wirksamkeit der Behandlung und Angst vor einem Fortschreiten der Erkrankung kommen  auf, auch dann, wenn aus medizinischer Sicht dazu gar kein Anlass besteht.

Psychoonkologen haben beobachtet, dass sich Menschen mit einer flexiblen Haltung gegenüber ihrer Erkrankung leichter tun mit der Krankheitsbewältigung. So kann es heute wichtig sein, sich möglichst viele Informationen über die Krankheit zu verschaffen, morgen ist es dagegen genauso in Ordnung, auch einmal "den Kopf in den Sand" zu stecken oder sich gezielt abzulenken. Alles in allem scheinen ein offener Umgang mit der Erkrankung und eine insgesamt aktive Herangehensweise wichtig zu sein.

Welche psychologischen Aspekte eine Krebserkrankung haben kann, welche Strategien der Krankheitsbewältigung nützlich sind und welche Hilfen Patienten mit Darmkrebs in Anspruch nehmen können, hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt.
Wie lange bleibt man eigentlich Patient? Dieser Frage geht der Krebsinformationsdienst im Text "Nach der Krebsbehandlung" nach.

Mehr wissen:
Adressen, Links und Broschüren für Menschen mit Dickdarmkrebs

Broschüren, Filme, Internet

Unter dem Stichwort "Broschüren" hat der Krebsinformationsdienst kostenlose Veröffentlichungen zum Thema Darmkrebs zusammengestellt. Genannt sind jeweils die Herausgeber und die Bestelladressen; die meisten Broschüren können auch aus dem Internet geladen und gelesen werden.
Das Verzeichnis bietet auch Broschürenhinweise zu weiteren Themen, etwa Ernährung nach Krebs, Krankheitsbewältigung, Partnerschaft und Sexualität, mehr hier

Unter "Bilder und Filme" finden sich Adressen von Datenbanken und Anbietern von Filmen zum Thema Krebs.

Wer vorwiegend das Internet zur Informationssuche nutzt, findet im Leitfaden "Sicher surfen" des Krebsinformationsdienstes Tipps, wie er sich vor unseriösen Angeboten oder Datenmissbrauch schützen kann.

Deutsche ILCO e.V.

www.ilco.de

Hinter der Abkürzung ILCO steht die Vereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs e.V. Die ILCO ist erste Anlaufstelle für Menschen, die an dieser Tumorart erkranken und sich mit anderen Betroffenen austauschen und von deren Erfahrungen mit praktischen Problemen im Alltag profitieren wollen. Die ILCO bietet auf ihrer Internetseite, in den regionalen Gruppen und mit ihren weiteren Angeboten enorm viel Information zum Thema Darmkrebs, nicht nur für Menschen, die nach der Operation zeitweilig oder auf Dauer mit einem Stoma leben.
Als Vertreter der Selbsthilfe ist die ILCO auch an der Erarbeitung und Aktualisierung von Therapieleitlinien beteiligt und vertritt Betroffene in gesundheitspolitischen Gremien.

Deutsche ILCO e.V. - Bundesgeschäftsstelle
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Tel. 0228 - 33 88 94 50
E-Mail: info@ilco.de

Deutsche Kontinenzgesellschaft e.V.

www.kontinenz-gesellschaft.de

Die Fachgesellschaft bietet für Betroffene, die nach einer Darmkrebserkrankung Probleme mit der Kontrolle des Stuhlgangs haben, praktische Tipps für den alltäglichen Umgang mit diesem heiklen Problem. Auch in der Versorgung tätige Fachleute finden viele Informationen zur Behandlung von Stuhlinkontinenz.

Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.
Frau Christa Thiel
Friedrich-Ebert-Straße 124
34119 Kassel
Tel.: 05 61 / 78 06 04, Fax 05 61 / 77 67 70
E-Mail: info@kontinenz-gesellschaft.de

Stiftung LebensBlicke

Die Stiftung LebensBlicke möchte die Öffentlichkeit über die Themen Darmkrebsvorbeugung- und früherkennung umfassend informieren. Hierfür bietet die Stiftung zum Beispiel Informationsbroschüren über die Möglichkeiten zur Früherkennung von Darmkrebs an, organisiert öffentliche Informationsveranstaltungen und vermittelt Adressen von regionalen Selbsthilfegruppen für Darmkrebspatienten. Mehr über die Arbeit der Stiftung LebensBlicke erfahren Leser im Internet unter www.lebensblicke.de.

Fachinformationen, Leitlinien

Im Jahr 2004 sowie vier Jahre später haben mehrere deutsche Fachgesellschaften bei Konferenzen so genannten Leitlinien zur Darmkrebsvorbeugung, zur Früherkennung, Behandlung und Nachsorge erarbeitet. Solche Leitlinien werden auf der Basis des jeweils aktuellen Wissensstandes zusammengestellt; sie können Ärzten einen Rahmen für die Betreuung von Patienten bieten. Sie sind allerdings nicht bindend: Sieht ein Arzt aufgrund der individuellen Situation seines Patienten die Notwendigkeit, von der Leitlinie abzuweichen, so ist dies möglich.

Die aktuell gültigen Empfehlungen auf der Basis dieser Leitlinienkonferenzen wurden 2008 in der "Zeitschrift für Gastroenterologie" veröffentlicht (Schmiegel W et al.: S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. Z Gastroenterol 2008; 46: 1–73, DOI 10.1055/s-2008-1027700). Im Internet ist der vollständige Text unter dem Stichwort "Kolorektales Karzinom" unter www.leitlinien.net abrufbar, bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Einen weiteren Link bietet die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen unter www.dgvs.de.

Patienten und Interessierte, die diese Veröffentlichung nutzen möchten, sollten bedenken, dass sich Leitlinien vorrangig an Fachleute richten. Im Zweifelsfall sollten sie bei Fragen zur Leitlinie unbedingt Rücksprache mit ihren Ärzten halten.

Beratung und Betreuung bei familiärem, vererbtem Darmkrebs

Menschen, die Verwandte mit Darmkrebs haben und befürchten, ein genetisch bedingt besonders hohes Risiko zu tragen, finden erste Informationen hier auf den Seiten des Krebsinformationsdienstes. Die Deutsche Krebshilfe e.V. hat die Etablierung von Darmkrebszentren ermöglicht, die sich besonders auf genetisch bedingte Erkrankungen spezialisiert haben. Adressen und Anlaufstellen zur familiären Beratung finden Betroffene und Interessierte unter www.krebshilfe.de/darmkrebszentren.html.

Ansprechpartner bei anderen bösartigen Darmerkrankungen

Für Betroffene mit den seltenen Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) hat der Krebsinformationsdienst unter dem Stichwort "GIST" einen Überblick erstellt. Weitere Anlaufstellen finden Patienten und ihre Angehörigen bei der Selbsthilfe Gist/Das Lebenshaus, im Internet unter www.lh-gist.org.

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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 27.02.2009