
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deIn den 80er Jahren deuteten epidemiologische Studien auf ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern hin, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen wohnten. Seitdem sind die gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen immer wieder Forschungsthema. Bis erste aus wissenschaftlicher Sicht belastbare Ergebnisse vorlagen, vergingen jedoch rund 20 Jahre. Wie für alle Einflüsse, bei denen eine endgültige Bewertung noch aussteht, stuften die Weltgesundheitsorganisation WHO und nachgeordnete Einrichtungen in der Zwischenzeit elektromagnetische Felder als "vielleicht krebsfördernd" ein (International Agency for Research on Cancer, 2002, www.iarc.fr).
Mehr zu dieser Risikobewertung hat das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Internet unter www.bfs.de/de/elektro/nff/risiko_who.html zusammengestellt. Dort wird auch erläutert, wie Deutschland die Empfehlungen der WHO zum vorbeugenden Schutz vor elektromagnetischen Feldern im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Regelungen umsetzt. Eine englischsprachige Übersicht zum Thema bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO unter www.who.int/mediacentre/factsheets/fs322/en/index.html.
Dieser umgangssprachliche Begriff bezeichnet das Vorkommen elektromagnetischer Felder in der Umwelt oder auch ihre Auswirkungen auf den Menschen. Elektromagnetische Felder werden in niederfrequente (von 0 bis 300 Hertz) und hochfrequente Felder (von 300 Hertz bis 300 Giga-Hertz) unterteilt. Niederfrequente Felder werden zum Beispiel von der Eisenbahn oder Hochspannungsleitungen erzeugt und hochfrequente Felder von Radio- und Fernsehsendern, Bildschirmen, Mikrowellengeräten oder dem Mobilfunk. Besondere Bedeutung hat wegen seiner enorm gestiegenen Verbreitung innerhalb weniger Jahre der Mobilfunk erlangt, also ein mögliches Risiko durch Sendemasten (Mobilfunk-Basisstationen) und Handys.
Elektromagnetische Felder sind nicht zu verwechseln mit ionisierender Strahlung, etwa Röntgenstrahlen. Die Energie von "Elektrosmog" reicht nicht aus, um die elektrische Ladung von Atomen oder Molekülen zu verändern (zu ionisieren).
Weltweit wurde (und wird noch immer) intensiv untersucht, durch welche biologischen Mechanismen elektromagnetische Felder zu gesundheitlichen Belastungen für den Menschen führen könnten.
Sowohl nationale als auch internationale Strahlenschutzorganisationen halten es aufgrund der langjährigen Forschung für immer weniger wahrscheinlich, dass eine Wechselwirkung mit negativen Folgen tatsächlich besteht.
Als abgeschlossen kann die wissenschaftliche Diskussion jedoch nicht bezeichnet werden, denn: Ein "Unschädlichkeitsbeweis" fehlt ebenfalls. Aus diesem Grund hatte die der Weltgesundheitsorganisation WHO angehörige internationale Organisation für Krebsforschung (IARC; www.iarc.fr) 2001/2002 das potenzielle Risiko für elektromagnetische Felder auf die Stufe - "vielleicht krebserregend" heraufgesetzt, wie sie es für alle noch nicht abschließend bewertbare Risikofaktoren tut.
Die Neubewertung der WHO im Jahr 2007 hat daran nichts geändert, auch wenn die offenen Fragen inzwischen auf die Förderung von Leukämien bei Kindern reduziert werden konnten und ein Krebsrisiko für Erwachsene ausgeschlossen wird.
Was wirklich in Körperzellen passiert, die elektromagnetischen Feldern verschiedener Stärke ausgesetzt werden, kann nach wie vor nicht sicher beantwortet werden.
