
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de Krebs sei ansteckend – dieses alte Vorurteil hält sich hartnäckig.
Gewandelt hat sich höchstens die Form, in der die falsche Annahme sich
weiter verbreitet: Die aktuelle Diskussion um Krebsviren und
Krebsimpfstoffe hat die Angst vieler Menschen vor engem Kontakt mit
Patienten insgeheim wieder verstärkt, dies zeigen auch Anfragen an den
Krebsinformationsdienst.
Für
Patienten kann es sehr belastend sein, wenn gute Freunde oder gar
Familienangehörige auf Distanz gehen oder wenn sie im Bekanntenkreis
oder am Arbeitsplatz ausgegrenzt werden. Krebs ist jedoch keine
Infektionskrankheit. Die Erkrankung ist nicht ansteckend, selbst in den
Fällen nicht, in denen Krankheitserreger an der Krebsentstehung
beteiligt sind. Warum die alten Annahmen zur Ansteckung heute als
überholt gelten und wie sich Tumorzellen tatsächlich verhalten, wenn
sie in einen anderen Organismus übertragen werden, erläutert der
Krebsinformationsdienst.
Krebs ist keine ansteckende oder übertragbare Erkrankung wie etwa eine Grippe oder AIDS. Krebspatienten selbst sind nicht infektiös, Tumorzellen sind unter normalen Bedingungen nicht von einem Menschen auf den anderen übertragbar. Beim normalen Umgang mit Krebspatienten in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der medizinischen Versorgung ist niemand gefährdet.
Zwar gibt es verschiedene Krankheitserreger, die eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen können. Fachleute schätzen, dass weltweit rund 20 Prozent aller Krebsfälle infektionsbedingt sind; für Deutschland gehen sie von einer niedrigeren Rate aus (hier eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2002/
dkfz_pm_02_34.php). Bei den in Deutschland häufigsten Krebserkrankungen, also Darmkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs, spielen Krankheitserreger nach bisherigem Kenntnisstand auf keinen Fall eine Rolle.
Ansteckend ist zudem höchstens die Infektion, die infrage kommende Krankheitserreger auslösen, nie die Tumorerkrankung, die eine Spätfolge sein kann, aber nicht muss. Selbst wenn die mit der Krebsentstehung in Verbindung gebrachten Krankheitserreger direkt von Mensch zu Mensch übertragbar sind, so müssen viele weitere Faktoren hinzu kommen, bis das Erbmaterial einer Zelle durch Keime so geschädigt wird, dass sie tatsächlich zur Tumorzelle wird.
Verschiedene Virusarten werden im Zusammenhang mit der Krebsentstehung diskutiert. Einige davon werden nach bisherigem Kenntnisstand vorwiegend von Tieren auf Menschen übertragen, bei anderen ist der Infektionsweg noch teilweise unklar. Es gibt jedoch auch Viruserkrankungen, die von Mensch zu Mensch übertragen werden. Eine Auflistung hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Viren als Krebsauslöser" zusammengestellt.
Die allermeisten Menschen machen im Laufe ihres Lebens eine Infektion mit vielen dieser Virusformen durch, ohne jemals an Krebs zu erkranken. Nicht wenige der im Zusammenhang mit der Tumorentstehung diskutierten Viren lösen bei den meisten Infizierten nicht einmal deutlich erkennbare Krankheitssymptome aus. Dies gilt beispielsweise für die humanen Papillomviren (HPV), die mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden: Mit HPV infizierte Männer merken hiervon in der Regel nichts. Einige entwickeln lästige, aber harmlose Warzen. Ein Peniskarzinom als Spätfolge ist sehr selten, vermutlich müssen noch weitere Risikofaktoren hinzukommen. Auch bei acht von zehn mit HPV infizierten Frauen hat das Immunsystem die Viren nach spätestens einem Jahr erfolgreich bekämpft. Weniger als eine von hundert Frauen, die mit den Hochrisikotypen unter den Papillomviren infiziert sind, erkrankt Jahre später an Gebärmutterhalskrebs.
