
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deEpidemiologen der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC (www.iarc.fr) wiesen in Studien nach, dass an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs nahezu immer Papillomviren beteiligt sind. Gefunden wurden mehrere Dutzend Hochrisikotypen. Die häufigsten Viren, HPV16 und HPV18, treten allein bei sieben von zehn Patientinnen mit Zervixkarzinom auf. Die Monographie der IARC, einer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugeordneten Einrichtung, ist in englischer Sprache über das Internet abrufbar unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol90/index.php. Die Information richtet sich vorwiegend an Fachleute.
Bisher ersetzt ein HPV-Test die Abstrich-Früherkennung nicht, mehr zum aktuellen Stellenwert des Tests hier, mehr zur zum gesetzlichen Angebot der "Krebsvorsorge" hier.
Auch mit anderen Tumorerkrankungen stehen Humane Papillomviren in Verbindung, wenngleich diese Krebsarten weit seltener auftreten. So werden die beiden HPV-Typen 16 und 18 beispielsweise mit Vulvakrebs (Vulva = weibliche Scham) verknüpft, einer seltenen bösartigen Tumorerkrankung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.
Sie galten lange als Erkrankungen, die vorwiegend bei älteren Frauen auftraten, und man brachte diese Tumoren zunächst nicht mit HPV in Verbindung. Die Häufigkeit und die Diagnosen bei jüngeren Frauen haben jedoch zugenommen, so die Aussage von Fachgesellschaften. HP-Viren sind vermutlich deutlich häufiger beteiligt als lange angenommen (Leitlinie "Vulvakarzinom", Stand August 2008, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., im Internet abrufbar unter www.dggg.de/_download/unprotected/g_01_02_03_
diagnostik_therapie_vulvakarzinoms.pdf).
Der Test auf Papillomviren hat laut dieser Leitlinie in der Routinediagnostik jedoch noch keinen Stellenwert.
Vaginalkrebs, eine maligne Krebserkrankung der Scheide, entsteht möglicherweise nicht selten aus verstreuten Zellen des Gebärmutterhalses, die mit HPV-infiziert sind: Bei einem Drittel der Patientinnen ging tatsächlich auch ein Zervixkarzinom bzw. eine deutliche Zellveränderung am Gebärmutterhals voraus, so eine aktuelle Leitlinie (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, August 2008, für Fachleute unter www.dggg.de/_download/unprotected/g_01_02_04_diagnostik_
therapie_vaginalkarzinoms_s2leitlinie.pdf. Ein HPV-Test spielt in der Diagnostik bisher keine anerkannte Rolle.
Das Peniskarzinom tritt nur sehr selten auf: Nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erkrankt in den westlichen Ländern nur einer von 100.000 Männern daran. Neben anderen Risikofaktoren scheint eine chronische HPV-Infektion die Entstehung dieser Tumorform und dessen Frühformen, die penilen intraepitelialen Neoplasien (PIN), fördern zu können. So lässt sich in vier von fünf Penistumoren HPV-Erbmaterial nachweisen. Betroffen sind hier vor allem Eichel und Vorhaut; die Geschwüre können sich aber auch über die Schwellkörper bis hin zur Bauchdecke ausbreiten. Die häufigsten Virustypen, die bisher in Tumoren des Penis nachgewiesen wurden, sind HPV16 und 18. Die Beschneidung oder eine gründliche Intimhygiene mit Reinigung der Penisvorhaut scheinen das Krebsrisiko zu verringern.
Papillomviren können auch eine Ursache für diese seltene Tumorform am äußeren Darmausgang sein (nicht zu verwechseln mit Enddarmkrebs, der von der inneren Darmschleimhaut ausgeht und ohne Beteiligung von Viren entsteht). So fanden Wissenschaftler in über der Hälfte der Gewebeproben von Analkarzinompatienten Erbmaterial des Hochrisikotyps HPV16.
Legt man die Daten verschiedener wissenschaftlicher Studien zu Grunde, so entstehen bis zu 20 von 100 Karzinomen im Kopf-Hals-Bereich als Folge einer Infektion mit Papillomviren. Dieses Ergebnis veröffentlichten Wissenschaftler der Universität Heidelberg im Jahr 2004 in einer renommierten Fachzeitschrift. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um Tumoren des Rachens (Pharynx), des Kehlkopfes (Larynx) oder auch der Gaumenmandeln (Tonsillen).
Auffallend ist bei betroffenen Patienten das Fehlen der sonst typischen Risikofaktoren für Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, wie starker Nikotin- oder Tabakgenuss und Alkoholkonsum.
