
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deKrebs macht Angst. Das ist grundsätzlich normal. Auch wenn Krebs heute oft gut behandelbar ist, so ist es doch eine gefährliche Krankheit. Wird die Angst so stark, dass sie selbst zu einer großen Belastung wird, kann Unterstützung von Außen helfen.
Patienten, Angehörige und Interessierte finden in diesem Text Antworten auf häufige Fragen: Was ist Angst? Wovor haben Krebspatienten Angst? Wann ist professionelle Unterstützung sinnvoll? Welche Hilfsangebote gibt es? Eine Auswahl genutzter Quellen ist am Ende dieser Seite aufgeführt. Der Text ist Teil umfassender Informationen zur Krankheitsverarbeitung bei Krebs.
Krebs: Was Patienten Angst macht
Öffentliche Wahrnehmung: Weshalb löst Krebs so starke Ängste aus?
Unterstützung: Was kann man gegen Angst tun?
Professionelle Hilfe: Wann ist sie sinnvoll?
Sonderfall: Die Angst gesunder Menschen vor Krebs
Jeder Mensch hat manchmal Angst. Angst ist eine normale Reaktion auf Gefahren. Zwar schätzen nicht alle Menschen dieselben Dinge als bedrohlich ein. Eine Krebserkrankung löst aber bei vielen Betroffenen Sorgen aus. Fachleute berichten, dass Patienten zum Beispiel bei der Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs an das eigene Sterben denken. Weitere unangenehme Vorahnungen betreffen Schmerzen und Nebenwirkungen infolge von Krankheit und Behandlung. In Gesprächen äußern Betroffene, dass sie Angst vor Auswirkungen ihrer Erkrankung auf Familie und Freundeskreis haben. Unsicherheit über die berufliche Zukunft kann ebenfalls belasten. Wovor Menschen Angst haben, hängt unter anderem von persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen ab.
Viele Krebspatienten haben Angst davor, dass sich ihre Krankheit ausbreitet oder nach der Behandlung zurückkommt. Fachleute sprechen von "Progredienzangst" oder "Rezidivangst". Zwar gibt es noch nicht viele wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema. Fachleute gehen aber davon aus, dass einer von drei Betroffenen durch diese "Angst vor der Zukunft" stark oder sehr stark belastet ist. Bei diesen Angaben handelt es sich um Durchschnittswerte. Insgesamt kennt eine deutlich höhere Zahl von Patienten die Furcht vor einem Rezidiv, so die wissenschaftliche Fachliteratur.
Mithilfe von Fragebögen lässt sich das Ausmaß der Progredienzangst ermitteln. Dabei geben Patienten zum Beispiel an, wie nervös sie vor Kontrolluntersuchungen sind, ob sie Angst vor unangenehmen Behandlungsmaßnahmen haben oder ob sie sich große Sorgen darum machen, was mit ihrer Familie wird, wenn ihnen etwas passieren sollte.
Diese "Angst vor der Zukunft" kann dazu beitragen, dass Patienten sich besonders gut um sich kümmern und auf sich achten. Professionelle Unterstützung wird jedoch sinnvoll, wenn die Angst sehr stark ausgeprägt ist und die Lebensqualität über längere Zeit eingeschränkt bleibt. Diese Unterstützung kann zum Beispiel aus einer Psychotherapie bestehen.
Das, was man mit dem kurzen Wort "Angst" bezeichnet, ist wissenschaftlich betrachtet ein vielschichtiger Vorgang. Diese Emotion umfasst
Emotionen wie Angst sind in der Regel kurz und intensiv. Fachleute unterscheiden Emotionen von Stimmungen, die länger anhalten, aber weniger ausgeprägt sind. Dauerhafte starke Angst kann ein Anzeichen dafür sein, dass professionelle Hilfe nötig ist.
In Deutschland sterben mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an Krebs. Trotzdem haben Umfragen zufolge mehr Menschen Angst vor Krebs als vor einem Herzinfarkt.
Hier spielt die Angst vor dem Unbekannten eine große Rolle: Möglicherweise ist nicht immer allen Beteiligten - Patienten, Angehörigen und Freunden - klar, was genau die Diagnose "Krebs" im Einzelfall bedeutet. Es kommt leicht zu Verallgemeinerungen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen: Denn Krebs ist nicht gleich Krebs. Tumorarten unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander, zum Beispiel hinsichtlich Prognose, Behandlung oder häufigen Komplikationen.
