Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Sie eignet sich zur Brustkrebsfrüherkennung: Schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren können sichtbar gemacht werden. Durch eine entsprechend frühe Behandlung verbessern sich in die Heilungsaussichten für Patientinnen, so die Hoffnung von Experten. Nach aktuellem Kenntnisstand kann die Mammographie daher Leben retten. Wer regelmäßig teilnimmt, muss jedoch damit rechnen, unter Umständen auch einmal durch "falschen Alarm" beunruhigt zu werden: durch einen auffälligen Mammographie-Befund, der sich erst bei weiteren Untersuchungen als harmlos herausstellt.
Seit Anfang 2004 ist eine Mammographie alle zwei Jahre in Deutschland Bestandteil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. Alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren werden dazu eingeladen.
Welchen Nutzen können sich gesunde Frauen von einer Mammographie erwarten? Warum gibt es immer wieder Kritik an dieser Früherkennungsuntersuchung? Antworten und Links zu weiteren Informationen hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

Stellenwert:
Wie wichtig ist die Mammographie zur Früherkennung?

Die Mammographie ist derzeit die beste, wenn auch keine unfehlbare Methode zur Früherkennung von Brustkrebs. Sie erlaubt mit hoher Treffsicherheit den Nachweis von Veränderungen in der Brust, bevor sie als Knoten oder Verhärtung tastbar sind. Zwar lässt sich mit der Mammographie nicht immer zeigen, ob eine solche Veränderung gut- oder bösartig ist. Aber insbesondere kleine Kalkablagerungen stellen sich im Röntgenbild gut sichtbar als weiße Flecken dar: Dieser Mikrokalk ist oft erstes Anzeichen für ein Mammakarzinom.

Die Mammographie ermöglicht, anders als die Tastuntersuchung der Brust, eine echte Frühdiagnose von Brustkrebs. Damit steigen die Heilungschancen, so bis heute das Ergebnis vieler Studien. Kleine Veränderungen, die sich nur mit der Mammographie und nicht durch Tasten entdecken lassen, sind nach den heute vorliegenden Statistiken bei neun von zehn Frauen heilbar. Ist ein Tumor tastbar, hat er dagegen bereits einen Durchmesser von mehreren Zentimetern erreicht. Dann finden sich häufig auch schon Tumorzellen in den umliegenden Lymphknoten. Die Aussicht betroffener Frauen auf dauerhafte Heilung verschlechtert sich.

Kritiker der Mammographie führen an, dass sich der Nutzen der regelmäßigen Mammographie bei gesunden Frauen noch nicht abschließend beurteilen lasse. Sie verweisen unter anderem darauf, dass eine Frau auch unnötig beunruhigt werden kann: Selbst bei sorgfältiger Durchführung bleibt ein gewisses Risiko fehlerhafter oder unsicherer Beurteilungen.

Symptome oder Beschwerden? Zum Arzt gehen!

Reicht es aus, regelmäßig zur Früherkennung zu gehen? Was tun, wenn eine Frau bei sich selbst Symptome entdeckt, wie zum Beispiel Knoten, Hautveränderungen oder Einziehungen an der Brust? Dann sollte sie  nicht bis zum nächsten Früherkennungstermin warten, sondern einen Termin bei ihrem Frauenarzt vereinbaren. Die Mammographie zur Abklärung solcher Auffälligkeiten ist jederzeit möglich.

Gesetzliches Programm in Deutschland:
Wer hat Anspruch auf eine Mammographie?

Krebs in der Familie?
Wer Verwandte mit Brustkrebs- oder Eierstockkrebs hat, sollte mit dem Arzt besprechen, ob eine Mammographie schon vor dem Alter von 50 Jahren sinnvoll ist.

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet allen Frauen ab dem Alter von 30 Jahren einmal jährlich eine Tastuntersuchung von Brust und Achselhöhlen an. Ab dem Alter von 50 kommt alle zwei Jahre die Einladung zu einer Mammographie hinzu, bis zu Alter von 69 Jahren.

Das Angebot der Mammographie gilt unabhängig davon, ob eine Frau gesetzlich oder privat versichert ist. Die Teilnahme geschieht auf Einladung, bleibt aber freiwillig. Eine Pflicht zur Beratung über die gesetzliche Krebsfrüherkennung besteht nur für Frauen, die nach dem 31. März 1987 geboren wurden (mehr dazu hier).

