Häufige Krebsarten: So können sie sich auf die Fruchtbarkeit auswirken
Bei manchen Krebspatienten wirkt sich die Tumorerkrankung selbst auf die Fruchtbarkeit aus. Bei anderen birgt die Behandlung das Risiko, später keine eigenen Kinder bekommen zu können.
Wie sieht das Risiko bei verschiedenen Tumorarten aus, etwa Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hodenkrebs, Leukämien, Lymphomen oder Darmkrebs? Der folgende Text bietet Hintergrundinformationen zu den Folgen häufigerer Tumorarten und ihrer Behandlung. Er richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige, Freunde und Interessierte.
Informationen aus dem Internet können die fachliche Beratung durch die behandelnden Ärzte allerdings nicht ersetzen: Zwar weiß man heute viel über die verschiedenen Wege, über die eine Krebserkrankung oder ihre Behandlung die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Wie das individuelle Risiko einer Frau oder eines Mannes aussieht, hängt jedoch auch von der persönlichen Krankheitssituation ab, es lässt sich anhand von Statistiken oder wissenschaftlichen Studien nur sehr bedingt abschätzen.
Letzte Aktualisierung: 08.03.2005
Inhaltsübersicht
Genutzte Quellen und Links
Ein Hinweis auf verwendete Literatur und Links findet sich in dem Text "Links, Adressen, Ansprechpartner bei Kinderwunsch nach Krebs" unter dem Stichwort "Quellen".
Brustkrebs
Jede zehnte Brustkrebspatientin ist bei der Diagnostellung jünger als 45 Jahre alt. Die Erkrankung kann, wenn auch sehr selten, bereits bei deutlich jüngeren Frauen auftreten. Dementsprechend ist bei nicht wenigen Betroffenen die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Wie sich Brustkrebs auf die Möglichkeit auswirkt, ein Kind zu bekommen, hängt weniger von der Erkrankung selbst, sondern vielmehr von der Art der Behandlung ab.
Operation und Nachbestrahlung
Operation und Nachbestrahlung bei Brust erhaltender Therapie haben keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit und stellen auch keine Gefährdung für ein späteres Kind dar. Falls nach dieser Therapie zunächst oder grundsätzlich eine Schwangerschaft nicht in Betracht kommen sollte, muss daher eine geeignete Verhütungsmethode angewendet werden.
Chemotherapie, Hormontherapie
Anders sieht es nach Chemo- und Hormontherapie aus. Gerade bei jüngeren Frauen wird heute häufig eine Kombination aus Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und/oder Hormontherapie eingesetzt. Ziel dieser Kombination ist die Senkung des Rückfallrisikos. Die Chemotherapie kann je nach Dauer, Intensität, gewählter Substanzen und Alter der Patientin den Menstruationszyklus zumindest zeitweilig und nicht selten auch dauerhaft stören. Wann dies besonders wahrscheinlich ist, lesen Sie hier. Ganz ausgeschlossen sind Schwangerschaften selbst unter Chemotherapie jedoch nicht: Auch wenn unter der Behandlung keine Monatsblutung eintritt, kann in seltenen Fällen unbemerkt ein Eisprung stattfinden. Frauen, die hier sicher gehen wollen, sollten sich entsprechend ihrer persönlichen Situation über geeignete Verhütungsmaßnahmen beraten lassen.
Die Hormontherapie bei Brustkrebs dient dazu, die von den weiblichen Geschlechtshormonen abhängigen Tumorzellen am Wachstum zu hindern. Je nach eingesetzter Substanz wird hierdurch eine Schwangerschaft meist verhindert. Wie lange dieser Effekt anhält und welche Substanzen sich wie auswirken, lesen Sie hier. Wie bei der Chemotherapie gilt jedoch auch hier: Ausgeschlossen sind Schwangerschaften nicht. Bei einigen dieser Präparate muss zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft für Empfängnisverhütung gesorgt werden.
Schwangerschaft - ein Risiko bei hormonabhängigem Brustkrebs?
