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Im Jahr 1957 berichteten Wissenschaftler von der Entdeckung einer körpereigenen Substanz, die in von Viren befallenen Zellen freigesetzt wurde. Sie konnte gesundes Gewebe vor der Ausbreitung der Infektion schützen und erhielt den Namen Interferon (IFN). Forscher identifizierten bald mehrere Subgruppen von Interferonen.
Die Rolle, die diese Stoffe im Immunsystem spielen, machte sie schnell interessant auch für die Krebsforschung: Experten erhofften sich eine biologische Therapie, die Tumoren mit den Möglichkeiten der körpereigenen Abwehr bekämpfte. Vor allem das Interferon alpha wird heute tatsächlich in der Krebstherapie eingesetzt. Die zunächst gehegten großen Hoffnungen auf ein universell einsetzbares Krebsmittel haben sich jedoch nicht bestätigt.
Interferone sind Zellhormone oder so genannte Zytokine. Heute weiß man, dass die Interferone nicht nur von virusinfizierten Zellen als eine Art "Hilferuf" an das Immunsystem freigesetzt werden. Die verschiedenen Interferone spielen auch bei vielen anderen Abwehrmechanismen als Signalstoffe eine Rolle. Sie aktivieren Zellen des Immunsystems (hier mehr zum Immunsystem und seinen Zellen), und sie sorgen dafür, dass kranke Zellen "markiert" werden.
Die Interferone werden nach ihrer unterschiedlichen Struktur in Gruppen unterteilt, die Alpha-, Beta- und Gamma-Interferone, abgekürzt IFN-α, IFN-β und IFN-γ. Weitere Interferone sind bekannt, zum Beispiel bei Tieren, spielen in der Medizin aber keine Rolle. Interferon-alpha wird von Leukozyten produziert, IFN-gamma von T-Zellen des Immunsystems. Das zuerst entdeckte IFN-beta entsteht in Bindegewebszellen, den Fibroblasten.
Die heute als Arzneimittel verfügbaren Interferone werden überwiegend gentechnisch produziert und weisen geringfügige strukturelle Unterschiede zu den natürlichen Zytokinen auf. Ein Interferon-beta-Produkt wird aus menschlichen Fibroblasten-Zellkulturen gewonnen (Human-Interferon). Die Interferone müssen unter die Haut oder in eine Vene injiziert werden, höhere Dosen werden als Infusion gegeben. Für Patienten, die eine längere Therapie brauchen, stehen Fertigspritzen für zu Hause zur Verfügung.
Fertigarzneimittel mit gentechnisch hergestelltem Interferon-alpha sind heute zugelassen
Interferon-beta, gentechnisch hergestellt oder aus menschlichen Bindegewebszellkulturen gewonnen, wird in manchen Situationen bei Tumoren der Nasenhöhlen (Nasopharynx) eingesetzt.
In jüngerer Zeit setzen viele Ärzte bei Patienten mit Weichteilsarkomen Interferon-gamma ein, vor allem in Kombination mit einer Chemotherapie. Offiziell zugelassen ist dieses Interferon für die Krebstherapie allerdings nicht.
Obwohl es sich um körpereigene Substanzen handelt, können Interferone beträchtliche Nebenwirkungen haben.
Viele Patienten weisen Symptome auf, die denen eines grippalen Infekts ähneln, zum Beispiel Fieber, Appetitlosigkeit oder Übelkeit, Abgeschlagenheit und Kopf- oder Gelenkschmerzen. Diese Nebenwirkungen führen bei einer längeren Interferontherapie unter Umständen auch zu Gewichtsverlust. Veränderungen der Haut, wie zum Beispiel Hauttrockenheit oder Anfälligkeiten für Herpes-Infektionen werden ebenfalls beobachtet, wenn auch seltener. Interferone beeinflussen das Blutbild, was sich bei manchen Patienten deutlich, bei anderen weniger stark an der sinkenden Zahl weißer Blutkörperchen und Blutplättchen zeigt. Manche Patienten berichten von ausgeprägten Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen.
Die Nebenwirkungen der Interferone sind zwar reversibel, das heißt, nach dem Absetzen verschwinden sie innerhalb kurzer Zeit vollständig. Auch beobachten viele Patienten eine gewisse Gewöhnung. Für Patienten, bei denen eine langfristige Interferon-Therapie geplant ist, können die unerwünschten Effekte jedoch sehr belastend sein und unter Umständen sogar zum Abbruch der Therapie führen.
In den letzten Jahren gab es daher verschiedene Versuche, die arzneiliche Zubereitungsform der Interferone zu verbessern. Einer dieser Ansätze setzte beispielsweise darauf, die Zytokine zum Inhalieren statt zur Injektion verwendbar zu machen. Bisher hat sich diese Methode jedoch nicht bewährt.
Ein weiterer Ansatz "verpackt" das Interferon mit einem anderen Molekül. Das so "pegylierte" Interferon ist stabiler. Es muss zum einen seltener injiziert werden, zum anderen scheinen auch die Nebenwirkungen geringer zu sein. Für die Krebstherapie ist diese Interferon-Anwendung in Deutschland noch nicht zugelassen; sie wird aber im Rahmen von Studien geprüft.
Insgesamt steht der Einsatz von Interferonen in der Krebstherapie immer wieder auf dem Prüfstand: Wie alle anderen Verfahren der Tumorbehandlung müssen sich die Interferone im Vergleich auch zu neuen Therapieansätzen und zu neu entwickelten Medikamenten bewähren.