Adresse und Geburtsdatum für die Einladung kommen vom Einwohnermeldeamt. Datenschutz ist selbstverständlich: Weder werden Adresse und Geburtsdatum zu anderen Zwecken genutzt, noch werden weitere personenbezogene Daten für die Früherkennungsmammographie benötigt.

Untersuchung nur in spezialisierten Zentren

Gesunde Frauen, die eine Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung im Rahmen des gesetzlichen Angebots durchführen lassen, können dies nur in spezialisierten Zentren tun. Deren Arbeit wird streng kontrolliert. Eine Überweisung vom behandelnden Gynäkologen oder Hausarzt ist nicht erforderlich. Der behandelnde Arzt kann auf Wunsch aber eine Kopie aller Befunde erhalten, und er bleibt wichtiger Ansprechpartner, wenn eine Frau Fragen zur Mammographie hat.
Diese Vorgaben sind zur Qualitätssicherung notwendig: Die Mammographie wurde noch vor wenigen Jahren von sehr vielen Ärzten angeboten. Die meisten führten die Untersuchung allerdings nur selten durch und konnten vergleichsweise wenig Erfahrung mit der Auswertung sammeln. In der Folge kam es oft zu unnötigen weiteren Abklärungsuntersuchungen und Gewebeentnahmen. Im internationalen Vergleich wurden in Deutschland Karzinome trotzdem zu häufig übersehen, weil die Routine fehlte.

Im Rahmen des 2002 beschlossenen und seit 2004 stufenweise umgesetzten Mammographie-Screening-Programms wird dagegen eine überprüfbare Qualität angestrebt. Durchgeführt wird die Früherkennungs-Mammographie daher nur noch in spezialisierten Einrichtungen. Sie gibt es in jeder größeren Stadt und in jeder Region. Dort arbeiten spezialisierte Radiologen und technische Assistenten. Die Qualität ihrer Arbeit sowie die Ergebnisse aller Zentren werden regelmäßig kontrolliert.

Durchführung: Wie sieht das Angebot heute aus?

Zum Weiterlesen

Die Untersuchung selbst führt eine Assistentin durch. Es werden zwei Aufnahmen von jeder Brust angefertigt, was nur wenige Minuten dauert (mehr zur Durchführung hier). Die Aufnahmen werden danach von zwei Ärzten unabhängig voneinander beurteilt, die große Erfahrung mit der sogenannten Befundung haben, also der Sichtung von Mammographie-Röntgenaufnahmen.
Das Ergebnis erhält die untersuchte Frau einige Tage später per Brief. Nur wenn ein auffälliger Befund vorliegt, erfolgt die Einladung zu einer weiteren Abklärung. Ist kein Anhaltspunkt für ein Mammakarzinom zu finden, muss die Mammographie erst zwei Jahre später wiederholt werden.

Qualitätssicherung wichtig

Koordination

Durch ein so umfangreich kontrolliertes Programm soll Frauen in Deutschland die derzeit bestmögliche Früherkennung gewährleistet werden.

Bei der Beurteilung der Qualität geht es nicht nur um den Beleg für den tatsächlichen Nutzen, also die Senkung der Sterblichkeitsrate. Berücksichtigt werden müssen auch mögliche Risiken der Früherkennungs-Mammographie. Dazu zählt beispielsweise die Strahlenbelastung: Sie wurde von der deutschen Strahlenschutzkommission als vertretbar für gesunde Frauen eingestuft (www.ssk.de/de/werke/2002/kurzinfo/ssk0201.htm). Für die Mammographie-Geräte selbst gibt es strenge Vorgaben.
Geprüft wird außerdem regelmäßig, wie viele Tumoren ein Untersucher bei der ersten Bewertung von Mammographie-Bildern übersieht, oder ob zu häufig "falscher Alarm" gegeben und Frauen dadurch unnötig beunruhigt werden.

Die Koordination des Screenings liegt bei der Kooperationsgemeinschaft Mammographie (www.mammo-programm.de). Auf der Internetseite der Kooperationsgemeinschaft ist auch eine Landkarte mit den Adressen der Screening-Zentren abrufbar, unter www.mammo-programm.de/screening-programm/screening-einheiten.php.

