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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Schwangere Frau © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Kinderwunsch bei und nach Krebs: Vorbeugen und behandeln

Fertilitätserhalt und Therapien zur Förderung der Fruchtbarkeit

Können Krebspatienten etwas tun, um ihre Fruchtbarkeit vor den Folgen einer Tumortherapie zu schützen? Welche Möglichkeiten gibt es, später trotz eingeschränkter Fertilität doch ein Kind zu zeugen oder schwanger zu werden? Wer trägt die Kosten, und wie riskant sind die zur Verfügung stehenden Verfahren?

Der folgende Text gibt einen allgemeinen Überblick über Möglichkeiten, die heute diskutiert werden oder bereits zur Verfügung stehen. Er kann Betroffenen die individuelle, auf ihre persönliche Situation abgestimmte Beratung durch Fachleute allerdings nicht ersetzen.

Letzte Aktualisierung: 08.03.2005

Genutzte Quellen und Links

Ein Hinweis auf verwendete Literatur und Links findet sich in dem Text "Links, Adressen, Ansprechpartner bei Kinderwunsch nach Krebs" unter dem Stichwort "Quellen".

Für Männer: Sperma einfrieren

Können die behandelnden Ärzte abschätzen, dass eine Krebsbehandlung ein Risiko für die Fruchtbarkeit darstellt, empfehlen heute die meisten Fachleute betroffenen Männern, möglichst früh ein Spermadepot einzufrieren, und überweisen dazu an geeignete Samenbanken.

 Zum Einfrieren sind mindestens eine, besser mehrere Samenproben notwendig. Sie müssen innerhalb von rund einer Stunde verarbeitet, portioniert und eingefroren werden. Dies heißt für Krebspatienten, eventuell eine Fahrt und den Besuch direkt bei der Samenbank rechtzeitig zu planen. Die Samenproben werden untersucht, ob auffällige Veränderungen festzustellen sind, da Erkrankungen wie Hodenkrebs oder manche Lymphome deutliche Auswirkungen auf Beweglichkeit und Form der Spermien haben können. Gefragt wird auch nach möglicherweise bekannten Infektionen, die die Chancen mindern, mit den Samenproben später ein Kind zu zeugen.
Trotzdem werden auch Spermien mit schlechter Qualität heute kryokonserviert, so der Fachausdruck, da sich die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung heute verbessert haben.

Künstliche Befruchtung später oft notwendig

Eine solche künstliche Befruchtung im Reagenzglas ist heute ein häufiger Weg, den Paare bei Kinderwunsch wählen. Dabei werden der Partnerin nach Hormonbehandlung Eizellen entnommen und, bei guter Spermaqualität, direkt mit aufbereitetem Samen befruchtet (In vitro-Fertilisation, IFV). Ist die Qualität nach dem Auftauen schlecht oder dies von vornherein zu erwarten, wird heute auch die Injektion einer Samenzelle direkt in eine Eizelle vorgenommen (intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion, ICSI). Weitere Verfahren werden erprobt. 

Wie lange Sperma gelagert werden kann und wie groß die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ist, hängt sehr stark von individuellen Faktoren ab und muss mit den behandelnden Ärzten geklärt werden. Wo Spermienbanken zur Verfügung stehen, kann bei den behandelnden Ärzten erfragt werden. Sie verfügen über Möglichkeiten der Kryokonservierung bei sehr tiefen Temperaturen, kodieren die Proben entsprechend, so dass keine Verwechslungen auftreten, und schließen mit den Patienten einen Vertrag ab, der Lagerzeiten und weitere Details genau regelt.

Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen und viele Privatkassen die Kosten für die Kryokonservierung nicht, ebenso steht die spätere Kostenübernahme für die Behandlung im Rahmen einer künstlichen Befruchtung mit jeder Gesetzesänderung erneut zur Debatte. Patienten sollten sich daher sowohl wegen der Einfrier- und Lagerkosten wie auch der Behandlung bei Kinderwunsch rechtzeitig mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen.

Für Frauen: Schonung von Eierstöcken und Eizellen

Vor einer Bestrahlung des Beckens besteht für einige Patientinnen mit Kinderwunsch die Möglichkeit, die Eierstöcke durch einen kleinen Eingriff aus dem Bestrahlungsfeld zu verlegen. Dies kann später rückgängig gemacht werden und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit in der Regel nicht, auch wenn ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden kann, zum Beispiel durch Durchblutungsstörungen des operierten und bestrahlten Gewebes. Wo das Bestrahlungsfeld aber so gewählt werden muss, dass auch die Gebärmutter betroffen ist, lässt sich eine Schädigung der Schleimhaut mit späterer Unfruchtbarkeit nicht ausschließen.

