Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Lebensstil und Krebsrisiko (2):
Rauchen, Alkohol, Stress, Umwelt und Infektionen

Nicht rauchen, nicht mitrauchen

Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor der Krebsentstehung. Die Beziehung zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs ist besonders auffallend. In Deutschland sind bei Männern vermutlich neun von zehn, bei Frauen mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive Rauchen zurückzuführen.

Forscher des WHO-Kontrollzentrums für Tabakkontrolle und ihre Kooperationspartner gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich

  • 2.150 Passivraucher wegen des Mitrauchens an Herzerkrankungen sterben,
  • 700 Menschen einen durch Passivrauchen bedingten Schlaganfall nicht überleben,
  • 260 Passivraucher an Lungenkrebs sterben, und
  • etwa 60 Säuglinge am plötzlichen Kindstod sterben, weil sie Passivrauch ausgesetzt sind, oder weil ihre Mutter während der Schwangerschaft geraucht hat. (Quelle: WHO-Zentrum für Tabakkontrolle, www.dkfz.de/de/tabakkontrolle, Stichwort "Tabakkonsum und gesundheitliche Folgen", Veröffentlichung "Tabakatlas Deutschland 2009").

Vom Verzicht auf den Glimmstängel profitieren daher nicht nur Raucher, sondern auch ihre Umwelt. Selbst für Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind, lohnt sich das Aufhören.

Alkohol: Schutz oder Schaden?

Wieviel Alkohol pro Tag?
Männer: maximal ein halber Liter Bier oder ein Viertelliter Wein (etwa 20 Gramm Alkohol)
Frauen: maximal ein Viertelliter Bier oder ein Achtelliter Wein (etwa 10 Gramm Alkohol)

Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit nachhaltig. Dabei muss es nicht gleich um Sucht und Abhängigkeit gehen: Der regelmäßige Konsum auch geringer Mengen kann den menschlichen Organismus schädigen. Die psychischen und sozialen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums sollten ebenfalls nicht ausgeklammert werden.

Weniger bekannt ist vielen Menschen, dass Alkohol auch das Krebsrisiko steigert. Wissenschaftliche Arbeiten haben für einige Krebsarten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko gezeigt. Dies betrifft Tumoren im Mundraum, im Rachen, des Kehlkopfes, der Speiseröhre und der weiblichen Brust (vor und nach den Wechseljahren). Für Darmkrebs konnten Wissenschaftler einen Zusammenhang nur oberhalb eines Grenzwertes nachweisen. Ausführliche Informationen bietet der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zum Thema Alkohol.

Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann. Wer nicht auf Wein, Bier oder Spirituosen verzichten möchte, sollte nach Ansicht von Fachleuten die Menge beschränken. Männer sollten höchstens einen halben Liter Bier oder einen Viertelliter Wein pro Tag trinken. Für Frauen liegt die Grenze bei einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein. Das entspricht 10 bis 15 Gramm Alkohol, so der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Actitvity and the Prevention of Cancer" des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research. Andere Quellen geben an, Männer sollten maximal 20 bis 24 Gramm Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 bis 12 Gramm zu sich nehmen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, www.dge.de) weist darauf hin, dass auch geringe Mengen nicht jeden Tag getrunken werden sollten. Die ausführlichen Quellen finden sich im Text "Alkohol: Bier, Wein und Schnaps sind Risikofaktoren für Krebs".

Stress, Umwelt, Infektion: Überschätzte Risiken?

Der persönliche Lebensstil spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Krebsvorbeugung. Doch nur die Entstehung einiger Tumorerkrankungen lässt sich aus dem individuellen Verhalten erklären. Krebs entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren, und nicht immer kann man alle oder zumindest einige davon selbst beeinflussen. Zu Recht wehren sich viele Menschen gegen die vollständige Verlagerung der Verantwortung für ihre Gesundheit auf sie selbst; ebenso gegen eine voreilige Reduzierung der Diskussion auf veränderbare Faktoren nur im Bereich des persönlichen Lebensstils. Doch welche Rolle spielen andere Faktoren wirklich, die sich weniger gut beeinflussen lassen? Welchen Einfluss hat die Umweltbelastung, was bewirkt chronischer Stress, zum Beispiel am Arbeitsplatz? Und sind nicht viel mehr Erkrankungen als bisher angenommen doch von Krebsviren verursacht?

Umweltbelastung

Was Umweltgifte angeht, sind sich die meisten Experten heute einig: In den Entwicklungsländern wird die mit der Industrialisierung wachsende Schadstoffbelastung bei gleichzeitig fehlenden Schutzmaßnahmen zukünftig eine größere Rolle spielen. In den westlichen Industrienationen lässt sich ein negativer Effekt für die Gesamtbevölkerung jedoch kaum noch oder gar nicht mehr feststellen. Selbst weltweit betrachtet hält die Weltgesundheitsorganisation WHO Tabakrauch für belastender und gefährlicher als Umweltgifte (www.who.int/cancer/prevention/en/). Im Vergleich sind Rauchen und Passivrauchen für eine weit größere Zahl von Krebsfällen verantwortlich. Die Krebsgefahr durch Kontakt mit Schadstoffen sieht die WHO allerdings im beruflichen Bereich, durch Unfälle oder unzureichende Sicherheitsmaßnahmen (www.who.int/occupational_health/en/). Auch die Autoren des Europäischen Kodex gegen den Krebs gingen davon aus, dass Schadstoffe im Wesentlichen am Arbeitsplatz eine Rolle spielen können. Hier sind vor allem die Arbeitgeber und die zuständigen offizielle Stellen in der Verantwortung, um möglichst gesunde Bedingungen im Berufsleben zu schaffen. Die individuelle "Vorsorge" besteht dann darin, so der Europäische Kodex in seiner Fassung von 2003, vorhandene Sicherheitsvorschriften auch zu beachten.