Überblick:
Nutzen und Risiken des Mammographie-Screenings

Nutzen und Risiko innerhalb von 20 Jahren
1.000 Frauen gehen 20 Jahre lang regelmäßig alle zwei Jahre zur Mammographie. Fünf Frauen können damit rechnen, vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt zu werden. Ebenfalls fünf Frauen werden unnötig zu Brustkrebspatientinnen, weil ihr Krebs ohne Früherkennung vielleicht nicht auffällig geworden wäre. Allerdings kann zum Zeitpunkt der Diagnose niemand absehen, bei welcher Frau sich der Tumor weiterentwickelt und bei welcher nicht. Bei 50 Frauen wird zur Klärung eines auffälligen Mammographiebefundes eine Gewebeprobe entnommen, die sich als nicht bösartig herausstellt.

Bis klar zu belegen ist, ob durch dieses Programm in Deutschland tatsächlich die Brustkrebssterblichkeit gesenkt werden kann, werden noch mehrere Jahre vergehen: Erst dann wird der Effekt der Reihenuntersuchung in den Statistiken der Krebsregister deutlich sichtbar sein. Bereits jetzt zeigt sich aber schon eine Verschiebung hin zu früheren Krankheitsstadien bei der Diagnosestellung: Mehr Tumoren werden im Frühstadium gefunden.

Im Februar 2010 haben Befürworter wie Kritiker des Screenings gemeinsam erarbeitete Zahlen zum Nutzen der Mammographie veröffentlicht. Grundlage waren die zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Quellen. 

Diese "Kennzahlen Mammographie" lauten wie folgt: 
Von 1.000 Frauen, die über den gesamten Zeitraum von 20 Jahren regelmäßig am Screening teilnehmen, können fünf Frauen damit rechnen, vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt zu werden.
Ebenfalls fünf Frauen werden unnötig zu Brustkrebspatientinnen, weil ihr Krebs ohne Früherkennung nicht auffällig geworden wäre. Allerdings kann zum Zeitpunkt der Diagnose niemand absehen, wie sich dieser Tumor weiterentwickelt und ob er eine Bedrohung für die Frau darstellt. Bei 50 Frauen wird wegen eines verdächtigen Mammogaphiebefundes eine Gewebeprobe entnommen, die sich dann als unauffällig herausstellt.

Der vollständige Text ist als Tabelle (PDF-Datei) unter www.mammo-programm.de/cms_upload/pressefotos_14/kennzahlen_tab2_web.pdf zu laden. Die genutzten Quellen und Hintergründe stehen für Fachleute unter www.mammo-programm.de/cms_upload/datenpool/1kennzahlenmammographie-screeningdokumentationv1.2.pdf zur Verfügung.

Neuere Studien, die bis Mitte 2011 veröffentlicht wurden, kommen überwiegend zu ähnlichen Ergebnissen. Dazu gehört beispielsweise eine im Juni 2011 veröffentlichte Langzeitstudie aus Schweden.

Wann ist die Mammographie weniger genau?

Es gibt  Einschränkungen bezüglich der Aussagekraft der Mammographie: Sie gelten vor allem für Frauen, die Hormone einnehmen. Die im Frühjahr 2008 von der Deutschen Gesellschaft für Senologie und der Deutschen Krebshilfe herausgegebene Leitlinie "Brustkrebs-Früherkennung" macht zum Beispiel auf Probleme bei Frauen aufmerksam, die noch die "Pille" zur Empfängnisverhütung oder eine Hormonersatztherapie anwenden:
Bei ihnen ist das Brustgewebe meist relativ dicht. Dies kann die Genauigkeit der Untersuchung beeinträchtigen (für Fachleute ist die Leitlinie unter www.senologie.org/download/pdf/s3_
brustkrebsfrueherkennung_2008.pdf
abrufbar).

Bewertung nicht abgeschlossen:
Warum gibt es nach wie vor Diskussionen um den Nutzen?