Viele Brustkrebspatientinnen wissen, dass ihre Tumorzellen auf Östrogene reagiert haben. In der Schwangerschaft kommt es zu einem sehr starken Anstieg der Östrogenspiegel. Wie wirkt sich dieser Hormonschub auf das Rückfallrisiko aus? Die lange vermittelte Empfehlung, wegen der Rückfallgefahr ganz auf ein Kind zu verzichten, kann so heute nicht mehr aufrechterhalten werden. Zwar gibt es immer noch vergleichsweise wenige Daten zum Risiko. Die vorhandenen Informationen deuten jedoch nicht darauf hin, dass eine Schwangerschaft die Prognose für Brustkrebspatientinnen erkennbar verschlechtert. Experten weisen allerdings darauf hin, dass sich der Effekt der "gesunden Mütter" ablesen lässt: In den Statistiken tauchen überwiegend nur Frauen mit Geburten auf, die ihre Brustkrebserkrankung gut verkraftet haben. Ist der Verlauf ungünstig, sehen betroffene Patientinnen von vornherein von einer Schwangerschaft ab - es gibt also praktisch keine Daten über das Risiko in einer solchen Situation.
Um mehr Informationen über den Verlauf von Schwangerschaften bei Brustkrebs zu gewinnen und die Auswirkungen auf Mutter und Kind besser kennen zu lernen, hat eine deutsche Studiengruppe für die Brustkrebsbehandlung, die GBG (German Breast Cancer Group), hierzu eine Studie eingerichtet, im Internet unter www.germanbreastgroup.de/pregnancy/.
Gebärmutterhalskrebs und Krebsvorstufen am Gebärmutterhals
Bei der Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt lassen sich heute schon Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs erkennen. Diese können schon bei jungen Frauen auftreten. Der so genannte PAP-Test zeigt, ob die Zellen normal oder durch eine Entzündung verändert sind, oder ob sich verdächtige Anzeichen für eine Krebsvorstufe finden. Ist dies der Fall, hängt die Behandlung davon ab, wie tief und wie fortgeschritten diese Veränderungen sind. Von der lokalen Vereisung bis zur Entnahme des verdächtigen Gewebes reichen die Möglichkeiten.
Bei der Konisation wird der verdächtige Bezirk als kleiner Kegel aus dem Gebärmuttermund entfernt. So ist nicht nur eine genaue Untersuchung der Zellen möglich, sondern meist auch gleich die Behandlung erfolgt. In der Regel kommt noch die Ausschabung der Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut hinzu.
Treten erneut Veränderungen am Muttermund auf und besteht weiter Kinderwunsch, kann die Konisation wiederholt werden. Allerdings wird bei Rückfällen und wiederholten unklaren Befunden die Entfernung der Gebärmutter irgendwann vom Arzt angesprochen werden.
Bei fortgeschrittenen Erkrankungen, bei denen sich aus den Vorstufen bereits echte Krebszellen entwickelt und weiter ausgebreitet haben, ist gleich die Entfernung der Gebärmutter notwendig. Nur bei sehr wenigen Frauen lässt sich ein Teil des Organs erhalten, um trotz der Erkrankung doch hoch eine Schwangerschaft zu ermöglichen.
In der Regel können Frauen nach einer unkomplizierten Konisation schwanger werden und ein Kind austragen. Moderne Methoden, wie beispielsweise die Anwendung der Hochfrequenzschlinge, erlauben einen präzisen und sicheren Eingriff, um möglichst viel Gewebe der Gebärmutter zu erhalten, oft sogar dann, wenn eine Konisation wiederholt werden musste. Allerdings kann eine Konisation die mechanischen Eigenschaften des Gebärmutterhalses beeinträchtigen, der für den Verschluss der Gebärmutter verantwortlich ist. Um das Risiko einer Frühgeburt zu verhindern, raten Ärzte daher dazu, zunächst etwas abzuwarten. In der Regel kann aber eine Schwangerschaft bereits drei Monate nach einer Konisation angestrebt werden.
