
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deEine frühe erste Regelblutung (Menarche) und ein spätes Einsetzen der Wechseljahre (Klimakterium, nachfolgend Menopause) sind schon lange als risikosteigernd bekannt.
Sie bestimmen die Zeitspanne, in der eine Frau monatlich schwankenden Hormonspiegeln ausgesetzt ist. Das Alter, in dem ein Mädchen den ersten Eisprung hat, wird zum großen Teil von den Erbanlagen bestimmt, ebenso das Alter, in dem die körpereigene Produktion von Sexualhormonen nachlässt und die Wechseljahre einsetzen. Ernährung und Lebensstil haben einen geringen, aber messbaren Einfluss: Gut ernährte Mädchen kommen etwas früher in die Pubertät. Bei Frauen, die als Erwachsene stark untergewichtig sind, setzen der Eisprung und die Regelblutung oft aus, und Frauen, die rauchen, kommen früher als der statistische Durchschnitt in die Wechseljahre.
Frauen, die nie geboren haben oder das erste Kind nach dem 30. Lebensjahr bekommen, haben laut vieler Statistiken ein höheres Risiko als Frauen, die jung schwanger wurden und viele Kinder geboren haben.
Jede Schwangerschaft, die mindestens einige Monate angedauert hat, vermindert ein bisschen das Brustkrebsrisiko. Der schützende Effekt von Schwangerschaften und Geburten wird weiter verstärkt, wenn eine Frau ihr Kind stillt, und zwar umso mehr, je länger gestillt wird, so die Daten mehrerer beobachtender Studien (hier ein Beispiel aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum unter www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2000/dkfz_pm_00_33.php).
Für Kinderlosigkeit kann es viele Gründe geben, bei Frauen wie bei Männern. In der so genannten Fertilitätsbehandlung werden Frauen meist auch dann mit Hormonen behandelt, wenn die Ursache für die Unfruchtbarkeit beim Mann liegt. Die medikamentöse hormonelle Steuerung des Eisprungs und die Regulierung des Monatszyklus machen zum Beispiel in vitro-Fertilisierungen ("Retortenzeugung") erst planbar.
Diese zeitlich meist begrenzten Hormongaben scheinen das Brustkrebsrisiko nicht generell zu erhöhen, so die bisher vorliegenden Studien.
Hinweise auf eine geringfügige Risikosteigerung gibt es allerdings für die Gruppe von Frauen, die ohne Hormongabe gar keinen Eisprung haben ("anovulatorische" Zyklen) und deshalb oft über längere Zeit bestimmte Medikamente in hoher Dosierung erhalten, wie eine 2009 veröffentlichte schwedische Studie zeigt.
Kein Risiko bergen nach der bisherigen Datenlage Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche. Warum vor allem Abtreibungen trotzdem immer wieder als "gefährlicher Brustkrebsauslöser" durch Zeitschriften, Chats oder Foren im Internet geistern, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Krebsmythen" zusammengestellt.
Trotz vieler Diskussionen gilt: Die "Pille" ist das sicherste Mittel, um eine Schwangerschaft zu verhüten, auch unter gesundheitlichen Aspekten.
Östrogene und Gestagene zur hormonellen Empfängnisverhütung senken das Risiko, für Krebs der Gebärmutter (Endometriumkarzinom) und Eierstockkrebs. Im Juli 2005 veröffentlichte die Internationale Krebsforschungsagentur (www.iarc.fr) eine Analyse vorliegender Daten: Danach steht diesem Nutzen allerdings auch ein geringfügig erhöhtes Brustkrebsrisiko entgegen, auch das Risiko für Zervixkarzinome und gutartige Lebertumoren scheint mit der Dauer der "Pillen"-Einnahme zu steigen.
Ob der Gesamtnutzen der "Pille" insgesamt und auf lange Sicht nicht sogar überwiegt, konnten die Experten angesichts fehlender Daten 2005 noch nicht sagen: Die IARC forderte weitere Forschungen zum Thema.
Eine im September 2007 in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ veröffentlichte Untersuchung kommt dieser Aufforderung nach: Die Forschergruppe um Philip Hannaford aus dem britischen Aberdeen hat seit 1968 das Schicksal von Frauen nachverfolgt, die die "Pille" einnahmen. Sie verglichen die Krebshäufigkeit mit der in einer Kontrollgruppe, die keine oder eine andere Methode zur Empfängnisverhütung benutzte. Um auszugleichen, dass die meisten Frauen Hormone nur einige Jahre einsetzten, rechneten die Wissenschaftler für die statistische Auswertung mit "Einnahmejahren" statt Patientenzahlen und kamen so auf 744.000 "Pillenjahre" und 339.000 auswertbare Jahre in der Vergleichsgruppe.
Ihr Fazit: Für Frauen, die sehr lange die Pille einnehmen, bleibt außer dem leicht erhöhten Brustkrebsrisiko ein statistisch gering erhöhtes Risiko für ein Zervixkarzinom; eventuell auch ein gering erhöhtes Risiko für Hypophysentumoren und Tumoren des zentralen Nervensystems.