Bei der Nutzenbewertung müssen sich Fachleute an der gesamten weiblichen Bevölkerung orientieren, nicht am individuellen Schicksal einer einzelnen Frau.
Dieser bevölkerungsbezogene Nutzen organisierter Mammographie-Programme galt vor der Einführung bei der Mehrzahl internationaler Experten als erwiesen, vor allem für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Für jüngere wie für ältere Frauen galt die Datenlage dagegen als unklar, was sich bis heute wenig verändert hat.

Seit den 1960er Jahren durchgeführte große internationale Studien hatten gezeigt, dass die Sterberate durch Brustkrebs reduziert werden kann. Sie wurden in Deutschland als Entscheidungsgrundlage genutzt. Außerdem gab es in Deutschland vor der Einführung der Mammographie umfangreiche Modellstudien, bevor das flächendeckende gesetzlich verankerte Screening-Angebot startete. Sie sollten unter anderem zeigen, ob sich die Qualität und Sicherheit der Mammographie steigern lässt, wenn die Untersuchung nur in zertifizierten Zentren durchgeführt wird.

Es gibt jedoch auch international viel beachtete Studien, die zu einer anderen Einschätzung kommen. Insbesondere Berechnungen des Nordic Cochrane Centre zur Brustkrebssterblichkeit in Dänemark finden keinen Nutzen der Mammographie.

Nutzen aus Kritikersicht: "Überdiagnose"?

Welche Gründe nennen die Autoren solcher Studien für den fehlenden oder geringen Nutzen?
Sie gehen davon aus, dass zwar bei Frauen, die regelmäßig am Screening teilnehmen, mehr Brustkrebserkrankungen diagnostiziert werden. Laut ihrer Daten fällt jedoch zum Beispiel auf, dass die Brustkrebsrate bei älteren Frauen nicht wie erwartet absinkt.

Die Studienverantwortlichen warnen deshalb davor, den Nutzen des Screenings zu überschätzen - möglicherweise werden auch Frühformen von Brustkrebs oder Tumoren entdeckt und behandelt, die der Betroffenen im späteren Leben keine Probleme bereitet und ihre Lebenserwartung nicht verkürzt hätten. Auch einige dieser Studien sind jedoch nicht unwidersprochen: Verfechter des Mammographie-Screenings weisen darauf hin, dass die Datenbasis Vergleiche erschwere, sie kritisieren die Methodik, die hinter einigen Studien steht.

In anderen Untersuchungen wurde die Brustkrebssterblichkeit in Ländern mit und ohne Mammographie-Screening verglichen. Einige Wissenschaftler schließen daraus, dass die gesunkene Sterblichkeitsrate nicht auf die organisierte Früherkennung zurückzuführen sei, andere widersprechen auch diesen Analysen.

  • Daher kann die Diskussion um den Nutzen eines umfangreichen Mammographie-Screenings nicht als abgeschlossen betrachtet werden.
  • Solange es zudem an Möglichkeiten fehlt, Tumoren, die sich zu einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung entwickeln werden, von Tumoren zu unterscheiden, die in einem "Ruhezustand" verharren, beeinflusst auch dieser Aspekt die Diskussion um den Nutzen der Früherkennung.

Mehr Sicherheit werden nur weitere Studien erbringen. Auch die Forschung zur Biologie von Brustkrebs kann dazu beitragen, in Zukunft möglicherweise weniger aggressive Tumoren von solchen zu unterscheiden, die schnell wachsen, früh metastasieren und eine Frau schwer erkranken lassen.

Zum Weiterlesen

Wie die Mammographie durchgeführt wird und was sich eine Frau davon erwarten kann, hat die Kooperationsgemeinschaft Mammographie gemeinsam mit dem Krebsinformationsdienst und der Deutschen Krebshilfe in einer Broschüre zusammengestellt (hier die Bestell- und Downloadinformationen).

Ausführliche Zahlen zum Umfang und zur Qualität des Mammographie-Screenings in Deutschland stellt die Kooperationsgemeinschaft Mammographie bereit, für Interessierte und Fachleute im Internet unter www.mammo-programm.de/fachinformationen/aktuelle-publikationen.php.

Für Interessierte:
Mammographie-Screening - Fakten, Pro und Contra

Befund kein Beweis für Krebs
Die Einladung zu einer erneuten Untersuchung aufgrund eines auffälligen Mammographiebefundes bedeutet nicht automatisch, dass Krebs vorliegt.

