Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de


Angehörige und Freunde: Helfen und helfen lassen

Krebs betrifft nur selten einen einzelnen Menschen. Meist ändert sich das Leben von Familienangehörigen und Freunden ebenso einschneidend wie das des Patienten selbst. Ihre Unterstützung und Hilfe sind gefragt. Auch sie müssen mit Belastungen fertig werden und brauchen gelegentlich selbst Hilfe. Besonders schwer zu verkraften kann die Situation für Kinder und Jugendliche sein, deren Eltern oder andere nahe Verwandte erkrankt sind.

Der Krebsinformationsdienst zeigt auf, wie man mit einer Erkrankung in der Familie oder im Freundeskreis umgehen kann, nennt Ansprechpartner und weist auf Informationsmaterial hin.

Unterstützen: Was kann man für Patienten tun?

Kein Patentrezept
Die richtigen Worte bei der Krebserkrankungen eines Freundes oder Angehörigen zu finden, ist nicht immer einfach.

Die Nachricht von der Erkrankung eines Familienmitglieds oder eines Freundes löst bei Gesunden oft ein Gefühlschaos aus: Dazu gehört Angst vor dem, was kommen könnte, mehr oder weniger unbewusst auch eine gewisse Wut darüber, dass plötzlich alles anders ist, vielleicht sogar Schuldgefühle, selbst nicht betroffen zu sein – all das kann auftreten.
Hinzu kommt nicht selten ein Gefühl von Hilflosigkeit: Man möchte nicht untätig bleiben, kämpft als Angehöriger oder Freund aber mit den eigenen Empfindungen und will den Patienten nicht auch noch damit belasten. Zur Verunsicherung trägt bei, dass jeder Mensch anders auf die Diagnose Krebs reagiert. Was von dem Patienten als sinnvolle Unterstützung erlebt wird, kann je nach Krankheitssituation und persönlicher Eigenart durchaus etwas ganz anderes sein als das, was sich Freunde oder Verwandte für sich selbst vorgestellt hätten.

Die richtigen Worte in dieser Situation zu finden, richtig zu handeln und sinnvoll zu helfen, fällt entsprechend schwer. Ein Patentrezept gibt es nicht. Angehörige und Freunde müssen im Einzelfall immer wieder neu herausfinden, was gerade angesagt ist und als Unterstützung erlebt wird.

Fördernde Verhaltensweisen

Es gibt jedoch einige Verhaltensweisen gegenüber Betroffenen, die fast immer förderlich für die Krankheitsverarbeitung sind. Sie tragen dazu bei, dass die Krankheit nicht zum trennenden Hindernis in der Familie oder Freundschaft wird:

  • Trauen Sie sich, Ihre Anteilnahme zu zeigen, bieten Sie Zuwendung an: Ziehen Sie sich nicht aus der Furcht heraus zurück, Sie könnten etwas falsch machen.
  • Vermitteln Sie dem Patienten das Gefühl, dass er weiterhin als ein wichtiges Mitglied Ihrer Familie oder Ihres Freundeskreises geschätzt wird: Schließen Sie Betroffene nicht von Ihren Überlegungen oder Entscheidungen aus, um sie – vermeintlich – zu schonen, sondern beziehen Sie sie wie gewohnt mit ein.
  • Respektieren und erhalten Sie die Selbstbestimmtheit von Patienten, soweit irgend möglich: Übernehmen Sie nicht überfürsorglich Aufgaben, die der Kranke selbst erledigen könnte und möchte. Handeln Sie nicht über seinen Kopf hinweg.

Krisen bewältigen

Der Umgang mit belastenden Situationen wird stark davon geprägt, wie Familienmitglieder und Freunde bisher miteinander umgegangen sind. Wo möglich, kann daher auf die Erfahrungen aus der früheren gemeinsamen Bewältigung von Krisen zurück gegriffen werden. Zuneigung und Zuwendung, Anteilnahme und Respekt lassen sich individuell und durchaus unterschiedlich zum Ausdruck bringen: in Gesprächen, aber auch mit kleinen Gesten und durch Aktivitäten. Offene Gespräche bieten allerdings die besondere Chance, Belastendes wie auch Schönes miteinander zu teilen und dadurch eine stützende Nähe herzustellen.

