
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de In mehr als drei Vierteln aller Privathaushalte wird mit dem Handy telefoniert, so das Statistische Bundesamt im März 2009. In vielen Haushalten ist mehr als ein Mobiltelefon vorhanden - statistisch gesehen kommen auf 100 Haushalte 154 Geräte. Ob diese Art des Telefonierens gesundheitsschädlich ist, ob sie möglicherweise sogar Tumoren des Gehirns auslösen kann, diese Diskussion hat die Mobilfunk-Technologie von Anfang an begleitet. Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass ein eindeutiger Zusammenhang nicht nachgewiesen ist. International sind sich die Forscher jedoch auch darüber einig, dass das Thema noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann.
Der Krebsinformationsdienst fasst die Daten zusammen, die Mitte 2008 verfügbar sind, und nennt weitere Informationsquellen.
Seit der Einführung des Mobilfunks werden die Auswirkungen der neuen Technologie durch Forschung erfasst. Derzeit sind keine biologischen Mechanismen bekannt, über die Mobiltelefone oder die Sendeanlagen Krebs auslösen könnten: Laborversuche ergaben keine aussagekräftigen Hinweise auf eine Zellschädigung. Aus den bisher vorliegenden, großen beobachtenden Studien ist kein erhöhtes Krebsrisiko für Menschen ableitbar, die mit dem Handy telefonieren. Auch von den Mobilfunksendeanlagen scheint kein Risiko auszugehen.
Noch gibt es keine endgültige Entwarnung - manche Fragen sind aufgrund der vergleichsweise kurzen Zeit seit der Einführung der Handys noch nicht zu beantworten. Im Juni 2008 stellt das Bundesamt für Strahlenschutz die Bilanz des "Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms" (DMF) vor: "Die derzeit gültigen Grenzwerte schützen nach wissenschaftlichem Kenntnisstand vor gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Mobilfunks."
Allerdings rät das Bundesamt für Strahlenschutz weiterhin zur Vorsorge: Das Forschungsprogramm konnte nicht auf alle Fragen abschließende Antworten geben. Weiterhin Forschungsbedarf gibt es vor allem in Hinblick auf die Fragen möglicher Langzeitrisiken für Handynutzungszeiten von mehr als zehn Jahren. Außerdem ist weiterhin unklar, ob Kinder empfindlicher auf Handystrahlung reagieren als Erwachsene.
Das BfS rät (www.bfs.de/de/bfs/presse/pr08/pr0810.html):
Die überwiegende Zahl der heute vorliegenden Daten stammt aus so genannten epidemiologischen Studien: Wissenschaftler analysieren dabei die Telefoniergewohnheiten großer Bevölkerungsgruppen. Sie untersuchen zum Beispiel, ob sich die Krebsrate bei Handynutzern von derjenigen von Nicht- oder Wenignutzern unterscheidet. Aus diesem Vergleich lassen sich Rückschlüsse auf Zusammenhänge ziehen: Hätten Menschen, deren Lebensumstände und -gewohnheiten sich ausschließlich durch die Handynutzung unterscheiden, unterschiedlich hohe Krebsraten, wäre dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf ein Risiko.
Bereits im Sommer 2006 hatten Wissenschaftler eine vorsichtige, wenn auch nicht endgültige Entwarnung ausgesprochen. Grundlage waren Daten aus der INTERPHONE-Studie. An dieser bisher weltweit größten Untersuchung zum Thema sind insgesamt vierzehn Länder beteiligt. Erste nationale Veröffentlichungen aus den skandinavischen Ländern, aus Großbritannien, Japan und Deutschland zeigten, dass sich insbesondere die Gefahr von Hirntumoren für die überwiegende Mehrzahl der Handynutzer nicht bestätigen ließ (ein Bericht über die Studie im Magazin "einblick" des Deutschen Krebsforschungszentrums unter www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/veroeffentlichungen/
einblick/download/2006/einblick_012006.pdf).
Für Aufregung, aber auch Überraschung bei Fachleuten sorgten daher deutsche Medienberichte Ende Januar 2007: Eine neue skandinavische Studie habe nun doch ein Krebsrisiko gezeigt - wenn auch nur bei Menschen, die schon sehr früh ein Handy besaßen und es mehr als zehn Jahre lang oft benutzt hatten. Diese Zeitungsmeldungen nannten als Quelle ebenfalls Zusammenfassungen von Daten, die nach den INTERPHONE-Vorgaben in Skandinavien und Großbritannien erhoben worden waren.
Die zitierten Ergebnisse zum Risiko von Hirntumoren bezogen sich im Wesentlichen jedoch auf die ersten Benutzer der früheren analogen Handys. Die dahinter stehende Technologie wurde in Deutschland nur von sehr wenigen Personen genutzt - das so genannte C-Netz ist bereits seit 2001 abgeschaltet. Die für die Studie verantwortlichen Wissenschaftler stellen das Hirntumorrisiko in eigenen Aussagen dementsprechend ganz anders dar: In der Pressemitteilung der finnischen Strahlenschutzkommission lautete die Überschrift "Kein klarer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und Hirntumoren" (in englischer Sprache unter www.stuk.fi/stuk/tiedotteet/2007/en_GB/news_440/). In Stellungnahmen zu den deutschen Medienberichten bestätigten beteiligte Wissenschaftler diese Aussage erneut.