Kein medizinischer Test und kein Diagnoseverfahren ist hundertprozentig sicher: Es lässt sich nicht vermeiden, dass durch das regelmäßige Screening auch Frauen unnötig beunruhigt werden: Bei ihnen findet sich zunächst etwas Auffälliges, und erst nach ergänzenden Untersuchungen kann sicher gesagt werden, dass kein Brustkrebs vorliegt.
Solche Befunde nennen Experten "falsch positiv". Wird eine Frau also zu einer erneuten Untersuchung aufgrund ihres Mammographiebefundes eingeladen, wird die Aufnahme eventuell sogar wiederholt, bedeutet dies keineswegs, dass sich die Ärzte schon sicher sind, dass sie Krebs hat.

Die Zahl der Eingriffe, bei denen sich nach einer Biopsie der Befund doch als gutartig erweist, soll jedoch so niedrig wie möglich sein; das Mammographie-Screening in Deutschland unterliegt entsprechenden Qualitätskriterien. So darf bei maximal drei von zehn Frauen eine "unnötige" Gewebeentnahme erfolgen, bei mindestens sieben von zehn untersuchten Frauen (>70 Prozent) muss sich der Krebsverdacht mit der Entnahme der Gewebeprobe bestätigen. Angestrebt wird eine Rate von über 90 Prozent.
Dies bedeutet, dass bei optimaler Qualität von Mammographie-Durchführung und weiterer Abklärung weniger als eine von zehn Frauen unnötig biopsiert werden müsste, weil ihr Befund nicht vorab als gutartig erkannt wurde.

Zu viel Beunruhigung und Übertherapie?

Kritiker warnen jedoch auch davor, die tatsächlichen Auswirkungen von festgestellten Gewebeveränderungen zu überschätzen. Sie sehen die Gefahr von Überdiagnosen: Ihnen geht es um die Frage, ob wirklich alle entdeckten und anschließend behandelten Tumoren sowie die Frühformen von Brustkrebs (In-Situ-Karzinome) zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung fortgeschritten wären und die Lebensspanne der betroffenen Frau verkürzt hätten.

  • Zu dieser Frage liegen noch keine abschließenden Daten vor. Bisher lässt sich mit keiner Methode feststellen, welche Gewebeveränderung "ruhen" wird und welche dieser noch kleinen Tumoren sich ohne Behandlung zu einer metastasierenden Geschwulst entwickeln kann.

Übersehene Tumoren?

Falsch negative Ergebnisse sind ebenfalls möglich - keine Untersuchung bietet hundertprozentige Sicherheit.
Die Sensitivität der Untersuchung, also die Sicherheit, mit der brustkrebsverdächtige Befunde durch die Mammographie entdeckt werden, beträgt 70 bis 75 Prozent. Das bedeutet, dass von 100 tatsächlich vorhandenen Brustkrebsfällen 70 bis 75 erkannt und 25 bis 30 nicht erkannt, also in der Mammographie übersehen werden.
Außerdem kann es vorkommen, dass ein Tumor so schnell wächst, dass er zwar bei der Screening-Mammographie noch nicht nachweisbar ist, aber im Zeitraum zwischen den Untersuchungen als tastbarer Knoten entdeckt wird.

Möglichst wenige Patientinnen sollen in eine solche Situation geraten. Dies ist das Ziel aller bisher getroffener Maßnahmen zur Qualitätssicherung.

Zielgruppen: Warum keine Mammographie für ältere oder jüngere Frauen?