Kräfte bewahren: Wie geht man mit der Belastung als Angehöriger oder Freund um?

Die Krebserkrankung eines Partners, eines Angehörigen oder engen Freundes hat immer auch Auswirkungen auf die ganze Familie oder die Beziehung in einer Freundschaft. Vor allem in Partnerschaften müssen häufig Aufgaben neu verteilt werden, die bisher immer der Patient erledigte, und dies oft unter großem Zeitdruck. Die gemeinsame Zukunftsplanung ist zumindest zeitweilig  in Frage gestellt, nicht selten auch die  finanzielle Grundlage. Dabei gilt alle Sorge zunächst dem Patienten, der während und nach der Behandlung selbstverständlich im Mittelpunkt steht.

Bei Angehörigen kommt dadurch leicht das Gefühl auf, mit ihren Sorgen allein gelassen zu sein. Diese und andere Auswirkungen einer Krebserkrankung auf das Umfeld des Patienten sind seit einigen Jahren zunehmend auch Thema der psychoonkologischen und sozialmedizinischen Forschung geworden. Ärzte und Pflegende nehmen Belastungen von Angehörigen und engen Freunden heute dementsprechend eher wahr und gehen - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - auch auf deren Bedürfnisse ein. Viele Angebote der Information, Beratung und Hilfe stehen heute Angehörigen ebenso offen wie den Patienten selbst. Gerade weil Angehörige oder enge Freunde eine besondere Aufgabe in der Unterstützung des Kranken haben, ist es wichtig für sie, die eigenen Kräfte nicht zu überschätzen:

  • Achten Sie darauf, wie es Ihnen geht. Nehmen Sie eigene Bedürfnisse ernst.
  • Richten Sie sich Zeiten zum „Auftanken“ ein.
  • Nehmen Sie Hilfe an, suchen Sie für sich rechtzeitig Entlastung.
  • Lassen Sie dem Patienten seine Selbstbestimmtheit, soweit möglich. Das schützt Sie ebenfalls vor Überforderung.

Auf das Gespräch vorbereiten
Broschüren und Kinderbücher helfen Eltern dabei, mit Kindern über das Thema Krebs zu sprechen.

Erkrankt ein Elternteil an Krebs, versuchen viele Paare zumindest zeitweilig, ihre Kinder vor der Wahrheit zu schützen. Dahinter steht der verständliche Wunsch, ihnen unangenehme Erlebnisse und Angst zu ersparen.

Selbst wenn die Kinder noch klein sind, sollten sich Eltern jedoch nicht darauf verlassen, dass ihnen dies auch gelingt: Tatsächlich spüren Kinder schon sehr früh, wenn sich im Zusammenleben etwas so Existentielles wie eine schwere Erkrankung ereignet. Bleiben sie dann im Unklaren oder werden mit Beschwichtigungen abgespeist, fühlen sie sich im Stich gelassen und verlieren ihr Vertrauen: Sie erleben eine Bedrohung, ohne eine Erklärung dafür zu haben. Gleichzeitig wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich aktiv mit der veränderten Situation auseinander zu setzen. Ist eine Heilung nicht möglich, können sie sich nicht von dem sterbenden Elternteil verabschieden.

Das Gespräch mit ihren Kindern müssen krebskranke Eltern oder ihre Partner jedoch nicht unvorbereitet führen. Es gibt für verschiedene Altersstufen hilfreiche Broschüren und Kinderbücher zu diesem Thema, die Kindern das Verständnis von Krankheit und die Auseinandersetzung mit dem Tod erleichtern können. Auch viele regionale Krebsberatungsstellen haben Erfahrung mit der Situation betroffener Familien und können weitere Anlaufstellen vor Ort nennen.