Selbst von einer Infektion mit Hepatitisviren vom B- und C-Typ, die für eine Erkrankung an entzündlicher Gelbsucht verantwortlich sein kann, erholt sich die Mehrzahl der Patienten vollständig. Bei etwa einem von zehn Hepatitis-B-Infizierten heilt die Infektion jedoch nicht vollständig aus, wodurch sich langfristig auch das Risiko für Lebertumoren erhöht. Bei der Hepatitis vom C-Typ müssen bis zu 70 Prozent der Betroffenen mit einer chronischen Infektion rechnen, Leberschäden entwickelt jeder Fünfte. Diese Spätfolge der Infektion gilt als Risikofaktor für Leberkrebs.
Die ursächliche Rolle von Helicobacter pylori bei der Entstehung chronischer Magengeschwüre und in der Folge auch von Magenkrebs ist noch nicht lange bekannt. Auch diese Infektion mit einem Bakterium ist sehr weit verbreitet, ohne dass die Betroffenen zwangsläufig Magenkrebs entwickeln. Forschungen konnten zeigen, dass noch andere Faktoren, wie vermutlich eine ungesunde Ernährung, hinzu kommen müssen, um das Krebsrisiko messbar zu erhöhen (eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums unter www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/
pressemitteilungen/2006/dkfz_pm_06_33.php).
Andere mit der Krebsentstehung in Verbindung gebrachte Krankheitserreger spielen in Deutschland kaum eine oder gar keine Rolle. Ein Beispiel ist der sogenannte Pärchenegel Schistosoma. Er findet sich in den Tropen und Subtropen in Gewässern. Die Larven des winzigen Wurms können beim Baden oder Waten in verseuchtem Wasser in den Körper eindringen. Wird die so ausgelöste Erkrankung "Bilharziose" nicht behandelt oder kommt es immer wieder zu Infektionen, erhöht dies das Risiko für Blasen- und Enddarmkrebs. Betroffen sind vor allem Menschen in Entwicklungsländern. Auch einige andere Parasiten und Krankheitserreger, die das Risiko für seltene Krebserkrankungen steigern, werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen – sind also nicht ansteckend im engeren Sinn – und kommen in Deutschland nicht oder nur sehr selten vor.
Von einem Tumor abgelöste Krebszellen werden vom Körper normalerweise nicht ausgeschieden. Mit Krebs kann man sich also beispielsweise nicht an Bettwäsche eines Patienten oder beim Reinigen einer Toilette anstecken, die ein Patient benutzt hat. Selbst sexuelle Kontakte führen nicht zu einer Übertragung, die ein Risiko für den Partner darstellen würde. Der Kontakt mit Körperflüssigkeiten und offenen Wunden bei der Pflege oder das versehentliche Stechen mit einer Injektionsnadel sind gemäß allgemeiner Aussage von Experten ebenfalls nicht gefährlich.
Für Patienten kann es sehr belastend sein, wenn gute Freunde oder gar
Familienangehörige auf Distanz gehen oder wenn sie im Bekanntenkreis
oder am Arbeitsplatz ausgegrenzt werden.
Offen ausgesprochen wird
die Angst vor dem Umgang mit Tumorpatienten selten, und der Rückzug
geschieht auch nicht absichtlich, sondern eher unbewusst. Hier den
ersten Schritt zu tun und das Problem durch ein Gespräch zu klären,
fällt Patienten dann umso schwerer. Die psychosozialen Krebsberatungsstellen helfen weiter, wenn es um
Ängste vor zu engem Kontakt und Ansteckung in der Familie oder im
Freundeskreis geht. Betroffene und ihre Angehörige finden eine Liste beim Krebsinformationsdienst. Erlebt
jemand Probleme am Arbeitsplatz, für die er Angst vor Ansteckung
verantwortlich macht, sollte der Betriebs- oder Werksarzt oder auch der
behandelnde Onkologe um Unterstützung gebeten werden.