Die bisher vorliegenden Daten zeigen, dass die Mammographie die Sterblichkeit an Brustkrebs senken könnte - allerdings nicht in jeder Altersgruppe. Der größte Nutzen scheint für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu entstehen. Hier überwiegt der Nutzen solcher Reihenuntersuchungen  gesunder Frauen auch die möglichen Risiken durch die Strahlenbelastung.
Zwar erkranken auch jüngere Frauen an Brustkrebs – im Alter zwischen 40 und 49 Jahren statistisch etwa eine von 80. Bei ihnen ist die Datenlage zum Nutzen des Mammographie-Screenings aber bisher weniger eindeutig. Als Ursache gilt unter anderem, dass die Untersuchung bei ihnen weniger zuverlässig ist: Bei den meisten Frauen in diesem Alter ist das Gewebe der Brust noch vergleichsweise dicht und hormonell bedingten monatlichen Veränderungen unterworfen. Anders als bei älteren Frauen ist bei Frauen unter 50 auch das Risiko durch die Strahlenbelastung des Brustgewebes höher.
Daher wird das Screening in dieser Altersgruppe derzeit nicht empfohlen und auch nicht angeboten. Mehr Informationen dazu bietet auch die Stellungnahme der deutschen Strahlenschutzkommission vom Februar 2002 (www.ssk.de, Stichwort "Strahlenschutzthemen", Stichwort "Medizin und Strahlenschutz").

Auch für Frauen über 70 Jahre fehlt der sichere Beweis des Nutzens eines Mammographie-Screenings, definiert als Rückgang der Sterblichkeit an Krebs der Brust. Dabei erkranken sie nicht seltener an Brustkrebs als die 50- bis 69-Jährigen: Innerhalb von zehn Jahren ist etwa eine von 40 Frauen betroffen. Allerdings wird Brustkrebs für sie seltener zur Todesursache, weil andere Erkrankungen rein altersbedingt eine größere Rolle spielen.
Wegen des unsicheren Nutzens bezogen auf die Gesamtbevölkerung wird das regelmäßige Screening in den Altersgruppen unter 50 und über 70 derzeit nicht empfohlen und auch nicht angeboten.

Früherkennung individuell anpassen:
Empfehlungen bei erhöhtem Erkrankungsrisiko

Zum Weiterlesen

Anders ist allerdings die Situation bei Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko - wenn beispielsweise weibliche Verwandte an Brustkrebs oder Eierstockkrebs erkrankt sind. In besonderem Maß gilt dies für Frauen, bei denen eine Verwandte an einer der seltenen Formen von genetisch bedingtem Brustkrebs erkrankt ist oder in deren Familien ein Mann von Brustkrebs betroffen war. Dies betrifft aber nur Angehörige von höchstens fünf von 100 Brustkrebspatientinnen. Betroffenen Frauen empfehlen Experten Früherkennungs-Mammographien und eventuell weitere Untersuchungen schon deutlich vor dem 50. Lebensjahr.

Jede Frau kann sich von ihrem Gynäkologen über ihr persönliches Brustkrebsrisiko beraten lassen. Bei Verdacht auf erbliche Belastung kann er an eine der speziell für diese Fragestellung eingerichteten Beratungsstellen überweisen.

Mammographie-Screening: Welche Leitlinien gelten in Europa?

In einigen anderen Ländern der Europäischen Union wurde das Screening schon früher als in Deutschland eingeführt. Im Auftrag der EU-Kommission erarbeiteten Experten bereits Anfang der 1990er Jahre erstmals Leitlinien für das Mammographie-Screening. Sie liegen in der vierten Überarbeitung vor (in englischer Sprache für Fachleute unter http://ec.europa.eu/health/ph_projects/2002/cancer/fp_cancer
_2002_ext_guid_01.pdf
). Die fünfte Ausgabe ist im Sommer 2011 in Vorbereitung.

Auch das Programm in Deutschland folgt diesen europäischen Leitlinien. In den Modellprojekten konnte gezeigt werden, dass bei entsprechend sorgfältiger Gestaltung des gesetzlichen Screenings in Deutschland die Richtwerte der europäischen Leitlinien erreicht werden können.
Die Leitlinien stellen strenge Anforderungen an die Qualifikation der beteiligten Röntgenärzte und des technischen Personals. Vorgeschrieben ist, dass alle Mammographiebilder grundsätzlich nicht nur von einem, sondern von zwei besonders ausgebildeten Radiologen unabhängig voneinander beurteilt werden. Die Screening-Ärzte müssen eine spezielle Ausbildung in einem anerkannten Referenzzentrum durchlaufen und sollten danach jährlich mindestens 5.000 Screening-Mammographien befunden. Auch das technische Personal muss ein spezielles Schulungs- und Trainingsprogramm durchlaufen. Neben Vorgaben zur eigentlichen Untersuchung und Befundung berücksichtigen die Leitlinien auch die Art der Befunddokumentation, die technische Qualität und die regelmäßige Überprüfung der Geräte sowie die Röntgenstrahlenbelastung. Sie beschreiben ganz genau den gesamten Ablauf von der Einladung in Frage kommender Frauen bis zur eventuell notwendigen Abklärung verdächtiger Befunde.