Hodenkrebs
Bei vielen Patienten mit Hodenkrebs liegt trotz des meist jungen Alters schon bei der Diagnosestellung eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vor. Die Behandlung durch operative Entfernung eines oder beider Hoden, die Entnahme von Lymphknoten, eine anschließende Chemotherapie mit aggressiven Substanzen reduzieren die Fähigkeit weiter, auf normalem Weg ein Kind zu zeugen, auch wenn es nicht gänzlich ausgeschlossen wird. Den Patienten wird daher meist empfohlen, Sperma einfrieren zu lassen.
Prostatakrebs
Eine Krebserkrankung der Prostata tritt überwiegend bei älteren Männern auf, bei denen die Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Aus Studien weiß man, dass allein schon das höhere Alter der meisten Betroffenen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat und diese bereits vor der Erkrankung oft schon deutlich eingeschränkt war.
Die beiden gängigen Standardtherapie, die Bestrahlung und die Operation, bei der für Erektion und Samenerguss wichtige Nerven und Blutbahnen nicht immer geschont werden können, schränken häufig die Fähigkeit ein, Kinder zu zeugen. Wird eine Hormontherapie notwendig, bringt sie die Samenproduktion zum Erliegen. Männer mit Kinderwunsch sollten sich mit ihren Ärzten beraten, ob das Einfrieren von Sperma für sie sinnvoll ist.
Leukämien und Lymphome
Leukämien und Lymphome können schon bei Kindern auftreten. Es gibt jedoch auch Formen, die eher bei Erwachsenen beobachtet oder sogar als regelrechte Alterskrankheiten bezeichnet werden. Die verschiedenen Formen wirken sich sehr unterschiedlich auf Lebensqualität, Form der Behandlung und Prognose aus. Akute Leukämien und Lymphome werden häufig mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung behandelt.
Chemotherapie und Bestrahlung
Bei einer Chemotherapie haben die Art der gegebenen Medikamente, die Dosis und die Behandlungsdauer Einfluss auf die Fruchtbarkeit (mehr dazu lesen Sie hier). Bei aggressiven Formen von Leukämien und Lymphomen müssen in der Regel auch vergleichsweise aggressive Therapieformen eingesetzt werden. Einige der chronischen Formen lassen sich sogar nur dauerhaft mit einer Hochdosistherapie heilen. Weil Eierstöcke und Hoden geschädigt werden können, müssen Erwachsene und Jugendliche mit einer deutlichen Einschränkung ihrer Fruchtbarkeit rechnen; viele Patienten verlieren die Fähigkeit ganz, ein Kind zu zeugen oder auszutragen. Junge Männer werden dahin gehend beraten, Sperma einfrieren zu lassen.
Ähnlich wirkt sich eine Bestrahlung bei Leukämien oder Lymphomen aus, die auf den ganzen Körper gerichtet ist.
Leider lässt sich kaum voraussagen, bei wem diese aggressiven Behandlungsformen sich langfristig wie auswirken. Denn eines hat sich in wissenschaftlichen Studien inzwischen doch gezeigt: Zwar sind viele Patienten nach einer Chemotherapie unfruchtbar, nach einer Hochdosistherapie sogar die meisten - aber es gibt doch auch Schwangerschaften und die Geburten gesunder Kinder.
Leukämien und Lymphome bei Kindern
Über die Auswirkungen der Therapie bei Kindern vor der Pubertät liegen bisher vergleichsweise wenige Daten vor. Bei Jungen wie Mädchen scheint in Abhängigkeit von der eingesetzten Chemotherapie, der Gesamtdosis und Bestrahlung die Fruchtbarkeit verringert zu sein, was sich unter Umständen schon durch eine verzögerte oder ausbleibende Pubertät bemerkbar machen kann. Wurde wegen eines Befalls des Gehirns eine Bestrahlung vorgenommen, scheint es häufiger Probleme mit den zentralen Steuerungshormonen für die Fruchtbarkeit zu geben. Eine Hormonuntersuchung im Alter von 13 Jahren bei Mädchen und mit 15 Jahren bei Jungen kann gegebenenfalls Auskunft darüber geben, ob eine Hormongabe zur Erlangung der Geschlechtsreife notwendig ist.
