Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Amalgam, andere Zahnfüllungen, Zahnersatz: Risikomaterial?

Nur wenige Erwachsene in Deutschland haben ein kariesfreies Gebiss. Die Möglichkeiten, Zahnschäden zu behandeln, reichen von der Amalgam-Füllung über die Verwendung von Kunststoffen bis hin zu verschiedenen Formen von Metall- und Keramikzahnersatz.
Vor allem das heute kaum noch verwendete Amalgam wurde wegen seines Quecksilbergehalts über viele Jahre als gesundheitsgefährdend diskutiert - bisher ohne eine anerkannte wissenschaftliche Bestätigung. Doch auch mögliche Risiken anderer Ersatzmaterialien und Werkstoffe in der Zahnmedizin beunruhigen Patienten.
Im folgenden Text hat der Krebsinformationsdienst einen Überblick über den momentanen Kenntnisstand zusammengestellt.

Amalgam: Krebsgefahr unwahrscheinlich

Amalgame sind Mischungen aus den Metallen Silber, Zinn, Kupfer, Zink in unterschiedlichen Anteilen und Quecksilber. Dieses letzte Metall hat die Diskussion um die Gesundheitsgefährdung durch Amalgamfüllungen ausgelöst. Das Quecksilber wird während des Aushärtungsprozesses einer Zahnfüllung zwar weitgehend eingebunden. Dennoch geben Amalgamfüllungen während und kurz nach dem Legen Quecksilber ab, in sehr geringem Umfang auch noch später, durch den Abrieb beim Kauen, bei nächtlichem Zähneknirschen oder wieder bei der Entfernung.
Die Angaben über die Menge des durch Amalgamfüllungen aufgenommenen Quecksilbers schwanken trotz vieler Studien; sie ist mit Sicherheit von Mensch zu Mensch verschieden. Eine große Rolle spielen die Kaugewohnheiten oder eine Neigung zu nächtlichem Zähneknirschen. Insgesamt liegen die meisten Angaben für die tägliche Aufnahme aus Zahnfüllungen weit unter den Quecksilbermengen, die heute durchschnittlich durch die Nahrung aufgenommen werden.

  • Einen Beleg für Krebs durch Amalgamfüllungen gibt es bis heute nicht. Auch andere gesundheitliche Beschwerden, die häufig den quecksilberhaltigen Zahnfüllungen zugeschrieben werden, sind nicht zweifelsfrei bestätigt.

Aktuelle Studien und Bewertungen

In einem groß angelegten Forschungsprojekt an 5.000 Patienten konnte beispielsweise kein Zusammenhang zwischen der Anzahl von Amalgamfüllungen und dem Auftreten von Symptome nachgewiesen werden, die die Teilnehmer mit den Metallen in Verbindung brachten (hier eine Pressemitteilung des Klinikums Rechts der Isar, Technische Universität München, www.med.tu-muenchen.de/suche.php?we_objectID=996&pid=0).
Auch was die Sanierung von vorhandenen Amalgamplomben angeht, kam dieses Forschungsprojekt zu teils überraschenden Ergebnissen, so die Autoren der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen: Ob eine Ausleitungs- oder Entgiftungstherapie vorgenommen wurde oder nicht, schien für Beschwerden der Studienteilnehmer keine Rolle zu spielen. Was die Linderung von vermeintlichen Amalgamschäden anging, war es egal, ob die Probanden die Amalgamfüllungen entfernen ließen oder an einem Entspannungs- und  Gesundheitstraining mit einer Beratung zu einem gesünderen Lebensstil teilnahmen.

Bundeszahnärztekammer

Im April 2008 haben zwei von der Europäischen Kommission beauftragte Ausschüsse ihre Stellungnahmen zu Amalgam als Füllwerkstoff vorgelegt. Danach berge das Material mit Ausnahme von möglichen allergischen Reaktionen keine Gesundheitsrisiken, so die Bundeszahnärztekammer in einer Mitteilung ("Klartext" 4/08, www.bzaek.de/service/oav10/artikel.asp?lnr=906, Stichwort "Amalgam: Positive Expertengutachten").

