
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Krebs betrifft nur selten einen einzelnen Menschen. Meist ändert sich
das Leben von Familienangehörigen und Freunden ebenso einschneidend wie
das des Patienten selbst. Ihre Unterstützung und Hilfe sind gefragt.
Auch sie müssen mit Belastungen fertig werden und brauchen gelegentlich
selbst Hilfe. Besonders schwer zu verkraften kann die Situation für
Kinder und Jugendliche sein, deren Eltern oder andere nahe Verwandte
erkrankt sind.
Der
Krebsinformationsdienst zeigt auf, wie man mit einer Erkrankung in der
Familie oder im Freundeskreis umgehen kann, nennt Ansprechpartner und
weist auf Informationsmaterial hin.
Die Nachricht von der Erkrankung eines Familienmitglieds oder eines
Freundes löst bei Gesunden oft ein Gefühlschaos aus: Dazu gehört Angst
vor dem, was kommen könnte, mehr oder weniger unbewusst auch eine
gewisse Wut darüber, dass plötzlich alles anders ist, vielleicht sogar
Schuldgefühle, selbst nicht betroffen zu sein – all das kann auftreten.
Hinzu
kommt nicht selten ein Gefühl von Hilflosigkeit: Man möchte nicht
untätig bleiben, kämpft als Angehöriger oder Freund aber mit den
eigenen Empfindungen und will den Patienten nicht auch noch damit
belasten. Zur Verunsicherung trägt bei, dass jeder Mensch anders
auf die Diagnose Krebs reagiert. Was von dem Patienten als sinnvolle
Unterstützung erlebt wird, kann je nach Krankheitssituation und
persönlicher Eigenart durchaus etwas ganz anderes sein als das, was
sich Freunde oder Verwandte für sich selbst vorgestellt hätten.
Die richtigen Worte in dieser Situation zu finden, richtig zu handeln und sinnvoll zu helfen, fällt entsprechend schwer. Ein Patentrezept gibt es nicht. Angehörige und Freunde müssen im Einzelfall immer wieder neu herausfinden, was gerade angesagt ist und als Unterstützung erlebt wird.
Es gibt jedoch einige Verhaltensweisen gegenüber Betroffenen, die fast
immer förderlich für die Krankheitsverarbeitung sind. Sie tragen dazu
bei, dass die Krankheit nicht zum trennenden Hindernis in der Familie
oder Freundschaft wird:
Der Umgang mit belastenden Situationen wird stark davon geprägt, wie Familienmitglieder und Freunde bisher miteinander umgegangen sind. Wo möglich, kann daher auf die Erfahrungen aus der früheren gemeinsamen Bewältigung von Krisen zurück gegriffen werden. Zuneigung und Zuwendung, Anteilnahme und Respekt lassen sich individuell und durchaus unterschiedlich zum Ausdruck bringen: in Gesprächen, aber auch mit kleinen Gesten und durch Aktivitäten. Offene Gespräche bieten allerdings die besondere Chance, Belastendes wie auch Schönes miteinander zu teilen und dadurch eine stützende Nähe herzustellen.
Die Krebserkrankung eines Partners, eines Angehörigen oder engen Freundes hat immer auch Auswirkungen auf die ganze Familie oder die Beziehung in einer Freundschaft. Vor allem in Partnerschaften müssen häufig Aufgaben neu verteilt werden, die bisher immer der Patient erledigte, und dies oft unter großem Zeitdruck. Die gemeinsame Zukunftsplanung ist zumindest zeitweilig in Frage gestellt, nicht selten auch die finanzielle Grundlage. Dabei gilt alle Sorge zunächst dem Patienten, der während und nach der Behandlung selbstverständlich im Mittelpunkt steht.
Bei Angehörigen kommt dadurch leicht das Gefühl auf, mit ihren
Sorgen allein gelassen zu sein. Diese und andere Auswirkungen einer
Krebserkrankung auf das Umfeld des Patienten sind seit einigen Jahren
zunehmend auch Thema der psychoonkologischen und sozialmedizinischen
Forschung geworden. Ärzte und Pflegende nehmen Belastungen von
Angehörigen und engen Freunden heute dementsprechend eher wahr und
gehen - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - auch auf deren Bedürfnisse ein.
