
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBrustkrebs scheint eng mit der Energiebilanz zusammen zu hängen: Wie viel Energie eine Frau über die Nahrung aufnimmt und wie viel sie durch körperliche Aktivität wieder verbraucht, wirkt sich möglicherweise über die Beeinflussung des Hormonspiegels aus, auch andere Stoffwechseleffekte auf das Krebsrisiko sind in der Diskussion.
Zwar gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor Brustkrebs durch einen gesunden Lebensstil. Als zentrale Maßnahme der Vorbeugung empfehlen Experten heute aber, Übergewicht zu vermeiden oder zu reduzieren und sich möglichst viel zu bewegen. Eine Gewichtsabnahme kann möglicherweise sogar das Rückfallrisiko von Frauen senken, die bereits an einem Mammakarzinom erkrankt sind, mehr dazu hier.
Wie kommen Wissenschaftler zu solchen Empfehlungen? Ein Beispiel für zugrunde liegende Studien ist EPIC, die bislang größte europäische Untersuchung zu ernährungs- und lebensstilbedingten Krebsrisiken, ein weiteres die so genannte MARIE-Studie in Deutschland. Auch Wissenschaftler in den USA kommen anhand ihrer Studien zu den gleichen Empfehlungen.
Der Einfluss von Bewegung wird anhand der inzwischen vorliegenden Studien immer deutlicher. Dabei muss es nicht immer anstrengender Sport sein: Auch wer im Alltag aktiv ist, viel zu Fuß geht oder statt mit dem Auto mit dem Rad fährt, kann sein Brustkrebsrisiko senken. Am deutlichsten ist der Effekt bei Frauen nach den Wechseljahren (www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2009/dkfz_pm_09_02.php.
Zum Einfluss von Gewicht und Ernährung sind dagegen noch Fragen offen: Unklar ist, ob das Gewicht in jedem Lebensalter eine Rolle spielt und ob leichtes Übergewicht die gleichen Auswirkungen hat wie starkes Übergewicht oder gar Fettsucht. Laut der europäischen EPIC-Studie scheint vor allem Übergewicht nach den Wechseljahren das Risiko zu steigern, während sich ein ungünstiger Effekt bei jüngeren Frauen nicht belegen lässt.
Schon seit einiger Zeit wird vermutet, das so genannte metabolische Syndrom könne bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen: Sind Menschen übergewichtig und bewegen sich wenig, neigt ihr Stoffwechsel oft zu einer Art chronischer "Schieflage". Die Blutzuckerwerte und die Blutfette sowie einige andere Wert sind zu hoch. Wissenschaftlich wird dies als Anzeichen einer Art chronischer Entzündung auf Ebene der Zellen interpretiert. Bekannt ist das metabolische Syndrom als Risikofaktor für Diabetes (Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erste Studien zeigen, dass bei Frauen nach den Wechseljahren auch das Brustkrebsrisiko steigt.
Wie viel Obst und Gemüse eine Frau isst, wirkt sich dagegen auf das Brustkrebsrisiko nicht aus; auch eine schützende Funktion von Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen oder anderen Substanzen aus Lebensmitteln konnte bisher nicht belegt werden.
Warum die Rolle pflanzlicher hormonähnlicher Substanzen, etwa aus Soja, Leinsamen oder anderen Lebensmitteln, derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden kann, ist im Kapitel "Hormone" dargestellt.
Eindeutig ist jedoch die Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vor Nahrungsergänzungsmitteln, die solche "Isoflavone", also Phytoöstrogene, in isolierter und konzentrierter Form enthalten, mehr unter www.bfr.bund.de/cm/208/isolierte_isoflavone_sind_nicht_ohne_risiko.pdf.
Wegen des hohen Stellenwerts der Empfehlungen zu Gewicht und Ernährung in der Krebsprävention hat der Krebsinformationsdienst zu diesem Themenbereich gesonderte Texte zusammengestellt: "Ernährung", "Sport und Bewegung", "Lebensstil".
Im Jahr 2007 befasste sich eine internationale Kommission mit der Einstufung von Alkohol als Krebsrisikofaktor. Die Wissenschaftler waren im Auftrag der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) tätig, einer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugeordneten Behörde. Sie kamen nach Durchsicht der vorhandenen wissenschaftlichen Daten zu dem Schluss, dass auch das Brustkrebsrisiko parallel zur Menge des konsumierten Alkohols ansteigt (eine englischsprachige Zusammenfassung unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Meetings/96-alcohol.pdf).
Ob der Einfluss eher über die ungünstige Energiebilanz von Alkohol entsteht, oder ob auch eine direkte Beeinflussung des Hormonspiegels oder der Brustzellen eine Rolle spielt, ist noch offen.
Der Einfluss von Rauchen und Passivrauchen ist trotz umfangreicher Forschung zu den Ursachen von Brustkrebs unklar. 2004 befasste sich die bereits erwähnte Kommission im Auftrag der IARC auch mit diesem Thema: Sie ging in der Zusammenfassung davon aus, dass Rauchen zwar das Risiko vieler Tumorarten steigert, nicht aber das für Brustkrebs.
Abgeschlossen ist die Diskussion um einen Zusammenhang zwischen Rauchen oder Passivrauchen und Brustkrebs jedoch nicht. Seit der 2004 erschienenen IARC-Bewertung haben die nationalen Gesundheitsbehörden der USA und Kanadas eigene Stellungnahmen auf der Basis zum Teil neuerer Daten vorgelegt. Diese stammen aus Studien, die einen Zusammenhang bei Frauen vor den Wechseljahren andeuten, während Tabakrauch als Risiko bei älteren Frauen nach wie vor nicht eindeutig belegbar sei (Quellen und weitere Informationen im "Tabakatlas Deutschland 2009", Deutsches Krebsforschungszentrum Juli 2009, zugänglich über www.dkfz.de/de/tabakkontrolle, Stichwort "Publikationen und Stellungnahmen", Stichwort "Monographien").
