Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Haarausfall: Mit Geduld auf Wachstum warten

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Einige der wichtigsten Therapiemethoden gegen Krebs haben Auswirkungen auf Haut und Haare. Vielen Patientinnen und Patienten macht das zu schaffen - auch wenn die Nebenwirkungen nur vorübergehend sind.
In diesem Teilkapitel führt der Krebsinformationsdienst auf, welche Behandlungsformen Auswirkungen auf die Haare haben. Betroffene, Angehörige und Interessierte erhalten hierzu Antworten auf alltägliche Fragen, wie etwa: Wer bezahlt eine Perücke? Gibt es Methoden, um Haarausfall aufzuhalten? Soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, sind die Quellen der Informationen ausdrücklich angegeben, und, wenn möglich, direkt verlinkt. Der Text ist Teil umfassender Informationen zum Umgang mit den Nebenwirkungen von Krebstherapien.

Chemotherapie: Häufige Ursache für Haarausfall

Am bekanntesten ist der Haarausfall durch einige Formen der Chemotherapie. Viele der in der Chemotherapie eingesetzten Medikamente, sogenannte Zytostatika, wirken besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende Zellen. Deshalb schädigen sie Haarwurzelzellen, Hautzellen, Schleimhautzellen und Blutzellen (mehr zu Nebenwirkungen der Chemotherapie hier).

Haarausfall
Nicht allen Krebspatienten, die mit Chemotherapie-Medikamenten behandelt werden, fallen die Haare aus. Ob es dazu kommt, hängt unter anderem davon ab, welches Medikament in welcher Dosis verabreicht wird.

Normalerweise wachsen Haare um etwa einen drittel Millimeter am Tag. Etwa 85 Prozent aller Zellen an der Haarwurzel sind ständig in der empfindlichen Teilungsphase. Greifen bestimmte Zytostatika - nicht alle wirken auf die Haare - in diesen Zyklus ein, beginnt etwa zwei bis vier Wochen später ein mehr oder weniger starker Haarausfall von der Wurzel her. Gelegentlich brechen geschädigte Haare auch dicht über der Kopfhaut ab. Bei niedrig dosierter Chemotherapie kann sich der Haarausfall auch langsamer und weniger stark einstellen. Richtig sichtbar für Außenstehende ist erst der Verlust von mehr als der Hälfte der Kopfbehaarung. Ob das Kopfhaar gar nicht, schwach oder völlig ausfällt und ob auch Augenbrauen, Wimpern und Körperbehaarung betroffen sind, hängt von der Art der Arzneimittel, ihrer Dosis und der Veranlagung der Patienten ab: Was auf sie zukommen kann, erfahren Betroffene vor der Behandlung von ihren Ärzten.

Haarwurzeln: Sie erholen sich

Nach der Behandlung
Falls während der Chemotherapie die Haare ausgefallen sind, wachsen sie nach, sobald die Behandlung vorbei ist.

Alle ausgefallenen Haare fangen mehr oder weniger sofort wieder an nachzuwachsen, wenn die Zytostatika im Körper abgebaut sind. Etwa drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind die Kopfhaare dann meist schon wieder so lang, dass Männer und die meisten Frauen ohne Perücke auskommen. Körperhaare benötigen etwas länger zum Nachwachsen.
Viele Betroffene berichten, dass nach einer Chemotherapie das Haar eine Zeit lang anders, manchmal sogar ein bisschen gelockt aussieht. Dies ist ein letztes Zeichen für die vorübergehende Schädigung der Haarwurzeln. Trotzdem ist schon mit Ende der Therapie eine Pflege wie vorher möglich. Auch ein Haarschnitt, eine Dauerwelle oder Färben ist wieder erlaubt.
Ernsthafte oder dauerhafte Schäden durch Zytostatika an den Haaren erleben nur sehr wenige Patienten. Ganz ausgeschlossen ist ein dauerhafter Haarverlust jedoch nicht. Fachleute berichten von einzelnen Betroffenen, bei denen insbesondere nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarkstransplantation die Haare nicht wieder nachwuchsen.

Perücken auf Kosten der Versicherung?

Tipp für Patientinnen
Die Versorgung mit einer gut passenden Perücke sollte möglichst schon vor Behandlungsbeginn gesichert sein.

