Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Röntgen: Den Körper durchleuchten

Röntgenaufnahmen erlauben einen Blick ins Innere des Körpers. Die Röntgenstrahlen durchdringen dabei den Körper. Manche Organe lassen die Strahlen hindurch, andere bremsen sie mehr oder weniger stark ab und werfen einen "Schatten" auf dem Bild. In der Krebsdiagnostik wurde die klassische Röntgenaufnahme bei vielen Fragen von der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie sowie anderen sogenannten bildgebenden Verfahren abgelöst. Die klassische Röntgendiagnostik ist jedoch noch weit verbreitet, wenn es darum geht, einen ersten Eindruck von möglichen Herz- oder Lungenkrankheiten zu erhalten oder um Knochenveränderungen oder Gelenkerkrankungen nachzuweisen. Im Rahmen dieser Untersuchungen werden Krebsgeschwüre manchmal zufällig auf Röntgenbildern entdeckt.

Einführung: Was bietet der folgende Text?

Der folgende Text bietet einen Überblick über Technik und Anwendung der Röntgenuntersuchung. Diese Informationen richten sich an Patienten und Angehörige sowie Interessierte, die sich über diese Untersuchungsmethode informieren möchten. Eine ärztliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Zu den wichtigsten Weiterentwicklungen von röntgenonologischen Verfahren bietet der Krebsinformationsdienst eigene Texte an: zur Computertomographie und zur Mammographie.

Grundlagen: Funktionsweise und Anwendung

Was sind Röntgenstrahlen?

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen die nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Röntgenstrahlen sind elektromagnetische Wellen - genau wie sichtbares Licht, ultraviolette Strahlung ("UV-Licht") oder Radiowellen. Röntgenstrahlen sind aber energiereicher als die genannten Strahlungsarten und können den Körper durchdringen. Abhängig von der Beschaffenheit der einzelnen Organe werden die Strahlen dabei mehr oder weniger stark abgeschwächt. Diesen Effekt macht man sich bei der Bildgebung zunutze: Organe, die die Röntgenstrahlen nicht gut durchlassen, werfen auf dem Bild einen hellen "Schatten".

Indikation: Wann macht man eine Röntgen-Aufnahme in der Krebsmedizin?

Röntgenuntersuchung
Die Röntgenuntersuchung wird häufig angewendet, um einen ersten Blick in den Körper zu werfen. In der Krebsmedizin kommen inzwischen häufiger andere Untersuchungs-
methoden zum Einsatz, die oft genauere Bilder liefern. Welches bildgebende Verfahren jedoch im Einzelfall das richtige ist, müssen die Patienten jeweils mit ihren Ärzten besprechen.

Röntgenuntersuchungen lassen sich vergleichsweise schnell und einfach durchführen. Auch verfügen viele niedergelassene Ärzte und Kliniken über ein Röntgengerät. Daher ist die Untersuchung bei Patienten mit auffälligen Symptomen, wie hartnäckigem Husten oder Knochenschmerzen, nicht selten der erste Schritt der Abklärung, vor allem, wenn zunächst kein Krebsverdacht besteht. Gelegentlich werden Tumoren oder Metastasen deshalb erstmals als Zufallsbefund auf Röntgenbildern entdeckt, die aus einem ganz anderen Grund gemacht wurden.

Während einiger anderer Untersuchungsverfahren, wie beispielsweise der Darstellung der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse, oder auch kleiner operativer Eingriffe (der "Schlüssellochchirurgie") bietet eine Röntgendurchleuchtung zusätzliche Informationen: Sie ermöglicht dem Arzt zum Beispiel eine schnelle Kontrolle, ob notwendige Untersuchungsgeräte richtig platziert wurden.

In vielen Fällen, in denen früher eine Röntgenuntersuchung gemacht wurde, kommt heute eher eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie zum Einsatz. Welche Untersuchungsmethode für einen Patienten jeweils die sinnvollste ist, hängt aber von vielen Faktoren ab, die die Ärzte im Einzelfall gegeneinander abwägen müssen. Bei der Wahl der der Untersuchungsmethode berücksichtigen die Ärzte auch die Strahlenbelastung: Sie ist zwar bei der gewöhnlichen Röntgenuntersuchung meist geringer als bei der Computertomographie. Bei sehr häufigen Röntgenuntersuchungen muss der Nutzen dennoch gegen das Strahlenrisiko aufgewogen werden.

Wie funktioniert das Röntgen?