Qualität: Richtwerte für das Screening erreicht?

Außerdem geben die Leitlinien eine Reihe von Richtwerten vor, die im Screening erreicht werden müssen. Dazu gehört beispielsweise der Anteil notwendiger Wiedereinladungen für weitere Abklärungen: Höchstens 5 bis 7 von 100 der untersuchten Frauen sollten wegen unklarer Bilder wieder eingeladen werden müssen. Auch sollte bei den Erstteilnehmerinnen mindestens ein Viertel, in den Folgeuntersuchungen über ein Viertel der im Screening entdeckten Tumoren maximal einen Zentimeter groß sein.

  • Findet ein Zentrum nur größere Tumoren, stimmt also womöglich etwas mit der Geräteempfindlichkeit nicht oder die Untersucher erkennen kleine Tumoren zu schlecht.
  • Sind zu viele Bilder unscharf oder unklar, muss die Qualität ebenfalls nachgebessert werden.
  • Müssen zu viele Frauen wegen solcher Befunde unnötig biopsiert werden, hätte ein Screening-Zentrum seine Qualitätsvorgaben ebenfalls nicht erreicht.

Aktuelle Ergebnisse zur Qualität des Programms in Deutschland und zu den Teilnahmeraten veröffentlicht die Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter www.mammo-programm.de/fachinformationen/aktuelle-publikationen.php.

Folgen: Strahlenrisiko bei Teilnahme am Screening-Programm?

Strahlenbelastung
Experten gehen davon aus, dass die Strahlenbelastung gering ist. Der Nutzen ist größer als das Risiko.

Bei Verwendung moderner Geräte und Technik, wie sie im Screening-Programm gefordert werden, beträgt die mittlere Dosis im Brustgewebe etwa 0,2 bis 0,3 Milli-Sievert (mSv). Zum Vergleich: Die natürliche Strahlung, die aus dem Weltraum oder aus Gesteinen und natürlichen Gasen stammt, erreicht im Durchschnitt Werte von pro Jahr etwa 2,1 mSv, wobei es große regionale Unterschiede gibt, so das Bundesamt für Strahlenschutz (www.bfs.de).

Die durchschnittliche Strahlenbelastung einer Mammographieaufnahme entspricht damit etwa einem Zehntel der durchschnittlichen natürlichen jährlichen Strahlenbelastung in Deutschland, wobei diese den ganzen Körper betrifft, die Röntgenstrahlung bei der Mammographie aber nur das Brustgewebe.

Experten bewerten das Strahlenrisiko für die Zielgruppe des Screenings, Frauen zwischen 50 und 69 Jahren,  als gering. Dabei wird auch berücksichtigt, dass das Brustgewebe ab dem Alter von 50 Jahren bereits deutlich weniger strahlenempfindlich ist als bei jüngeren Frauen. Aus Modellrechnungen haben Strahlenschutzexperten abgeschätzt, dass unter 1.000 Frauen, die im Alter von 50 bis 69 Jahren regelmäßig alle zwei Jahre und insgesamt zehnmal mammographiert werden, ein zusätzlicher strahlenbedingter Brustkrebsfall auftreten könnte: 78 statt 77 Erkrankungen. Ein Bericht der Strahlenschutzkommission ist unter www.ssk.de/de/thema/thema.htm abrufbar.

Vermutlich ist das Risiko noch geringer einzuschätzen, da die tatsächliche Strahlenbelastung durch die Mammographie mit den derzeit eingesetzten modernen Geräten und Techniken nicht so hoch ist wie in der Modellrechnung angenommen. Von der Statistik her schmälert diese eine, möglicherweise durch das Screening ausgelöste Erkrankung den Nutzen nicht: Er überwiegt immer noch das Risiko.

