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Bis heute sind die Mechanismen, die zur Bildung eines malignen Aszites führen, noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt.
Als gesichert gilt, dass mehrere Faktoren an der Entstehung dieses Symptoms beteiligt sind. Bei einer Tumorerkrankung ist meistens eine Peritonealkarzinose für die Entstehung des Aszites verantwortlich, der Befall des Bauchfells mit Tumorzellen. Ist die Leber von einem Tumor betroffen oder haben sich Metastasen anderer Organtumoren in der Leber gebildet, können Stoffwechselstörungen dazu beitragen, dass sich Wasser in der Bauchhöhle ansammelt. Auch die Durchblutung über die Pfortader kann bei Krebspatienten krankhaft verändert sein. Diese Vene sorgt für den Blutabfluss aus den Verdauungsorganen zur Leber. Ist sie durch Lebertumoren oder eine Geschwulst im oberen Bauchraum eingeengt, erhöht sich der Druck, was den Flüssigkeitshaushalt der Gewebe des Bauchraums ebenfalls stört.
Für einen malignen Aszites sind meistens die bei einer Peritonealkarzinose eingewanderten Tumorzellen verantwortlich: Sie blockieren durch ihre Lage die im Bauchfell sitzenden Lymphabflüsse und verhindern so den Abtransport von Flüssigkeit. Zudem produzieren die Krebszellen den so genannten vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF, engl.: Vascular Endothelial Growth Factor): Dieses Protein regt die Neubildung von Blutgefäßen an, um das Tumorgewebe mit Nahrung zu versorgen, und erhöht zugleich die Durchlässigkeit von Blutgefäßen. Durch die erweiterten Gefäße des Bauchfells fließt verstärkt Flüssigkeit, in die Bauchhöhle ein, aber auch das Bluteiweiß Serumalbumin. Als Folge bildet sich Aszitesflüssigkeit mit einem vergleichsweise hohen Proteingehalt.
Ist Aszites die Folge einer Peritonealkarzinose, sprechen Fachleute von einem peripheren Aszites.
Seltener als eine Peritonealkarzinose fördert auch ein Tumorbefall der Leber die Bildung eines malignen Aszites. Ist die Leber von vielen Metastasen befallen, kann es zu einer portalen Hypertension kommen: Damit meinen Fachleute einen erhöhten Druck in der Leberpfortader, einer Verbindungsvene, die das Blut aus den Bauchorganen wie Magen Darm, Milz und Bauchspeicheldrüse sammelt und der Leber zuführt.
Ist der Blutfluss durch diese Pfortader gestört, kommt es zu einem Blutrückstau vor der Leber und damit zu einem erhöhten Blutdruck in der Ader selbst. Da der Druck im Gewebe außerhalb des Blutgefäßes niedriger ist, wird Flüssigkeit durch die Aderwände hindurch aus dem Blut in den Bauchraum gedrückt; so kann sich Bauchwasser bilden.
Bei dieser Form von Aszites verstärken körpereigene Regulationsmechanismen das Problem noch, anstatt es zu beheben: In den Blutgefäßen hinter der blockierten und gestauten Pfortader sinkt der Blutdruck stark ab. Um den Kreislauf zu stabilisieren, reagiert der Körper mit Gegenmaßnahmen: Die Blutgefäße verengen sich, und hormonelle Mechanismen, das so genannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, werden aktiviert. Sie führen dazu, dass die Nieren Salze und Wasser nicht mehr ausscheiden, sondern im Körper zurückhalten. Das zurückgehaltene Wasser trägt wiederum zu einem höheren Flüssigkeitsvolumen in den Blutgefäßen bei und erhöht den Druck noch weiter: Als Folge wird noch mehr Wasser in den Bauchraum abgesondert, und der Aszites verstärkt sich. Im Zusammenhang mit einer portalen Hypertension sprechen Fachleute auch von einem zentralen Aszites.
Lebermetastasen oder primäre Leberzellkarzinome können zudem die Funktion der Leber beeinträchtigen: So ist beispielsweise oft die Albuminproduktion gestört, wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet. Das Blutprotein Albumin dient unter anderem dazu, im Blut Wasser zu binden, um dessen Austritt aus den Adern in die Zellzwischenräume und ins Gewebe zu verhindern. Kann kein oder nur wenig Albumin gebildet werden, Fachleute sprechen dann von einer Hypalbuminämie, drückt Wasser aus den Blutgefäßen in die Bauchhöhle und/oder ins Gewebe und führt zu Aszites oder auch Lymphödemen.
Bei einem Teil der Patienten mit malignem Aszites drückt der Tumor auf den Hauptlymphabflussweg der Bauchhöhle, der Beckenhöhle und der Beine. In der Fachsprache wird dieser als "Ductus thoracicus" bezeichnet. Da über diesen Weg auch die aus dem Darm aufgenommenen Fette mit abtransportiert werden, ist die Lymphflüssigkeit milchig-trüb (chylös). Blockiert ein Tumor diesen "Ductus thoracicus", tritt die Lymphe aus den Lymphgefäßen aus und sammelt sich in der Bauchhöhle als so genannter chylöser Aszites an.
Auch wenn der aufgetriebene Leib für betroffene Patienten belastend ist, so sind die durch Aszites verursachten Probleme wie Druck auf die Organe oder verminderte Albuminsynthese selbst nicht unmittelbar lebensgefährlich.
Ernst kann die Lage jedoch werden, wenn sich Darmbakterien in der Bauchflüssigkeit ansiedeln und zu einer Bauchfellentzündung führen, einer so genannten spontanen bakteriellen Peritonitis. Anzeichen einer Peritonitis bei Patienten mit Aszites sind Fieber und/oder Bauchschmerzen. Unbehandelt ist diese Infektion lebensbedrohlich. Betroffene mit Aszites sollten sich daher bei entsprechenden Symptomen frühzeitig an einen Arzt wenden, um eine mögliche bakterielle Entzündung abklären zu lassen. So kann bei Bedarf rechtzeitig eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet werden. Um die Bakterien in der Bauchflüssigkeit sicher nachzuweisen, wird eine Probe untersucht.