
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deSport und Bewegung spielen sowohl bei der Vorbeugung von Krebs wie auch in der Nachsorge für Patienten eine wichtige Rolle. Was Gesunden im Rahmen der Krebsprävention empfohlen wird, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt. Krebspatienten finden einen Text zum Thema Sport für ihre besonderen Bedürfnisse in der Rubrik "Leben mit Krebs".
Bewegung gilt heute als wichtiger Faktor in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Problemen, sie schützt vor Knochen- und Muskelabbau, Diabetes und vielen weiteren Erkrankungen.
Regelmäßige körperliche Aktivität soll jedoch auch einigen Krebsarten vorbeugen. Menschen, die sich viel bewegen, erkranken statistisch gesehen seltener als die Durchschnittsbevölkerung an Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs; bei weiteren Tumorarten besteht ebenfalls ein Zusammenhang, wenn auch weniger ausgeprägt.
Experten beobachten bei der Krebsvorbeugung eine enge Verknüpfung von Bewegung und Ernährung: Als gemeinsamer Faktor, der von beiden beeinflusst wird, gilt das Körpergewicht. Der ehemalige Direktor des U.S.-amerikanischen Krebsforschungsinstituts (NCI), Andrew C. von Eschenbach, sprach von der Energiebilanz als wichtigem Gesichtspunkt, wenn es um die komplexen Zusammenhänge zwischen Gewicht, körperlicher Aktivität, Veranlagung und Krebsrisiko geht (www.cancer.gov/directorscorner/directorsupdate-01-20-2004).
Aus der Grundlagenforschung zeichnen sich erste Hinweise ab, dass es dafür auch eine physiologische Erklärung geben könnte: Bewegung beeinflusst den Insulinspiegel und die Konzentration weiterer Hormone und Botenstoffe im Blut, die in den Zellen als Wachstumssignale fungieren. Körperliche Aktivität hat über diese Mechanismen vermutlich auch einen günstigen Effekt, der über den unmittelbaren Zusammenhang mit dem Körpergewicht hinausgeht. Noch besteht zu diesen Fragen allerdings Forschungsbedarf.
Bewegung und Sport spielen auch für bereits Erkrankte eine Rolle: Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen wie etwa Einschränkungen der Beweglichkeit können durch gezielte Übungen und Krankengymnastik vermindert oder ganz vermieden werden.
Angepasstes Bewegungstraining verbessert Erschöpfungszustände, das so genannte Fatigue-Syndrom unter denen viele Patienten noch lange nach der Therapie leiden. Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen.
Betroffene finden hier weitere Informationen zum Thema "Sport nach Krebs".
Ob regelmäßiges Training auch das Risiko von Rückfällen und Metastasen
beeinflusst, ist bisher nicht ausreichend dokumentiert.
Auch hier
gibt es zwar aus den letzten Jahren mehrere Studien, die zumindest die
negativen Folgen einer sitzenden Lebensweise belegen: Bleiben
Brustkrebspatientinnen nach ihrer Erkrankung stark übergewichtig,
bewegen sie sich wenig und zeigt ihr Stoffwechsel erste Anzeichen von
Entgleisung in Richtung des so genannten metabolischen Syndroms an, so
scheint auch ihr Rückfallrisiko erhöht zu sein.
Keiner der Forscher geht soweit, aus diesen Studienergebnissen bereits konkrete Ratschläge zum Abnehmen oder zu mehr Sport abzuleiten – dazu müsste erst belegt sein, dass sich die Risikosituation dadurch tatsächlich auch wieder umkehren lässt.
Was das allgemeine Wohlbefinden und die Aufrechterhaltung eines guten Allgemeinzustands durch ausreichend Bewegung für die Prognose von Krebspatienten bedeutet, ist ebenfalls nicht so deutlich belegt wie man annehmen könnte.
Klar ist dagegen der Einfluss auf die Lebensqualität von Patienten. Sie können über eine wenig oder gar nicht eingeschränkte körperliche Beweglichkeit auch ein Stück Alltagsleben und Zutrauen in die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers wiedergewinnen.
Der Europäische Kodex gegen den Krebs lässt die Dauer oder die Intensität körperlicher Betätigung in seinen Empfehlungen für Gesunde offen. In diesem auf europäischer Ebene zuletzt 2003 aktualisierten Text heißt es pauschal: "Bringen Sie sich einmal pro Tag kräftig in Bewegung". In den Erläuterungen führen die Verantwortlichen ihren Ratschlag weiter aus: Sie gehen von einem Minimum von einer halben Stunde kräftiger Aktivität mindestens dreimal in der Woche aus, fügen jedoch hinzu, mehr Bewegung sei besser (in englischer Sprache unter www.cancercode.org/code_03.htm).