Bei einer Chemotherapie gibt es zum Erhalt der Fruchtbarkeit bisher nur experimentelle Ansätze. In Studien wird geprüft, ob bei jungen Mädchen und Frauen die hormonelle Ausschaltung der Ovarfunktion, eine Art künstlicher Wechseljahre, die Eierstöcke vor der Wirkung der Zytostatika schützt. Noch ist dieses Verfahren kein Standard, und Langzeitergebnisse fehlen.

Eizellen einfrieren?

Die vorbeugende Entnahme von Eizellen ist vor einer Behandlung nur selten möglich: Um Erfolg versprechend zu sein, müssten eigentlich mehrere Eizellen durch eine Hormonbehandlung erzeugt werden, was sich bei Krebs sehr oft nicht in die Praxis umsetzen lässt. Auch ist das Einfrieren von Eizellen bislang als ungünstige Methode bekannt: Anders als Samenzellen überstehen sie die tiefen Temperaturen kaum. Trotzdem wird dieses Verfahren angewendet.

Das Einfrieren von Embryonen ist in Deutschland nicht ausdrücklich erlaubt, so das Embryonenschutzgesetz von 1990 (www.gesetze-im-internet.de/eschg/index.html), da immer das Risiko besteht, dass die Mutter diese Embryonen später nicht mehr für einen Schwangerschaft nutzen wird. Nicht als Embryo gilt die Eizelle, in die bereits ein Spermium eingedrungen ist, die Erbinformation von Vater und Mutter jedoch noch nicht verschmolzen sind. Die Möglichkeit, solche Eizellen im so genannten Vorkernstadium vor Beginn einer Krebsbehandlung einfrieren zu lassen, steht für betroffene Paare in der Praxis jedoch aus Zeitgründen und aus Gründen der tatsächlichen Umsetzbarkeit unter Zeitdruck nur in den seltensten Fällen zur Verfügung.

Auch die Eizellspende, also das Erzeugen einer Schwangerschaft mit der Eizelle einer fremden Frau, ist in Deutschland nicht erlaubt.

Eierstockgewebe einfrieren

Noch weitgehend am Anfang steht die Forschung beim Einfrieren von entnommenen Eierstöcken oder Teilen davon. Aus Tierversuchen gibt es schon seit einiger Zeit Anhaltspunkte dafür, dass sich solches Gewebe später wieder rückverpflanzen lässt. Als Ziel galt allerdings eher die Aufrechterhaltung eines annähernd normalen Hormonspiegels als die Möglichkeit späterer Schwangerschaften. Bislang gibt es für Menschen nur sehr wenige Daten dazu; auch sind bislang weltweit nur wenige Geburten gesunder Kinder bekannt. In Deutschland bieten zudem nur einige hochspezialisierte Zentren mit entsprechenden Vorerfahrungen die Methode an.

Noch ist die Entnahme von Teilen der Eierstöcke aber keineswegs eine Standardbehandlung. Auch in Zukunft wird es zudem längst nicht bei jeder Patientin möglich sein, in dem oft sehr kurzen Zeitraum zwischen der Feststellung der Krebserkrankung und dem Beginn einer Therapie einen entsprechenden Eingriff vorzunehmen. Welche Risiken damit verbunden sein können, steht im Detail ebenfalls noch nicht fest.

Diagnose und Behandlung eingeschränkter Fruchtbarkeit

Ansprechpartner bei eingeschränkter Fruchtbarkeit

Frauen: Gynäkologen
Männer: Urologen mit der Zusatzbezeichnung Andrologie oder auch spezialisierte Hautärzte

Auf die Behandlung von Fertilitätsstörungen haben sich verschiedene Facharztrichtungen spezialisiert. Für Frauen ist der Gynäkologe der erste Ansprechpartner. Er kann viele Untersuchungen vornehmen, erste Behandlungen einleiten und überweist bei Bedarf an Kollegen, die weitere Maßnahmen planen. Männer wenden sich an Urologen, die die Zusatzbezeichnung Andrologie führen oder auch spezialisierte Hautärzte. In so genannten Kinderwunsch-Sprechstunden an größeren Kliniken und Zentren arbeiten entsprechende Fachleute zusammen, an die die niedergelassenen Ärzte bei Bedarf auch überweisen können.