Allerdings ist der Zusammenhang zwischen der Krebsentstehung und der HPV-Infektion nicht so eindeutig wie bei Gebärmutterhalskrebs, und der Virusnachweis hat derzeit keine Konsequenzen, da es genauso häufig auch in normaler Mundschleimhaut gefunden wird. Möglicherweise sind HPV-Infektionen in Kopf- Hals-Tumoren nur Begleitinfektionen und gar nicht ursächlich beteiligt.
Bisher wird der HPV-Test fast ausschließlich im Zusammenhang mit der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs diskutiert.
Ein Test auf humane Papillomviren dient dazu, Erbgut des humanen Papillomvirus in Gewebeproben des Gebärmutterhalses aufzuspüren. Die Probenentnahme kann, wie auch beim Pap-Test im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung, durch Abstreichen von Zellen des Gebärmutterhalses erfolgen. Sie ersetzt diesen Pap-Test derzeit jedoch auf keinen Fall.
Mit heute verfügbaren Tests lassen sich vorwiegend zwei Gruppen von HPV-Typen unterscheiden: 13 Hochrisikotypen und fünf Niedrigrisikotypen. Welcher Virustyp aus der jeweiligen Gruppe genau vorliegt oder ob sogar mehrere verschiedene Typen vorhanden sind, ist bei den Routinetests dagegen meist nicht zu sagen - getroffen wird nur die Aussage "Infektion ja oder nein" und "Infektion mit einem Hochrisikotypus ja oder nein". Tests, die diese genauere Aussage ermöglichen, sind jedoch inzwischen ebenfalls verfügbar, spielen in der Praxis aber noch eine untergeordnete Rolle. Diese Verfahren auf der Basis einer so genannten Polymerasekettenreaktion (PCR) bleiben aber derzeit vorwiegend wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten.
Der übliche HPV-Test ist gekennzeichnet durch eine hohe Sensitivität (Empfindlichkeit): Schon geringste Mengen an Virusmaterial sind in einer Gewebeprobe nachweisbar. Hat eine Frau ein negatives Testergebnis, also keine Infektion mit Hochrisikotypen, so gilt dieses Ergebnis auch als zuverlässig. Entweder war sie nie infiziert oder ihr Körper konnte die Infektion erfolgreich bekämpfen.
Ein positives Testergebnis, also der Nachweis von Hochrisiko-Viren, bedeutet umgekehrt aber nicht, dass die Person an Krebs erkranken wird: Bei jungen Frauen (und Männern) unter 30 Jahren sind HPV-Infektionen sehr weit verbreitet. Nur sehr selten führen sie aber in diesem Alter zu einer Krebserkrankung, sondern heilen fast immer innerhalb weniger Monate folgenlos aus. Aus einem positiven Testergebnis ist nicht zu erkennen, ob die Infektion zu Gewebeveränderungen oder gar zu Krebs führt: Erfahrungsgemäß fällt ein positiver Test kurze Zeit später wieder negativ aus.
Bei jungen Mädchen und Frauen unter 30 hat ein HPV-Test derzeit keinen anerkannten Stellenwert und ersetzt schon gar nicht die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung. Der Test wird allerdings unter Umständen von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen, wenn es um die Abklärung auffälliger Befunde geht, die auf eine sich entwickelnde Erkrankung hindeuten.
Anders sieht es bei Frauen über 30 Jahren aus. Hier gehen die Ärzte meistens davon aus, dass eine früher erworbene HPV-Infektion bereits ausgeheilt sein sollte. Bleiben Viren nachweisbar, könnte dies bei Frauen über 30 deshalb eher für eine dauerhafte (persistierende) Infektion sprechen, die der Körper nicht von alleine loswird. Ein eindeutiger Beweis für ein erhöhtes Krebsrisiko ist dies trotzdem nicht.
Welchen Stellenwert ein HPV-Test bei Frauen über 30 hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Daher ist die Untersuchung derzeit keine Regel-Kassenleistung: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat als verantwortliches Gremium beschlossen, dass bei auffälligen Befunden der Test übernommen wird, nicht jedoch als Routinetest bei jeder Frau (ein Merkblatt für Frauen jeden Alters, Stand August 2008), unter www.g-ba.de/downloads/17-98-2633/2008-08-21-Merkblatt-Zervixkarzinom.pdf.
Aktuell diskutieren Ärzte und Wissenschaftler, ob sich bei Frauen über 30 durch einen HPV-Test zum Beispiel die Zeitabstände zwischen den einzelnen Früherkennungsuntersuchungen verlängern ließen, mehr dazu in der Leitlinie zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs vom August 2008 unter www.dggg.de/_download/unprotected/g_01_02_06_
diagnostik_therapie_zervixkarzinoms.pdf. Auf Seite 4 findet sich in blaugrüner Farbe ein Abschnitt zum Thema, der sich gezielt an interessierte Frauen richtet, die weitere Leitlinie ist eher für Fachleute gedacht.