Ist eine Chemotherapie geplant, bei der es erfahrungsgemäß häufig zu Haarverlust kommt, können sich Frauen bereits vor Beginn des Krankenhausaufenthaltes eine Perücke verordnen lassen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten oder zahlen zumindest einen Zuschuss. Voraussetzung ist, dass ein Arzt den Haarersatz verschreibt. In welchem Umfang sich Krankenkassen beteiligen, ist unterschiedlich. Bevor sich Patientinnen eine Perücke kaufen, sollten sie deshalb bei ihrer Krankenkasse nachfragen, bis zu welcher Höhe die Kosten übernommen werden. Bei privat versicherten Frauen hängt es vom gewählten Beitragstarif ab, welche Regelungen gelten.

Etwas unklar ist zurzeit die Situation von Männern mit chemotherapiebedingtem Haarausfall: Nicht alle Krankenversicherungen finanzieren in diesem Fall eine Perücke - altersbedingt sei Haarausfall bei Männern normal und daher krankheitsbedingt auch bei jüngeren Männern kurzfristig akzeptabel. Im Einzelfall hilft hier nur die Klärung bei der jeweiligen Kasse weiter.

Ob sich Frauen für eine pflegeleichte Kunsthaarperücke oder eine empfindlichere Echthaarperücke entscheiden, hängt unter anderem von den erstatteten Kosten ab. Zudem sollten Betroffene eine Perücke vor dem Kauf im Spezialgeschäft ausprobieren. Vom Aussehen und vom Tragekomfort her ist Kunsthaar nicht von Echthaar zu unterscheiden. Wichtig: Jede Perückenart muss genau angepasst, vom Friseur geschnitten, eventuell gefärbt und nachfrisiert werden, um natürlich zu wirken. Beim letzten Friseurbesuch vor Beginn der Chemotherapie kann das eigene Haar kürzer geschnitten werden, um den Übergang zum Nachwachsen unauffälliger zu gestalten.

Viele Männer und auch Frauen entscheiden sich heute dafür, den Haarverlust nicht immer und überall mit einer Perücke zu kaschieren. Tücher, Mützen und sogar Bemalungen des Kopfes sind nicht nur bei jungen Patienten beliebt. "Oben ohne" ist zwar gewöhnungsbedürftig, zumindest im privaten Umfeld aber einen Versuch wert. Im Sommer sollte ein haarloser Schädel gut vor der Sonne geschützt und die Haut in die normale Körperpflege mit einbezogen werden.
Mehr Kummer machen ausgefallene Augenbrauen und Wimpern, da sie den Gesichtsausdruck verändern können. Hier helfen ein Schminkpinsel, ein Brauenstift oder Augenbrauenpuder - nicht nur bei Frauen.

Vorbeugung von Haarausfall: Wirkung nicht gesichert

Was hilft gegen Haarausfall?
Angeblich können bestimmte Methoden Haarausfall bei Chemotherapie vorbeugen. Die Wirksamkeit ist oft nicht bewiesen, oder es sind Nebenwirkungen zu befürchten.

Kann man den Haarverlust durch eine Chemotherapie vermeiden? Einige Möglichkeiten sind immerhin auch in Kliniken getestet worden und stehen Patienten auf Anfrage zur Verfügung. Nur: Wirklich überzeugende Ergebnisse hat keine dieser Methoden gebracht, und nicht alle sind nebenwirkungsfrei.

Dazu gehören die sogenannten Kühlhauben oder Kältehauben: Durch Unterkühlung der Kopfhaut soll während der Chemotherapiegabe die Durchblutung verringert werden. So sollen weniger Zytostatika die empfindlichen Haarwurzeln erreichen. In einigen Studien war bei Patienten, die mit dieser Methode behandelt wurden, der Haarausfall weniger ausgeprägt als bei anderen Betroffenen. Experten geben aber zu bedenken, dass die meisten Untersuchungen zum Thema nicht von guter Qualität waren. Darüber hinaus besteht - zumindest theoretisch - das Risiko, dass diese Behandlung die Entstehung von Kopfhautmetastasen begünstigt. Schließlich ist die Dosis und damit auch die Wirkung der Chemotherapiemedikamente im Umfeld der Kältehauben geringer, mehr zu den Quellen hier.
Einige Shampoos und Kurspülungen sollen angeblich den Haarausfall verzögern. Sie haben jedoch keine Anerkennung als Medikament und müssen wie normale Körperpflegemittel bezahlt werden. Eine Wirksamkeit ist nicht belegt.
Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob es Möglichkeiten gibt, den Haarausfall medikamentös zu verhindern. Entsprechende Ansätze versuchen auf verschiedenen Wegen, die Haarwurzelzellen zu schützen. Ob dies gelingt, ist noch nicht abzusehen. Bisherige Ergebnisse stammen meist aus Tierversuchen und sind nicht ohne weiteres auf Menschen übertragbar.

