Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Elektrosmog: Krebsrisiko durch elektromagnetische Felder?

1.6.2011: Neue Einstufung des Krebsrisikos?
Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Mobilfunk und Handys".

In den 80er Jahren deuteten epidemiologische Studien auf ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern hin, die in der Nähe von Hochspannungsleitungen wohnten. Seitdem sind die gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen immer wieder Forschungsthema. Bis erste aus wissenschaftlicher Sicht belastbare Ergebnisse vorlagen, vergingen jedoch rund 20 Jahre. Forscher gehen im Moment davon aus, dass ein Krebsrisiko durch elektromagnetische Felder nicht nachgewiesen ist. Die Forschung kann jedoch auch nicht als abgeschlossen bezeichnet werden.
Im folgenden Text bietet der Krebsinformationsdienst einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand und nennt weitere Informationsquellen.

Elektrosmog: Das Wichtigste in Kürze

Elektromagnetische Wellen umgeben den Menschen überall. Die Sonne erzeugt Licht, Wärme und andere Strahlen, es gibt das Erdmagnetfeld, der Mensch nutzt sie als Radiowellen und in vielfältiger anderer Form. Einen Überblick über das gesamte elektromagnetische Spektrum bietet die Deutsche Physikalische Gesellschaft unter www.weltderphysik.de/de/3790.php.
Die Einteilung erfolgt nach der Wellenlänge. Für manche Wellenlängen wird heute oft der Begriff "Elektrosmog" verwendet. Dieser umgangssprachliche Begriff bezeichnet das Vorkommen elektromagnetischer Felder in der Umwelt oder auch ihre Auswirkungen auf den Menschen. Konkreter bezieht sich die Diskussion auf niederfrequente (von 0 bis 300 Hertz) und hochfrequente Felder (von 300 Hertz bis 300 Giga-Hertz).

Mögliche Risiken sind viel diskutiert und erforscht worden, vor allem die der hochfrequenten elektromagnetischen Felder. Bisher geht die Weltgesundheitsorganisation WHO davon aus, dass ein Krebsrisiko oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch diese Frequenzen nicht belegt, aber auch nicht sicher ausgeschlossen sind. Diese Einschätzung teilt auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), mehr dazu im Internet unter www.bfs.de/de/elektro/.

"Elektrosmog": Was versteht man genau darunter?

Elektromagnetische Felder können eigentlich jede Form von Strahlung sein. Die Diskusison um den "Elektrosmog" bezieht sich jedoch auf Frequenzen, bei denen Strahlung weder ionisierend wie Röntgen- oder Gammastrahlung ist, noch etwa der "optischen Strahlung", also dem sichtbaren Licht, Infrarot oder Ultraviolett zugeordnet werden kann. Niederfrequente Felder werden zum Beispiel von der Eisenbahn oder Hochspannungsleitungen erzeugt und hochfrequente Felder von Radio- und Fernsehsendern, Bildschirmen, Mikrowellengeräten oder dem Mobilfunk. Besondere Bedeutung hat wegen seiner enorm gestiegenen Verbreitung innerhalb weniger Jahre der Mobilfunk erlangt, also ein mögliches Risiko durch Sendemasten (Mobilfunk-Basisstationen) und Handys.

Elektromagnetische Felder sind nicht zu verwechseln mit ionisierender Strahlung, etwa Röntgenstrahlen. Die Energie von "Elektrosmog" reicht nicht aus, um die elektrische Ladung von Atomen oder Molekülen zu verändern (zu ionisieren).

Einstufung des Risikos: Wie gefährlich sind elektromagnetische Felder und Wellen?

Weltweit wurde (und wird noch immer) intensiv untersucht, durch welche biologischen Mechanismen vor allem hochfrequente elektromagnetische Felder zu gesundheitlichen Belastungen für den Menschen führen könnten. Sowohl nationale als auch internationale Strahlenschutzorganisationen halten es aufgrund der langjährigen Forschung für immer weniger wahrscheinlich, dass eine Wechselwirkung mit negativen Folgen tatsächlich besteht. Ausgeschlossen wird ein Krebsrisiko deshalb jedoch noch nicht. Die wissenschaftliche Diskussion gilt nicht als beendet: Ein "Unschädlichkeitsbeweis" fehlt ebenfalls.

Aus diesem Grund hatte die der Weltgesundheitsorganisation WHO zugehörige Organisation für Krebsforschung (IARC; www.iarc.fr) 2001/2002 das potenzielle Risiko für elektromagnetische Felder auf die Stufe - "vielleicht krebserregend" (Kategorie 2b) heraufgesetzt. Dies ist eine übliche Vorgehensweise für alle noch nicht abschließend bewertbare Risikofaktoren.
Im Frühsommer 2011 bestätigt die IARC diese Einstufung für hochfrequente Felder und damit auch zum Beispiel für Mobilfunk und Handys. Wie ist diese Kategorisierung zu verstehen? Die "International Agency for Research on Cancer" arbeitet mit insgesamt fünf Gruppen (http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/index.ph):

  • 1 = krebserregend für den Menschen (englisch: carcinogenic to humans)
  • 2a = wahrscheinlich krebserregend (englisch: probably carcinogenic to humans)
  • 2b = möglicherweise oder auch vielleicht krebserregend (englisch: possibly carcinogenic to humans) - in diese Kategorie werden beispielsweise Handys eingestuft.
  • 3 = eine Bewertung des Krebsrisikos ist nicht möglich (englisch: not classifiable as to its carcinogenity to humans)
  • 4 = wahrscheinlich nicht krebserregend für den Menschen (englisch: probably not carcinogenic to humans)

Biologische Effekte: Welche Wirkungen wurden beobachtet?