Die "Pille" stellt aber, insgesamt für alle Krebsarten berechnet, unter dem Strich kein Risiko dar, im Gegenteil: Zumindest in dieser Studie ist die Gesamtkrebshäufigkeit bei Frauen, die die "Pille" nehmen, deutlich niedriger. Die britischen Wissenschaftler fanden bei den Frauen in der Studie eine niedrigere Darmkrebsrate und eine niedrigere Rate an einigen anderen Tumorarten. Warum dies so ist, kann zurzeit noch nicht erklärt werden. Da Nutzerinnen hormoneller Empfängnisverhütung regelmäßiger zum Arzt gehen als Frauen, die anders oder gar nicht verhüten, sind sie möglicherweise als Folge insgesamt gesünder. Allerdings wurden Frauen mit schweren Erkrankungen von vornherein nicht in die Studie aufgenommen.
Östrogene und Gestagene als Ausgleich für die nachlassende körpereigene Hormonproduktion in den Wechseljahren - in den Industrieländern galt die Einnahme von Hormonpräparaten lange als "Standard" für Frauen im Klimakterium. Sie sollte die Beschwerden dieses Lebensabschnitts mildern und vor Krankheiten schützen; nicht wenige Fachleute gingen sogar von einem "Anti-Aging"-Effekt aus, der altersbedingte Veränderungen bremsen konnte.
Die Einschätzung dieser Hormonersatztherapie hat sich jedoch komplett gewandelt.
Heute gilt sie als nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Brustkrebs. Auch die Bewertung ihres Schutzes vor altersbedingten Veränderungen fällt auf der Basis neuer Studien ganz anders aus als noch vor wenigen Jahren.
Gibt es keine andere Möglichkeit, Wechseljahresbeschwerden wirksam zu lindern, sollten Hormone so kurz und so niedrig dosiert wie möglich eingesetzt werden, so die Fachempfehlungen.
Wie Experten die Hormontherapie in den Wechseljahren heute bewerten und was Frauen in diesem Lebensabschnitt selbst gegen Beschwerden tun können, hat der Krebsinformationsdienst in zwei gesonderten Texten zusammengestellt, einmal für gesunde Frauen und einmal für Frauen, die nach einer Brustkrebserkrankung unter Beschwerden leiden.
Eigentlich hatten sich Forscher zunächst viel Gutes von hormonähnlichen Substanzen aus Pflanzen erwartet: Sie untersuchten, warum asiatische Frauen seltener Brustkrebs bekommen als Frauen in den Industrieländern, fanden einen Zusammenhang mit der Ernährung und machten in einem nächsten Schritt die in Asien viel verzehrten Sojaprodukte als vermeintliche Ursache aus.
Diese enthalten Substanzen, die wie Östrogen die Hormonrezeptoren im Gewebe besetzen können. Solche Phytoöstrogene finden sich auch in Leinsamen und vielen anderen Lebensmitteln. Andere Pflanzen enthalten Phytohormone, die eher dem natürlichen Progesteron verwandt sind, dem Gelbkörperhormon.
Ähnliche Stoffe aus Pflanzen wie etwa der Traubensilberkerze werden in Deutschland in konzentrierter Form für zugelassene Arzneimittel gegen Wechseljahresbeschwerdenverwendet. Daneben wird eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln als phytoöstrogenhaltig beworben, die Werbung zielt auch hier auf die Linderung von klimakterischen Beschwerden.
Die Annahmen zum Schutzeffekt von Phytohormonen vor Brustkrebs sind allerdings bis heute nicht bestätigt.
Für das statistisch niedrigere Brustkrebsrisiko asiatischer Frauen sind vermutlich nicht die Sojaprodukte verantwortlich, sondern die viel geringere Verbreitung von Übergewicht und Bewegungsmangel.
Auch die bisher vorliegenden Labordaten und die Ergebnisse klinischer Studien zur Wirkung von Phytohormonen sind widersprüchlich. Die meisten Forscher gehen heute davon aus, dass viele der üblichen pflanzliche Mittel gar nicht gegen Wechseljahresbeschwerden helfen, mehr dazu hier.
Möglicherweise steigern zumindest die konzentrierten Substanzen in Nahrungsergänzungsmitteln sogar das Brustkrebsrisiko - Grund genug für das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Warnung vor manchen Stoffen auszusprechen (www.bfr.bund.de/cm/208/isolierte_isoflavone_sind_nicht_ohne_risiko.pdf).
Unklar ist derzeit der mögliche Einfluss von hormonähnlichen Substanzen aus Chemikalien, Kosmetika oder Gebrauchgsgegenständen. Ein echtes Risiko ist nicht nachgewiesen. Allein aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes werden solche Stoffe aber kritisch überwacht. Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Produkten und Stoffgruppen gibt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung unter www.bfr.bund.de, mehr zu umweltbedingten Risiken auch im Kapitel "Lebensstil".