
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deAn Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben in Deutschland mehr Menschen als an Krebs. Doch die Diagnose Krebs schockiert - sie wird immer noch mit Hoffnungslosigkeit und Unheilbarkeit in Verbindung gebracht. Die aktuellen Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache: Berücksichtigt man, dass die Menschen heute im Durchschnitt viel älter als noch vor 20 Jahren werden, so ist die altersstandardisierte Krebssterblichkeit in Deutschland rückläufig.
Wie viele Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs? Wie viele Patienten gibt es, die ihre Erkrankung überlebt haben? Der folgende Text bietet Zahlen und Daten zum Thema Krebs und nennt Internetadressen mit weiteren Informationen und Quellen.
Im Jahr 2006 erkrankten 426.800 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Das sind etwa 9.700 Patienten weniger als 2004. Diese Angaben beruhen auf Schätzungen, die die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID) und das Robert-Koch-Institut (RKI) im Februar 2010 veröffentlicht haben. Im Internet ist die Veröffentlichung unter www.gekid.de als Broschüre "Krebs in Deutschland" zugänglich.
Für das Jahr 2010 erwarten die Wissenschaftler rund 450.000 neue Krebserkrankungen. Um diese Aussage treffen zu können, wurden die Schätzungen für das Jahr 2006 auf Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung des Jahres 2010 übertragen.
Fast alle Krebsarten treten bei älteren Menschen sehr viel häufiger auf als bei Jüngeren. Statistiker vergleichen die Angaben zu Krebsneuerkrankungen von Kindern, Jugendlichen und Menschen aller Lebensalter miteinander: Auf einen unter 15-Jährigen, der eine Krebsdiagnose erhält, kommen demnach 200 bis 300 über 80-Jährige.
Ein typisches Beispiel dafür, dass viele Tumorarten bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Menschen selten oder gar nicht auftreten, ist Prostatakrebs: Vor dem 50. Lebensjahr wird diese Erkrankung kaum beobachtet. Ein 40-Jähriger hat ein sehr geringes Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten; es liegt bei 0,1 Prozent. Umgerechnet bedeutet dies: Von 1.000 Männern im Alter von 40 Jahren muss - rein statistisch - also nur einer vor seinem 50. Geburtstag mit einer Erkrankung rechnen. Mit dem Alter steigt das Risiko allerdings an: Für einen 70-Jährigen liegt das Erkrankungsrisiko für die nächsten zehn Jahre schon bei 6,3 Prozent: Von 1.000 Männern werden 63 im achten Lebensjahrzehnt voraussichtlich einen Tumor in der Vorsteherdrüse entwickeln.
Etwa jeder vierte Todesfall in Deutschland war 2006 durch Krebs bedingt: Insgesamt starben 210.930 Menschen an dieser Erkrankung. Weitere Angaben finden sich in den Broschüren "Krebs in Deutschland" und "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland" (im Internet unter www.gekid.de und www.rki.de). Zum Vergleich: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstarben im gleichen Zeitraum 358.953 Menschen.
Für die meisten Krebs-Todesfälle unter Männern ist Lungenkrebs verantwortlich. Man bezeichnet dieses Krebsart auch als Bronchialkarzinom. 2006 starben 28.898 Betroffene an Lungenkrebs. Allerdings erkranken immer weniger Männer an Lungenkrebs. Bei Frauen ist diese Krebsart derzeit noch seltener, sie steht als Todesursache unter den Krebserkrankungen auf Platz drei nach Brustkrebs und Darmkrebs. Im Gegensatz zu den Männern hat die Zahl der Neuerkrankungen hier allerdings in den vergangenen Jahren zugenommen.
Noch kann nicht jeder Krebspatient dauerhaft geheilt werden. Verbesserungen bei Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung haben jedoch dazu beigetragen, dass die altersstandardisierte Krebssterblichkeit seit Jahrzehnten zurückgeht. Von 1980 bis 2006 hat sie um mehr als 20 Prozent abgenommen.
Die Altersstandardisierung ist ein wichtiger Rechenvorgang, um die tatsächlichen Krebssterblichkeiten von anderen Ursachen zu unterscheiden und den Einfluss der wachsenden Lebenserwartung in der Bevölkerung herausrechnen zu können. Nur so lassen sich die Raten früherer Jahre mit denen von 2006 wirklich vergleichen.