Das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) hatte zum Ziel, die geltenden Grenzwerte zum Schutz vor Elektrosmog zu überprüfen. In 54 Studien wurden Fragen zur Strahlenbelastung im Alltag aufgegriffen. In Wiederholungsstudien gingen die Forscher gezielt Hinweisen auf mögliche Wirkungen hochfrequenter Felder auf Mensch und Tier nach. Solche Hinweise hatten zu Beginn des Forschungsprogramms vorgelegen, konnten aber nicht bestätigt werden. Erstmals gab es zudem Studien darüber, wie die Bevölkerung die Risiken der Mobilfunktechnologie wahrnimmt. Auch der Punkt "Elektrosensibilität" wurde untersucht, also die Frage, ob es Menschen gibt, die empfindlicher als andere auf elektromagnetische Strahlung reagieren.
Ergebnisse und Hintergründe sind im Internet abrufbar unter www.deutsches-mobilfunk-forschungsprogramm.de.
Das Stichwort, das im Zusammenhang mit Handys in der Regel als erstes fällt, lautet Elektrosmog - ein Wort, das Fachleuten Unbehagen bereitet, da es sich in Wirklichkeit um so genannte elektromagnetische Felder oder Radiowellen handelt.
Im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung – zum Beispiel Röntgenstrahlung – reicht die Energie dieser Strahlung nicht aus, um Atome und Moleküle elektrisch aufzuladen bzw. zu ionisieren.
Ihre Frequenz reicht von 100 Kilo-Hertz (kHz) bis 300 Giga-Hertz (GHz). Zur Übertragung von Telefongesprächen strahlen die Sendemasten der Mobilfunk-Anbieter Funkwellen um 900 Megahertz im D-Netz und um 1800 Megahertz im E-Netz ab. Die Sender haben meist eine Leistung um zehn Watt bis maximal 50 Watt. Das neue UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) Übertragungssystem wird mit einer Frequenz von 1900 bis 2170 MHz und mit einer Senderleistung von zehn bis 50 Watt strahlen.
Handys selbst senden und empfangen über eine eingebaute Antenne mit einer Leistung von maximal zwei Watt im D-Netz und einem Watt im E-Netz. Zwei Watt sind die gesetzlich erlaubte Obergrenze. Moderne Geräte liegen meist darunter. Die maximale Sendeleistung wird zudem nicht immer voll ausgeschöpft, gesendet wird nur mit der Leistung, die für einen guten Empfang nötig ist. Je schlechter die Verbindung, desto mehr nähert sich die tatsächliche Leistung der maximal möglichen an. Das Signal wird nicht gleichmäßig geschickt, sondern "gepulst" mit 217 Hertz (entspricht 217 Pulsen pro Sekunde), also sozusagen aufgeteilt in kleine Portionen.
Bereits 1974 beschäftigten sich internationale Gremien mit Grenz- und Richtwerten für elektromagnetische Felder. 1992 wurde eine wissenschaftliche Kommission zum Schutz vor nicht-radioaktiven Strahlen (auch vor "Elektrosmog") gegründet, die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection ICNIRP (www.icnirp.de). Sie arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.who.int) zusammen und legt wissenschaftliche Ergebnisse und Empfehlungen vor, die als Grundlage für nationale Gesetze herangezogen werden können.
Basis des gesetzlich festgelegten Schutzes ist die Messung des so genannten SAR-Wertes. Er gibt die maximale Strahlungsintensität eines Handys an. SAR steht dabei für "Spezifische Absorptions-Rate" und wird in Watt/Kilogramm (W/kg) angegeben. Gemessen wird, wie groß der im Körper tatsächlich ankommende Strahleneffekt ist.
Die aktuellen SAR-Werte gängiger wie auch älterer Handy-Modelle stellt das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/de/elektro/oekolabel.html online zur Verfügung. Anhand dieser Auflistung können sich Verbraucher selbst informieren, wie strahlungsarm ihr Telefon tatsächlich ist.
Seit Mitte 2002 könnten Handyhersteller in Deutschland für besonders strahlungsarme Handys den blauen Umweltengel beantragen. Der "Blaue Engel" wird bei einem SAR-Wert von bis zu höchstens 0,6 Watt pro Kilogramm vergeben und verlangt damit weit niedrigere Strahlungsintensitäten, als sie gesetzlich vorgeschrieben sind: Der Grenzwert für die höchstzulässige Belastung für Teilkörperbereiche - wie den Kopf - liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Etwa ein Drittel der modernen Handys würde die Kriterien für die Vergabe des Blauen Engels erfüllen. Bisher habe die Industrie allerdings von der Möglichkeit der Kennzeichnung kaum Gebrauch gemacht, so das Bundesamt für Strahlenschutz: Bis August 2009 hatte gerade einmal ein Handy-Modell den "Blauen Engel" erhalten.