Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Interleukine: Immunstimulierung in der Krebstherapie

Krebspatienten setzen oft große Hoffnungen auf eine Immunstärkung. Man weiß heute allerdings, dass bei Krebs das Immunsystem nicht "versagt" hat - zumindest sind die beteiligten Vorgänge weit komplizierter als allgemein angenommen. Die Hoffnungen, die noch vor zehn Jahren in eine Krebs-Immuntherapie gesetzt wurden, haben sich nicht bestätigt. Nur wenige Anwendungen waren in der Praxis erfolgreich.
Auch Zellhormone oder Zytokine, Botenstoffe des Immunsystems, sind keine Wundermittel.  Die Interleukine gehören zu dieser Gruppe. Als Medikament spielen sie in der Praxis derzeit nur bei zwei Tumorerkrankungen eine Rolle: beim fortgeschrittenen  Nierenzellkarzinom und bei fortgeschrittenen Melanom.
Der folgende Text bietet Grundlageninformationen zur biologischen Wirkung von Interleukinen. Ein Gespräch mit behandelnden Ärzten zur Frage, ob Interleukine zur Behandlung in Frage kommen, können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen.

Interleukine: Welche Stoffe gehören zu dieser Gruppe?

Die Zellen des Immunsystems, die innerhalb eines Organismus für die Abwehr von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen schädlichen Einflüssen zuständig sind, "verständigen" sich unter anderem auf chemischem Weg, über lösliche Botenstoffe. Die Zellen produzieren eine Vielzahl verschiedener solcher "Boten", die überall dort abgegeben werden, wo eine Immunreaktion abläuft, und für andere Zellen Signalfunktion haben. Diese werden so für ihre Aufgabe aktiviert.

Körpereigene Substanzen, die solche Funktionen haben, werden als Zellhormone oder auch Zytokine bezeichnet. Werden sie von Zellen des Immunsystems gebildet, nennt man sie nach ihrem Bildungsort, den Lymphozyten, auch Lymphokine, oder auch Monokine, nach der Zellart der Monozyten.

Ein solches Lymphokin ist auch das Interleukin-2 (IL-2). Man hat festgestellt, dass bestimmte weiße Blutkörperchen mit wesentlicher Funktion in der Abwehr durch diese Substanz zu Wachstum, Reifung und Teilung angeregt und überdies funktionell aktiviert werden. Es handelt sich um eine Eiweißsubstanz deren genauer Aufbau bekannt ist. Seit 1983 kann Interleukin-2 auf gentechnischem Weg hergestellt werden und steht so in ausreichender Menge für wissenschaftliche Untersuchungen und für den Einsatz in der Klinik zur Verfügung.
Es gibt weitere Interleukine als natürliche Botenstoffe der Immunreaktion. Sie spielen vor allem in der Forschung eine Rolle.

Insgesamt bezeichnet man die therapeutische Beeinflussung der Immunreaktion, also der Abwehrbereitschaft des Organismus, als Immuntherapie oder Immunmodulation. Das Ziel einer solchen Therapie ist es, den Tumor mit körpereigenen Mitteln zu bekämpfen. Die noch in den 80er und 90er Jahren gehegte Hoffnung, so Krebs wirksam in Schach halten zu können, haben sich jedoch häufig nicht erfüllt.

Klinische Anwendung: Wann kommt Interleukin-2 zum Einsatz?

Aufgrund der Wirkung von Interleukin-2, nämlich der Aktivierung von spezialisierten Abwehrzellen, die auch Tumoren angreifen, erwarteten Krebsforscher eine Wirkung von Interleukin-2 vor allem bei solchen Tumoren, die eine Immunreaktion des Körpers auslösen können. Dazu zählten in erster Linie das Nierenzellkarzinom und das maligne Melanom.

Erste Ergebnisse aus Tierversuchen waren so viel versprechend, dass die Substanz seit1984 auch in klinischen Studien beim Menschen zur Anwendung kam. Die Therapie mit Interleukin-2 wurde inzwischen bei verschiedensten Krebserkrankungen geprüft, hauptsächlich bei Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien. Die besten Ergebnisse zeigten sich tatsächlich zunächst beim Nierenzellkarzinom und beim malignen Melanom.

Einen Stellenwert hat Interleukin in der Behandlung des fortgeschrittenen, metastasierten Nierenzellkarzinoms, so die Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de, Stichwort "kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien 2008", Stichwort "Nierenzellkarzinom", die Informationen richten sich an Fachleute). Kombiniert wird das Zytokin mit Interferonen und auch Zytostatika, meist Fluoruracil, oder anderen Medikamenten.
Patienten mit schwarzem Hautkrebs, dem Melanom, können mit Interleukin-2 behandelt werden, wenn ihre Erkrankung sehr fortgeschritten ist. Zwar gibt es kein offiziell zugelassenes Medikament für diese Situation. Ärzte und Patienten können im Einzelfall jedoch entscheiden, Interleukin-2 einzusetzen; die Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen ist nach einer Entscheidung vom Dezember 2009 möglich (Gemeinsamer Bundesausschuss, www.g-ba.de/informationen/beschluesse/1050/).
Interleukin wird meist unter die Haut gespritzt (subcutan, s.c.). Die Infusion oder Injektion in eine Vene führt zu ausgeprägteren Nebenwirkungen.
Die Anwendung bei anderen Tumorerkrankungen ist Gegenstand der Forschung. Allerdings gibt es bereits eine ganze Reihe von Studien, bei denen gezeigt werden konnte, dass Interleukin bei anderen Tumorarten als Melanom und Nierenzellkarzinom Patienten keine Vorteile bietet.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Die Therapie mit Interleukin-2 ist für Patienten insbesondere bei hoher Dosierung mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Die Behandlung erfolgt daher meist im Krankenhaus und nicht ambulant.

Möglich sind: Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Hautrötung, Herzschlagbeschleunigung und Flüssigkeitseinlagerung mit Gewichtszunahme infolge einer Schädigung der Blutgefäßwände. Auch Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die Immunabwehr gegen körpereigene Gewebe richtet, können verstärkt werden. Diese Nebenwirkungen bilden sich allerdings nach der Behandlung wieder zurück. Mit Ausnahme einiger Fälle von Schilddrüsenunterfunktion wurden bisher noch keine anhaltenden Schäden beobachtet. Röntgenkontrastmittel können unter Interleukin-2 Behandlung schwere allergische Reaktionen auslösen.

 Die Wirksamkeit der Therapie wird dadurch wahrscheinlich nicht beeinträchtigt.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 11.03.2010