Dabei werden die tatsächlichen Sterbefälle in Deutschland für die einzelnen Altersgruppen getrennt berechnet. Der Anteil der Menschen in den einzelnen Altersklassen wird dann mit einer "standardisierten" Bevölkerung mit einer bestimmten Altersstruktur verglichen. Fachleute nutzen dazu einen "Europa-Standard", der die Altersstruktur der durchschnittlichen europäischen Bevölkerung wiedergibt, es gibt auch einen "Weltstandard". Diese Gewichtung der Altersgruppen ist wichtig: Je älter Menschen heute werden, je höher also die Lebenserwartung ist, desto größer wird für den Einzelnen die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung "zu erleben". Daher steigen die absoluten Zahlen der Sterbefälle in Deutschland, obwohl in Wirklichkeit immer mehr Menschen ihre Erkrankung überleben.
Der Grund für den Unterschied zwischen altersstandardisierter und tatsächlicher Krebssterblichkeit ist, dass mehr alte als junge Menschen an Krebs erkranken. Der Anstieg der Lebenserwartung führt dazu, dass insgesamt deutlich mehr Krebsneuerkrankungen und infolgedessen auch Todesfälle verzeichnet wurden. Der aktuelle Anstieg der Zahl krebskranker Männern ist auch eine indirekte Folge des zweiten Weltkriegs: Aufgrund der hohen Zahl gefallener Soldaten gab es in Deutschland lange vergleichsweise wenig ältere Männer.
Würde man nur diese absoluten Zahlen aller Krebsfälle und Krebssterbefälle berücksichtigen, würde dies Fortschritte bei Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung verdecken.
Wie viele Menschen leben in Deutschland mit der Erkrankung Krebs? Wer braucht Behandlung, und für wie lange? Wie viele Krankenhausbetten und Rehabilitationsplätze sind notwendig? Die Antworten auf diese Fragen sind vor allem für diejenigen wichtig, die Behandlung und Pflege organisieren: Gesundheitspolitiker und Verantwortliche in Krankenversicherungen, Krankenhäuser, aber auch Ärzte und Angehörige der Pflegeberufe. Sie müssen genügend Behandlungsplätze, Fachpersonal und die nötige Ausrüstung bereitstellen und die Kosten abschätzen.
Allerdings ist es nicht ganz einfach, die sogenannte Prävalenz anzugeben. Wie lange dauert durchschnittlich eine Krebstherapie? Ab wann kann sich ein Patient als geheilt betrachten? Wie viel Unterstützung benötigen Patienten, die zwar nicht dauerhaft geheilt werden können, deren Erkrankung aber über Jahre in Schach gehalten werden kann? Statistische Angaben können einzelne Patientenschicksale mit ihren oft ganz unterschiedlichen Verläufen nicht ausreichend berücksichtigen. Wissenschaftler behelfen sich daher damit, dass sie die Prävalenz auf einen festgelegten Zeitraum beziehen und so zu einer Durchschnittsangabe kommen. Weltweit üblich ist in der Krebsforschung die Angabe eines Zeitraums von fünf Jahren, die sogenannte Fünf-Jahres-Prävalenz: Damit sind alle Menschen erfasst und als Patienten gewertet, die in innerhalb der jeweils letzten fünf Jahre an Krebs erkrankt sind.
Der Broschüre "Krebs in Deutschland" zufolge lebten im Jahr 2006 in Deutschland insgesamt fast 1,4 Millionen Krebskranke, deren Diagnose nicht länger als fünf Jahre zurück lag. Die Gesamtbevölkerung liegt in Deutschland bei etwa 82 Millionen Menschen. Das RKI geht davon aus, dass im Jahr 2010 in Deutschland 1,45 Millionen Patienten mit der Erkrankung Krebs leben werden, darunter 731.000 Männer und 721.000 Frauen.
Das Prostatakarzinom ist den aktuellen Zahlen zufolge die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Gut ein Viertel aller männlichen Krebspatienten ist davon betroffen, insgesamt lebten im Jahr 2006 238.500 Männer in Deutschland, bei denen in den vergangenen fünf Jahren diese Diagnose gestellt wurde. Bei Frauen macht das Mammakarzinom deutlich mehr als ein Viertel aller Krebsfälle aus (242.000 Betroffene). Bei beiden Geschlechtern liegt Darmkrebs auf Platz zwei (Männer: 120.00, Frauen 115.000) und Lungenkrebs auf Platz drei (Männer 43.000, Frauen 20.000).
Was lässt sich aus den Zahlen der Krebsregister über die Heilungschancen ableiten? Insgesamt lebt heute mehr als die Hälfte aller Krebspatienten noch fünf Jahre nach der Diagnosestellung. Diese Zeitspanne bedeutet bei vielen Tumorarten gleichzeitig eine gute Chance auf dauerhafte Heilung - danach sind Rückfälle nur noch wenig wahrscheinlich.