Röntgenbilder
Röntgenstrahlen durchdringen den Körper und belichten einen Röntgenfilm, eine Speicherfolie oder einen elektronischen Detektor. Organe, die die Röntgenstrahlen nicht durchlassen, werfen einen hellen Schatten im Bild. Beim digitalen Röntgen werden die Bilder direkt auf einen angeschlossenen Computer übertragen.

Röntgengeräte bestehen aus einer Röntgenröhre und einer Aufnahmeeinheit. Diese kann eine Filmfolie enthalten, die wie der Film einer klassischen Fotokamera entwickelt wird. Moderne, digitale Röntgengeräte hingegen enthalten Speichermedien, die es ermöglichen, die Bilder direkt auf einen angeschlossenen Computer zu übertragen. Dort können Kontrast und Helligkeit des Bilds nachträglich angepasst werden. Die  Röntgenröhre erzeugt energiereiche Strahlung. Die Strahlen werden durch eine kleine Öffnung in der Röntgenröhre auf den Patienten gelenkt, gezielt auf das zu untersuchende Organ oder die zu untersuchende Körperregion. Die energiereiche Röntgenstrahlung kann einen Körper durchdringen. Je dichter das Körpergewebe ist, desto weniger Strahlung lässt es jedoch hindurch. Manche Organe sind besonders dicht (zum Beispiel Knochen) und werfen deshalb einen "Schatten", der im Bild hell erscheint. Andere Organe, wie zum Beispiel die Lunge, die sehr viel Luft enthält, lassen einen Großteil der Röntgenstrahlen hindurch. Sie erscheinen im Bild daher dunkel.

Bei der sogenannten Röntgen-Durchleuchtung kann der Arzt mithilfe von Röntgenstrahlen das Innere des Patienten auf einem Monitor beobachten. Üblicherweise werden diese Untersuchungen angewendet, um ein sich bewegendes Organ zu untersuchen. Mit der Durchleuchtung lässt sich zum Beispiel beobachten, wie sich ein Kontrastmittel etwa durch Speiseröhre, Magen oder Darm ausbreitet. So werden durch Tumoren verursachte Engstellen sichtbar; auch die richtige Lage von Sonden, endoskopischen Untersuchungsgeräten oder Biopsienadeln lässt sich so während einer Untersuchung kontrollieren. Zusätzlich können einzelne Bilder des Films später ausgedruckt werden.

Weiterentwicklungen der Röntgendiagnostik

Eine Weiterentwicklung der klassischen Röntgenaufnahme ist die Computertomographie. In der Früherkennung und Diagnostik von Brustkrebs spielt die Mammographie eine wichtige Rolle; sie beruht ebenfalls auf der Anwendung von Röntgenstrahlen.

Häufig gestellte Fragen zum Röntgen

Wer führt eine Röntgenaufnahme durch?

Röntgengeräte sind weit verbreitet. Ein Patient muss nicht immer zu einem Röntgen-Facharzt gehen, um ein Röntgenbild machen zu lassen. In vielen Praxen niedergelassener Ärzte (zum Beispiel von Orthopäden, Chirurgen, Lungenfachärzten, Zahnärzten) gibt es ein eigenes Röntgengerät. Allerdings darf nicht jeder Arzt Röntgenstrahlen bei seinen Patienten anwenden. Er muss dazu eine besondere Zusatzausbildung machen und die Genehmigung erwerben, ein Röntgengerät zu betreiben. In Krankenhäusern gibt es meist eine eigene Röntgenabteilung, in der Röntgenfachärzte, sogenannte Radiologen, die Untersuchungen mit den Patienten besprechen und die Auswertung der Aufnahmen vornehmen. Die Aufnahmen selbst werden meist von medizinisch-technischen Assistenten mit einer radiologischen Ausbildung durchgeführt  (MTRA).

Wie läuft die Röntgen-Untersuchung ab?

Für eine Röntgenuntersuchung ist normalerweise keine Vorbereitung notwendig. Da Metallteile von Reißverschlüssen oder BH-Bügeln einen "Schatten" verursachen, müssen entsprechende Kleidungsstücke und Schmuck abgelegt werden, falls sie den zu untersuchenden Körperbereich abdecken. Aufnahmen können im Liegen, Sitzen oder Stehen durchgeführt werden, je nach Organ oder Fragestellung. Die Röntgenröhre wird vor oder über dem Patienten positioniert, die Aufnahmeeinheit (Filmkassette, digitales Speichermedium) hinter oder unter ihm. MTRA oder Arzt begrenzen das Strahlenfeld durch Filter und durch weitere Einstellungen so, dass möglichst wenig oder gar keine Streustrahlung auf andere Körperteile auftrifft. Damit die besonders strahlenempfindlichen Keimdrüsen (Eierstöcke oder Hoden) geschützt sind, bekommen Patienten eventuell eine Bleischürze, die die Strahlung zusätzlich etwas abschirmt.