Mehr wissen: Broschüren, Ansprechpartner, Links

Zum Thema Mammographie bietet das Deutsche Krebsforschungszentrum einen Telefonservice an: Hotline Mammographie-Screening und Prävention: Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr, 06221 - 42 41 42. Für Fragen zum Thema Brustkrebsrisiko und zur Krebsfrüherkennung allgemein steht der Krebsinformationsdienst täglich von 8 bis  20 Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 - 420 30 40 zur Verfügung.

Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen getragen wird, informiert über das Mammographie-Screening unter www.mammo-programm.de.
Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum wurde eine Broschüre zum Mammographie-Screening erarbeitet, hier zum Laden und Lesen (PDF).

Die wichtigsten Zahlen zum Nutzen des Screenings bietet die Kooperationsgemeinschaft Mammographie als Tabelle; die Zahlen wurden von einer Arbeitsgruppe von Befürwortern wie Kritikern des Screenings zusammengestellt: www.mammo-programm.de, Stichwort Kennzahlen als PDF-Datei.

Zur Mammographie gibt es weitere Broschüren verschiedener Anbieter, eine Liste von Bestellinformationen hat der Krebsinformationsdienst in seiner Broschürenliste zusammengestellt.

Fachinformationen und wissenschaftliche Quellen

Die folgenden Links führen zu Fachinformationen, die teilweise nur über besondere Datenbanken zugänglich sind oder nur in englischer Sprache zur Verfügung stehen:

Anforderungen an das gesetzliche Früherkennungsprogramm in Deutschland, Programmrichtlinien:
Kassenärztliche Bundesvereinigung (2004): Einführung eines bundesweiten Mammographie-Screening-Programms: Beilage zum Deutschen Ärzteblatt, Heft 4, 23.1.2004, Ausgabe A

Krebsfrüherkennungs-Richtlinie:
Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen, online im PDF-Format unter www.g-ba.de/informationen/richtlinien/17.

Europäische Leitlinien:
Europäische Kommission, Health & Consumer Protection (Hrsg,:) European guidelines for quality assurance in breast cancer screening and diagnosis, 4. Ausgabe, 2006, online unter http://ec.europa.eu/health/ph_projects/2002/cancer/
fp_cancer_2002_ext_guid_01.pdf
.

Leitlinien zur Kommunikation über das Screening, Übersetzung aus den Europäischen Leitlinien, unter www.mammo-programm.de/cms_upload/fck-userfies/broschuere_eu_guideline_internet.pdf

Neuere Studien zum Nutzen des Screenings:
Autier P et al. (2011): Breast cancer mortality in neighbouring European countries with different levels of screening but similar access to treatment: trend analysis of WHO mortality database. BMJ;343:d4411, online 28.7.11, doi:10.1136/bmj.d4411

Duffy SW et al. (2011): Swedish Two-County Trial: Impact of Mammographic Screening on Breast Cancer Mortality during 3 Decades. Radiology, online 28.6.11, DOI: 10.1148/radiol.11110469

Esserman LJ et al. (2011): Impact of mammographic screening on the detection of good and poor prognosis breast cancers. Breast Cancer Research and Treatment
130 (3), 725-734, DOI: 10.1007/s10549-011-1748-z

Gøtzsche PC, Nielsen M (2006): Screening for breast cancer with mammography. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. Art. No.: CD001877. DOI: 10.1002/14651858.CD001877.pub2.

Gøtzsche PC, Jørgensen KJ (2009): Overdiagnosis in publicly organised mammography screening programmes - systematic review of incidende trends. BMJ, online vor Print 339;b2587, doi:10.1136/bmj.b2587.

Jørgensen KJ, Zahl PH, Gøtzsche PC (2010): Breast cancer mortality in organised mammography screening in Denmark: comparative study. BMJ 340:c1241, doi: 10.1136/bmj.c1241.

Die deutsche Kooperationsgemeinschaft Mammographie hat mehrere dieser Studien kommentiert. Die Stellungnahmen sind als Pressemitteilungen abrufbar unter www.mammo-programm.de, Stichwort Presse.

Quellen und Hintergründe zu den deutschen Kennzahlen, als PDF-Datei vom Februar 2010 unter www.mammo-programm.de/cms_upload/datenpool/
1kennzahlenmammographie-screeningdokumentationv1.2.pdf


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