Krebspatient und Zahngesundheit: Amalgamplomben müssen nicht entfernt werden

Aus der Sicht von Experten besteht nach der Auswertung der jüngsten Studien kein genereller Anlass, intakte Amalgamfüllungen entfernen zu lassen.
Ausnahmen sind die seltenen Allergien auf Amalgam, Geschmacksveränderungen, die auch mit so genannten elektrochemischen Wechselwirkungen zusammenhängen können, wenn verschiedene Metalle zur Zahnsanierung benutzt wurden, sowie Flechten- und Pilzerkrankungen im Mundbereich (so genannter Lichen planus).

  • Eine Krebserkrankung ist ebenfalls kein Grund, intakte Amalgamplomben zu sanieren oder gar eine Quecksilberentgiftung mit ausleitenden Medikamenten zu machen.

Anders sieht es aus, wenn der Zustand der Zähne und des Zahnfleischs zu wünschen übrig lässt: Einige Krebstherapien können im ungünstigsten Fall Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben, zum Beispiel Bestrahlungen des Kopfes oder bestimmte Formen der Antihormontherapie. Daher empfehlen viele Krebsmediziner den Gang zum Zahnarzt vor Behandlungsbeginn, wenn die Therapieplanung es erlaubt. So können bestehende Zahnprobleme behoben werden, bevor die Krebsbehandlung beginnt. Mehr zu Mund- und Zahnpflege während der Therapie hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Verbraucherschutz: Warum gibt es überhaupt Einschränkungen für Amalgam?

BfArM

Bis heute gibt es kein zahnmedizinisches Material, dass sich bei vergleichbarer Haltbarkeit ähnlich gut und für den Patienten problemlos verarbeiten lässt wie Amalgam.
Trotzdem wurde bis Mitte der 90er Jahre nach anfänglich überwiegender Betonung des Nutzens die Anwendung eingeschränkt und die Zusammensetzung der Amalgame vorgeschrieben.

Ein wichtiger Aspekt war dabei der Schutz des zahnärztlichen Personals, das beim tagtäglichen Zubereiten des Füllungsmaterials mit größeren Mengen ungebundenen Quecksilbers in Berührung kommen konnte. Auch die Quecksilberbelastung der Umwelt – bei der Herstellung, über Abfall und Abwasser – sollte dadurch reduziert werden.
1995 veröffentlichte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Pressemitteilung, wonach der Einsatz von Amalgamen bei Schwangeren, stillenden Frauen und Kindern noch stärker eingeschränkt werden sollte. Ebenfalls begrenzt wurde die Verwendung von Amalgam im Zusammenhang mit Unterfüllungen unter Kronen.
Gemeinsam mit den zahnärztlichen Fachverbänden wurden die Empfehlungen 1997 noch einmal neu gefasst: Danach liegt die Verantwortung für die Auswahl des Materials beim Zahnarzt. Schwangere, Stillende und Kinder sollten keine Amalgamfüllungen bekommen beziehungsweise erst nach sorgfältiger Prüfung. Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist ebenfalls ein Grund für den Verzicht auf Amalgam. Auch die Entfernung bei Schwangeren sollte nach Möglichkeit unterbleiben. Eine Vorgabe zur Verwendung nur bestimmter Materialien hielt das BfArM jedoch nicht für gerechtfertigt. In einer im Jahr 2001 veröffentlichten "Risikobewertung des zahnärztlichen Füllungswerkstoffes Amalgam" des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte wurden die Empfehlungen von 1997 weitgehend wiederholt. Es wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass bei ordnungsgemäß gelegten Amalgamfüllungen kein begründeter Verdacht auf negative Auswirkungen auf die Gesundheit bestünde. Die wichtigsten Fragen beantwortet das BfArM auch in der Broschüre "Amalgame in der zahnärztlichen Therapie", die über www.bfarm.de zugänglich ist.

Ersatzmaterialien: Sind sie unbedenklich?

Bei der Zahnbehandlung und -sanierung werden sowohl Metalle wie auch Kunststoffe und Keramik eingesetzt. 1999 kamen Experten der Internationalen Krebsforschungsagentur in einer Bewertung zu dem Schluss, dass es zu den meisten verwendeten Materialien keine Daten gibt, die auf ein Krebsrisiko hindeuten.
Aufgrund fehlender Studien können aber zumindest für einige Metalllegierungen Risiken auch nicht sicher ausgeschlossen werden (in englischer Sprache unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol74/
volume74.pdf
).