Haarausfall durch Bestrahlung: Selten, aber schwer beeinflussbar

Auch durch eine Strahlentherapie des Kopfes können Haarwurzeln geschädigt werden. Eine Strahlentherapie gegen einen Tumor in einer anderen Körperregion beeinflusst die Kopfhaare dagegen nicht. So müssen zum Beispiel Brustkrebspatientinnen bei der Bestrahlung der Brust keine Auswirkungen auf ihre Kopfhaare fürchten, eventuell aber auf die Achselhaare.
Ob die Haare ausfallen, wann und wie stark, hängt nur von der Strahlendosis ab, die direkt auf die Haarwurzel auftrifft. Bei Kopfbestrahlungen trifft die höchste Strahlendosis den Tumor im Kopfinnerinnen punktgenau. Meist sind die Haarwurzeln selbst bei hohen Strahlendosen deutlich geringer belastet als das Zielgebiet, der Tumor.
Falls die Haare doch ausfallen, müssen sich Patienten länger als nach einer Chemotherapie gedulden, bis ein erster Flaum wieder sichtbar wird. Aber auch nach einer Bestrahlung erholen sich die meisten Haarwurzeln wieder.

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Wenn ein Tumor im Gehirn durch eine Bestrahlung vollständig geheilt werden soll, sind bei manchen Patienten allerdings so hohe Strahlendosen notwendig, dass das Haar auf Dauer schütterer als vorher bleibt. Patienten, bei denen eine Hirnbestrahlung vorgesehen ist, sollten ihre Ärzte auf die möglichen Folgen für den Haarwuchs ansprechen und um die Versorgung mit einer Perücke bitten, falls ein vorübergehender oder längerfristiger Haarausfall von den Medizinern für möglich gehalten wird.

Moderne Verfahren: Haarveränderungen bilden sich zurück

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Moderne Krebstherapien richten sich gegen bestimmte Merkmale an oder auf Krebszellen. Im Vergleich etwa zur Chemotherapie wirken diese Verfahren zielgerichteter, man spricht deshalb auch von zielgerichteten Therapien oder nach dem englischen Wort für Ziel, "target", auch von "targeted therapies". In der Theorie haben die entsprechenden Medikamente deshalb weniger Nebenwirkungen. In der Praxis werden zielgerichtete Verfahren aber oft mit einer Chemotherapie kombiniert. Dann sind Nebenwirkungen möglich, wie sie auch sonst durch Zytostatika auftreten.

Darüber hinaus haben auch die modernen Wirkstoffe Nebenwirkungen. Diese betreffen zwar vorwiegend die Haut, die Haare können jedoch ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Merkmale, gegen die sich die Medikamente richten, finden sich nicht immer nur bei Krebszellen, sondern teilweise auch bei gesunden Zellen, darunter auch Haut- oder Haarwurzelzellen. Einige Krebspatienten berichten, dass sich ihre Haare während der Behandlung verändern, andere sind auch von Haarausfall betroffen.

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Haarveränderungen sind, sofern sie überhaupt auftreten, erst nach mehreren Monaten Therapie zu beobachten. Ob, und wenn ja, welche Auswirkungen auftreten, hängt auch vom Wirkstoff ab. Sogenannte EGFR-Hemmer unterscheiden sich hier von Multikinase-Hemmern.

EGFR-Hemmer: So können sich die Haare verändern

Die Abkürzung EGFR steht für "Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor", englisch "Epidermal-Growth-Factor-Receptor". Dieses Eiweiß (Protein) tritt auf bestimmten Tumorzellen vermehrt auf. Es ist wichtig, um Wachstumssignale von außen in die Zellen weiterzuleiten. Als Folge teilen sich die Krebszellen. EGFR-Hemmer sollen das Tumorwachstum aufhalten, indem sie diese Weitergabe von Informationen unterbinden.