Ernst nehmen: Kann man mit Kindern über die Erkrankung in der Familie sprechen?

  • Informationen, Broschüren und Buchtipps sowie Links zu weiteren Angeboten bietet insbesondere „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.“: Der 1997 gegründete Verein will gezielt betroffene Kinder, Jugendliche und ihre erkrankten Eltern unterstützen, richtet sich aber auch an Verwandte, Erzieher, Lehrer und alle, die mit dem Problem konfrontiert sind. Am Telefon und per Fax ist der Verein unter 069 – 677 24 504 erreichbar. Die Internet-Adresse lautet www.hilfe-fuer-kinder-krebskranker.de.
  • Der Krebs-Kompass e.V. bietet unter seinen Forenangeboten auch eines, das sich besonders an krebskranke Eltern richtet. Sie können sich unter www.krebs-kompass.org, Stichwort "Forum" und weiter zu "spezielle Nutzergruppen“, über ihre besonderen Probleme und den Umgang mit ihren Kindern austauschen.

Wo gibt es weitere Unterstützung und Informationen?


Krebsberatungsstellen

Krebsberatungsstellen

Krebsberatungsstellen sind Anlaufstellen, die sich ausdrücklich nicht nur an Patienten, sondern auch an Angehörige und enge Freunde richten. Sie können dabei helfen, die Unterstützung des Betroffenen zu verbessern, aber auch die eigene Belastung zu verkraften.

Ambulante Psychoonkologie

Psychoonkologen

Um Betroffenen die Suche nach qualifizierten Psychoonkologen zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst gemeinsam mit zwei Fachgesellschaften eine Adressdatenbank zusammengestellt: Sie listet Therapeuten auf, die eine besondere Qualifikation erworben haben: Die psychoonkologischen Fachverbände PSO und dapo bieten seit 1994 eine berufsbegleitende Weiterbildung für die Arbeit mit Krebskranken und ihren Angehörigen an, die „Weiterbildung Psychosoziale Onkologie“ (WPO). Der erfolgreiche Abschluss wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft dokumentiert. Die Adressdatenbank ist in der Rubrik Wegweiser enthalten.
Weitere Adressen und Ansprechpartner, die Erfahrung mit der Betreuung von Krebspatienten haben, bekommen Patienten über ihre betreuenden Onkologen, über die regionalen Krebsberatungsstellen. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich außerdem an die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie e.V. wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfeorganisationen

Selbsthilfegruppen sind heute in der Regel auch Anlaufstellen für Angehörige. Im Internet bieten virtuelle Foren und Chats die Möglichkeit, in geschützten und meist auch anonymen „Räumen“ über die eigene Belastung zu sprechen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

Bücher, Broschüren

Nicht nur Krebspatienten selbst, sondern auch Angehörige haben einen Nutzen von Hintergrundinformationen über die Erkrankung: Wer mehr über die Ursachen, die Folgen und die Behandlung einer Tumorform weiß, kann die Situation eines Patienten leichter verstehen. Eine Auswahl kostenlos erhältlicher Broschüren finden Sie auch hier beim Krebsinformationsdienst. Eine Vielzahl von Büchern zum Thema Krebs richtet sich auch oder sogar ausschließlich an Angehörige von Patienten. Etwas Vorsicht bei der Auswahl im Buchhandel ist allerdings vor allem bei sehr persönlich gefärbten Erfahrungsberichten geboten: Nicht jedes vermeintliche „Patentrezept“ ist für jede Partnerschaft oder Familie geeignet; was für die eine Ehe der richtige Weg war, kann sich für die andere als nicht tragfähig erweisen.

Zum Weiterlesen



Wir beantworten Ihre Fragen: Rufen Sie uns an  |  Schreiben Sie uns eine E-Mail

Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 07.08.2007