Stress

Stress und Krebs
Zwischen Stress und Krebsentstehung ist ein Zusammenhang nicht belegt.

Zum persönlichen Lebensstil gehört auch der Umgang mit Belastungen, sei es im Alltag, bei der Arbeit oder in außergewöhnlichen Situationen. Was Menschen individuell als Stress erleben und was nicht, unterscheidet sich allerdings teils erheblich: Was den einen belastet, wird vom anderen möglicherweise als anregend empfunden. Nicht die von außen kommenden "Stressoren" bestimmen das Empfinden, sondern die persönliche Wahrnehmung. Auch macht es einen Unterschied, ob man sich Belastungen gegenüber als machtlos und ausgeliefert empfindet oder ob man das Gefühl hat, dass eine bestimmte Situation zwar anstrengend ist, man sie aber gut bewältigen wird.

Stressbedingte Reaktionen im vegetativen Nervensystem und im hormonellen Gleichgewicht, die während der Aktivierungsreaktion ablaufen, können bei hoher Intensität und langer Dauer durchaus körperliche Schäden anrichten. Nachgewiesen ist die Rolle von Stress beispielsweise bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Für die Entstehung von Krebs konnten dagegen keine eindeutigen Zusammenhänge mit Stress gefunden werden, auch eine Krebspersönlichkeit gibt es nicht.

Infektion, Ansteckung, Impfung

Bis zu einem Fünftel aller Krebserkrankungen weltweit führt die Weltgesundheitsorganisation WHO auf Infektionen mit bestimmten Krankheitserregern zurück. Dazu zählen unter anderem Hepatitis- und Papillomviren sowie einige Bakterien oder Parasiten.
Zwar spielen in Deutschland viele dieser Erreger nur eine untergeordnete Rolle. Die Möglichkeit, sich gegen zwei wichtige Virustypen impfen zu lassen und so das individuelle Krebsrisiko zu senken, steht jedoch auch hier bestimmten Zielgruppen zur Verfügung.

  • Papillomviren und Gebärmutterhalskrebs:
    Eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, dem Zervixkarzinom. In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung, die vor einer Ansteckung mit den beiden häufigsten an der Krebsentstehung beteiligten HPV-Typen schützen, HPV 16 und 18. Studien zeigten, dass geimpfte Frauen vor der Entstehung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals geschützt sind, die durch diese beiden Erreger hervorgerufen werden. Wissenschaftler erwarten, dass durch die Impfung langfristig auch die Rate an Gebärmutterhalskrebs gesenkt werden kann. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) im Robert-Koch-Institut (www.rki.de) die Impfung gegen humane Papillomviren für Mädchen zwischen zwölf und siebzehn Jahren (12. bis 18. Geburtstag), möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Für diese Zielgruppe übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen auch die Kosten der Impfung. Ausführliche Informationen zur HPV-Impfung bietet der Text "HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs?".
  • Hepatitis und Lebertumoren:
    Für die Entstehung von ansteckenden Leberentzündungen ("Gelbsucht") werden heute verschiedene Virustypen verantwortlich gemacht. Während eine Erkrankung vom A-Typ meist folgenlos ausheilt, können Infektionen mit Hepatitis-B- oder C-Viren chronisch werden und über den Weg einer schweren Leberschädigung auch Leberkrebs auslösen. Ein Schutz gegen die Gelbsucht durch Hepatitis C-Viren (HBC) steht noch nicht zur Verfügung, wohl aber eine wirksame Prophylaxe einer Infektion mit Hepatitis-B-Viren. Schon seit mehreren Jahren enthält der Europäische Kodex gegen den Krebs daher die Empfehlung zur Impfung zumindest von Risikogruppen gegen Hepatitis-B (HBV). In Ländern, in denen dieser Virustyp sehr verbreitet ist, konnte schon kurz nach der Einführung nationaler Impfprogramme ein deutlicher Rückgang auch der Leberkrebsrate beobachtet werden.
  • Ansteckung:
    Krebs selbst ist jedoch auf keinen Fall ansteckende oder übertragbare Erkrankung wie etwa eine Grippe oder AIDS. Krebspatienten selbst sind nicht infektiös, Tumorzellen sind unter normalen Bedingungen nicht von einem Menschen auf den anderen übertragbar. Beim normalen Umgang mit Krebspatienten in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der medizinischen Versorgung ist niemand gefährdet.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 28.05.2010