Das Risiko, durch radioaktive Strahlung Brustkrebs zu bekommen, ist zwar belegt, spielt aber für die meisten Frauen aufgrund ihrer niedrigen durchschnittlichen Belastung im Alltag keine Rolle.
Im Jahr 2002 befassten sich Experten trotzdem noch einmal ausführlich mit dem Strahlenrisiko: Anlass war die geplante Einführung der Röntgen-Mammographie als Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) kam nach Prüfung aller vorliegenden Daten zu dem Schluss, dass der Nutzen der Früherkennung die mögliche Gefährdung überwiegt. Die Stellungnahme der SSK ist unter www.ssk.de/werke/w2002.htm abzurufen.
In mehreren wissenschaftlichen Projekten wurde auch untersucht, ob Frauen, die viel fliegen, durch die Höhenstrahlung höhere Brustkrebsraten aufweisen. Ein gesteigertes Risiko konnte nicht belegt werden, trotz der gegenüber der Normalbevölkerung höheren Strahlenbelastung bei Viel- und Berufsfliegerinnen, so das Fazit einer deutschen Studie bei Piloten und Kabinenpersonal. Eine Zusammenfassung bietet die Berufsvereinigung Cockpit im Internet unter www.vcockpit.de/magazinaktuell.php?artikel=178.
Elektromagnetische Strahlung, auch als "Elektrosmog" bezeichnet, ist nach derzeitigem Kenntnisstand an der Entstehung von Tumoren nicht beteiligt.
Umweltgifte wie etwa Pflanzenschutzmittel oder eine beruflich bedingte Schadstoffbelastung gelten nicht als gesicherte Risikofaktoren für Brustkrebs.
Die Verfolgung ihrer möglichen Auswirkungen spielt in der Krebsforschung jedoch eine wichtige Rolle: Während in West- und Mitteleuropa die Schadstoffbelastung seit Jahrzehnten kontinuierlich sinkt, sind Menschen in den Ländern der Dritten Welt und in den industriellen Schwellenländern immer mehr Giften ausgesetzt, weil es an Sicherheitsstandards und Schutzmaßnahmen fehlt.
Kritisch verfolgt wird beispielsweise die Rolle hormonell aktiver Chemikalien in der Umwelt, in Lebensmitteln, Kosmetika oder Gebrauchsgütern. Entsprechende Meldungen zum Krebsrisiko aus jüngerer Zeit betrafen unter anderem Konservierungsmittel für Kosmetika, Kunststoffprodukte oder schwankende Hormongehalte in Milch. In Deutschland ist für die Überwachung und begleitende Forschung das Bundesinstitut für Risikobewertung zuständig, mehr zum Thema unter www.bfr.bund.de (Beispiele: Parabene in Deos und Brustkrebs unter www.bfr.bund.de/cm/206/parabenhaltige_
deodorants_und_die_entstehung_von_brustkrebs.pdf), Hormone in Mineralwasserflaschen www.bfr.bund.de/cm/208/hormonell_wirkende_substanzen_
in_mineralwasser_aus_pet_flaschen.pdf, Milchkonsum und Brustkrebs www.bfr.bund.de/cm/208/bfr_sieht_keine_assoziation_
zwischen_dem_progesterongehalt_in_milch_und_brustkrebs.pdf).
Anhand der Daten zum Auftreten, zur Altersverteilung und einigen anderen Faktoren gilt es heute als unwahrscheinlich, dass Brustkrebs mit irgendeiner Form von Ansteckung in Verbindung steht kann.
Ob Viren an der Entstehung beteiligt sein könnten, lässt sich momentan weder bejahen noch sicher ausschließen. Als sehr wahrscheinlich gilt die Virus-Hypothese zurzeit nicht; die meisten aktuellen Studien können einen Zusammenhang nicht aufzeigen.
Noch glauben viele Menschen, dass Stress, die mangelnde Verarbeitung von Alltagsproblemen oder bestimmte Persönlichkeitsmerkmale ein Krebsrisiko darstellen. Vor allem bei Brustkrebs wird noch sehr häufig ein Zusammenhang mit psychischen Faktoren hergestellt. Der Beweis dafür fehlt: Die Mehrzahl der heute vorliegenden Studien spricht gegen einen Zusammenhang mit dem Brustkrebsrisiko. Wie Wissenschaftler heute das Thema Krebs und Psyche beurteilen, hat der Krebsinformationsdienst unter den Stichworten "Stress" und "Psychologische Risikofaktoren" zusammengestellt.
Abtreibung als Brustkrebsrisiko? Deos als Tumorauslöser? Zu enge Büstenhalter und dann ein Mammakarzinom? Diese und ähnliche Gerüchte geistern gelegentlich durch die Presse, und über das Internet verbreiten sie sich oft rasend schnell in Foren oder Chats, nicht nur in Deutschland.
Einen Überblick über Gerüchte und unklare Risikozuschreibungen beim Thema Brustkrebs hat der Krebsinformationsdienst unter dem Titel "Keine Panik: Krebsmythen" zusammengestellt. Dort finden sich auch Verweise auf weitere Internet-Seiten, die dem Thema weltweit nachgehen.