Chronische Leukämien und Lymphome
Die chronischen Verlaufsformen von Leukämien und Lymphomen bei Erwachsenen, ihre Vorstufen sowie einige seltenere Erkrankungen des blutbildenden Systems müssen je nach Stadium lange Zeit gar nicht behandelt werden. Später können Medikamente zur Erhaltungstherapie zum Einsatz kommen, darunter Interferon, so genannte Signaltransduktionshemmer oder auch Antikörper.
Bei jüngeren Frauen und bei Männern mit chronischen Formen ist die Fruchtbarkeit durch die Erkrankung an sich rein theoretisch nicht eingeschränkt. Der körperliche Zustand vieler Frauen ist jedoch häufig nicht so gut, dass normalen Monatszyklen ablaufen. Auch enthalten die Beipackzettel der Medikamente zur Erhaltungstherapie ausnahmslos den Hinweis, dass über die Anwendung der Mittel während einer Schwangerschaft keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen. Patientinnen, aber auch Patienten sollten sich über geeignete Verhütungsmaßnahmen beraten lassen.
Darmkrebs
Krebserkrankungen des Dick- oder Enddarms, die vor dem 40. Lebensjahr auftreten, sind ein Warnsignal für eine vererbbare Veranlagung. Ist in der Familie noch kein Verwandter erkrankt, kann es zwar sein, dass der Patient selbst eine zugrunde liegende Genveränderung nicht geerbt hat. Trotzdem ist es möglich, dass er sie als erster an eigene Kinder weiter gibt. Patientinnen und Patienten mit Kinderwunsch können sich daher beraten lassen, wie groß die Wahrscheinlichkeit dafür wäre und welche Früherkennungs- oder Vorbeugungsmaßnahmen heute für betroffene Familien zur Verfügung stehen.
Probleme für Männer
Männer können bei einer End- oder Mastdarmerkrankung unter Umständen nach der
Operation Probleme mit Erektion und Samenerguss haben, da die Nerven im Becken
selbst bei großer Vorsicht geschädigt werden können. Je jünger der Betroffene
ist, desto größer ist nach bisheriger Datenlage jedoch auch die
Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Störungen nach einiger Zeit zurückbilden. Bleiben diese Hindernisse für die Zeugung eines Kindes bestehen, kann der
behandelnde Arzt durch einen Spezialisten prüfen lassen, wie es um die
Spermienproduktion an sich bestellt ist. Da diese im Hoden stattfindet, verläuft
sie trotz fehlender Erektion oder eines so genannten trockenen Samenergusses bei
nicht wenigen Patienten ungestört. Unter Umständen ist es möglich, Spermien für
eine künstliche Befruchtung zu gewinnen. Eine Bestrahlung im Beckenbereich oder eine Chemotherapie können die
Fruchtbarkeit betroffener Männer ebenfalls einschränken.
Probleme für Frauen
Frauen, die wegen Dick- oder Enddarmkrebs operiert wurden, sollten mit ihren Ärzten über mögliche Probleme bei einer Schwangerschaft sprechen. Selbst ein künstlicher Darmausgang, ein Stoma, muss jedoch nicht gegen ein Kind sprechen. Hier kommt es allerdings ganz auf den persönlichen Gesundheitszustand an; auch die Verhältnisse im Bauchraum nach der Operation spielen eine Rolle. Die behandelnden Ärzte sind daher die einzigen, die eine verlässliche Auskunft geben können.
Eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie beeinträchtigen die Fruchtbarkeit betroffener Frauen. Der Monatszyklus kann gestört sein, so dass kein regelmäßiger Eisprung mehr stattfindet. Ob dieses vorzeitige Einsetzen der Wechseljahre vor allem bei und nach einer Chemotherapie umkehrbar ist, hängt stark vom Alter der Patientin ab; je jünger sie ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit. Hier spielt auch die Prognose eine entscheidende Rolle bei der Diskussion des Kinderwunsches.
Selbsthilfe liefert Erfahrungen
Für Betroffene ist die Deutsche ILCO e.V. eine gute Informationsquelle, dieVereinigung für Menschen mit einem Stoma und Menschen mit Darmkrebs, im Internet unter www.ilco.de. Auch schriftliches Informationsmaterial zum Thema Familie und Schwangerschaft mit Stoma ist erhältlich.
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an