
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Der Einfluss psychosozialer Faktoren auf Schmerzen wird oft vernachlässigt. Während in anderen Kulturen und auch hier vor gar nicht so langer Zeit rituelle Gesänge, Gebete, Tänze und sogar Zaubereien Mittelpunkt von Schmerztherapien waren, stehen der modernen medikamentösen Schmerztherapie heute wirksame psychologische Verfahren und Methoden zur Behandlung von Schmerzen zur Verfügung.
Sicherlich bedürfen Krebspatienten mit chronischen Schmerzen einer guten medikamentösen Basistherapie. Schmerzempfindung ist jedoch nicht nur auf eine rein körperliche Sinneswahrnehmung beschränkt, sondern auch auf Gefühle und Gedanken. Ebenso haben Überzeugungen und Verhaltensweisen einen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Ein multidisziplinärer Ansatz für die Behandlung von chronischen Schmerzen wird deshalb auch durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Cancer Control Programm gefordert. Die schmerzpsychotherapeutischen Behandlungen sind dabei ein Bereich, durch den die medikamentöse Therapie auch bei Krebspatienten unterstützt werden kann. Ziel ist, sowohl die Schmerzempfindung als auch die mit Schmerzen verbundenen Einschränkungen im Verhalten und Erleben zu verringern. Den meisten Menschen ist zwar bekannt, dass bestimmte Entspannungsverfahren eine Schmerztherapie positiv unterstützen können, aber eine konkrete Vorstellung, welche Verfahren sich für eine schmerztherapeutische Behandlung eignen, fehlt meist. Die folgenden Informationen sollen einen Einblick geben, wann welche Methoden und Verfahren geeignet sind.
Die Diagnose Krebs ist für jeden Menschen mit unterschiedlichen Gedanken und Gefühlen verbunden. Gemeinsam ist jedoch, dass die Mitteilung der Diagnose Ängste auslöst.
So befürchten Betroffene oft, dass sich das Leben durch die Erkrankung verändert. Welchen Umfang diese Veränderungen haben werden und mit welchen Folgen sie verbunden sind, ist nicht immer sofort erkennbar.
Viele Krebspatienten äußern vor allem die Angst vor Schmerzen. Es ist eher selten, dass eine Krebserkrankung durch das Auftreten von Schmerzen entdeckt wird. Da die Krankheit bei diesen Patienten erst durch Schmerzen offensichtlich wurde, kann es sein, dass Schmerzen erst einmal verdrängt werden. In diesen Situationen ist es für die Betroffenen oft schwieriger zu erkennen, dass Schmerzen gut behandelbar sind und nicht ausgehalten werden müssen, auch wenn die Erkrankung in einem fortgeschritteneren Stadium festgestellt wurde.
Viele Menschen glauben auch heute noch, dass man bei einer Krebserkrankung unter stärksten Schmerzen stirbt. Dabei gibt es viele Tumorpatienten, die wenig oder gar keine Schmerzen haben. Auch lassen sich über 90 Prozent der Schmerzen durch eine entsprechende Behandlung lindern oder gar beseitigen. Wichtig ist es deshalb, sich über die Erkrankung, deren Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen zu informieren. Das Thema Schmerz sollte dabei nicht ausgespart werden, um viele unbegründete Ängste zu vermeiden. Denn unzureichend behandelte Schmerzen können selbst den stabilsten Menschen belasten und weitere Lebensbereiche stark beeinträchtigen.
Viele Faktoren können die Schmerzschwelle herabsetzen und so Schmerzen verstärken. Auslöser sind zum Beispiel Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Wut, Trauer, Depression, Verlust der Arbeit oder des Berufes, Einsamkeit, finanzielle Probleme oder das Gefühl anderen zur Last zu fallen in Frage. Diese Probleme können zu Verspannungen führen und so Schmerzen verstärken oder sogar neue hervorrufen. Nehmen Schmerzen zu, erhöht sich wiederum die Angst vor einem möglichen Fortschreiten der Krankheit und der Kreislauf schließt sich. Patienten können diesen Kreislauf aber durchaus beeinflussen. Eine gezielte medizinische und psychologische Diagnostik hilft dabei, Ursachen aufzuklären und eine effektive Behandlung anzuschließen.
Patienten, die aufgrund einer gutartigen Erkrankung chronische Schmerzen, wie beispielsweise Rückenschmerzen, haben, können mit unterschiedlichen schmerzpsychotherapeutischen Methoden behandelt werden. Seit einiger Zeit werden verschiedene Verfahren auch in der Schmerztherapie bei Tumorpatienten eingesetzt. Welche Methoden für den Betroffenen in Frage kommen, hängt dabei von der aktuellen Situation und der Vorgeschichte des Betroffenen ab.
Beispielsweise kann eine Erkrankung zu verstärkten Spannungen innerhalb der Familie führen, wodurch Schmerzen zunehmen können. Professionelle Unterstützung kann dabei helfen, offene und unterstützende Gespräche innerhalb der Familie wieder zu ermöglichen.
Schmerzen können aber auch weiter bestehen, wenn eine Krebserkrankung erfolgreich behandelt wurde. Die Zeit, bis eine ausgedehnte Operation oder der Verlust von Körperorganen verarbeitet ist, kann bei jedem Patienten von unterschiedlicher Dauer sein. So leiden manche Betroffene nach einer Krebstherapie unter "seelischen Schmerzen", die zu zusätzlichen, körperlichen Schmerzen führen können.
Eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung kann auch solchen Patienten helfen, die nie oder nur unzureichend gelernt haben, über Gefühle zu sprechen. Oft fällt es diesen auch schwer, Warnzeichen des Körpers wahrzunehmen. Ein bessere Wahrnehmung des eigenen Körpers und das Äußern von Gefühlen, vor allem auch von Schmerzen, können eine Schmerztherapie erheblich unterstützen.
Schmerzpsychotherapeutische Verfahren haben bei Krebspatienten ein anderes Ziel als bei vielen anderen Erkrankungen. So sollen psychologische Schmerztherapien bei chronischen Schmerzpatienten, die nicht an Krebs erkrankt sind, häufig dazu beitragen, dass Berichte über Schmerzen, die keine neuen Informationen beinhalten, mehr und mehr in den Hintergrund treten. Krebspatienten sollten dagegen ermutigt werden, ihre Schmerzen mitzuteilen. Für sie ist es besonders wichtig, zu lernen, Schmerzen zu dokumentieren und einzuordnen, damit die Therapie entsprechend angepasst werden kann.
Auch bei der Einnahme von Schmerzmedikamenten werden mit psychologischer Hilfe verschiedene Ziele verfolgt. Durch psychologische Unterstützung sollen Patienten mit "gutartigen" Schmerzsyndromen lernen, nach und nach ihre Medikamente zu reduzieren, um nicht in eine Abhängigkeit zu geraten. Krebspatienten sollen dagegen bestärkt werden, ihre Schmerzmedikamente regelmäßig einzunehmen und sich an den Arzt zu wenden, wenn sich die Schmerzen nicht bessern oder gar zunehmen. Dabei ist es auch wichtig, sie darüber zu informieren, dass eine Opiattherapie nicht zur Sucht führt, wenn die Medikamentendosis den Schmerzen entsprechend langsam gesteigert wird.