Einen Einfluss auf die eigene Einschätzung können auch Erfahrungen haben, die man in der Vergangenheit mit Krebserkrankungen in der Familie, im Freundeskreis oder im weiteren Umfeld gemacht hat. Die Erinnerung ist dabei oft trügerisch: Ungünstige Krankheitsverläufe bleiben besonders stark haften. Sie prägen die eigenen Erwartungen, wenn die Diagnose einen selbst, Familienmitglieder oder enge Freunde trifft.
Allgemein gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen, die unter ihrer Angst leiden. Alles, was dem Gefühl von Unsicherheit entgegenwirkt oder die Bedeutung der ängstigenden Situation verringert, kann Angst reduzieren oder erträglicher machen. Allerdings ist der Nutzen entsprechender Ansätze nicht immer durch hochwertige wissenschaftliche Studien belegt. Sinnvoll können folgende Strategien sein:
Manchmal nimmt die Angst überhand. Bei einigen Patienten kreisen beispielsweise die Gedanken fast unablässig um Dinge, die ihnen Sorgen machen, etwa um ihre Laborwerte, auch wenn gerade gar keine Untersuchung ansteht. Manchmal fürchten sich Betroffene auch vor konkreten Situationen. Sie entwickeln regelrechte Phobien vor Spritzen, Blut oder Krankenhäusern. Das ist nicht nur schwer zu ertragen. Es kann auch den Behandlungserfolg gefährden, wenn Patienten eine Therapie nur deshalb nicht weiter fortführen oder nicht wie vereinbart umsetzen, um eine unangenehme Situation zu vermeiden.
Welches Ausmaß von Angst noch angemessen ist, ist selbst für Fachleute nur schwer festzulegen. Die Kriterien für sogenannte Angsterkrankungen wie Phobien, Panikstörungen oder generalisierte Anpassungsstörung lassen sich auf Krebspatienten oft nicht anwenden (mehr zu den Definitionen in einem eigenen Text). Bei Krebspatienten ist ein Teil der Ängste durchaus real und berechtigt. Außerdem können manche sonst für Angst typische Symptome - etwa Unruhe, leichte Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen - durch die Tumorerkrankung und ihre Behandlung hervorgerufen werden und müssen nicht durch Angst an sich ausgelöst sein.
Wenn Patienten von ihrer Angst wie gelähmt sind und Probleme haben, ihren Alltag zu bewältigen, müssen sie dies aber nicht als unabänderlich hinnehmen. Fachleute können helfen, mehr dazu im Text "Psychische Hilfen". Dabei geht es nicht immer um Psychotherapie. Beratungsgespräche dienen oft als eine leicht zugängliche "erste Hilfe". Betroffene erhalten hier Informationen zur Krankheit, Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen oder auch Kontakt zu weiteren Fachleuten.
Hilfe von Psychologen oder Psychiatern sollten Betroffene spätestens dann einholen, wenn sie die Anforderungen ihres Alltags aufgrund der seelischen Belastung über mehrere Wochen hinweg nicht mehr bewältigen können. Dann kann eine Psychotherapie, die über reine "Beratung" hinausgeht, angezeigt sein. Unter welchen Bedingungen eine Psychotherapie von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen wird, hat der Krebsinformationsdienst im Text "Psychische Unterstützung" zusammengestellt.
Fast alle Menschen haben mehr oder weniger ausgeprägt Angst vor Krankheiten, das ist normal. Bei einigen jedoch ist diese so stark ausgeprägt, dass sie ihren Alltag über Monate beeinträchtigt und ihr Denken insgesamt stark beeinflusst. Betroffene können sich von ihren Ängsten kaum lösen, jedes mögliche Risiko, von dem sie hören, und jede körperliche Veränderung verstärkt ihre Beschäftigung mit dem Thema. Arztbesuche, Lesen von Informationen oder das Gespräch mit anderen können ihnen nur kurzfristig Erleichterung verschaffen. Je nachdem, ob Betroffene Angst haben, in der Zukunft Krebs zu bekommen oder bereits an Krebs erkrankt zu sein, spricht man von einer "Krebsphobie" oder von einer "hypochondrischen Störung". Wie andere Angsterkrankungen lassen sich diese durch Psychologen und entsprechend ausgebildete Fachärzte behandeln.