Was wirklich in Zellen und Geweben passiert, die elektromagnetischen Feldern verschiedener Stärke ausgesetzt werden, kann nach wie vor nicht sicher beantwortet werden. Bisher ließ sich keine Veränderung finden, die irgendwie mit der Krebsentstehung in Zusammenhang stehen würde.
Ohne Hinweise auf den biologischen Mechanismus, durch den elektromagnetische Felder Krebs auslösen könnten, bleiben allerdings alle anderen Aussagen bis zu einem gewissen Grad Spekulation.

Möglicherweise wird die Durchlässigkeit von Zellmembranen durch elektromagnetische Feldern verändert, ohne dass deshalb klar ist, ob dies die Krebsentstehung beeinflusst. Nach den geltenden Theorien entsteht Krebs durch eine Veränderung in oder an der Erbsubstanz. Dies können elektromagnetische Felder mit großer Sicherheit nicht direkt bewirken, anders als zum Beispiel Röntgenstrahlen und andere ionisierende Strahlen.

Andererseits beeinflussen sehr starke, künstlich erzeugte elektromagnetische Felder im Laborversuch den Stoffwechsel in dem den Feldern ausgesetzten Gewebe, zum Beispiel durch Erwärmung - ähnlich wie ein Mikrowellengerät. Ein Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und gesundheitlichen Auswirkungen ist deshalb nach wie vor Gegenstand intensiver Forschung.

Mögliche Quellen: Was wurde bislang untersucht?

Untersucht wurden bislang Quellen, die nach physikalischen Erkenntnissen elektromagnetische Felder erzeugen: Alle Stromerzeuger, Stromüberträger und Stromverbraucher bauen in ihrer Umgebung elektrische und magnetische Felder auf, die sich in ihrer Art und Stärke unterscheiden und theoretisch auf den menschlichen Körper einwirken können. Spürbar sind diese Einwirkungen im Allgemeinen allerdings nicht.

- Hochfrequente elektromagnetische Felder haben im Körper nur eine geringe Eindringtiefe von wenigen Zentimetern. Hindernisse wie Häuser oder Bäume können die Strahlen abschirmen.

- Durch Hochspannungsleitungen, elektrisch betriebene Maschinen, Haushaltsgeräte etc. entstehen so genannte niederfrequente Felder, meist mit einer Frequenz von 50 Hertz.

Der maximale Grenzwert für die Feldstärke liegt bei 100 Mikrotesla (Tesla). Anders sieht es mit hochfrequenten Feldern aus, wie sie von Fernseh- und Radiosendeantennen, Radargeräten, Mobilfunktelefonen und manchen Mikrowellengeräten abgestrahlt werden. Sie haben eine Frequenz von 300 Hertz- bis 300 Gigahertz - die Energieleistung und Feldstärke schwanken je nach Anforderung entsprechend. Hier gibt es ebenfalls Grenzwerte; davon abhängig sind Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Zäune oder Warnschilder um Sende- oder Radaranlagen. Die Schutzmaßnahmen sind jedoch keineswegs auf eine Krebsgefahr zurückzuführen, sondern auf die bereits erwähnte Erwärmung von Geweben.

Elektrosensibilität

Weitere Untersuchungen gingen und gehen der Frage nach, ob manche Menschen besonders empfindlich auf elektromagnetische Felder reagieren können oder diese sogar aktiv wahrnehmen. Die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse schließen eine angeborene oder erworbene "Elektrosensibilität" allerdings aus.

Mikrowelle und Lebensmittelqualität

Obwohl es in der Presse immer wieder behauptet wird, gibt es bislang keine Anzeichen dafür, dass in der Mikrowelle erhitzte Lebensmittel eine nachteilige Veränderung erfahren. Untersucht wurden dabei mögliche Veränderungen der Eiweiße in Fleisch oder Milch, aber auch anderer Substanzen. Weiterhin ist durch die deutsche Gesetzgebung vorgeschrieben, dass sich Mikrowellengeschirr oder anderes bei der Zubereitung benutztes Material nicht verändern darf. Besonders geprüft wurden die verwendeten Werkstoffe auf den eventuellen Übertritt von Schadstoffen in die Lebensmittel hin. Auch hier konnte keine nennenswerte nachteilige Veränderung festgestellt werden.

Gesetzliche Regelungen:
Wie ist der Schutz vor "Elektrosmog" organisiert?

In Deutschland regeln das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchV) und die Strahlenschutzverordnung diese Werte (www.gesetze-im-internet.de/bimschv_26/index.html). Ausführliche Informationen hält das Bundesamt für Strahlenschutz bereit, unter www.bfs.de/de/elektro.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Expertengruppe beauftragt, den Schutz Beschäftigter am Arbeitsplatz zu prüfen. Ein Abschlussbericht dieser Gruppe wurde im März 2010 vorgelegt. Er soll Grundlage der anstehenden Überarbeitung einer europäischen Arbeitsschutzrichtlinie sein. Der Bericht ist - allerdings nur in englischer Sprache - abrufbar unter www.bmas.de/portal/44700/fb400__elektromagnetische__felder.html.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.06.2011