Eine Trennung zwischen Sport und ausreichender Bewegung im Alltag ist von Expertenseite bisher nicht vorgenommen worden. Die meisten Studien untersuchten den Einfluss sportlicher Aktivitäten. Dies liegt jedoch daran, dass Training unter wissenschaftlichen Bedingungen einfach leichter zu erfassen ist als die tatsächliche Aktivität im Beruf, beim Einkaufen, Saubermachen oder anderen normalen Tätigkeiten. In einer Aussage sind sich die Forscher jedoch einig: Sport spielt allein schon deshalb eine wichtige Rolle, weil aufgrund der heute üblichen sitzenden Lebensweise kaum noch jemand in Beruf oder Freizeit andere Möglichkeiten der körperlichen Aktivität zur Verfügung hat.
Bisher gibt es auch keine Abwägung zwischen Ausdauerbelastung oder mehr
auf Kraft ausgerichteten Aktivitäten. Betrachtet man zum Abgleich aber
die Empfehlungen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so
liegt der Schwerpunkt für die meisten Altersgruppen beim
Ausdauertraining. Bei älteren Menschen verschiebt sich die Gewichtung
hin in Richtung Kraftübungen, um Knochen- und Muskelabbau entgegen zu
wirken.
Auf das fehlende Wissen zum Umfang des notwendigen Trainings
weisen auch die Autoren eines Handbuchs der Internationalen Union gegen
den Krebs (www.uicc.org) von 2006
hin, dessen deutschsprachige Fassung die Deutsche Krebsgesellschaft mit
verantwortet. In den Studien zur Rolle der Bewegung seien zu
unterschiedliche Kriterien verwendet worden, um anzugeben, was
mindestens geleistet werden müsse. Anhand einer Auswertung der bis 2006
vorliegenden Daten kommen die UICC-Experten zu folgenden Aussagen:
Ob diese Aktivität für alle Gruppen ausreichend ist, sollte in Studien untersucht werden, so die Experten. Sie halten es für durchaus möglich, dass Risikogruppen wie Übergewichtige deutlich mehr Bewegung brauchen, um gesund zu bleiben. Das U.S.-amerikanische Krebsforschungsinstitut (National Cancer Institue, NCI) gibt ähnliche Empfehlungen zur moderaten Bewegung, hält 20 Minuten wirklich anstrengende Aktivität an mindestens drei Tagen pro Woche aber für ebenso wirkungsvoll. Die Empfehlung des NCI ist online in englischer Sprache unter www.cancer.gov/newscenter/pressreleases/PhysicalActivity abzurufen.
In Studien unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigte sich, dass sich bei Frauen nach den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko umso deutlicher reduzieren lässt, je mehr Bewegung sie haben. Verhindert wurden vor allem Tumorformen, bei denen die Brustkrebszellen hormonabhängig wachsen (Pressemitteilung des DKFZ unter www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/2009/dkfz_pm_09_02.php).
Wer noch nicht viel Sport getrieben hat und im Alltag keine Möglichkeit zu ausreichender Bewegung findet, sollte mit dem Hausarzt über einen geeigneten Einstieg sprechen. Bestehen aus dessen Sicht keine Bedenken, stehen Gesunden die meisten Sportarten ohne Einschränkung offen.
Bei Übergewicht, Problemen mit den Knochen oder Bändern sowie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kann der Arzt angeben, welche Bewegungsabläufe besser vermieden werden und in welchem Umfang Belastung erfolgen darf. Eventuell gibt eine sportmedizinische Untersuchung genauere Aufschlüsse über eine empfehlenswerte Sportart und geeignete Trainingsumfänge. Einen Einstieg bieten dann die Angebote der Sportvereine, der professionellen Sportstudios oder Kurse, die in vielen Betrieben, von Volkshochschulen oder auf Initiative der Krankenversicherungen angeboten werden. Bei der Krankenversicherung kann auch erfragt werden, welche Kurse oder anderen Angebote mit einem Bonus belohnt oder anderweitig finanziell gefördert werden. Voraussetzung für die Förderung durch die Krankenkassen: Das Sportangebot muss sich einem Qualitätscheck unterzogen haben.