Die Röntgenaufnahme selbst dauert meist nur wenige Sekunden. Falls Atembewegungen zu "Verwacklungen" führen könnten, bitten Arzt oder MTRA den Patienten eventuell, kurz die Luft anzuhalten und sich nicht zu bewegen. Wegen der Röntgenstrahlen verlässt das Fachpersonal während der eigentlichen Aufnahme den Raum oder begibt sich hinter eine Abschirmung. Die Röntgenstrahlen würden für die Mitarbeiter ein höheres Risiko darstellen als für Patienten, weil sie im Unterschied zu diesen täglich der Strahlung ausgesetzt wären und sie im Laufe ihres Arbeitslebens eine unvertretbar hohe Gesamtdosis "ansammeln" würden.

Dürfen Schwangere geröntgt werden?

Da Röntgenaufnahmen mit einer gewissen Strahlenbelastung einhergehen, dürfen sie bei Schwangeren nur in dringenden Ausnahmefällen durchgeführt werden. Frauen im gebärfähigen Alter werden daher vom Röntgenpersonal gefragt, ob sie schwanger sind, und sollten den Arzt oder die medizinisch-technischen Röntgenassistenten unbedingt auf eine bestehende (oder auch nur mögliche) Schwangerschaft hinweisen.

Wann ist ein Kontrastmittel notwendig?

Kontrastmittel
Mit Kontrastmitteln lassen sich im Röntgenbild unterschiedliche Gewebe besser voneinander unterscheiden. Die meisten Menschen vertragen die Mittel ohne Nebenwirkungen.

Nur diejenigen Organe und Gewebe, die die Röntgenstrahlung "aufhalten", sind auf einem Röntgenbild gut zu erkennen, zum Beispiel die Knochen. Diese erscheinen im Bild hell. Organe, die Röntgenstrahlen durchlassen, erscheinen dunkel (wie die Lunge oder der Darm, die viel Luft enthalten). Wenn man Organe oder Gewebe sichtbar machen möchte, die im Röntgenbild an sich schlecht dargestellt werden, kann ein Kontrastmittel eingesetzt werden. Solche Kontrastmittel nutzen Ärzte zum Beispiel bei der Untersuchung von Speiseröhre, Magen oder Darm oder bei der Angiographie, also der Darstellung der Blutgefäße.

Je nach Fragestellung wird das Kontrastmittel in die Blutbahn gespritzt oder getrunken. Es gibt sogenannte "positive Kontrastmittel", die Jod oder Barium enthalten und für die Röntgenstrahlen kaum durchlässig sind. Trinkt ein Patient beispielsweise Barium-haltiges Kontrastmittel, erscheint dieses im Röntgenbild sehr hell, so dass die Wände von Speiseröhre, Magen oder Darm besser zu erkennen sind, als ohne diese "Füllung". So lassen sich auch Verdickungen oder Ausstülpungen der Wände erkennen, wie sie zum Beispiel durch einen Tumor entstehen können. "Negative Kontrastmittel" hingegen (Luft, Kohlendioxid) sind für die Röntgenstrahlung durchlässig und werfen deshalb keinen Schatten, erscheinen also auf dem Bild dunkel. Positiv oder negativ heißt hierbei nicht, dass die Kontrastmittel besser oder schlechter verträglich sind, sondern nur, dass sie im Bild hell oder dunkel dargestellt werden.

Können Kontrastmittel Nebenwirkungen haben?

Die Kontrastmittel sind in der Regel gut verträglich. Die Rate an Nebenwirkungen oder Komplikationen ist insgesamt gering. Patienten, die schon einmal Kontrastmittel erhalten und diese schlecht vertragen haben oder Menschen, die von Allergien oder Unverträglichkeiten wissen, sollten dies vor der Untersuchung dem Arzt mitteilen. Bei manchen Vorerkrankungen oder inneren Verletzungen dürfen die Kontrastmittel nicht zum Einsatz kommen. Vor der Untersuchung spricht der Arzt daher mit Patienten über mögliche Risiken und klärt, ob andere Untersuchungsverfahren eine Alternative darstellen könnten.