Viele Patienten, die mit EGFR-Hemmern behandelt werden, bemerken keine Veränderungen ihrer Haare. Genaue Angaben, wie häufig entsprechende Nebenwirkungen sind, gibt es noch nicht. Amerikanische Fachleute schätzen, dass fünf bis sechs von 100 Patienten betroffen sind. Bei ihnen können auftreten:

  • Brüchiges oder dünnes Haar, Entwicklung von Locken
  • (teilweiser) Ausfall der Haare im Stirnbereich
  • Rückgang des Bartwuchses
  • Augenbrauen und Wimpern wachsen dichter und/oder länger

Tyrosinkinasehemmer und Multikinasehemmer: So können sich die Haare verändern

EGFR-Hemmer verhindern, dass Wachstumssignale überhaupt in Krebszellen gelangen. Tyrosinkinasehemmer setzen an einem anderen Punkt an: Sie blockieren die Wachstumssignale innerhalb der Zellen. Sogenannte Multikinasehemmer sind sogar in der Lage, die Signalübertragung in einer Tumorzelle an verschiedenen Stellen zu stören.

Auch hier sind Veränderungen der Haare möglich, auch wenn sie längst nicht bei allen Patienten auftreten:

  • Veränderung der Haarfarbe
  • (teilweiser) Haarausfall

Kommt es durch die Behandlung mit "targeted therapies" zu Haarveränderungen, lassen sich diese nicht beeinflussen. Sie bilden sich aber zurück, nachdem die Medikamente abgesetzt sind. Nur selten sind sie so belastend, dass die Behandlung unterbrochen werden müsste.


Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise

Ein Fachbuch zum Thema hält die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft im Internet bereit: Link H, Bokemeyer C, Feyer P (Hrsg.) (2006). Supportivtherapie bei malignen Erkrankungen. Zugänglich auf www.onkosupport.de unter der Rubrik "Supportivtherapie". Kapitel 1.2 befasst sich mit den Nebenwirkungen von Zytostatika an Schleimhäuten, Haut und Hautanhangsgebilden.

Fachartikel zur Vorbeugung von Haarausfall bei Chemotherapie: Wang J, Lu Z, Au JLS (2006). Protection Against Chemotherapy-Induced Alopecia. Pharmaceutical Research 11: 2505-2514. doi: 10.1007/s11095-006-9105-3

Können Kühlhauben Haarausfall bei Chemotherapie verhindern? Grevelman EG, Breed WPM (2005). Prevention of chemotherapy-induced hair loss by scalp cooling. Annals of Oncology 16: 352-358. doi:10.1093/annonc/mdi088. Der Volltext ist im Internet frei zugänglich: http://annonc.oxfordjournals.org/content/16/3/352.full.pdf+html

Fachartikel zu dauerhaftem Haarausfall bei Krebspatienten: Tallon B, Blanchard E, Goldberg LJ (2010). Permanent chemotherapy-induced alopecia: Case report and review of the literature. Journal of the American Academy of Dermatology 63: 333-36. doi: 10.1016/j.jaad.2009.06.063

Fachartikel zu Haut- und Haarveränderungen bei bestimmten "targeted therapies": Lynch TJ, Kim ES, Eaby B, Garey J, West DP, Lacouture ME (2007). Epidermal Growth Factor Receptor Inhibitor-Associated Cutaneous Toxicities. An Evolving Paradigm in Clinical Management. The Oncologist 12: 610-621. doi: 10.1634/theoncologist.12-5-610

Informationen zu Wirkstoffen von Medikamenten können angemeldete Nutzer im Internet unter www.fachinfo.de einsehen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bietet auf www.ema.europa.eu ebenfalls Hinweise zur Wirkung von Medikamenten an, Standardsprache ist Englisch, teilweise finden sich auch deutschsprachige Übersetzungen. Entsprechende Texte finden sich unter der Rubrik "Find medicine", Stichwort "Human medicines" und weiter zu "European Public Assessment Reports".



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 14.07.2010