
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDie meisten Menschen haben eine Vorstellung davon, wer sie sind, was sie können und was sie sich von der Zukunft erwarten. Eine schwere Erkrankung kann all das infrage stellen: Sie wird als grundlegende Bedrohung empfunden. Mit jeder Veränderung des Gesundheitszustands, aber auch mit jeder Etappe der medizinischen Behandlung ergeben sich Situationen, die so noch nie durchlebt wurden. Krebspatienten müssen sich neu orientieren, sie müssen Möglichkeiten finden, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen. Dieser Vorgang wird unter dem Begriff Krankheitsverarbeitung zusammengefasst. Fachleute sprechen auch von "Coping". Was hilft Betroffenen, mit ihrer Erkrankung umzugehen? Müssen Patienten und ihre Angehörigen "einfach nur positiv denken"? Oder hilft es vielleicht, gelegentlich den Kopf in den Sand zu stecken?
Der Krebsinformationsdienst hat in diesem Text Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte zusammengestellt. Die zugrunde liegenden Quellen sind angegeben und, wenn möglich, direkt verlinkt. Der Text ist Teil umfassender Informationen zur Krankheitsverarbeitung. Hinweise aus dem Internet können das Gespräch mit psychoonkologischen Fachleuten und Ärzten allerdings nicht ersetzen.
Eine schwere und oft lebensbedrohliche Krankheit wie Krebs hat Einfluss auf verschiedene Lebensbereiche. Für Patienten wie Außenstehende offensichtlich sind die Veränderungen des Körpers. Zumindest zeitweise "funktioniert" er nicht mehr wie gewohnt, manchmal hinterlassen Tumor und Behandlung äußerlich sichtbare Spuren. Betroffene erleben zudem Gefühle, die sie zuvor nicht oder nicht in diesem Ausmaß kannten: Befragungen zufolge wird eine Krebserkrankung auch bei guter Prognose erst einmal als Lebensbedrohung wahrgenommen. Sprechen Mediziner von "Prognose", meinen sie damit den wahrscheinlichen Verlauf einer Krankheit. Nicht zuletzt verändert sich das Verhältnis zu den Mitmenschen - in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis.
Die Anpassung an diese Situation nennen Fachleute "Coping". Ziel ist es, bestehende oder erwartete Belastungen zu verringern, auszugleichen, zu verarbeiten oder auch zu ertragen, kurz: eine angemessene Reaktion zu zeigen. Die Krankheitsverarbeitung ist kein einmaliger Kraftakt. Sie steht für alle Anstrengungen, die Patienten im gesamten Krankheitsverlauf unternehmen, um ihre Situation zu meistern. Dabei unterscheiden sich sowohl die Anforderungen als auch die Möglichkeiten, damit umzugehen, von Patient zu Patient.
Ziel der Auseinandersetzung mit der Krankheit ist es, eine neue emotionale Stabilität zu erreichen.
Fachleute gehen davon aus, dass Vorgänge auf verschiedenen Ebenen zur Krankheitsverarbeitung beitragen. Sie lassen sich grob in die Bereiche Handeln, Denken und Fühlen unterteilen. Was ist damit gemeint?
So unterschiedlich die Belastungen für Betroffene sind, so unterschiedlich ist auch ihr Umgang damit. Ein für alle Patienten geeignetes Coping gibt es nicht. Auch für ein und denselben Menschen kann es in unterschiedlichen Phasen der Tumorerkrankung mehr als eine Möglichkeit geben, mit allen Veränderungen und Anforderungen umzugehen. Ärzte oder Pflegefachkräfte, Angehörige oder Freunde können die Krankheitsbewältigung nicht "von außen" einfordern.
Unter bestimmten Umständen kann Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung sinnvoll sein. Wie eine Unterstützung aussehen kann, hat der Krebsinformationsdienst in eigenen Texten zusammengestellt.
Hinter der veränderten Sichtweise auf manche früher empfohlene Strategie steht auch die Erkenntnis: Die Auseinandersetzung mit Lebenskrisen ist für jeden Menschen etwas Einzigartiges. Dies gilt ebenso für eine Krebserkrankung. So individuell unterschiedlich wie die jeweilige Erkrankungssituation sind auch die persönlichen Möglichkeiten der Bewältigung. Schon aus diesem Grund kann eine allgemeingültige Empfehlung nie allen Betroffenen gerecht werden oder für alle Lebensumstände passend sein.