Diese Aussage gibt allerdings nur einen Durchschnitt wieder und bezieht sich auf die Gesamtstatistik. Sie kann für Männer und Frauen und für einzelne Formen von Krebserkrankungen durchaus anders ausfallen. So haben Kinder mit Leukämien und junge Männer mit Hodenkrebs heute sehr gute Aussichten auf dauerhafte Heilung. Auch die Überlebensraten für Lippenkrebs, schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) und mittlerweile auch den Prostatakreb sind deutlich angestiegen. Vielen Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs oder Speiseröhrenkrebs dagegen können die Ärzte bis heute noch keine längere Überlebenszeit oder Heilung in Aussicht stellen.
Die Sammlung von Angaben zu Krebserkrankungen macht Fortschritte. Laut Robert-Koch-Institut (www.rki.de) konnte die epidemiologische Krebsregistrierung in Deutschland in den vergangenen Jahren weiter verbessert werden. Inzwischen sind in allen Bundesländern Krebsregister aktiv, auch wenn aus Baden-Württemberg noch keine Zahlen zur Verfügung stehen und aus anderen Bundesländern noch nicht alle Bezirke erfasst werden (mehr dazu hier).
Trotzdem gibt es für einige Tumorarten noch Lücken. So werden bislang folgende Krebserkrankungen noch nicht hinreichend vollständig erfasst: Krebs des Zentralnervensystems, des Magens, des Darms, am Gebärmutterhals und der Harnblase der Frauen. Die Angaben hierzu in der Broschüre "Krebs in Deutschland" beruhen auf Daten aus nicht mehr als drei Krebsregistern. Insgesamt sind die Angaben für Deutschland im Vergleich zu den 1990er-Jahren wesentlich verlässlicher geworden. Damals wurden die gesetzlichen Voraussetzungen für eine flächendeckende Datensammlung geschaffen.
Die Zahlen, die die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland - zusammen mit dem "Zentrum für Krebsregisterdaten" im Robert-Koch-Institut regelmäßig vorlegt, sind Hochrechnungen auf Basis der verfügbaren Zahlen. Je mehr Krebspatienten von den epidemiologischen Krebsregistern in Deutschland anonymisiert erfasst werden, desto sicherer werden die Ergebnisse für die Schätzung insgesamt.
Das Risiko an Krebs zu erkranken, nimmt mit steigendem Alter zu. So zählen einige Tumorarten sogar zu "typischen" Alterskrankheiten, wie etwa das Prostatakarzinom. Bis zum 50. Lebensjahr erkrankten nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2004 pro 100.000 Menschen in Deutschland rund 14 Männer, während in der Altersgruppe der über 75jährigen Männer etwa 760 von 100.000 erstmals betroffen waren.
Bei Erhebung statistischer Daten werden keine individuellen Schicksale gewertet. Wie es einem einzelnen Krebspatienten tatsächlich geht und wie seine Erkrankung auf Dauer verläuft, dürfen die Krebsregister allein schon aus Datenschutzgründen nicht allzu detailliert erfassen. Aus diesem Grund lassen sich aus diesen allgemeinen Informationen nur bedingt Prognosen zur individuellen Situation ableiten.
Die bevölkerungsbezogenen statistischen Daten belegen jedoch den Nutzen von Krebsvorbeugung und Früherkennung: So lässt sich Darmkrebs, die Nummer zwei unter den Krebserkrankungen, heute relativ einfach in frühen Stadien erkennen und entsprechend effektiv behandeln. Vor Lungenkrebs - die häufigste Todesursache unter Männern - schützt am besten der Verzicht auf das Rauchen.
Für Krebspatienten, die etwas über ihrer persönlichen Heilungschancen wissen wollen, bieten die reinen Erkrankungsstatistiken der bevölkerungsbezogenen Krebsregister nur bedingt persönlich nutzbare Informationen.
Wie es Patienten geht, welchen Einfluss die ein oder andere Behandlung auf ihr Schicksal hat, soll zukünftig in den sogenannten klinischen Krebsregistern erfasst werden: Sie sollen, so die Hoffnung, auch Aussagen über die Qualität der Krebstherapie und den Standard der Krankenhäuser und anderer Versorgungsangebote ermöglichen.
Betroffene, die mehr über den voraussichtlichen Verlauf ihrer Erkrankung wissen möchten, finden in ihren Ärzten, die wichtigsten Ansprechpartner: Diese können anhand der individuellen Befunde am ehesten abschätzen, wie der Verlauf sich entwickeln könnte. Wie erfolgreich eine bestimmte Therapiemethode ist, was für ein Medikament oder gegen ein anderes spricht, wissen Ärzte heute aus der vorklinischen und klinischen Krebsforschung, mehr dazu hier. Als Hilfestellung für ein solches Arztgespräch können Patienten das Informationsblatt "Behandlungswahl - was muss ich wissen" nutzen.