Metalle

Goldlegierungen sind nach bisherigem Kenntnisstand weitgehend unbedenklich und gelten als qualitativ hochwertig und haltbar, ebenso wie das viel verwendete Titan, das zum Beispiel bei Implantatstiften eingesetzt wird.

In die Diskussion geraten waren Anfang der 90er Jahre vor allem einige der ebenfalls verwendeten Palladiumlegierungen. Aus Kostengründen waren sehr minderwertige Qualitäten aus Südostasien eingeführt worden, die nicht selten schon nach kurzer Tragedauer Korrosion aufwiesen. Das so genannte Spargold wurde anstelle einer hochwertiger Goldlegierung verwendet. Unklar war zunächst, ob diese "rostenden" Brücken und andere Prothesen auch ein Gesundheitsrisiko darstellten. Bei Zahnersatz guter Qualität aus Palladium deutet bis heute jedoch nichts auf Komplikationen hin.

Im Frühjahr 2008 weisen amerikanische Fachverbände allerdings auf Bleifunde in aus China importiertem Zahnersatz hin. Ob solche Brücken und anderer Zahnersatz auch in Deutschland zur Anwendung kommen, lässt sich derzeit nicht absehen, mehr dazu bei der Zahnärztlichen Patientenberatung unter www.agz-rnk.de/agz/content/2/aktuelles/akt_00554.php.

Kunststoffe, Keramik, Komposite

Kunststofffüllungen werden bezüglich des grundsätzlichen Gesundheitsrisikos noch am neutralsten beurteilt, auch wenn hier ebenfalls gilt, dass eine Nutzen-Risiko-Abwägung im Vergleich zu Amalgam aufgrund fehlender Studien nicht wirklich sicher getroffen werden kann. Echte Keramikeinlagen sind abriebfest und neutral, haben jedoch auch keine längere Lebensdauer als Amalgam. Im engeren Sinn handelt es sich bei den heute verwendeten Materialien um

  • Kompositkunststoffe, die aus Kunststoffen und harten Glas- oder Keramikteilchen bestehen - sie sind im Vergleich zu Amalgam zwar nicht so widerstandsfähig, erreichen aber eine gute Haltbarkeit, sie sind zudem anspruchsvoll in der Verarbeitung, weiter um
  • Glasionomerzemente - sie sind relativ spröde, halten nicht sehr lange, lassen sich aber zum Beispiel am Zahnhals gut verarbeiten und enthalten häufig Fluorverbindungen, was zusätzlich vor Karies schützt, und um
  • Kompomere, eine Mischung aus den beiden anderen Gruppen, die ihre guten Eigenschaften vereinigt, aber nicht so haltbar ist und hauptsächlich für Provisorien oder Milchzähne genutzt wird.

Lösungsmittel und Klebstoffe

Lösungsmittel oder Klebstoffe spielen bei der Verarbeitung dieser Kunststoffe und Zemente normalerweise kaum noch eine Rolle. Nur einige Spezial-Füllstoffe müssen noch mit Lösungsmitteln angesetzt oder geklebt werden oder sind vor der Aushärtung giftig; ihr Einsatz ist allerdings unter bestimmten Umständen unverzichtbar. Auch hier ist jedoch das Risiko für den Patienten extrem niedrig und besteht nur für die Sekunden der Aushärtung, bis sich alle chemischen Verbindungen geschlossen haben.

Information und Beratung

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 2003 eine Broschüre zum Thema Amalgam herausgegeben. Sie kann im Internet mit dem Programm Acrobat Reader gelesen werden oder beim BfArM bestellt werden, mehr Informationen im Internet unter www.bfarm.de/cln_029/nn_421158/DE/BfArM/Presse/
mitteil2003/pm22-2003.html__nnn=true
.

Die Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit informiert ausführlich zum Thema Amalgam: www.agz-rnk.de/agz/content/3/3_4/3_4_1/3_4_1_2/3_4_1_2_1/3_4_1_2_1_1/index.php?ftsq=.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 30.06.2008