Viele Angebote der Information, Beratung und Hilfe stehen heute
Angehörigen ebenso offen wie den Patienten selbst. Gerade weil Angehörige oder enge Freunde eine besondere Aufgabe in
der Unterstützung des Kranken haben, ist es wichtig für sie, die
eigenen Kräfte nicht zu überschätzen:
Erkrankt ein Elternteil an Krebs, versuchen viele Paare zumindest zeitweilig, ihre Kinder vor der Wahrheit zu schützen. Dahinter steht der verständliche Wunsch, ihnen unangenehme Erlebnisse und Angst zu ersparen.
Selbst wenn die Kinder noch klein sind, sollten sich Eltern jedoch nicht darauf verlassen, dass ihnen dies auch gelingt: Tatsächlich spüren Kinder schon sehr früh, wenn sich im Zusammenleben etwas so Existentielles wie eine schwere Erkrankung ereignet. Bleiben sie dann im Unklaren oder werden mit Beschwichtigungen abgespeist, fühlen sie sich im Stich gelassen und verlieren ihr Vertrauen: Sie erleben eine Bedrohung, ohne eine Erklärung dafür zu haben. Gleichzeitig wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich aktiv mit der veränderten Situation auseinander zu setzen. Ist eine Heilung nicht möglich, können sie sich nicht von dem sterbenden Elternteil verabschieden.
Das Gespräch mit ihren Kindern müssen krebskranke Eltern oder ihre Partner jedoch nicht unvorbereitet führen. Es gibt für verschiedene Altersstufen hilfreiche Broschüren und Kinderbücher zu diesem Thema, die Kindern das Verständnis von Krankheit und die Auseinandersetzung mit dem Tod erleichtern können. Auch viele regionale Krebsberatungsstellen haben Erfahrung mit der Situation betroffener Familien und können weitere Anlaufstellen vor Ort nennen.
Krebsberatungsstellen sind Anlaufstellen, die sich ausdrücklich nicht nur an Patienten, sondern auch an Angehörige und enge Freunde richten. Sie können dabei helfen, die Unterstützung des Betroffenen zu verbessern, aber auch die eigene Belastung zu verkraften.
Um Betroffenen die Suche nach qualifizierten Psychoonkologen zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst gemeinsam mit zwei Fachgesellschaften eine Adressdatenbank zusammengestellt: Sie listet Therapeuten auf, die eine besondere Qualifikation erworben haben: Die psychoonkologischen Fachverbände PSO und dapo bieten seit 1994 eine berufsbegleitende Weiterbildung für die Arbeit mit Krebskranken und ihren Angehörigen an, die „Weiterbildung Psychosoziale Onkologie“ (WPO). Der erfolgreiche Abschluss wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft dokumentiert. Die Adressdatenbank ist in der Rubrik Wegweiser enthalten.
Weitere Adressen und Ansprechpartner, die Erfahrung mit der Betreuung von Krebspatienten haben, bekommen Patienten über ihre betreuenden Onkologen, über die regionalen Krebsberatungsstellen. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich außerdem an die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie e.V. wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de.
Selbsthilfegruppen sind heute in der Regel auch Anlaufstellen für
Angehörige. Im Internet bieten virtuelle Foren und Chats die
Möglichkeit, in geschützten und meist auch anonymen „Räumen“ über die
eigene Belastung zu sprechen und von den Erfahrungen anderer zu
profitieren.
Nicht nur Krebspatienten selbst, sondern auch Angehörige haben einen Nutzen von Hintergrundinformationen über die Erkrankung: Wer mehr über die Ursachen, die Folgen und die Behandlung einer Tumorform weiß, kann die Situation eines Patienten leichter verstehen. Eine Auswahl kostenlos erhältlicher Broschüren finden Sie auch hier beim Krebsinformationsdienst. Eine Vielzahl von Büchern zum Thema Krebs richtet sich auch oder sogar ausschließlich an Angehörige von Patienten. Etwas Vorsicht bei der Auswahl im Buchhandel ist allerdings vor allem bei sehr persönlich gefärbten Erfahrungsberichten geboten: Nicht jedes vermeintliche „Patentrezept“ ist für jede Partnerschaft oder Familie geeignet; was für die eine Ehe der richtige Weg war, kann sich für die andere als nicht tragfähig erweisen.