Untersuchung

Für Frauen wie Männer stehen ein Gespräch über die momentane Situation, eine körperliche Untersuchung und die Sichtung möglichst vieler Befunde über die Krebsbehandlung und den allgemeinen körperlichen Zustand am Anfang. Aus einer Blutprobe lassen sich die Hormonspiegel bestimmen. Bei Männern gibt die Analyse einer Spermaprobe erste Aufschlüsse. Weitere Untersuchungen hängen dann vom individuellen Befund ab.

Gibt es keine direkten Anhaltspunkte für eine Unfruchtbarkeit, zum Beispiel eine ausbleibende Regelblutung oder das Fehlen eines normalen Samenergusses, ist es sinnvoll, auch die Partner und Partnerinnen von Patienten in entsprechende Untersuchungen einzubinden. Vor allem Paare über dreißig müssen davon ausgehen, dass ein unerfüllter Kinderwunsch jeden treffen kann, völlig unabhängig von einer voraus gegangenen Erkrankung. Auch betreffen viele der Methoden, mit etwas Unterstützung zum eigenen Kind zu gelangen, von vornherein beide Partner.

Behandlungsmöglichkeiten

Rein theoretisch steht Krebspatienten und ihren Partnern die gesamte Palette der heute verfügbaren Fertilitätsbehandlung zur Verfügung. In der Praxis sind viele der Einschränkungen der Fruchtbarkeit jedoch kaum durch Behandlung aufzufangen. Auch stellen viele Maßnahmen in sich bei manchen vorangegangenen Krebserkrankungen wiederum ein Risiko dar. Sind Eierstöcke oder Gebärmutter dauerhaft geschädigt, haben Frauen schlechte Aussichten, schwanger zu werden und ein Kind auszutragen. Ob zum Beispiel eine Hormonbehandlung hilft oder nicht sogar schadet, muss im Einzelfall mit Spezialisten dafür wie mit den behandelnden Krebsärzten besprochen werden. Auch für eine künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs, eine In-Vitro-Fertilisation (IFV), ist meist eine solche Hormonstimulation Voraussetzung. Über das Risiko, das Krebspatientinnen daraus erwachsen kann, muss im Einzelfall gesprochen werden. Bisher gibt es allerdings kaum klinische Daten dazu.

Bei Männern hilft bei schlechter Samenqualität oder Schwierigkeiten bei der Samenproduktion unter Umständen eine künstliche Befruchtung. Sie stellt jedoch die Partnerin vor die Notwendigkeit, sich selbst einer mehr oder weniger aufwändigen Behandlung unterziehen zu müssen, bis hin zur Hormontherapie oder sogar der Entnahme von Eizellen durch einen kleinen Eingriff und den Transfer von außerhalb des Körpers gezeugten Embryonen (In-Vitro-Fertilisation, IFV, oder intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion, ICSI).

Psychische Belastung

Da die Fertilitätsbehandlung auch bei Gesunden eine große psychische Belastung darstellen kann, arbeiten in den darauf spezialisierten Zentren in der Regel auch Ansprechpartner, die besonders im Umgang mit der Bewältigung einer solchen Situation geschult sind.

Unfruchtbarkeit bei an Krebs erkrankten Kindern

Krebs bei Kindern und Jugendlichen kann die Aussicht auf spätere eigene Kinder drastisch einschränken. Für Mädchen und Jungen in der fortgeschrittenen Pubertät gelten im Großen und Ganzen die gleichen Untersuchungsmöglichkeiten wie für Erwachsene. Fachleute empfehlen aus psychologischen Gründen, bereits Jugendliche entsprechend zu beraten und sie nicht in Unwissenheit oder Unsicherheit über ihre Möglichkeiten zu lassen.

Ist die Behandlung vor oder zu Beginn der Pubertät erfolgt, achten behandelnde Ärzte besonders auf den rechtzeitigen und ungestörten Eintritt der Geschlechtsreife, um die betroffenen Kinder bei Bedarf mit Hormonen behandeln zu können. Bei Mädchen gilt das Alter von 13 Jahren als Zeitpunkt, zu dem bei Bedarf eine Untersuchung des Hormonspiegels stattfinden sollte. Bei Jungen kann man ein weiteres Jahr warten, sollte dann aber, wenn die Pubertät ausbleibt, entsprechende Maßnahmen ergreifen, auch um das Kind vor ungünstigen psychischen Folgen zu schützen.