Ohne Hinweise auf den biologischen Mechanismus, durch den elektromagnetische Felder Krebs auslösen könnten, bleiben jedoch alle anderen Aussagen bis zu einem gewissen Grad Spekulation. Möglicherweise wird die Durchlässigkeit von Zellmembranen durch elektromagnetische Feldern verändert, ohne dass deshalb klar ist, ob dies die Krebsentstehung beeinflusst. Nach den geltenden Theorien entsteht Krebs durch eine Veränderung in oder an der Erbsubstanz. Dies können elektromagnetische Felder mit großer Sicherheit nicht direkt bewirken, anders als zum Beispiel Röntgenstrahlen und andere ionisierende Strahlen.
Andererseits beeinflussen sehr starke, künstlich erzeugte elektromagnetische Felder im Laborversuch den Stoffwechsel in dem den Feldern ausgesetzten Gewebe, zum Beispiel durch Erwärmung - ähnlich wie ein Mikrowellengerät. Ein Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und gesundheitlichen Auswirkungen ist deshalb nach wie vor Gegenstand intensiver Forschung.
Untersucht wurden bislang Quellen, die nach physikalischen Erkenntnissen elektromagnetische Felder erzeugen: Alle Stromerzeuger, Stromüberträger und Stromverbraucher bauen in ihrer Umgebung elektrische und magnetische Felder auf, die sich in ihrer Art und Stärke unterscheiden und theoretisch auf den menschlichen Körper einwirken können. Spürbar sind diese Einwirkungen im Allgemeinen allerdings nicht.
- Hochfrequente elektromagnetische Felder haben im Körper nur eine geringe Eindringtiefe von wenigen Zentimetern. Hindernisse wie Häuser oder Bäume können die Strahlen abschirmen.
- Durch Hochspannungsleitungen, elektrisch betriebene Maschinen, Haushaltsgeräte etc. entstehen so genannte niederfrequente Felder, meist mit einer Frequenz von 50 Hertz.
Der maximale Grenzwert für die Feldstärke liegt bei 100 Mikrotesla (Tesla). Anders sieht es mit hochfrequenten Feldern aus, wie sie von Fernseh- und Radiosendeantennen, Radargeräten, Mobilfunktelefonen und manchen Mikrowellengeräten abgestrahlt werden. Sie haben eine Frequenz von 300 Hertz- bis 300 Gigahertz - die Energieleistung und Feldstärke schwanken je nach Anforderung entsprechend. Hier gibt es ebenfalls Grenzwerte; davon abhängig sind Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Zäune oder Warnschilder um Sende- oder Radaranlagen. Die Schutzmaßnahmen sind jedoch keineswegs auf eine Krebsgefahr zurückzuführen, sondern auf die bereits erwähnte Erwärmung von Geweben.
Weitere Untersuchungen gingen und gehen der Frage nach, ob manche Menschen besonders empfindlich auf elektromagnetische Felder reagieren können oder diese sogar aktiv wahrnehmen. Die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse schließen eine angeborene oder erworbene "Elektrosensibilität" allerdings aus.
Obwohl es in der Presse immer wieder behauptet wird, gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass in der Mikrowelle erhitzte Lebensmittel eine nachteilige Veränderung erfahren. Untersucht wurden dabei mögliche Veränderungen der Eiweiße in Fleisch oder Milch, aber auch anderer Substanzen. Weiterhin ist durch die deutsche Gesetzgebung vorgeschrieben, dass sich Mikrowellengeschirr oder anderes bei der Zubereitung benutztes Material nicht verändern darf. Besonders geprüft wurden die verwendeten Werkstoffe auf den eventuellen Übertritt von Schadstoffen in die Lebensmittel hin. Auch hier konnte keine nennenswerte nachteilige Veränderung festgestellt werden.
In Deutschland regeln das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchV) und die Strahlenschutzverordnung diese Werte (www.gesetze-im-internet.de/bimschv_26/index.html). Ausführliche Informationen hält das Bundesamt für Strahlenschutz bereit, unter www.bfs.de/de/elektro.