"Du musst nur positiv denken". Krebspatienten hören Ratschläge wie diesen häufiger. Das ist meist gut gemeint und kommt doch oft ungebeten. Der Hinweis von Verwandten, Freunden oder Kollegen, man solle sich vom Tumor nicht unterkriegen lassen, ist dabei nicht selten Ausdruck ihrer eigenen Angst vor der Krankheit. Auch Medien berichten mit Vorliebe von Menschen, die trotz Krebs aktiv sind oder den Krebs "besiegt" haben. Für Betroffene, die einen anderen Weg gefunden haben, mit ihrer Krankheit umzugehen, kann das zusätzlichen Druck aufbauen. Indirekt wird ihnen so eine Mitverantwortung an der Entwicklung ihrer Krankheit unterstellt - eine Krankheitsverschlechterung wäre dann die Strafe für zu wenig positives Denken.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben bisher keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass eine ganz bestimmte Art des Umgangs mit der Krankheit besonders günstig ist oder womöglich das Leben verlängern kann. Die von Fachleuten als "fighting spirit" bezeichnete kämpferische Grundhaltung hat, soweit man heute weiß, keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Patienten. Auf welchem Weg Stimmungen oder Gefühle sich auf körperliche Vorgänge auswirken, ist insgesamt wenig bekannt: Die zugrunde liegenden biologischen Prozesse sind noch kaum verstanden. Es gibt keinen überzeugenden Nachweis, dass positives Denken eine Behandlung effektiver machen oder Rückfälle verhindern kann. Eine aktive Haltung erzeugt allerdings, unabhängig von möglichen Einflüssen auf die Krebserkrankung, zumindest das Gefühl, selbst etwas zum eigenen Wohlbefinden beizutragen und nicht völlig ausgeliefert zu sein.
Die Ergebnisse neuerer Untersuchungen lassen die Schlussfolgerung zu: Patienten, die auf die Erfordernisse einer Situation flexibel reagieren können, gelingt die Auseinandersetzung mit der Krankheit besser. Was das im Einzelfall bedeutet, ist unterschiedlich. Manchmal sind eher handlungsorientierte Ansätze sinnvoll: Dazu gehört etwa, sich über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, eigene Interessen gegenüber Arzt, Arbeitgeber oder anderen zu vertreten, sich Ablenkung zu suchen, oder sich im Gespräch anzuvertrauen und Hilfsangebote von anderen anzunehmen.
In anderen Situationen kann es Betroffenen helfen, sich mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen, die Hoffnung auf realistische Ziele zu richten, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und zu lernen, mit bestehenden Einschränkungen zu leben. Auch Verleugnung, also das Nicht-Wahrhaben-Wollen der Realität, kann in bestimmten Phasen, eine sinnvolle Reaktion darstellen, wenn Angst oder Belastung sonst unerträglich wären.
Fachleute empfehlen deshalb keine bestimmte Form der Krankheitsverarbeitung. Stattdessen ermutigen sie Patienten, sich ihren eigenen Weg im Umgang mit der Krankheit zu suchen. Dies wird der Einzigartigkeit jedes Menschen eher gerecht. Entsprechende Ratschläge könnten etwa folgendermaßen lauten:
Ihr soziales Umfeld kann Krebspatienten Unterstützung und Halt bieten. Unter der Belastung der Erkrankung können aber auch zusätzliche Probleme entstehen. Es kann eine schmerzhafte Einsicht sein, wenn sich Freunde plötzlich anders verhalten als vor der Erkrankung. In Beziehungen kann eine Krebserkrankung die bestehenden Rollen der Partner infrage stellen. Mehr zum Thema hat der Krebsinformationsdienst im Text "Angehörige und Freunde: Helfen und helfen lassen" zusammengestellt.
Psychosoziale Krebsberatungsstellen gibt es in vielen Städten und Gemeinden. Sie können eine erste Anlaufstelle bei Fragen zur Krankheitsbewältigung sein.
Eine Liste niedergelassener Psychoonkologen mit besonderer Weiterbildung bietet der Krebsinformationsdienst ebenfalls an.
Hintergründe zum Fachgebiet der Psychoonkologie hat der Krebsinformation in einem eigenen Text zusammengestellt ("Psychoonkologie als Fachgebiet: Psychosoziale Auswirkungen von Krebs").