Wird das Kontrastmittel gespritzt, verspüren manche Menschen ein vorübergehendes Kribbeln oder Wärmegefühl im Körper. Nach dem Trinken eines Kontrastmittels klagen einige Patienten über Übelkeit, Durchfälle oder Bauchschmerzen. Allergische Reaktionen, die von Hautausschlägen über Übelkeit oder Kreislaufstörungen bis hin zu Symptomen eines allergischen Schocks reichen können, sind sehr selten. Auch andere Nebenwirkungen, wie eine Beeinträchtigung der Nieren- oder Schilddrüsenfunktion (nach Gabe jodhaltiger Kontrastmittel), kommen sehr selten vor. Patienten, die während oder nach der Untersuchung ungewöhnliche Symptome bemerken, sollten den Arzt in jedem Fall darauf hinweisen.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung bei einer Röntgen-Untersuchung?

Die Strahlenbelastung des Patienten durch eine Röntgenuntersuchung ist in der Regel gering. Die genaue Dosis hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der untersuchten Körperregion, dem Körperbau des Patienten oder von den notwendigen technischen Einstellungen. Sie ist jedoch weit geringer als die Dosis, die für eine Strahlentherapie bei Krebs angewandt wird. Allgemeine Aussagen zur Strahlenbelastung zu machen, ist schwierig. Eine genaue Angabe zur Strahlendosis der jeweiligen Aufnahme kann nur das untersuchende Röntgenpersonal machen.

Um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden, sollten Patienten die Ärzte über bereits gemachte Aufnahmen informieren, vor allem bei der Überweisung von einem Arzt zum anderen. Hilfreich ist daher auch, einen sogenannten Röntgenpass zu führen. Hierin werden Ort und Datum der Röntgenuntersuchungen sowie die geröntgte Körperregion notiert. Einen Röntgenpass können sich Patienten überall dort ausstellen lassen, wo sie geröntgt werden. Die Röntgenbilder gehören zwar formal dem Arzt beziehungsweise der Klinik, in der sie gemacht wurden. Auf Nachfrage bekommen die Patienten sie jedoch vorübergehend ausgehändigt, um sie dem weiterbehandelnden Arzt vorzeigen zu können.

In Deutschland schreibt die Röntgenverordnung viele Maßnahmen vor, die die Strahlenbelastung bei medizinischen Untersuchungen reduzieren sollen. Dazu gehört zum Beispiel auch die regelmäßige Wartung und Prüfung der Geräte. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS; www.bfs.de) hat in seiner Broschüre "Röntgendiagnostik - schädlich oder nützlich?" vom August 2005 einige Mittelwerte der "effektiven Äquivalentdosis" bei Röntgen-Untersuchungen herausgegeben, also der Strahlenbelastung in Abhängigkeit vom untersuchten Gewebe (im PDF-Format abrufbar unter www.bfs.de/bfs/druck/strahlenthemen/STTH_Roentgen.pdf).

Grundsätzlich gilt jedoch: Gegen die Strahlenbelastung müssen Betroffene gemeinsam mit ihren Ärzten das Risiko abwägen, einen Tumor zu übersehen oder den Verlauf einer Krebserkrankung nicht richtig einzustufen.

Weiterführende Informationen

Einige Grundlagen zum Thema Strahlung erklärt der Krebsinformationsdienst in dem Artikel "Radioaktivität und Strahlung: Quellen, Risiken, Nutzen".

Eine Kurzinformation zum konventionellen Röntgen bietet die Deutsche Röntgengesellschaft unter www.drg.de/patienteninformationen/glossar/183-konventionelles-normales-roentgen sowie zu Röntgenstrahlen unter www.drg.de/patienteninformationen/glossar/177-roentgenstrahlen.

Über die durchschnittliche Strahlenbelastung einer Untersuchung, die derzeit geltende Röntgenverordnung und weitere Aspekte des Strahlenschutzes in der Medizin informiert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) unter www.bfs.de/de/ion/medizin.

Zur Computertomographie, hat der Krebsinformationsdienst Informationen auf der Seite "Computertomographie: Körperbilder Schicht um Schicht" zusammengestellt.

Auch die Mammographie arbeitet mit Röntgenstrahlen, mehr unter "Mammographie: Röntgenuntersuchung der Brust".


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 16.03.2010